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4/5 | 2012

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Technik &Management

Technik &Management Abfall/Recycling Aus den Entnahmebereichen des Rekultivierungsmaterials entstanden Teichflächen Sanierung und Rekultivierung eines Braunkohle-Kraftwerks Im Jahr 2003 wurde das Braunkohle-Kraftwerk Arzberg inOberfranken vom Netz genommen und anschließend zurückgebaut. Das ehemalige Kraftwerksgelände inklusive einer Aschedeponie wurde dabei ineine grüne Hügellandschaft mit Teichen umgewandelt. Matthias Schwalb Die E.ON Kraftwerke GmbH hat in den vergangenen Jahren mehrere ihrer bayerischen Kohle-Großkraftwerke stillgelegt, darunter auch das Braunkohle-Kraftwerk Arzberg inOberfranken. DieAnlage wurdeimJahr 2003 vom Netz genommen und zwischen 2006und 2009zurückgebaut.Imersten Rückbauschritt fielen im September 2006 die beiden Kühltürme des Kraftwerkes sowie das Kesselhaus 1.ImDezember 2006 wurden das Kesselhaus 2 und der 193Meter hohe Schornstein gesprengt. Durch die weiteren Rückbauarbeiten verschwanden Nebengebäude wie der Wasserturm und das Verwaltungsgebäude. Seit dem Jahr 2006 ist die Regensburger Niederlassung des Umweltberatungsunternehmens Tauw in den Rückbauprozess eingebunden. Die E.ON Kraftwerke GmbH beauftragte die Berater zunächst mit einer orientierenden Erkundung und Bewertung der Schadstoffbelastungen in Boden, Bodenluft und Grundwasser des Kraftwerksgeländesund derUmgebung. Aufbauendauf dem erstelltenSanierungsplan übertrug der Energieversorger der Tauw GmbH als Generalplaneralle Leistungen fürdie Sanierung und Rekultivierung des Kraftwerksgeländes sowie der dazugehörigen, 800000 Kubikmeter (m 3 )großenAschendeponie. Bei den umfassenden Untersuchungenwurde im Nahbereich desStandorts eine Beeinträchtigung desoberflächennahenGrundwassersdurch die weiträumigen Ascheablagerungen festgestellt. Die mobilisierbaren Schadstoffe der Braunkohlenaschewaren in denquartären Grundwasservorkommen der benachbartenTalaue in geringen Konzentrationen nachweisbar. Weitere Erkundungen derGefährdungslage für tiefere Grundwasserkörper zeigten jedoch keine Beeinträchtigungen der Wasserqualität, was besonders für nahe Trinkwasseranlagen wichtig war. Ausarbeitung des Sanierungskonzepts Ziel der Überlegungen zur Sanierung des Standortes war eine langfristige nachhaltige technische Sicherung der Ascheablagerung. Dazu war esnotwendig, eine direkte Zugänglichkeit der Aschen durch eine geeignete Abdeckung zu unterbinden und auch benachbarte Oberflächengewässer vor Ascheeinträgen zu sichern.ImHinblick auf den Grundwasserschutz stand eine künftige dauerhafte Unterschreitung der Geringfügigkeitsschwellen für die relevanten Stoffe im Vordergrund. Nicht zuletzt sollte das Areal in das bestehende Landschaftsbild zurückgeführt werden. Im Vorfeld des Sanierungsplans führten die Mitarbeiter von Tauw umfangreiche Abstimmungsgespräche mit der Regierung von Oberfranken, dem Wasserwirtschaftsamt Hof sowie weiteren projektbeteiligtenBehörden. Dabei präsentierten und diskutierten sie mehrfach ihre präferierte Sanierungsvariante: 7 Aushub der Aschen aus dem Überschwemmungsbereich, 7 Aufschüttung der Aschen im Gebiet deraltenKraftwerksfundamente sowie 7 Abdeckung mit Bodenmaterial und Bepflanzung. Gemäß den Forderungen der federführenden Genehmigungsbehörde arbeiteten die Planer einen detaillierten 54 UmweltMagazin April-Mai 2012

Bilder (3) Tauw GmbH Aus der Luft werden die Dimensionen des Kraftwerkgeländes zu Beginn der Sanierungsarbeiten deutlich. Sanierungsplan nach Bundesbodenschutzgesetz fürdas Gesamtgelände mit abschließender technischer Überwachung und Bewertung aus. Aufbauend auf dem Sanierungsplan übertrug E.ON Kraftwerke der Tauw GmbH als Generalplaner alle Leistungen zur Rekultivierung des Kraftwerksgeländes undder Aschendeponie. Beider Sanierung und Rekultivierung in Arzberg wurden rund 450 000 m 3 Kraftwerksaschen aus der Aschenhalde und dem Grundwasserbereich auf dem Gelände umgelagert und mit örtlich gewonnenem Rekultivierungsboden abgedichtet. Zur Sickerwasserreduzierung und der Erhöhung der Verdunstungsleistung wurden 125 000 neue Bäume Vonder Generalplanung biszur Nachsorge angepflanzt, die das Gelände in wenigen Jahren in eine bewaldete Hügellandschaftverwandeln werden. Die Tauw GmbH übernahm bei diesem Projekt als Generalplaner die Detailerkundung, Vorentwurfs- und Entwurfsplanung, die Genehmigungsplanung inklusive Sanierungsplan nach Bundesbodenschutzgesetz, die Betreuung des wasserrechtlichen Verfahrens gemäß Wasserhaushaltsgesetz sowie die Ausführungsplanung für den gesamten Standort. Dazu zählten die Ausschreibung und die Mitwirkung bei der Vergabe aller Bauleistungen, die Erarbeitung eines landschaftspflegerischen Begleitplanes, die Hochwassermodellierung des Röslautales sowie Grundwasseruntersuchungen auf dem Areal. Die Überwachung der Bauausführung umfasste die Bauoberleitung, die örtliche Bauüberwachung sowie die Sicherheitsund Gesundheitsschutzkoordination bei den Rekultivierungsarbeiten. Abgerundet wurde die Dienstleistung von Tauw durch die fachgutachterliche Begleitung zur Sicherstellung des genehmigungskonformen Vorgehens. Das Umweltberatungsunternehmen kümmerte sich auch um das Grundwasser-Monitoring und die Sickerwasseruntersuchungen während der gesamten Bauausführung. In den kommenden fünf Jahren wird das Regensburger Büro die Nachsorgekontrolle des Grundwassers sowie die Überwachung und Pflege des Grundstücks sicherstellen. Restarbeiten im Rückbau des Brunnens abgeschlossen Die Rekultivierung des Kraftwerksgeländes, das sich rund 40 Kilometer südöstlich von Hof befindet, ist fertig gestellt. Seit September 2011 sinddie Restarbeiten, wie der Rückbau des 100 m tiefen Betriebsbrunnens, abgeschlossen. DieE.ONKraftwerkeGmbHhat einen hohen einstelligen Millionenbeitrag in die Rekultivierung desGeländes gesteckt; nicht inbegriffen sind dabei die Kosten für den Kraftwerksrückbau. Zur Erschließung des Sanierungsbereiches wurden vier Kilometer neue Straßen sowie insgesamt fünf Kilometer langeDrainageleitungenzur Sickerwassererfassung und Gräben zur Oberflächenwasserfassung angelegt. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände wurden die Entnahmebereiche des Rekultivierungsmaterials als neue Teichflächen und Flachwassermulden mit einer Gesamtfläche von etwa fünf Hektar angelegt und entsprechend dem landschaftspflegerischen Begleitplan als Biotopflächenausgebildet. Keine Folgenutzung des Geländes vorgesehen Nach erfolgter Rekultivierung des Kraftwerksgeländes ist keine Nutzung des Geländes vorgesehen. Einrichtungen für Freizeitaktivitäten werden gegenüber den ursprünglichen Überlegungen nicht installiert,umein Betreten und Befahren der Rekultivierungsflächen zuverhindern. Nur zur Erhaltung und Pflege der Bepflanzung werden forstwirtschaftliche Arbeiten durchgeführt. Das Gelände ist nahezu komplett eingezäunt. Der Zaun wird noch mindestens fünf Jahre erhalten bleiben,umdie Rekultivierungsflächen vor Wildverbiss zu schützen. Nach erfolgtem Anwuchs wird er dann rückgebaut. Verbleibende und für den Betrieb notwendige Bauwerke werden dauerhaftgegen Betretung gesichert. Dipl.-Ing. (FH) Matthias Schwalb, Tauw GmbH, Regensburg, matthias.schwalb@tauw.de UmweltMagazin April-Mai 2012 55

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