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09 | 2017

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Organschaften Einige

Organschaften Einige Teilnehmer der deutschen Delegation in Halifax, Kanada (v.l.n.r.): Dr. Bünger, Dr. Nibbe, Dr. Saling, Prof. Seifert, A. Dahlke, Dr. Jaeckel, Prof. Finkbeiner, Dr. Meister, Dr. Bachmann, Dr. Schmincke, C. Töpfer, J. Giegrich und B. Schwager. Übergangszeitraum für die Umstellung der ISO 14001-Zertifikate nach dem International Accreditation Forum (IAF). wachsendem Reifegrad zur vollständigen Umsetzung der Anforderungen von ISO 14001 führen. Wesentlich ist dabei, dass Organisationen, speziell auch KMU, beim bestehenden Status ihres Umweltmanagements abgeholt und über an ihre Möglichkeiten angepasste Stufen zum ISO 14001 konformen System hingeführt werden. Hilfsmittel ist dabei eine Reifegrad-Matrix, mit der die Organisation ihren Status in Bezug auf die einzelnen Elemente von ISO 14001 bestimmt. Anwendungen der Norm liegen neben der Unterstützung bei der Verbesserung der Umweltleistung auch in der Bewertung unterschiedlicher Standorte einer Organisation im Hinblick auf die geplante Implementierung eines UMS nach ISO 14001, in der Lieferantenbewertung entlang der Lieferkette, in Due Diligence-Untersuchungen und im Management von outgesourcten Prozessen. Ebenfalls denkbar ist die Bewertung von nicht- ISO 14001-basierten Nachhaltigkeitsoder Umweltmanagementansätzen im wissenschaftlichen oder umweltpolitischen Kontext in Bezug auf die Abdeckung der ISO 14001-Anforderungen. Die erwähnte Matrix ermöglicht die Bewertung vom Ist- im Vergleich zum erforderlichen Soll-Zustand und liefert damit auch eine Hilfestellung zum Schließen identifizierter Lücken. Der vermehrten Nutzung von Umweltkosten Rechnung tragend werden seit 2016 auf ISO-Ebene zwei Normen erarbeitet, die helfen werden, Umweltkosten systematisch und nachvollziehbar in unternehmerischen und politischen Entscheidungen zu berücksichtigen. Während mit der ISO 14007 ein anwendungsorientierter Leitfaden zur Bestimmung von Umweltkosten und Umweltnutzen bereitgestellt werden soll, befasst sich die ISO 14008 mit Anforderungen und Empfehlungen zur Durchführung und Dokumentation von monetären Bewertungen von Umweltauswirkungen und den dazugehörigen Umweltaspekten. Die Arbeiten zur ISO 14008 nähern sich seit der fünften Sitzung der WG in Halifax einem ersten Vollentwurf, der einem breiteren Kreis auf ISO-Ebene über den Winter 2017/18 zur Abstimmung präsentiert werden wird (DIS). Während die ISO 14007 auf Anwendungen im Zusammenhang mit organisationsinternen Entscheidungsfindungen abzielt, liegt der Fokus der ISO 14008 auf der Schaffung von Transparenz bezüglich der Methoden und Annahmen bei der Bestimmung von monetären Werten durch stringente Dokumentation. Die anhand der ISO 14008 ermittelten monetären Werte können in die Anwendung der ISO 14007 einfließen. Diese ist breiter angelegt und umfasst über die Bewertung von Umweltschäden hinaus auch Kosten, die in Organisationen anfallen, sowie Umweltkosten und -nutzen, die nicht monetär bewertet werden. Ferner wird die ISO 14007 einen Fokus auf die Kommunikation der Ergebnisse legen. Die Anwendungsmöglichkeiten beider Kontakt Verband der Betriebsbeauftragten (VBU) e.V. Jörg ten Eicken Alfredstraße 77-79 45130 Essen Tel.: 0201/95971-15 Fax: 0201/95971-29 info@vbu-ev.de www.vbu-ev.de Normen umfassen beispielsweise Kosten-Nutzen-Analysen und Ökobilanzen mit monetärer Gewichtung der Umweltauswirkungen, die von Unternehmen, Behörden oder Umweltverbänden durchgeführt werden können. SC5 – Ökobilanzen Das SC5 bearbeitet alle Basisnormen, die eine Lebenszyklusperspektive einnehmen und sich mit verschiedenen Aspekten der Ökobilanzierung befassen. Seit 2017 steht das SC5 unter der Leitung eines neuen Leitungsgremiums, bestehend aus dem Chairman Dr. Peter Saling und dem mexikanischen Co-Chair Dr. Nydia Suppen. Die Normen ISO 14040 und ISO 14044 wurden international bestätigt, die ISO/TR 14073 „Beispiele zur Anwendung der Norm“ und ISO 14046 „Wasser-Fußabdruck – Grundsätze, Anforderungen und Leitlinien“ veröffentlicht. Zum Thema Fußabdrücke wurde im SC5 ein normativer Anhang unter französischer Leitung erarbeitet, der festlegt, wie Fußabdrücke erstellt und dokumentiert werden müssen, damit sie der ISO 14044 entsprechen. Der Anhang wurde bei der internationalen Abstimmung akzeptiert. Einige zusätzlich gewünschte Aspekte werden in Kürze fertiggestellt, so dass der Anhang demnächst final zur Abstimmung gestellt und nach Annahme veröffentlicht werden kann. Vorschläge zur Erarbeitung weiterer normativer Anhänge zur ISO 14044 wurden international eingereicht. Ziel ist es, die ISO 14044 noch praxisgerechter zu gestalten, zusätzliche Aspekte zu erarbeiten und in Normen abzubilden. Dazu wurde eine Task Group unter französischer Leitung ins Leben gerufen. Sie soll konkrete Vorschläge zu den zukünftigen Normierungsvorhaben erstellen. Generelle Aspekte der ISO 14044 werden in einem zweiten normativen Anhang erar- 48 UmweltMagazin September 2017

Organschaften Kontakt Verband für Nachhaltigkeits- und Umweltmanagement (VNU) e.V. Geschäftsstelle c/o Christina Geiger Am Hangelstein 8 65812 Bad Soden Tel.: 0700/86811-223 Fax: 0700/86811-224 vnu@vnu-ev.de www.vnu-ev.de beitet. Zusätzliche Aspekte sind in drei weiteren technischen Spezifikationen mit den Themenschwerpunkten „Wichtung und Aggregation“, „Richtlinien zur Interpretation und Nutzung von Ergebnissen in Entscheidungsprozessen“ sowie „Allokationen“ für weitere Normen angedacht. Die Task Group wird die eingereichten internationalen Kommentare begutachten, den Themen zuordnen und dann mit den Normierungsprozessen beginnen. Diese Vorhaben werden für die zukünftige Arbeit des SC5 entscheidend sein und die Arbeit sowie die Anwendung der Normen in der Praxis der Ökobilanzierung wirkungsvoll unterstützen. SC7 – Treibhausgasemissionen managen Die bisherigen Hauptaktivitäten des SC7 zielen auf klimapolitisch erforderliche Reduzierungen von GHG-Emissionen. Hinzugekommen ist der Themenbereich von Anpassungen an die Folgen des Klimawandels. Dabei geht es vor allem um Leitlinien zur Bewertung der Verwundbarkeit von Organisationen gegenüber den Folgen des Klimawandels. Die Mitglieder der neuen WG 11 „Vulnerability Assessment“ trafen sich in Halifax zum ersten Mal. Aufgabe der WG unter Leitung von Walter Kahlenborn ist die Erstellung von ISO 14091, einer Norm zum Thema Vulnerabilitätsbewertungen, verstanden als die systematische Analyse möglicher Auswirkungen des Klimawandels auf eine Organisation sowie ihre Fähigkeit zur Anpassung an die Folgen. In ausführlichen Diskussionen wurden grundsätzliche Erwartungen an den neuen Standard geklärt. Beispielsweise: Welche Zielgruppen primär angesprochen werden sollen, welche Bereiche der Standard vornehmlich adressieren wird, und was dieser vor allem erreichen soll. Die Diskussion zu diesen sehr grundsätzlichen Fragestellungen mündete in einer Reihe von Empfehlungen, die die Basis der weiteren Arbeit sein werden. Auf der Grundlage eines von deutscher Seite schon vorbereiteten und vom koreanischen Co-Convenor unterstützten Vorentwurfs der Norm wurden Einzelheiten zum Standard diskutiert, unter anderem auch Fragen der Begriffsklärung. Da sich der neue Standard in eine Serie neuer Normen einreihen wird, die mit der ISO 14090 als „High Level Framework on Climate Change Adaptation“ zum Klimawandel startet und sich voraussichtlich mit weiteren Standards fortsetzen wird, ist eine frühzeitige Abstimmung zu den verwendeten Begriffen und zum Verständnis der verschiedenen Konzepte erforderlich. Die WG11 wird einen Beitrag zu Vulnerabilitätsbewertungen als Vorschlag zur Ausarbeitung der ISO 14090 erstellen. Das nächste Treffen der WG, bei dem dann ein entsprechend der bisherigen Diskussionen ausgearbeiteter Entwurf der ISO 14091 besprochen wird, findet Anfang November in Berlin statt. Basierend auf den in Delhi 2015 beschlossenen Normungsvorhaben zur Anpassung an den Klimawandel, kamen in der WG9 unter britischer Leitung Experten aus acht Ländern zusammen, um das Normungsprojekt ISO 14090 voranzubringen. Im Kontext von klimawandelbedingten Anpassungsaktivitäten soll diese Norm eine Hilfestellung zur Planung, Implementierung, Durchführung und Bewertung von Anpassungsmaßnahmen geben. In Halifax wurden an vier Sitzungsterminen der WG über 90 Seiten Kommentare zum ersten Arbeitsentwurf erörtert und bearbeitet. Die WG10 startete im Februar 2017 und bearbeitet den Normentwurf ISO 14097 mit dem Kurztitel „climate finance“ unter französischer Leitung und einem Co-Convenor aus dem Bonner UN-Klimasekretariat mit knapp 40 Experten aus 17 Ländern. Dieser Standard, der sich noch in einem Frühstadium befindet, befasst sich mit der Rolle der Finanzwirtschaft zur Erreichung der Klimaziele im Rahmen des Paris-Abkommens. Hierzu sind vor allem auch Experten aus dem Finanzsektor zur Mitarbeit aufgerufen, um ihre Expertise zu integrieren. Im ersten Arbeitsjahr sind daher Vorarbeiten und Treffen an Finanzstandorten zur Einbeziehung dieser Experten angedacht, um bereits Ende 2017 zu einem ersten Normentwurf zu gelangen. A. M. Warris (links), SC1 Chair, und S. Leggett, neue Vorsitzende ISO/TC 207, zusammen mit B. Schwager, VBU/Bosch. Die Revision von ISO/TS 14067 „Carbon Footprint for Products“ hat die nächste Stufe zum DIS genommen, nachdem bereits vor Halifax eine hohe Zustimmungsrate bei der Abstimmung vorhanden war und nun in der WG8 über 500 Kommentare in fünf Tagen abgearbeitet werden konnten. Dennoch muss ein konfliktreicher Punkt noch gelöst werden. Die indische Normungsinstitution hat die Arbeiten zur ISO 14067 zum Anlass genommen, um den Umgang mit dem Thema Handelshemmnisse zu thematisieren. Sie fordert die Aufnahme eines Kapitels, das solche Hemmnisse benennen und ausschließen soll. Da ISO-Standards generell keine Handelshemmnisse generieren dürfen, muss ein solcher Passus vom ISO Technical Management Board (TMB) auf Antrag genehmigt werden. Um der indischen Delegation entgegenzukommen, wurden die entsprechenden Schritte eingeleitet. Daneben waren aber auch noch einige inhaltliche Punkte umstritten und mussten einer Lösung näher gebracht werden. So hatte das deutsche Spiegelgremium die Einbeziehung von rein vertraglich garantierten erneuerbaren Stromzertifikaten bei der Carbon Footprint-Berechnung kritisiert und damit unter anderem die Ablehnung des letzten Normentwurfs begründet. Ein vollständiger Verzicht auf solche „Green Cerfiticates“ konnte bei den Verhandlungen nicht erreicht werden. Es wurden aber weitere Hürden formuliert, um ein Greenwashing zu erschweren. Weiterhin konnten gerade bei der Berechnung des Carbon Footprint für landwirtschaftliche Produkte Verbesserungen erzielt werden, indem etwa eine neue Definition des Begriffs der Landnutzungsänderung vorgeschlagen und ein informativer Anhang zu speziellen Bilanzierungsfragen der Land- und Forstwirtschaft neu formuliert wurde. Bilder: VBU/VNU UmweltMagazin September 2017 49

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