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4/5 | 2012

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SPECIAL IFAT Entsorga

SPECIAL IFAT Entsorga 2012 Halle A6 Um die Qualität des Trinkwassers jederzeit und überall gewährleisten zu können, entnehmen die Berliner Wasserbetriebe einmal im Monat an 180 Stellen des Versorgungsnetzes Wasserproben. Stellt das Labor lokal eine zu hohe Keimzahl fest, wird das Netz in diesem Bereich desinfiziert. Standard ist es zudem, jede neu verlegte oder sanierte Rohrleitung grundsätzlich zunächst zu desinfizieren, bevor sie ins Netz geschaltet wird. Seit Ende 2011 steht für solche Aufgaben ein Desinfektionsfahrzeug mit einer leistungsfähigen Chlordioxidanlage zur Verfügung. Das von der Stangl GmbH imAuftrag der Berliner Wasserbetriebe entworfene und ausgebaute Hygiene-Mobil im Einsatz. Karl-Heinz Stangl und Manfred Reutlinger Mobile Hygiene W asserversorgungsunternehmen müssen ihren Kunden Trinkwasser jederzeit in einer hygienisch einwandfreien Qualität, in ausreichender Mengeund mit einemadäquatenDruck zur Verfügung stellen. Für die Berliner Wasserbetriebe –das größte städtische Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland –ist das eine tägliche Herausforderung. Denn das Trinkwasser wird über ein 7870 Kilometer langes Rohrnetz an 272000 Hausanschlüsse verteilt [1]. Um sicherzustellen, dass die inden neun Wasserwerken Berlins erzeugte hohe Trinkwasserqualität auf dem Weg zum Verbraucher nicht beeinträchtigt wird – etwa durch Bauarbeiten oder Lecks im Rohrnetz –werdenregelmäßig Proben entnommen und untersucht [2]. Bei Bedarf wird desinfiziert. Die wirksame Desinfektion reparierter und auchneuer Rohrleitungenist eine unerlässliche Voraussetzung für die sichere IFAT Entsorga Grundfos präsentiert sich uner anderem inHalle A6 auf dem Stand 233/332. Versorgung mithygienisch unbedenklichem Trinkwasser. Chlordioxid punktet unter vielen Gesichtspunkten Seit Ende 2011 steht für solche Aufgaben einDesinfektionsfahrzeugmit einer leistungsfähigen Chlordioxid(ClO 2 )-anlagezur Verfügung. Die Berliner Wasserbetriebe entschieden sich –wie eine Reihe weiterer Wasserversorger auch –aufgrund der vorteilhaften Charakteristik für Chlordioxid [3]: Mit dessen Hilfe wird das Desinfektionszielbereits mit geringsten Konzentrationen erreicht. Außerdem besitzt Chlordioxid einen hohen Depoteffekt, das heißt die desinfizierende Wirkung bleibt über einen längeren Zeitraum erhalten und mindert so das Risiko einer Wiederaufkeimung. Der Stoff besitzt zudem die Eigenschaft, in denBiofilm hinein zu diffundierenund diesen von der Rohrinnenwand zu lösen. Dadurch erreicht der Betreiber nicht nur eine kurzfristige, oberflächlicheDesinfektion, vielmehr entzieht das Entfernendes Biofilms den Keimenden Lebensraum. Mit Hilfe des neuen Desinfektionsfahrzeugs wirddem Wassereine gemäß Trinkwasserverordnung zulässige Dosis Chlordioxid (< 0,20 mgClO 2 /l) vor Ort zugegeben,was die Aufkeimung in aller Regel sofort beherrscht. Mit der mobilen Anlagentechnik lässt sich selbst ein ganzes Wasserwerk innerhalb kurzer Zeitdesinfizieren, und es kann nacheinerSchnell-Testuntersuchung wieder in Betrieb gehen. Hygiene-Mobil: Sicheres Handling hat Priorität Autarke, mobile Desinfektionsanlagen, die mit Chlorlauge oder Wasserstoffperoxid arbeiten, gibtesbereits seit Jahren –Desinfektionsfahrzeuge aufBasis Chlordioxid sind hingegen relativ neu, insbesondere solche mit hoher Desinfektionsleistung. Die Aufgabe für die Wassertechnik- Spezialisten der Stangl GmbH, Kirchberg, lautete, eine betriebssichere, mobile Chlordioxidanlage bereitzustellen, die gleich mehreren Anforderungengenügt: 7 Sicherstellung einer für Menschen wie die Umwelt gefahrlosen Anwendung, 7 Umsetzung aller relevanten Vorschriften (DIN-Normen, DVGW-Regelwerk,TrinkwV) und 7 nicht zuletzt eine übersichtliche und einfacheBedienung. In dem Fahrzeug ist eine komplette Chlordioxid-Erzeugeranlage inklusive 26 UmweltMagazin April-Mai 2012

der erforderlichen Chemikalienbehälter und Dosierpumpen untergebracht. Hinzu kommt eine leistungsfähige Druckerhöhungsanlage plus das Aggregatzur Stromerzeugung. Um die Sicherheit der Technik zu gewährleisten, ist eine ELT-Sicherungsanlage und eine Gaswarnanlage mitaufwendigem Zubehör installiert. Diverse Regale runden denFahrzeugaufbau ab.Die Technik im Detail: 7 Chlordioxid-Erzeugeranlage mit einerLeistung von60g/h, 7 zwei Dosierpumpen (60 l/h, 10 bar/ 36 l/h, 16 bar), 7 Gaswarnanlage mit automatischer Sicherheits-/Abschaltfunktion, 7 Neutralisierungsanlage für die Chlordioxid-Restlösung, 7 Druckerhöhungsanlage CR 5–15 mit Verrohrung und Kontaktwassermesser, 7 Druckerhöhungsanlage HydroMono CMBE 1–4 für das Verdünnungswasser derChlordioxidanlage, 7 digitaler Verbrauchsnachweis für die Chemikalien, 7 Schlauchaufroller mit 100 m C-Schlauch, 120 m D-Schlauch plus Anschlusszubehör sowie 7 Notstrom-Aggregat (8 kW,230 V/400V) Literatur [1]www.bwb.de/content/ language1/html/936.php [2]www.bwb.de/content/ language1/html/951.php [3]Das Trinkwassernetz: Pflege, Untersuchung und Sanierung, Berliner Wasserbetriebe, S. 7. [4] www.bwb.de/content/ language1/html/1674.php Die Chlordioxid-Erzeugeranlage Oxiperm Pro (Bildmitte, hinten) kann auch bei beengten Raumverhältnissen installiert werden; vorne rechts die Druckerhöhungsanlage CR. Bilder (2): Grundfos Dosierpumpen mit Schrittmotortechnik Installiert ist eine Chlordioxidanlage Oxiperm Pro 60 von Grundfos. Es handelt sich hierbei um eine Erzeugeranlage auf Basis des Chlorit-Säure-Verfahrens mit einer Leistung von 60 gClO 2 je Stunde. Ein Entscheidungskriterium dafür war das geringe Korrosionsrisiko und das geringe Gefahrenpotenzial der Oxiperm Pro, dabei dieser Anlage die beiden Ausgangskomponenten – verdünnte Salzsäure (9Prozent) und verdünnte Natriumchloritlösung (7,5 Prozent) –imvolumetrischen 1:1-Verhältnis zu Chlordioxid reagieren. Andere Chlordioxidanlagen arbeiten hingegen mit einem 1:3 Verhältnis, das heißt die Salzsäure reagiert nicht vollständig zu Chlordioxid und kann unter Umständendas Rohrmaterial angreifen. Anlagen der Baureihe Oxiperm Pro besitzen keine wartungsanfälligenMagnetventile zwischen Misch- und Vorratszelle, die Überführung der frisch hergestellten Chlordioxidlösung in die Vorratszelle erfolgt über ein Siphon- Prinzip. Für eineexakte bedarfsgerechte Dosierung sind bei Oxiperm Pro-Anlagen Dosierpumpen mit Schrittmotorantrieb installiert. Durch die Schrittmotortechnik verfügen diese über einen breit gespreizten Leistungsbereich vonbis zu 1:800und dosieren selbst bei kleinen Volumenströmen exakt und kontinuierlich. Die kompakte Oxiperm Pro kann auch unter beengten Raumverhältnissen installiert werden,dadie Bedienung und Wartung von der Frontseite aus erfolgen –eine optimale Voraussetzung fürden Einsatz im Hygiene-Mobil. Integriert sind bereits ein Messwertverstärker und ein Messwertregler. Durch Anbindung eines Chlordioxidsensors kann der Messwert direkt am Gerät abgelesen werden oder über einenAnalogausgang einer Leitwarte zugehen. So entfällt die zeitraubende tägliche Konzentrationsmessung, die gemäß Trinkwasserverordnung erforderlichist. Von Grundfos stammt auch die Druckerhöhungsanlage auf Basis einer Hochdruckpumpe derBaureihe CR.Die Druckerhöhungsanlage kommt zur Desinfektion im Bypass(Trinkwasserleitungen kleiner DN1500 nach DVGW W291) ebenso zum Einsatz wie zur Behälterdesinfektion (Trinkwasserbehälter kleiner 20000 Kubikmeter gemäß DVGW W291), zur Rohrnetz-Desinfektion in Gebäuden und in Druckrohrleitungen. Fazit Das auf Wassertechnik spezialisierte Unternehmen Stangl GmbH entwickelte das Konzept des neuen Desinfektionsfahrzeugs, Grundfos lieferte als wesentliche Komponenten die Chlordioxid-Anlage und die Druckerhöhungstechnik. Das Hygiene-Mobil wird von den Berliner Wasserbetrieben in erster Linie zur Spülung und Desinfektion neu verlegter oder reparierter Rohrleitungengenutzt.Darüber hinaus kommt das Fahrzeug dann zumEinsatz, wenn im Zugeder regelmäßigenHygieneüberprüfungen des Rohrleitungsnetzes lokal eine Aufkeimung festgestellt wird. DieseArbeitenrund um dasTrinkwasserrohrnetz –Wartung, Pflege und Sanierung –bieten die Berliner Wasserbetriebe anderen Betreibern von Trinkwasserversorgungsanlagen als Dienstleistung an [4]. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Stangl, Geschäftsführer, Stangl GmbH, Kirchberg; Manfred Reutlinger, IWW Vertrieb Wasser/Abwasser, Dosing/Desinfektion, Grundfos GmbH, Erkrath. UmweltMagazin April-Mai 2012 27

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