Aufrufe
vor 2 Jahren

01-02 | 2017

Nachrichten Deutscher

Nachrichten Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2016 Spitzenreiter der Nachhaltigkeit geehrt Die größte Auszeichnung ihrer Art in Europa Bereits seit 2008 wird der Deutsche Nachhaltigkeitspreis jährlich von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen vergeben. Die Prämierung vorbildlicher Akteure und Projekte will den Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen. Sie zeigt, wie „Sustainability made in Germany“ erfolgreich den Herausforderungen der Nachhaltigkeit begegnen und gleichzeitig Wettbewerbschancen eröffnen kann. Auch in 2016 wurde die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung zum neunten Mal Ende November in Düsseldorf verliehen. Drei Monate lang konnten sich Grün- der mit ihren nachhaltigen Geschäftsmodellen um den Preis bewerben. Innovative Ideen zur Schonung von Ressourcen, nachhaltige Mobilität und Landwirtschaft, digitalem Wandel und viele weitere sind eingegangen und die besten wurden auf dem Deutschen Nachhaltigkeitstag prämiert. Preisträger des BMUB-Sonderpreises „PartnerStadt – Nachhaltige Infrastrukturen lokal und global“ 2016 ist die Klingenstadt Solingen. Mit dem DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“ 2016 wurde das Schmuttertal-Gymnasium Diedorf ausgezeichnet. Bei den nachhaltigsten Städten setzten sich Nürnberg (Großstädte), Delitzsch (Städte mittlerer Größe) und Ahlheim (Kleinstädte und Gemeinden) durch. Preisträger in der Kategorie Forschung ist Evonik Industries. Als Deutschlands nachhaltigste Unternehmen überzeugten Tchibo (Großunternehmen), Alnatura und Fuchs (mittelgroße Unternehmen). Im Bereich KMU wurde das Kölner Unternehmen Fonds of Bags geehrt und Weleda als nachhaltigste Marke. Die Fliegl Fahrzeugbau GmbH aus Triptis wurde mit dem Sonderpreis Ressourceneffizienz 2016 bedacht, ebenso wie die Procter & Gamble Gruppe Deutschland. Unter Deutschlands nachhaltigsten Produkte findet sich Bionade Holunder der Bionade GmbH aus Ostheim sowie der Frosch Citrus Dusche & Bad-Reiniger der Werner & Mertz GmbH aus Mainz wieder. Tshering Tobgay, Premierminister von Bhutan, (UmweltMagazin berichtet in der Rubrik „Umweltmärkte), US-Schauspieler Nicolas Cage und die Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier wurden für ihr nachhaltiges Engagement mit dem Ehrenpreis gewürdigt. Nähere Informationen zu den Preisträgern unter www.nachhaltigkeitspreis.de. Bild: Frank Fendler, Düsseldorf Fluorierte Treibhausgase Verwendung in 2015 leicht gestiegen Im Jahr 2015 wurden von Unternehmen in Deutschland 9 347 t Fluorkohlenwasserstoffe (F-Gase) verarbeitet, die als klimawirksame Treibhausgase eingestuft werden. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, lag die verwendete Menge mit rund + 72 t oder + 0,8 % leicht über dem Niveau des Vorjahres. Treibhausgase tragen zur Klimaveränderung bei und nehmen Einfluss auf die Erderwärmung. Der klimawirksame Einfluss dieser Stoffe tritt erst auf, wenn sie in die Atmosphäre freigesetzt werden. Daher bezeichnet man diese Stoffe auch als potenziell klimarelevant. Der Einfluss der einzelnen Treibhausgase auf die Klimaveränderung ist unterschiedlich hoch. Als Bezugsgröße dient die Klimawirksamkeit von Kohlendioxid (CO 2 ) mit einem Erwärmungspotenzial/Global Warming Potential von 1. Das in Deutschland am häufigsten verwendete Kältemittel R 134a trägt zum Beispiel in einem Zeithorizont von 100 Jahren 1 430 Mal stärker zum Treibhauseffekt bei als CO 2 . Die Gesamtemissionen von klimawirksamen Gasen in Deutschland beliefen sich nach Berechnungen des Umweltbundesamtes im Jahr 2014 auf rund 902 Mio. t CO 2 -Äquivalente. Der Anteil der Fluorkohlenwasserstoffe an den Gesamtemissionen betrug 11,1Mio. t CO 2 -Äquivalente UmweltMagazin-Newsletter oder rund 1,2 %. Die Europäische Union hat in einer Verordnung, die Anfang 2015 in Kraft getreten ist, geregelt, dass die Verwendung von klimawirksamen Fluorkohlenwasserstoffen bis 2030 um rund 80 % gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2012 verringert werden muss. Darüber hinaus hat die internationale Gemeinschaft mit den Beschlüssen von Paris im Dezember 2015 sowie jüngst in Kigali/Ruanda und Marrakesch/Marokko weitergehende Einschränkungen der Verwendung von klimawirksamen Gasen vereinbart, um die weitere Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen. www.destatis.de Das Wichtigste immer im Blick – mit unserem kostenlosen Newsletter halten wir Sie einmal wöchentlich auf dem Laufenden. Hier finden Sie die täglich erscheinenden News aus dem Bereich der Umwelttechnik kompakt zusammengefasst im Nachrichtenüberblick. Melden Sie sich jederzeit an unter www.ingenieur.de/UmweltMagazin/Newsletter. 6 UmweltMagazin Januar - Februar 2017

Nachrichten Aus dem Umweltbundesamt Bild: Linnart Unger Ziele des Klimaschutzplans nur mit Energiewende im Verkehr zu erreichen Der Klimaschutzplan der Bundesregierung zeigt, dass beim Verkehr ein Umsteuern zwingend erforderlich ist: Zwischen 1990 und 2014 hat dieser seine Treibhausgasemissionen nur um 2 % reduziert, soll nun aber schon bis 2030 die Emissionen um 40 bis 42 % gegenüber 1990 mindern. Damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht, muss der Verkehr bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral werden. Hierzu ist der Einsatz von postfossilen Kraftstoffen und alternativen Antrieben im Verkehr erforderlich. Die vom Öko-Institut für das Umweltbundesamt erarbeitete Studie „Erarbeitung einer fachlichen Strategie zur Energieversorgung des Verkehrs bis zum Jahr 2050“ untersuchte die volkswirtschaftlichen Kosten für die notwendige Energiewende im Verkehr. Berücksichtigt wurden die Kosten für die Anschaffung der Fahrzeuge, den Aufbau der Tankstellen- und Ladeinfrastruktur sowie die Energiebereitstellung für den gesamten Zeitraum von 2010 bis 2050. Es wurden alle Verkehrsmittel untersucht und die Mehrkosten gegenüber der Nutzung von fossilem Benzin, Diesel, Kerosin oder Schweröl ermittelt. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Die Elektromobilität verursacht volkswirtschaftlich die geringsten Mehrkosten für eine Energiewende im Straßenverkehr. Untersucht wurden neben der direkten Stromnutzung in reinen Elektrofahrzeugen beziehungsweise Plug-in- Hybriden die Nutzung von aus regenerativem Strom hergestellten Kraftstoffen in konventionellen Verbrennungsmotoren sowie der Einsatz von aus erneuerbarem Strom produzierten Wasserstoff in Brennstoffzellen-Fahrzeugen. Insgesamt sind die Mehrkosten für den Wechsel auf Elektrofahrzeuge bei der Gruppe der Pkw, Transporter und Verteiler-Lkw um gut ein Viertel günstiger als bei Fahrzeugen, die mit den strombasierten Kraftstoffen betrieben werden. Im Fernverkehr hat der Oberleitungshybrid-Lkw, der auf Teilen der Autobahn seinen Strom über einen Fahrdraht erhält und sonst per Batterie oder Verbrennungsmotor fährt, sogar einen Kostenvorteil von rund 50 % gegenüber den Lkw-Varianten, die nur strombasierte Kraftstoffe nutzen. Die Detailanalysen zeigen: Für die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten sind die öffentlich oft problematisierten Kosten für den Aufbau einer Lade-, Tankstellen- oder Oberleitungsinfrastruktur nach ranging. So verursacht der Bau der Oberleitung an Autobahnen weniger als 15 % der gesamten Kosten eines Umstiegs auf Oberleitungshybrid-Lkw. Alle in der Studie untersuchten treibhausgasneutralen Optionen führen zu Mehrkosten im Vergleich zur Energieversorgung mit fossilen Kraftstoffen. Beim internationalen Luft- und Seeverkehr können zudem nur stromgenerierte Kraftstoffe eingesetzt werden – die kostengünstigere Elektrifizierung steht nicht zur Verfügung. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes betont, dass langfristig die geringeren Umweltkosten durch die vermiedenen Treibhausgas-, aber auch Luftschadstoffemissionen die Mehrkosten in den Jahren 2010 bis 2050 rechtfertigen. Je früher mit einer Energiewende im Verkehr begonnen werde, desto positiver wird diese Bilanz – für die Umwelt, und damit auch für die Volkswirtschaft. Ressourcenbericht: Deutsche verbrauchen zu viel Rohstoffe Pro Jahr verbraucht jeder Mensch in Deutschland mehr als 16 t Metall, Beton, Holz und andere Rohstoffe, das sind 44 kg am Tag. Deutschland liegt damit im internationalen und europaweiten Vergleich auf einem hohen Niveau. Das geht aus dem Ressourcenbericht des Umweltbundesamtes (UBA) hervor. Dieser stellt zum ersten Mal die wirtschafts- und umweltpolitischen Kennzahlen zum Rohstoffverbrauch in Deutschland gebündelt zusammen. Dabei wurden sowohl die inländische wie auch die internationale Perspektive berücksichtigt. Außerdem betrachtet der Bericht indirekte Umweltfolgen des Rohstoffverbrauchs, wie den Verbrauch an Fläche, Wasser und ungenutztem Material. So werden für ein Auto mit einem Gewicht von 1,5 t im Schnitt 70 t Material in Anspruch genommen. Um sorgsamer mit Rohstoffen umzugehen, regte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger unter anderem eine Reform der Mehrwertsteuer an: Für rohstoffeffiziente Produkte sollte ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz von 7 % eingeführt werden. Auch ein nach ökologischen Kriterien differenziertes Mehrwertsteuersystem wäre nach Änderung der einschlägigen EU-Bestimmungen möglich. Zudem fordert Krautzberger verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für Rohstoffe entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Materialien für den Baubereich sollten billiger werden, wenn dafür weniger oder keine Primärrohstoffe eingesetzt werden. Ein Beispiel ist Recyclingbeton: Seine Herstellung spart bis zu 45 % Kies. Für die Kunststoffherstellung sollten auf europäischer Ebene Rezyklatquoten festgelegt werden, mit dem Ziel, mehr Sekundärkunststoffe einzusetzen. So wäre es beispielsweise sinnvoll, einen höheren Mindestanteil an recyceltem Kunststoff für Plastiktüten oder Mülltonnen vorzuschreiben. Die EU-Ökodesign-Richtlinie sollte um Kriterien zur Materialeffizienz und zur Lebensdauer von Produkten erweitert werden. Dies würde die bestehende Kennzeichnung für den Energieverbrauch ergänzen und die Ressourceneffizienz leicht kenntlich machen. www.umweltbundesamt.de UmweltMagazin Januar - Februar 2017 7

Ausgabenübersicht