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4/5 | 2012

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Technik&Management Der

Technik&Management Der niederländische Wassersektor im Wandel Bild 1: Evides Wasserreservoir Biesbosch –Maaswasser zur Versorgung von Rotterdam und Zeeland Anders als in vielen europäischen Ländern ist in den Niederlanden die gesamte kommunale Wasserver- und -entsorgung in öffentlicher Hand. Ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2000 schreibt den öffentlich-rechtlichen Charakter der Wasserversorgung vor. Die niederländischen Unternehmen in der Wasserwirtschaft sind überwiegend öffentliche Unternehmen mit privater Rechtsform. Durch einen Konzentrationsprozess Mitte der 1970er Jahre verringerte sich die Anzahl der Anbieter von über 100 auf gegenwärtig zehn. Hierdurch entstanden konkurrenzfähige Unternehmen, die auch in der industriellen Wasserversorgung eine gewichtige Rolle spielen. Dieser Konzentrationsprozess scheint sich nun entlang des Wasserkreislaufes fortzusetzen. Martin Braunersreuther ImJahr 1975 gab esnoch 111 kommunale und gemeinnützige Trinkwassergesellschaften. Seitdem hat ein bis heute andauernder Konzentrationsprozess eingesetzt. Die meisten Versorgungsunternehmen waren ursprünglich Gemeindeunternehmen, die durch FusioneninAktiengesellschaften(N.V.) umgewandelt wurden. Anteilseigner sinddie Gemeindenund in einigen Fällen auch die Provinzen. Letztere erhielten mit der Novellierung des Wassergesetzes in den neunziger Jahren die Aufgabe, innerhalb ihrer Gebiete für eine effiziente Organisation der Trinkwasserversorgung Sorge zu tragen. Dabei wurden folgenden Kriterien zugrunde gelegt: 7 Betriebsgröße der Unternehmen: Die gelieferte Wassermenge soll mindestens10bis 20 Millionen Kubikmeter (m³) proJahr betragen. 7 Eine ausreichende fachkundige Leitung muss gewährleistetsein. 7 Ein eigenes Labor mit fachkundigem Personalmussvorhanden sein. 7 Es müssen mindestens 100000 Anschlüsse existieren. 7 Integrierte Struktur: Wassergewinnung undWasserverteilung sollen in einerHand liegen. Bisher sind in den Niederlanden, sowie in der Bundesrepublik auch, Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbeseitigung organisatorisch getrennt. Bau, Betriebund derUnterhaltung desKanalisationssystems sind kommunale Aufgaben.Der Betriebvon Kläranlagen liegt jedoch seit 1970 sind inder Zuständigkeit der Wasserverbände, die auch für die Gewässerüberwachung zuständig sind. Als die älteste demokratische Struktur des Landes sind diese, ursprünglich für die Deichsicherung gegründeten Institutionen, heute die entscheidenden Akteure inder Abwasserbehandlung. Neben der Überwachung vonEinleitung und Gewässern,sind sie auch zuständig für Aufbereitungsanlagen. Ähnlichwie in Deutschlandfand Anfang 2000 eine Diskussionüber eine Liberalisierung des Wassermarktes statt. Eine 1997 vomWirtschaftsministerium in AuftraggegebeneStudie bescheinigte dem Wassersektor zwar durchweg gute NotenimBezug auf Wasserqualität, Versorgungssicherheitund Nachhaltigkeit, allerdings wurden Effizienzdefizite ausgemacht, die mit einem Einsparpoten- 42 UmweltMagazin April-Mai 2012

Wasser/Abwasser Impressum zial von15Prozentfür die Wasserversorgung und bis zu30Prozent für die Abwasserversorgung beziffertwurden. Dies führte jedoch nicht zu einer Privatisierung der Versorgung. Vielmehr wurde 2004 imParlament festgehalten, dass der öffentliche Charakter der Wasserversorgung erhalten bleiben muss und Effizienzpotenziale innerhalb der Strukturen zu heben sind. Effizienzsteigerung und Einsparungen Heute sind noch zehn große Versorger und 23 Abwasserverbände aktiv. Dazu kommen432 Gemeinden, die die Verantwortung für die Abwassersammler tragen. Derzeit findet eine Diskussionüber eine weitere Konzentration innerhalb des Wassersektors statt. Diese aus deutscher Sicht bereits konsolidierte Struktur, wird inden Niederlanden als immer noch als fragmentiert und zunehmend kostenineffizient angesehen. Im Jahre 2010 bezifferte eine Expertenkommission das Einsparpotenzial im Wassersektor auf etwa 550 Millionen Europro Jahr. Bereits im Jahr 2007 wurde eine Kooperationsvereinbarung aller amSektor Beteiligten unterzeichnet, die eine stärkere Zusammenarbeit fordert. Sollte diese freiwillige Vereinbarung keine messbaren Resultate hervorbringen, kann die Regierung diese zu einemspäterenZeitpunkt erzwingen. Ein erstes großes Projekt wurde von den Abwasserverbänden initiiert, um den Energieverbrauch der Kläranlagen Die niederländischeWasserwirtschaftimÜberblick bis zum Jahr 2020 drastisch zusenken. Im Projekt Energiefabrik, das von STOWA(Stichting Toegepastonderzoek waterbeheer), dem Forschungsverbund des Niederländischen Wassersektors, initiiert und gesteuert wird, geht es darum, Abwasseraufbereitung energieautark zu betreiben und langfristig Energie aus der Abwasseraufbereitung zu gewinnen. Aus diesem Projekt resultierten viele Innovationenund Impulse für die weitere Entwicklungdes Wassersektors. Die‘Roadmap’ hat 3Ziele: 7 Wasserkreislauf und Wiederverwendung, 7 Energiezurückgewinnung und 7 Rohstoffkreisläufe und Zurückgewinnung. Eine Vielzahl von Einzelprojekten sind bereits in der Umsetzung oder in derPlanung –etwadie Abwasserwiederverwendung, das Stoffstrommanagement für Phosphor und die dezentrale Abwasseraufbereitung (siehe Bild 2). Erfolgreiches Benchmarking Bereits seit 1997 führt der Wassersektor ein Benchmarking durch. UmBestrebungen der Regierung nach einer Regulierungsbehörde nach englischem Vorbild zuvorzukommen, einigten sich die Wasserversorgerauf einenVergleich ihrer Kennzahlen. In der VEWIN (Vereniging van waterbedrijven in Nederland), derInteressenvertretung der Wasserversorger, sind seit 1952 alle Versorger organisiert. Hier wird dieses Benchmarkausgerichtetund ausgewertet. Die Bewertung erfolgt anhand der vier Kri- Wie inDeutschland ist auch in den Niederlanden die Verfügbarkeit von Wasser unproblematisch. Entscheidend sind regionale Differenzen sowie grundsätzliche Qualitätsprobleme wie die Gefährdungen des Grundwassers durch Versalzung und Düngung. Gemessen am verfügbaren Grundwasservorkommen und auch ander jährlichen Neubildungsrate (> 2Milliarden Kubikmeter (m³)) gibt es keine Grundwasserknappheit inden Niederlanden. Die jährliche Grundwasserentnahme liegt bei etwa 1,5 Milliarden m³. Die niederländische Wasserwirtschaft speist sich zuetwa 60 Prozent aus Grundwasser und 40 Prozent aus Oberflächenwasser. Die Grundwasservorkommen sind dabei regional sehr unterschiedlich verteilt, die größten Vorkommen befinden sich im Norden und im Süden des Landes, während die Grundwasservorkommen in den unmittelbaren Küstenregionen, insbesondere wegen Versalzungsgefahren, entweder nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar sind. Die großen wirtschaftlichen Zentren und Ballungsräume imWesten des Landes sind nahezu vollkommen abhängig von Oberflächengewässern. Vor allem die Maas dient zur Gewinnung von Trinkwasser und industriellem Prozesswasser. Ihr Wasser versorgt den Großraum Rotterdam sowie große Teile der Provinz Zeeland. Das Entscheider-Magazin für Technik und Management ISSN 0173-363 X 42. Jahrgang (2012) Herausgeber Verein Deutscher Ingenieure Redaktion Dipl.-Biol. Akram El-Bahay (Chefredakteur), Tel.: (02 11) 61 03-3 26 Daniela Brière (Redaktions-Assistenz), Tel.: (02 11) 61 03-2 15 E-Mail: UmweltMagazin@springer-vdi-verlag.de Freier Mitarbeiter der Redaktion Dipl.-Geogr. Helmuth Ziegler, Würzburg Organschaften VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU)/Umwelttechnik Verband der Betriebsbeauftragten für Umweltschutz e.V. (VBU), Essen Verband für nachhaltiges Umweltmanagement e.V. (VNU), Frankfurt am Main. Für Mitglieder des VBU und VNU ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag enthalten. Medienpartnerschaft Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ), Frankfurt am Main Redaktionsbeirat Bernhard Schwager, Vorsitzender des VBU, Essen Prof. Dr.-Ing. Hermann-Josef Wagner, Vorsitzender der VDI-GEU, Bochum Matthias Friebel, Vorsitzender des VNU, Frankfurt am Main Dr. Henning Friege, Sprecher der Geschäftsführung der Awista GmbH, Düsseldorf Dr.-Ing. Hans-Friedrich Hinrichs, KTB GmbH, Gladbeck Prof. Dr.-Ing. Klaus Gerhard Schmidt, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA), Duisburg Claudia Nauta, DGQ, Frankfurt am Main Martin Ittershagen, Pressesprecher des Umweltbundesamtes, Dessau Hinweise für Autoren/Manuskripte www.umweltmagazin.de Verlag Springer-VDI-Verlag GmbH & Co. KG VDI-Platz 1, 40468 Düsseldorf Postfach 10 10 22, 40001 Düsseldorf Commerzbank BLZ 300 800 00, Kontonummer 02 121 724 00 SWIFT/BIC-Code: DRES DE FF 300, IBAN DE69 3008 0000 0212 1724 00 Geschäftsführung Christian W. Scheyko Layout Dipl.-Ing. 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