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01-02 | 2019

Aus Springer-VDI-Verlag

Aus Springer-VDI-Verlag wird VDI Fachmedien. Wir sind da, wo wir hingehören: im Top-Fachverlag für Ingenieure, den VDI Fachmedien. In direkter Anbindung an den VDI, dem größten deutschen Ingenieurnetzwerk. Wir – das sind die hochkarätigen Fachzeitschriften von Bauingenieur über BWK, Gefahrstoffe | Reinhaltung der Luft, HLH, Konstruktion, Lärmbekämpfung, Logistik für Unternehmen, Technische Sicherheit, UmweltMagazin und VDI-Z, deren erste Ausgabe bis zur Gründung des VDI zurückreicht. Unsere Autoren berichten über Innovationen und Hintergrundwissen in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Und das jederzeit praxisorientiert, ohne den wissenschaftlichen Background aus dem Blick zu verlieren. TECHNIKWISSEN FÜR INGENIEURE. www.vdi-fachmedien.de

Gastkommentar Ressourceneffizienz bei Kunststoffverpackungen Kunststoffe sind heute in der Wirtschaft und in unserem Alltagsleben wichtige und omnipräsente Materialien. Faszinierend vielseitig und günstig in der Produktion erfüllen sie wichtige Funktionen, die uns helfen, alltägliche aber auch gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Die Art und Weise, wie wir in Wirtschaft und Gesellschaft Kunststoffe herstellen, nutzen und entsorgen, ist jedoch erschreckend kurzsichtig. Unsere Umwelt, insbesondere die marine, leidet unter den Folgen. Darüber hinaus bleiben viele Vorteile der Kreislaufführung von Kunststoffen ungenutzt. Etwa das große Einsparpotenzial bei CO 2 -Ausstoß und Produktionsenergie, aber auch wirtschaftliche Chancen, etwa durch den Export von Know-how und Technologie. Wollen wir eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe etablieren, dann sind alle Akteure gefragt, von den Kunststoffentwicklern, über den Handel und die Verwertungsindustrie bis hin zu den Produkt- und Verpackungsherstellern. Das schwächste Glied der Wertschöpfungskette bestimmt die Grenzen von Recycling. Nachhaltigkeit beginnt beim Ausgangsmaterial Kunststoff selbst, umfasst aber auch dessen Gestaltung und Verwendung in Produkten und Verpackungen. Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit und Recyclingfähigkeit von Kunststoffen sind keine Gegensätze. Gemeinsam mit der umweltfreundlichen Abbaubarkeit von Kunststoffen und dem verstärkten Einsatz von recycelten Kunststoffen, sogenannten Rezyklaten, sind sie vielmehr die Kriterien einer nachhaltigen Produktgestaltung von Kunststoffen, dem sogenannten Ökodesign. Ökodesign, im Zusammenspiel aller Akteure entwickelt, ist wiederum Grundlage einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Rezyklate sind heute bereits Neuware qualitativ ebenbürtig. Aus ihnen können praktisch ohne Qualitäts- und Funktionsverluste neue Verpackungen hergestellt werden. Trotzdem führt Kunststoffrecycling ein Nischendasein. Denn noch sind Rezyklate preislich kaum wettbewerbsfähig. Die Aufbereitung ist aufwendig, Kunststoff-Neuware durch den niedrigen Ölpreis und staatliche Subventionierung im wahrsten Sinne des Wortes unschlagbar günstig und die beteiligten Unternehmen im Kunststoffrecycling sind zudem meist klein und von geringer Investitionskraft. Verglichen mit der Neuproduktion von Kunststoff ist die Recyclingmenge daher gering. In Europa werden jährlich 60 Millionen Tonnen Kunststoffe hergestellt, nur sechs Prozent davon sind Rezyklate. Die deutsche Papierindustrie nutzt zur Papierherstellung 75 Prozent Altpapier. Verpackungsglas besteht je nach Farbe aus bis zu 90 Prozent Altglasscherben. Verglichen damit ist der Kunststoff, so zugespitzt muss man das leider sagen, heute nicht kreislauffähig. Um das zu ändern, braucht es Akteure, die den Mehrwert von Rezyklaten verstehen und nutzen, auch wenn diese zunächst noch teurer sind als Kunststoff-Neuware. Durch den verstärkten Einsatz von Rezyklaten in Produkten und Verpackungen werden Herstellern die nötigen Skaleneffekte und in der Folge Preise für Rezyklate ermöglicht, die mit Neuware konkurrieren können. Um das Vertrauen in Rezyklate zu stärken, braucht es einheitliche Qualitätsstandards. Die Europäische Union hat die Herausforderung erkannt. Ab 2030 sollen alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein, der Rezyklateeinsatz soll bis 2025 stark ansteigen. Auf diese Ziele müssen substanzielle Schritte folgen! Die Industrie ist gefragt, Standards für den breiten Markt zu entwickeln, die Funktionalität, Marketing und Ökodesign in Einklang bringen. Die Politik muss darüber hinaus weitere Anreize schaffen und von Verboten absehen. Die Einführung eines CO 2 -Preises auf Ressourcen hätte eine starke Lenkungswirkung und würde effizient bei der Industrie ansetzen. Benötigt werden außerdem Ideen für nachhaltige Lösungen und die Bereitschaft, diese auch umzusetzen, egal ob in der Rohstoffherstellung, bei einfachen Standardqualitäten und -produkten oder Hightech-Lösungen. Wir brauchen Unternehmen mit Weitblick, die Rezyklate einsetzen und ihrer Produktverantwortung gerecht werden, indem sie Ressourcen schonend und möglichst im Kreislauf nutzen. Benötigt werden ganzheitliche Lösungen, die es Verbrauchern und Industrie ermöglichen, Kunststoffabfälle zu vermeiden und diese – wo Vermeidung nicht möglich ist – im Kreislauf zu führen. Kurz: Wir brauchen eine echte Kreislaufwirtschaft! Michael Wiener, CEO Der Grüne Punkt. „Ein rascher und umfassender Paradigmenwechsel ist dringend erforderlich!“ UmweltMagazin Januar - Februar 2019 3

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