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09 | 2017

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Energie Bild 3:

Energie Bild 3: Vergleich der ermittelten Wärmeverluste des Labor-Mehrzonenwärmespeichers über die Außenfläche des gedämmten, hochtemperierten Speicherkerns (rot) und die Außenfläche der gedämmten, niedertemperierten Wärmespeicherzone 2 (blau). Bild 2: MZWS-Labormodell (oben) und mit der CFD-Software Comsol entwickeltes Simulationsmodell (unten). Die Entwicklung wird von der Hochschule Wismar wissenschaftlich begleitet. Dazu wurde ein Mehrzonenwärmespeicher im Labormaßstab entworfen, mit dem die unterschiedlichsten dynamischen Belade- und Entladeszenarien untersucht und die jeweiligen Wärmemengenströme bilanziert werden können. Gleichzeitig wurde für das Labormodell ein Simulationsmodell mit der CFD-Software 3D-Comsol-Multiphysics entwickelt, das die Simulation des dynamischen Betriebsverhaltens einschließlich einer detaillierten Energiebilanzierung ermöglicht. Bild 2 zeigt den Labor-Wärmespeicher sowie das zugehörige Modell für die CFD-Simulation. Die Messwerte, die im Labormodell kontinuierlich erfasst werden, dienen dabei auch dessen Validierung. Die ersten Messreihen wurden zunächst zur Bestätigung der Vorteile des geplanten MZWS gegenüber einem typischen Einzonenwärmespeicher durchgeführt. Dabei wurden die Wär- Literatur [1] Pehnt, M. et. al.: Die Nutzung industrieller Abwärme – technisch-wirtschaftliche Potenziale und energiepolitische Umsetzung. IFEU – Institut für Energie- und Umweltforschung, Heidelberg, 13. Juli 2010 [2] Rundel, P. et al.: Speicher für die Energiewende. Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht, Sulzbach-Rosenberg, September 2013 Bild 4: Vergleich der Simulationergebnisse mit den Messergebnissen am Beispiel des Temperaturverlaufs der seitlichen Oberfläche des Speicherkerns und der Außenseite der Wärmespeicherzone 1 während eines Beladevorgangs mit einer konstanten Vorlauftemperatur von 160 °C. meverluste an die Umgebung über die vordere Oberfläche des Labormodells und die seitlichen Oberflächen erfasst und gegenübergestellt (Bild 3). Es zeigt sich, dass durch den Mehrzonenaufbau die Wärmeverluste an die Umgebung deutlich reduziert werden. Im Rahmen der Validierung des Simulationsmodells wurden die Ergebnisse mit den Messdaten des Versuchsstandes am Beispiel eines typischen Betriebsszenarios verglichen, in dem nur der Kern bis zu einer Temperatur von 180 °C beladen wurde. Die im Bild 4 dargestellten Temperaturverläufe zeigen, dass sich die komplexen Vorgänge der instationären Wärmeübertragung und -leitung und die daraus resultierende Temperaturentwicklung im Kern und in der inneren Wärmezone mit Hilfe der CFD-Simulation mit guter Genauigkeit wiedergeben lassen. Auch in weiterführenden Untersuchungen hat sich das entwickelte Comsol-Multiphysics-Simulationsmo- Bilder: Hochschule Wismar dell für die Modellierung und Berechnung des Mehrzonenwärmespeichers bewährt. Parallel zu den Arbeiten der Hochschule werden im Betonwerk Ribnitz Untersuchungen zur thermomechanischen Eignung der entwickelten Betonrezeptur für einen Hochtemperatur- Wärmespeicher durchgeführt. Dazu wurde in der Werkhalle ein Einzonenwärmespeichermodell mit einem Volumen von 0.7 m 3 hergestellt, das mit täglichen Belade- und Entladezyklen über sechs Monate hinweg einer praxisäquivalenten thermischen Belastung unterzogen wird. Die Untersuchungen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Feststellung einer möglichen Rissbildung und der Erfassung der Belade- und Entladeleistung unter realitätsnahen Betriebsbedingungen. Ausblick Bis Mitte des Jahres 2018 soll auf dem Betriebsgelände der Betonwerke Ribnitz ein Pilotwärmespeicher im technischen Maßstab entstehen, mit dem die erwarteten Vorteile hinsichtlich der Energieeffizienz und der variablen Wärmenutzung in einem Praxistest demonstriert werden sollen. Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus des Landes Mecklenburg- Vorpommern mit Mitteln des EFRE- Fonds der Europäischen Union. Dr.-Ing. Muhamad Ayas Harfosh, muhamad_ayas.harfosh@hs-wismar.de; Prof. Dr.-Ing. Mathias Wilichowski, mathias.wilichowski@hs-wismar.de, beide Hochschule Wismar – University of Applied Sciences, Wismar; Dipl.-Ing. Heiko Rudlof, Betonwerk Ribnitz GmbH, Pantlitz, hr@betonwerk-ribnitz.de 42 UmweltMagazin September 2017

Recht Veröffentlichung von Umweltdaten Bürger und Unternehmen haben die Möglichkeit, über die Umweltinformationsgesetze von Bund und Ländern diverse umweltbezogene Informationen von Behörden abzufragen. Auch wenn die Umweltinformationsgesetze in der bestehenden Form bereits seit 2004 gelten, nimmt erst in den letzten Jahren die Zahl entsprechender Anträge bei Behörden zu. Grund dafür ist die informationsfreundliche Rechtsprechung. Welche Informationsansprüche Dritte haben und wie man sich schützen kann, beschreibt der folgende Beitrag. Der Zugang zu Umweltinformationen ist vollständig voraussetzungslos. Es bedarf keines rechtlichen oder anders gearteten Interesses. Auch der Zweck des Informationsbegehrens ist bedeutungslos. Häufig sind Umweltverbände und Nichtregierungsorganisationen Antragsteller und verwerten die Informationen öffentlichkeitswirksam. Auskunftsverpflichtet sind alle staatlichen Stellen, insbesondere Behörden, und mitunter auch Städte und Kommunen sowie private Unternehmen der Daseinsvorsorge. Neben Informationen über klassische Umweltbestandteile wie Wasser, Luft oder Boden sind Daten über Tätigkeiten, Maßnahmen oder Verhalten zugänglich zu machen, die tatsächlich oder potenziell Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das Gleiche gilt für Informationen über den Zustand der menschlichen Gesundheit und Sicherheit, soweit diese von Umweltfaktoren abhängig sind. Nationale und europäische Gerichte betonen stets, dass der Begriff der Umweltinformationen umfassend zu verstehen sei. Dementsprechend gibt es zahlreiche Entscheidungen, in denen auch bei nur mittelbarem Umweltbezug ein Informationsanspruch gewährt wurde. So ist etwa auch die Beschaffenheit der Innenraumluft an Arbeitsplätzen – im Hinblick auf Schadstoffe – erfasst. Das Gleiche gilt für Nutzungsverträge zur Errichtung und zum Betrieb von Windenergieanlagen auf kommunalen Grundstücken. Der Informationsanspruch erfasst Daten zu Altlasten und sonstige Umweltschäden genauso wie zu Emissionen. Brennpunkt Emissionen Im November 2016 urteilte der EuGH, dass Informationen über Emissionen jedweden Ursprungs Umweltinformationen seien, egal ob sie aus industriellen Quellen stammen oder von Privatpersonen in die Umwelt ausgebracht werden. Dementsprechend erfasse der Emissionsbegriff auch die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln – in diesem Fall Glyphosat. Auch Daten über die Zusammensetzung und die tatsächlichen sowie potenziellen Umweltauswirkungen solcher Mittel seien Gegenstand des Informationsanspruchs. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim verpflichtete im März dieses Jahres eine Umweltbehörde, Zugang zu Informationen über den Abgasvolumenstrom, die Abgastemperatur, den Sauerstoffgehalt und die Abgasfeuchte eines Drehofens eines Zementwerks zu gewähren. Bis dato hatten Gerichte Informationen über Vorgänge innerhalb von Anlagen regelmäßig vom Informationszugang ausgeschlossen. Grenzen des Informationsanspruchs Es gibt zahlreiche gesetzliche Gründe, die den Informationsanspruch ausschließen. Zum einen sind dies öffentli- Bild: Rainer Sturm / pixelio.de UmweltMagazin September 2017 43

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