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01-02 | 2017

Special

Special Ressourceneffizienz Von Ressourceneffizienz zur Zukunftsstrategie Die BeoPlast Besgen GmbH aus Langenfeld produziert Kunststoffteile für die Automobilindustrie. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben als erstes in seiner Branche das Ziel umgesetzt, vollständig CO 2 -neutral zu sein. Dafür wurde es im vergangenem Jahr mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. Theo Besgen, Geschäftsführender Gesellschafter, spricht sich für Zukunftssicherung durch ganzheitliche Betrachtung aus. Das Wichtigste an jeder Statistik ist laut Theo Besgen die Fragestellung im Wortlaut. Jedes Detail hat Einfluss auf die Antwort, und mit Formulierung der Fragen werden Antworten bewusst oder unbewusst gesteuert. Wird der Energieeinsatz allein nach ökonomischen Aspekten betrachtet, werden absehbare politische Rahmenbedingungen und soziale Einflussgrößen ausgeblendet. Kurzfristige Erfolge zur Ressourceneffizienz sind erfreulich, ersetzen aber keine tragfähige Zukunftsstrategie in einer sich in allen Dimensionen wandelnden Welt. „Deswegen haben wir uns 2012 das Ziel gesetzt, unser Unternehmen zur Herstellung von Kunststoffprodukten innerhalb von zwei Jahren klimaneutral zu führen“, sagt Besgen. Basis für die Umsetzung war eine intensive Prüfung des Energieeinsatzes, dessen Effizienz und kreativer Planungsszenarien. Zuerst stellte das Unternehmen von Strom aus fossilen Quellen auf Elektrizität aus Wasserkraft und Photovoltaik um. Theo Besgen, Geschäftsführender Gesellschafter von BeoPlast: „Wir haben uns im Jahr 2012 das Ziel gesetzt, unser Unternehmen zur Herstellung von Kunststoffprodukten innerhalb von zwei Jahren klimaneutral zu führen. Dies ist uns gelungen.“ Bild: Klaus Voit Für die Verantwortlichen bei BeoPlast ist die Energiewende auch eine Wärmewende. So wird Produktionsabwärme für Heizung und Warmwassererzeugung genutzt. Auf Erdgas verzichtet das Unternehmen vollständig. Im dritten Schritt wurden alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ersetzt. „Vom Gabelstapler über einen Smart ed bis zum Tesla ist Mobilität bei uns emissionsfrei“, so Besgen. Seit Mitte 2014 produziert BeoPlast klimaneutral Kunststoffspritzgussprodukte. Die Erfassung und Analyse eingesetzter Energie und Umsetzung von wirksameren Alternativen führen auch zur Verbesserung der Arbeitsqualität für die Mitarbeiter. So ist LED-Beleuchtung sparsamer bei besserer Lichtqualität, und neue, vollelektrische Spritzgussmaschinen sind gleichzeitig produktiver und geräuschärmer. Gesamtkonzept für den Umgang mit Ressourcen und Mitarbeitern Aus der Betrachtung der Ressourceneffizienz hat sich ein Gesamtkonzept zum verantwortlichen Umgang mit Ressourcen und Menschen entwickelt. „Daraus haben wir auch Forderungen an unsere Lieferpartner und Angebote an unsere Kunden abgeleitet. Unsere Lieferpartner werden – soweit noch nicht geschehen – unterstützt, sich nach bestehenden Umweltstandards zu erklären“, sagt Besgen. Gelingt dies nicht im geplanten Zeitraum, bietet das Unternehmen aktive Hilfe an. Die Kunden werden bei Anfragen über eingesparte Klimabelastungen informiert und erhalten zusätzlich Empfehlungen für den Einsatz von biobasierten Kunststoffen aus nachwachsenden Quellen. Abfälle betrachtet das Unternehmen als Ressource, sammelt diese sortenrein und verkauft sie. Dies gilt für Verpackungen ebenso wie für Produktionsabfälle, die zu annähernd 100 % der Wiederverwertung zugeführt werden. „Bei der Betrachtung der Treibhausgasemissionen unseres Unternehmens beziehen wir auch Arbeitswege unserer Mitarbeiter, Geschäftsreisen und den Lieferverkehr ein“, so der Geschäftsführer. Um die Wege von und zur Arbeit zu reduzieren oder möglichst klimaneutral zu gestalten, wird durch finanzielle Anreize und mit wachsendem Erfolg E-Mobilität gefördert. Wo möglich vermeiden Homeoffice-Arbeitsplätze überflüssige Wege. Geschäftsreisen werden durch Videokonferenzen deutlich reduziert oder mit der Bahn absolviert. Eigener Lieferverkehr wird bei Kleinmengen mit einem Elektro-Lieferwagen geleistet. Durch größere Transporte entstehende Klimabelastung mit Spediteuren werden durch Ausgleichsmaßnahmen neutralisiert. Positive Wirtschaftsbilanz Die Energiekosten haben sich im Klima neutralen Jahr 2015 gegenüber 2013 pro Tonne verarbeiteten Rohstoffs um mehr als 7 % reduziert. Die ganzheitliche Betrachtung von Ressourceneffizienz lohnt sich somit wirtschaftlich. „Im Wettbewerb kommunizieren wir unsere Alleinstellung als erstes Klimaneutrales Unternehmen unserer Branche in Deutschland, vertiefen dadurch bestehende Kundenbeziehungen und erschließen neue Auftraggeber sowie Märkte“, sagt Besgen. Für den Geschäftsführer stehen in diesem Zusammenhang zwei Annahmen zur wirtschaftlichen Zukunft von Unternehmen im Raum: Der Preis für fossile Brennstoffe wird aufgrund aufwendiger Fördermethoden und größerer Nachfrage sowie Politik der Opec-Staaten steigen, und die Politik wird deutliche klimapolitische Leitplanken zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens setzen. Sollten beide Annahmen eintreten, könnten sich die Grundlagen für den auskömmlichen Betrieb eines Unternehmens deutlich verändern. Verantwortliche, die sich mit der Betrachtung von Ressourceneffizienz intensiv beschäftigt, und wesentliche Zukunftsfragen für ihr Geschäft ableiten, sind laut Besgen auf dem richtigen Weg, um ihr Unternehmen für kommende Herausforderungen neu auszurichten. Dabei sei es unerheblich, ob die sich ergebenden Ableitungen von Mitarbeitern, Managern oder Unternehmern formuliert werden. Theo Besgen, BeoPlast Besgen GmbH, Langenfeld, theo.besgen@beoplast.de 22 UmweltMagazin Januar - Februar 2017

Projekte Umweltmarkt Recycling Entfettungsanlage mit aufbereiteten Lösungsmitteln Mit der Inbetriebnahme einer neuen Entfettungsanlage am Unternehmenssitz in Offingen hat die Richard Geiss GmbH ihr Dienstleistungsangebot ausgeweitet und bietet prozesssichere Lohnentfettung für Kleinteile und Baugruppen bis zu einer Größe von 1 200 x 800 x970 mm an. Insgesamt investierte das Unternehmen über 2 Mio. € in eine 800 m 2 große Halle und eine moderne Anlage, die auf einen Durchsatz von 12 000 Gitterboxen pro Jahr ausgelegt ist. Die Dienstleistung der Lohnentfettung ist besonders für industrielle Anwender aus den Bereichen Automobil-, Anlagen-, Maschinen- und Werkzeugbau interessant. Über die Perchlorethylen-Lösemittelanlagen können stark verölte oder benetzte Metallteile wie Stanz- und Stanzbiege-, Drahtbiege-, Tiefzieh- oder Fließpressteile prozesssicher gesäubert werden. Späne, Partikel, Öle und Fette werden dabei entfernt. Die Anlage kann in einem Arbeitsgang Chargen mit einem Gewicht von bis zu 1 000 kg und bis zu 60 Chargen pro Tag reinigen. Je nach Auftrag und Volumen wird in der Arbeitskammer geschwenkt oder rotiert. Bei der In der Entfettungsanlage werden recycelte Lösungsmittel eingesetzt. Bearbeitung stehen Vollbad, Fluten, Schwallfluten, Dampfentfetten sowie die Konservierung und die Vakuumtrocknung zur Verfügung. Da die Entfettungshalle ganzjährig klimatisiert ist, wird das Risiko der Kondensatbildung minimiert. Bei den Lösemitteln verfolgt das Unternehmen einen nachhaltigen Ansatz und bereitet gebrauchte Mittel auf, anstatt die Chemikalien neu zu produzieren. Die durch Destillation recycelten Stoffe sollen die selbe Reinheit wie das Ausgangsmaterial haben. Dies schont Ressourcen und reduziert den Entsorgungsaufwand. www.geiss-gmbh.de Bild: Richard Geiss GmbH Erneuerbare Energien Brennstoffgewinnung aus Klärschlamm Am 1. Dezember vergangenen Jahres wurde in der chinesischen Millionenstadt Jining die erste kommerzielle Anlage des Düsseldorfer Ingenieur-Start-Ups TerraNova Energy GmbH offiziell eröffnet. Dort werden Klärschlämme umweltfreundlich und wirtschaftlich für die Energiegewinnung umgewandelt. Die Anlage verarbeitet pro Jahr 14 000 t Klärschlamm des staatseigenen Entsorgungsunternehmens von Shandong, eine der mit etwa 100 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichsten Provinzen Chinas. Der Ausbau auf 40 000 t ist bereits geplant. Das Projekt wurde in sechs Monaten Bauzeit in deutsch-schweizerisch-chinesischer Kooperation realisiert. Grundlage des Terra- Nova Ultra Verfahrens ist eine Hydrothermale Karbonisierung (HTC), durch die organische Stoffe im Schnellverfahren mit positiver Energiebilanz verkohlt werden. Bislang werden Klärschlämme entweder als Düngemittel für die Landwirtschaft eingesetzt oder aufwendig getrocknet und verbrannt. Das Verfahren wurde bereits TerraNova-Anlage zur Brennstoffgewinnung aus Klärschlamm. auf europäischen Kläranlagen erfolgreich angewandt, allerdings nur in einem kleineren Pilotmaßstab. Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass diese Methode für Kläranlagenbetreiber Vorteile hinsichtlich der Energieeffizienz und der Betriebskosten gegenüber den konventionellen Verfahren bietet. Das Projekt wurde im Auftrag des Betreibers Beijing Shunhong Jinjian Environmental Technology Development Co., Ltd. durchgeführt, vom Schweizer Ingenieurbüro Holinger AG, Liestal, begleitet und nach der Fertigstellung technisch abgenommen. Der HTC-Prozess ist auch für andere Abfall- Biomasse anwendbar, beispielsweise für Lebensmittelreste oder Reststoffe aus der Landwirtschaft. Für die entstehenden Kohleprodukte gibt es verschiedene Anwendungen. Im Vordergrund steht zurzeit die Nutzung der Biomasse als Ersatzbrennstoff für fossile Energieträger. Die Verwertung von Klärschlammkohle in industriellen Öfen, wie etwa in Zementwerken, trägt als CO 2 -neutraler Brennstoff zum Klimaschutz bei. Weiterhin kann auch der im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden. www.terranova-energy.com Bild: TerraNova UmweltMagazin Januar - Februar 2017 23

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