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01-02 | 2017

Management Revision ISO

Management Revision ISO 14001:2015: Zertifizierung nach neuer Norm Wenige Monate nach der Revision der ISO 14001 ließ sich der Abfallbehälter-Hersteller Sulo Umwelttechnik GmbH aus Herford gemäß der neuen Version von 2015 durch die TÜV Rheinland AG, Köln, zertifizieren. Kirsten Kogelberg, Leiterin für Health, Safety und Environment (HSE), gibt Einblicke, wie das Umweltmanagement des Unternehmens aufgestellt ist und welche Anforderungen der Norm sich als besonders anspruchsvoll herausstellten. Der Abfallbehälter-Hersteller Sulo hat sich nach der aktuellen Revision der ISO 14001:2015 zertifizieren lassen. Die Herstellung von Abfallbehältern – auch unter ökologischen Gesichtspunkten – bildet die Grundlage für das Kerngeschäft von Sulo. Daher prägt das Thema Umwelt auch die internen Prozesse und Leitlinien des Unternehmens. Im Jahr 2008 ließ es sein Umweltmanagementsystem erstmals gemäß DIN EN ISO 14001 zertifizieren. Plastic Omnium, zu dessen Unternehmensgruppe Sulo seit dem Jahr 2007 gehört, trug die Zertifizierung mit. Die französische Muttergesellschaft ist bestrebt, konzernweit einheitliche HSE- Standards durchzusetzen. Mittlerweile erfüllen über 80 % aller Fabriken der Gruppe die Norm. „Die Einführung des Umweltmanagementsystems war ein wichtiger Schritt für uns“, sagt Kirsten Kogelberg. Die Umwelt- und Sicherheitsingenieurin ist Leiterin der HSE-Abteilung sowie Umweltmanagement-Beauftragte des Unternehmens. „Damals wurden viele detaillierte Werte und Kennzahlen zum ersten Mal erfasst. Das ermöglicht genauere Analysen der Prozesse und zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf.“ Die Zertifizierung ist auch aus anderen Gründen von Bedeutung. Die öffentliche Hand gilt als wichtiger Kunde. Für einen Vertragsabschluss erwarten Kommunen oftmals noch mehr als Privatunternehmen, dass ihr Auftragnehmer bestimmte Vorgaben und Standards erfüllt. Dazu gehört meist der Nachweis eines Umweltmanagementsystems gemäß ISO 14001. „Derzeit verzichten wir auf eine erneute EMAS-Validierung, weil die Norm weltweit anerkannt ist und reibungslos mit den anderen ISO- Managementsystemen im Unternehmen zusammenspielt“, so Kogelberg. Als eines der ersten Unternehmen ließ sich der Herforder Behälterhersteller vom TÜV Rheinland nach der aktuellen Revision zertifizieren. Seit ihrem Erscheinen im September 2015 läuft die dreijährige Übergangsfrist, in der Zertifizierungen gemäß der alten und der überarbeiteten Version akzeptiert werden. Ab September 2018 gilt dann nur noch die revidierte Version. Eine Zertifizierung kann im Rahmen des Wiederholungs- oder eines planmäßigen Überwachungsaudits stattfinden. Wo genau Handlungsbedarf besteht, um den neuen Vorgaben gerecht zu werden, lässt sich beispielsweise mit einer GAP-Analyse identifizieren. „Dabei vergleichen wir den Ist-Stand im Unternehmen mit den Anforderungen. So lassen sich Handlungsfelder erkennen“, sagt Oliver Brendle, Auditor bei TÜV Rheinland. Das Unternehmen erfährt beispielsweise, ob es Schulungen durchführen oder die Managementsystemdokumentation anpassen muss. Auf diese Weise lassen sich die im Vorfeld der Zertifizierung erforderlichen Nachbearbeitungen identifizieren und der dafür notwendige Aufwand planen. Den gesamten Produktlebensweg beleuchten Die Revision hat die ISO 14001 nicht komplett umgestellt. Aber Einiges ist anders und mehrere Vorgaben wurden erweitert und modifiziert. Das zeigt sich auch in der überarbeiteten Struktur: Der Aufbau orientiert sich wie bei allen neuen Managementsystem-Normen – beispielsweise der ISO 9001:2015 – an der High Level Structure. Diese verfolgt das Ziel, alle Normen hinsichtlich ihrer Gliederung und der verwendeten Begriffe und Textbausteine zu vereinheitlichen. Auf die inhaltlichen Veränderungen war das Unternehmen gut vorbereitet. „Der zusätzliche Aufwand hielt sich in Grenzen, da unser Managementsystem viele Vorgaben schon vor der Zertifizierung erfüllt hat“, so Kogelberg. Allerdings beinhaltet die ISO 14001:2015 auch komplizierte Punkte. Dazu zählt die Vorgabe, den gesamten Lebenszy- Bild: Sulo 34 UmweltMagazin Januar - Februar 2017

Management klus eines Produktes oder einer Dienstleistung zu betrachten, von der Entstehung bis zum Nutzungsende oder zur Entsorgung. Das zertifizierte Unternehmen muss verstärkt Prozesse und deren Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen, die der eigentlichen Tätigkeit vor- oder nachgelagert sind. Konkret heißt das beispielsweise auch, die Lieferanten und deren umweltbezogene Aktivitäten mit einzubeziehen. Zeitplan für die Umstellung auf die ISO 14001:2015. Mehr Spielraum, mehr Verantwortung Die Revision der ISO 14001 beinhaltet eine Reihe weiterer Änderungen. Beispielsweise soll die Umweltleistung des zertifizierten Unternehmens besser messbar sein als in der Vergangenheit. Zu diesem Zweck sind bereits bei der Festlegung der Umweltziele, passende Indikatoren zu verwenden. Die Bedeutung von Leistungskennzahlen nimmt somit zu. Außerdem gibt es in der revidierten Norm das neue Kapitel „Kontext der Organisation“, das sich mit den interessierten Parteien des Unternehmens befasst. Ziel ist es, die Erfordernisse und Erwartungen der verschiedenen Stakeholder – etwa Kunden, Lieferanten, Gemeinden, Aufsichtsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Investoren und Mitarbeiter – besser zu verstehen, und in der Folge zu bewerten, ob konkrete zu erfüllende Anforderungen daraus entstehen. Das Umweltmanagement-Handbuch ist keine Pflicht mehr, stattdessen sollen Informationen zur Norm dokumentiert werden. Die offene Formulierung bedeutet mehr Gestaltungsspielraum. Sulo hält jedoch weiterhin an einem Management-Handbuch fest. „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden“, so Kirsten Kogelberg. „Es ist praktisch, alle relevanten, übergeordneten Informationen gebündelt in einem Dokument zu haben.“ Auch ein Umweltmanagement- Beauftragter ist in der ISO 14001:2015 nicht vorgesehen. Der Grund liegt darin, dass die oberste Geschäftsleitung mehr Verantwortung für die Effektivität des Managementsystems übernehmen und Aufgaben sowie Kompetenzen sinnvoll delegieren soll. Damit ließe es sich besser in die Geschäftsprozesse integrieren und Umweltpolitik sowie -ziele können fester mit der Unternehmensstrategie verbunden werden. Dass eine bestimmte Person weiterhin viele der notwendigen Tätigkeiten übernimmt, ist genauso möglich wie eine Aufteilung der Aufgaben. Hier bleibt die Funktion der Umweltmanagement-Beauftragten bestehen. Auf diese Weise gibt es im Unternehmen einen Ansprechpartner, der dem Management zuarbeitet und eine Grundlage schafft, auf der die Geschäftsführung richtig bewerten und entscheiden kann. Externe Audits sollen Verbesserungen fördern „Die Zusammenarbeit mit den externen Auditoren war immer effizient und produktiv“, sagt Kirsten Kogelberg. „Die Prüfverfahren unterstützen uns dabei, Handlungsbedarf zu identifizieren und kontinuierlich besser zu werden.“ Durch das Auditverfahren konnte das Unternehmen einige Verbesserungsmöglichkeiten ausloten und An- stoßen. So bündelte es die Mitarbeiterinformationen für die Umwelt-, Qualitäts-, Energie- und Sicherheitspolitik in einem Schriftstück und entwickelt für die umweltbezogene Risiken- und Chancenbewertung ein Punkte-System. „Dadurch kann eine Vergleichbarkeit der Chancen und Risiken sehr unterschiedlicher Umweltauswirkungen erreicht werden. Dies soll für die Priorisierung abzuleitender Maßnahmen genutzt werden und verbessert somit das System“, sagt Kogelberg. Vom TÜV Rheinland ließ sich das Unternehmen erstmals im Jahr 1995 zertifizieren – damals stand das Qualitätsmanagementsystem auf dem Prüfstand – und ist der Organisation seitdem treu geblieben. Das liegt auch daran, dass sich Sulo zusätzlich zur ISO 14001 nach der ISO 9001 für Qualitätsmanagement und der 50001 für Energiemanagement zertifizieren lässt. Bei der letzten Überprüfung im Juni 2016 besuchten drei Auditoren zeitgleich das Unternehmen. Vorgaben wie der Nachweis der Dokumentenlenkung, die in den Managementsystemen identisch sind, ließen sich auf diese Weise in einem Durchgang kontrollieren. Angela Recino, Bewegte Kommunikation, Sankt Augustin, a.recino@bewegtkommunikation.de Unternehmenskontakt: Kirsten Kogelberg, Sulo Umwelttechnik GmbH, Herford, kirsten.kogelberg@sulo.de Bild: TÜV Rheinland UmweltMagazin Januar - Februar 2017 35

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