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4/5 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Wasser/Abwasser Bild: Winklharrer Mit Hochwasserrisiken richtig umgehen Ziel der deutschen Wassergesetzgebung ist, dass jede potenziell von Hochwasser betroffene Gemeinde, jedes Unternehmen und jeder Hauseigentümer die eigenen Risiken kennt und in Abstimmung mit den anderen Beteiligten Vorsorgemaßnahmen ergreift. Die Klimaänderungen erfordern ein Umdenken im Hochwasserschutz. An die Stelle zentraler technischer Lösungen müssen flexible Strategien treten, die viele Akteure von den Wasserbehörden über Unternehmen bis hin zuPrivatbesitzern einbeziehen. Dies kann nur mit einer guten Risikokommunikation gelingen. Klaus Piroth Klimaänderungen sind inzwischen weltweitdeutlichnachweisbar.Die Dynamik der Änderungen wird als so stark eingeschätzt, dass die eingeleiteten CO 2 -Reduktionsstrategien allein nicht ausreichen werden, die Entwicklung umzukehren. Anpassungsstrategien an denKlimawandelsind erforderlich. Es stellt sich nur die Frage, welche Maßnahmen jetzt in Angriff genommen werden müssen, und welche die richtigen Maßnahmen an derrichtigen Stelle sind. Denndie eingesetztenSimulationsmodelle,die die globale Entwicklung vonTemperatur und Niederschlag berechnen, sind mit großen Unsicherheiten behaftet, und je kleinräumiger diese Prognosen herunter gebrochen werden, desto mehr steigt diese Unsicherheit. Eine im Februar 2012 veröffentlichte Studie des Center forDisaster Management and Risk Reduction Technology [1] zeigt exemplarisch an drei deutschen Flüssen –Mulde, Ruhr und Ammer – wie stark sich dieses „Downscaling“ auf die Unsicherheiten in den prognostizierten Hochwasserabflüssen auswirkt. Es gibt Bereiche inDeutschland, in denen durchaus mit größeren Hochwasserabflüssen zu rechnen ist, als dies aufgrund der bisher vorhandenen Aufzeichnungen statistisch abgeleitet werdenkann. Dies giltjedochnicht für alle Einzugsgebiete;zudem gibtesdeutliche Unterschiede im Verhalten der Sommer- und Winterhochwässer. Die Europäische Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie Die Frage ist, wie man mit diesen Erkenntnissen in der praktischen Arbeit umgeht. Ignorieren ist nicht angebracht, aber auch eine Überbewertung, die umfangreiche technische Maßnahmen nach sich zieht, erscheint nicht sinnvoll: Zum einen können Deiche und Hochwasserschutzanlagen keinen hundertprozentigen Schutz bieten, zum anderen sind sie zu teuer, wenn man die Risikoaufschläge einrechnet, die die besagten Unsicherheiten erfordern. Besser ist eine flexible Strategie mit mehreren Komponenten, die abhängig vom Risiko die bestmöglichen Maßnahmen auswählt oder vorhält. Dafür hat uns die Europäische Union mit ihrer „Richtlinie über die Bewertung und dasManagement vonHochwasserrisiken – Hochwasserrisikomanagement-Richtline (HWRM-RL)“ [2] wichtige Vorgaben gegeben. Die Richtlinie führt den Begriff „Hochwasserrisiko“ ein und damit einen Paradigmenwechsel. Denn eswird anerkannt, dass esRisiken gibt, die gemanagt werden müssen. Dabei kommensowohl technische,als auchnicht- 48 UmweltMagazin April-Mai 2012

Eine Kosten-Nutzen-Betrachtung kann zum Ergebnis kommen, dass die Überflutung eines Parkplatzes bei Hochwasser unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in Kauf genommen werden kann. Bild: Olga Meier-Sander/Pixelio technische Elemente der Hochwasservorsorge zum Einsatz. Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Kreislauf des Hochwasserrisikomanagements. Konkret fordert die Richtlinie von den Mitgliedsstaaten, bis zum Jahr 2015 Hochwasserrisikomanagementpläne zuerstellen und anschließend alle sechs Jahrefortzuschreiben. Als Grundlage für die Pläne müssen Hochwassergefahren-und -risikokarten für allerelevanten Gewässerabschnitte erstellt werden. Erstmalig werden dadurch flächendeckend die Risiken durch Hochwasser kartiert, die für die Schutzgüter –die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft,die Umwelt und das kulturelle Erbe –bestehen. Zusammenarbeit der Akteure In Deutschland erfolgt die Umsetzung der Richtlinie über das Wasserhaushaltsgesetz des Bundes und die Wassergesetze der Länder. Auch wenn die Bundesländer die Umsetzung unterschiedlich handhaben: Die unteren Verwaltungsebenen werden starkindie Erstellung der Pläne einbezogen. Ziel ist es, dass jede potenziell vonHochwasserbetroffeneGemeinde, jedes Unternehmenund jeder Hauseigentümer die eigenenRisiken kennt und in Abstimmung mit denanderenBeteiligten Vorsorgemaßnahmen ergreift. Ein Alarm- und Einsatzplan regelt,wer was, wann und wo zu tun hat. Immanent im Hochwasserrisikomanagement ist die Zusammenarbeit der Akteure. Bisher wurde eher sektoral agiert: Die jeweiligen Fachbehörden für Katastrophenschutz, Wasserwirtschaft, Ver- und Entsorgung, Denkmalschutz, Land- und Forstwirtschaft, die Feuerwehren,Wirtschaftsbetriebe undHauseigentümerarbeitetenjeweils in ihrem Bereich. Im Gegensatz dazu geht esnun darum, gemeinsam die Lösungen zuidentifizieren, die umgesetzt werden sollen, sowie klare Zuständigkeiten und Zeitpläne für die Umsetzung zu benennen. Die Kommunen sind hierbei die zentralen Schaltstellen. Vom Schutzbegriff zum Risikobegriff Vorgesehen ist auch eine Priorisierung der Maßnahmen, die sichanden Schutzgütern, an den Kosten und ander Umsetzbarkeit orientiert. Beim Schutz des menschlichen Lebens giltesinjedem Fall, die Risiken weitgehend zu minimieren. Allerdings bedeutet dies nicht, dass jedes Baugebiet, das in einem Überschwemmungsbereich liegt, durch einen hohen Deich geschützt werden muss. Vielmehr sollten diese Bereiche vonder Bebauung konsequentausgeschlossenwerden, um die Überflutungsbereiche als Retentionsflächen zuerhaltenund so die Hochwasserwellenabzupuffern. In anderenBereichen istebenfalls abzuwägen. Ein Industriebetrieb wird beispielsweise dafür sorgenwollen, dass wertvolle Maschinennicht von Hochwasser gefährdet werden können. Die naheliegende und einfachste Möglichkeit istinder Regel, dieMaschinenaneinererhöhten Stelle auf dem Betriebsgelände aufzustellen. Auch mobile Hochwasserschutzanlagen sind eine Option, allerdings erfordert ihre Installation Know-how und regelmäßige Wartung. Anders verhält es sich beispielsweise mit einemParkplatz.Das Ergebnis einerKosten-Nutzen-Betrachtung kann durchaus sein, dass die Überflutung desParkplatzes bei Hochwasser in Kauf genommen wird. Ist gewährleistet, dass der Platz geräumt ist, wenn das Hochwasser kommt, sind keine größeren Schäden zu erwarten. www.terratec-leipzig.de INTERNATIONALE FACHMESSE FÜR UMWELTTECHNIK UND -DIENSTLEISTUNGEN IM VERBUND MIT: NACHHALTIGE LÖSUNGEN FÜR DIE UMWELT 29.–31. JANUAR 2013 Preisvorteil sichern! FRÜHBUCHERTERMIN: 22. JUNI 2012 INTERNATIONALE FACHMESSE FÜR ENERGIEERZEUGUNG, ENERGIEVERTEILUNG UND -SPEICHERUNG UmweltMagazin April-Mai 2012 49

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