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01-02 | 2018

Management Neue

Management Neue Anforderungen für EMAS-registrierte Organisationen Bild: Nicolas Herrbach Bedingt durch die im September 2017 in Kraft getretene Verordnung zur Änderung der Anhänge I, II und III der EMAS-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 2017/1505) gelten für EMAS-registrierte Organisationen unterdessen neue systembezogene Anforderungen an das betriebliche Umweltmanagement, die zur Aufrechterhaltung der EMAS-Registrierung zeitnah in das bestehende Umweltmanagementsystem implementiert werden müssen. EMAS-registrierte Organisationen haben sich freiwillig zu einer jährlichen Verbesserung der Umweltleistung ihrer Organisation verpflichtet und sind an die Vorgaben der EMAS- Verordnung ((EG) Nr. 1221/2009) gebunden. Wesentlicher Bestandteil von EMAS sind insbesondere die Anforderungen der internationalen Umweltmanagementnorm DIN EN ISO 14001. Infolge der Revision der DIN EN ISO 14001 im Jahre 2015 und damit einhergehenden neuen Anforderungen hat die Europäische Kommission nunmehr auch Teile der EMAS-Verordnung (Anhänge I bis III) überarbeitet, um die Kompatibilität der beiden Managementsysteme auch weiterhin sicherstellen zu können. So wurden im Interesse der Kohärenz neue einschlägige Bestimmungen der ISO 14001:2015 in die Anhänge der EMAS-Verordnung aufgenommen. Die geänderten Anhänge I bis III wurden am 29.08.2017 im Amtsblatt der Europäischen Union (ABl. Nr. L 222/1) veröffentlicht und sind zum 18.09.2017 in Kraft getreten. Die Veröffentlichung des überarbeiteten Anhangs IV der EMAS-Verordnung, der die Anforderungen an die Umwelterklärung umfasst, steht derzeit noch aus. Infolge der Änderung der Anhänge I bis III der EMAS-Verordnung ergibt sich für EMAS-Organisationen nunmehr ein konkreter Handlungsbedarf. Als Stichtag für die Einbindung der neuen Anforderungen in das bestehende Umweltmanagementsystem wurde seitens der Europäischen Kommission der 14.09.2018 ausgewählt. Dieser gilt auch als Stichtag für die Umstellung von Umweltmanagementsystemen nach ISO 14001:2004 auf die neue ISO 14001:2015. Das bedeutet, dass sowohl Zertifizierungen nach ISO 14001:2004 als auch EMAS-Registrierungen, die sich auf die 46 UmweltMagazin Januar - Februar 2018

Management ISO 14001:2004 stützen, zum 14.09.2018 ihre Gültigkeit verlieren. Demnach sind sowohl EMAS-Organisationen als auch Organisationen, die ein Umweltmanagementsystem nach ISO 14001:2004 betreiben, dazu angehalten, die neuen Anforderungen der EMAS-Verordnung beziehungsweise der ISO 14001:2015 zeitnah in ihr bestehendes Umweltmanagementsystem zu integrieren. Konkret beinhaltet die Änderungsverordnung ((EU) Nr. 2017/1505) fünf neue wesentliche Anforderungen an das Umweltmanagementsystem, die von den Organisationen bei der Ausrichtung ihres Systems zukünftig zu beachten sind: Bestimmung des Kontextes der Organisation Um den Anforderungen der EMAS- Verordnung Rechnung zu tragen, sind die für die Organisation strategisch relevanten internen und externen Themen zu bestimmen, mit denen sie sich im Rahmen ihres Umweltmanagementsystems auseinandersetzen muss. Viele dieser Themen können einen konkreten Einfluss auf die Ausgestaltung sowie den Erfolg des betrieblichen Umweltmanagementsystems haben und sind daher für die Organisationen von besonderer Bedeutung. Einen Anhaltspunkt für interne und externe Themen, die für die Organisationen relevant sein können, bieten die Ausführungen in Anhang I Nr. 1 der EMAS- Verordnung sowie im Detail auch die in Anhang A 4.1 der ISO 14001:2015 genannten Themenfelder wie zum Beispiel Umweltzustände; externe, politische, gesetzliche, behördliche oder wirtschaftliche Umstände oder strategische Ausrichtungen. Erfassung interessierter Parteien – Erfordernisse und Erwartungen Die Änderungsfassung der EMAS-Verordnung fordert neben der Analyse des Kontextes der Organisation darüber hinaus auch die Bestimmung der interessierten Parteien der Organisation (Anspruchsgruppen oder Stakeholder) und deren Erfordernisse und Erwartungen. Bei der Ermittlung der interessierten Parteien sind sowohl die internen interessierten Parteien wie Beschäftigte oder Betriebsrat als auch die externen interessierten Parteien wie Behörden, Kunden oder Nachbarschaft zu berücksichtigen. Betrachtung des Lebenswegs der Produkte und Dienstleistungen Zukünftig sind im Rahmen von EMAS auch die Akteure und Lebenswegabschnitte im Rahmen der Umweltaspektebewertung und der betrieblichen Planung und Steuerung näher zu betrachten, die die Organisation direkt oder indirekt beeinflussen kann. Zum Lebensweg eines Produktes oder einer Dienstleistung zählen insbesondere die Rohstoffgewinnung, die Entwicklung, die Beschaffung, die Produktion, der Transport, die Nutzung und die Beseitigung von Produkten und Dienstleistungen. Es sind hierbei auch diejenigen Prozesse zu berücksichtigen, die von der Organisation ausgelagert wurden und in deren Auftrag von Dritten erledigt werden. Risiken und Chancen Um die neuen Anforderungen von EMAS in das bestehende Umweltmanagementsystem einzubinden, ist zukünftig eine Risiken- und Chancen-Analyse durchzuführen. Risiken und Chancen sind insbesondere in Zusammenhang mit den relevanten Umweltaspekten, den bindenden Verpflichtungen, den umweltrelevanten Prozessen, dem Kontext der Organisation und den Interessierten Parteien zu ermitteln. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sind systematisch zu erfassen, zu dokumentieren und bei der Maßnahmenplanung angemessen zu berücksichtigen. Ziel der Risiken- und Chancen-Analyse ist es, potenziell nachteilige Auswirkungen auf das Umweltmanagement frühzeitig erkennen und durch die Einleitung von spezifischen Gegenmaßnahmen oder Vorbeugemaßnahmen vermeiden zu können. Darüber hinaus sollen auch Bild: www.emas.de Auswirkungen, die sich positiv auf das Umweltmanagementsystem und die Umweltleistung der Organisation auswirken können, zuverlässig erkannt und deren Potenziale effektiv genutzt werden. Stärkere Integration des Umweltmanagements Grundsätzlich ist die oberste Leitung einer EMAS-Organisation verpflichtet, eine Führungsfunktion im Umweltmanagement wahrzunehmen und die Prozesse zur fortlaufenden Verbesserung der Umweltleistung zu unterstützen – zum Beispiel Bereitstellung der personellen und finanziellen Ressourcen. Die Rechenschaftspflicht für die Wirksamkeit des Umweltmanagements ist von der obersten Leitung zu übernehmen. Durch eine stärkere Integration des Umweltmanagements in die Geschäftsprozesse soll das Ansehen und die Wirksamkeit des Umweltmanagementsystems in der Organisation und dessen Sichtbarkeit nachhaltig verbessert werden. Zur stärkeren Integration des Umweltmanagements kann die oberste Leitung ihre Führungskräfte beispielsweise gezielt in den Umweltteams der Organisation einsetzen, sodass diese aktiv bei der Bewertung der Umweltaspekte und der Planung langfristiger Umweltziele mitwirken können. Als Umsetzungshilfe für die Implementierung der neuen EMAS-Anforderungen in das bestehende Umweltmanagementsystem steht für EMAS-Organisationen derzeit lediglich die Broschüre „EMAS Novelle 2017 – Die Änderungen im Überblick“ (veröffentlicht am 20.10.2017) zur Verfügung, die vom Umweltgutachterausschuss in Kooperation mit dem Umweltbundesamt erstellt wurde. Auf der Internetseite des Umweltgutachterausschusses finden sich darüber hinaus Arbeitshilfen zur Umsetzung der neuen EMAS-Anforderungen, die allerdings keine rechtsverbindlichen Auslegungen der EMAS-Verordnung darstellen. Für Organisationen, die zeitnah mit der Umstellung des Umweltmanagementsystems beginnen wollen, empfiehlt es sich daher, frühzeitig fachkundige Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Laura Lang, proTerra Umweltschutz- und Managementberatung GmbH, Sulzbach, laura.lang@proterra-umwelt.de UmweltMagazin Januar - Februar 2018 47

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