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01-02 | 2019

Wasser Hochwasserschutz

Wasser Hochwasserschutz mit Klappwänden statt Sandsäcken Hunderte von Helfern schichten Tausende von Sandsäcken auf: Diese Bilder sind fest verankert. Doch Schutz vor Hochwasser ist auch mit weniger Aufwand möglich. Im Boden versenkte, ausklappbare und relativ leicht gebaute Wände schützen. Infolge des Klimawandels werden wir eine deutliche Zunahme von extremen Hitzetagen, extremen Niederschlägen und Stürmen bekommen. Das heißt, die Hochwasserschutzsysteme und organisatorische Einsatzplanung des Bevölkerungsschutzes müssen sich für die Zukunft darauf einstellen, dass Starkregenereignisse erstens generell zunehmen und zweitens lokal nicht exakt prognostizierbar bleiben. Das bedeutet: Überschwemmungen kommen massiv und schnell, eine Vorbereitung ist schwierig. Hochwasserschutzsysteme der Zukunft müssen nicht nur effektiv schützen, sondern im Bedarfsfall auch schnell einsatzfähig sein. Eine nachhaltige Stadtentwicklung in hochwassergefährdeten Städten wie auch in Stadtteilen mit einer Starkregengefahr erfordert effiziente Hochwasserschutzsysteme. Nötig sind zeit- und kosteneffiziente Hochwasserschutzlösungen, die bei einem Einsatz zudem mit minimalem Personalbedarf auskommen. Für die zukünftigen Anforderungen können deshalb vollkommen vorinstallierte Hochwasserschutzsysteme die Lösung sein. Der Klimawandel ist da Heftige Gewitterstürme und sintflutartige Regenfälle sind im Frühjahr im Bergischen Land, in Aachen und vielen Teilen Deutschlands hinweggezogen. Dann extreme Trockenheit in Europa mit vielen Wandbränden. Es gab Schäden in Milliardenhöhe. Experten warnen schon länger und das Jahr 2018 hat es auch deutlich gezeigt, Wetterextreme nehmen zu. Der starke Regen betrifft schnell großflächig ganze Stadtteile, lässt kleine unscheinbare Bäche schnell anschwellen Die AquaWand wurde unter nahezu realen Bedingungen umfangreich wissenschaftlich geprüft und testiert. und setzt Alles unter Wasser. Polizei und Feuerwehr kommen nicht mehr nach und stoßen an Ihre Grenzen. Die Bürger einer Stadt sind aber nicht vollkommen hilflos. Zum Beispiel können Gefahrenkarten erstellt, Wetterwarneinrichtungen mit WarnApps aufgebaut und gefährdete Stadtbereich so umgestaltet werden, dass bei einem Starkregen durch schnelles, gezieltes Handeln der Bürger und Einsatzkräfte die Häuser und kritische Infrastruktur vor Wasser geschützt werden. Sturzfluten und Schutzmaßnahmen In einer Krisensituation sind die starken Regengüsse nur oberirdisch einzudämmen und abzuleiten, da die fließenden Gewässer in der Stadt nicht so viel Platz haben und die Kanalisation mit einem Starkregenereignis völlig überfordert ist. Die Anforderungen moderner Stadtgestaltung mit einem Starkregenschutz zu vereinen ist nicht konfliktfrei: Zum Einen sollten die fließenden Gewässer in der Stadt den Bürgern frei zugänglich sein. Der Mensch lebt mit dem Wasser, Wasser inspiriert, bietet eine hohe Lebensqualität, schafft Grüngürtel und sorgt für eine gute Luftqualität. Zum Anderen sollte die Straßengestaltung barrierefrei sein und eine hohe Aufenthalts- und Verkehrsqualität besitzen. Mit einem schnellen und einfach aufzubauenden Flutschutz kann das Wasser oberirdisch eingedämmt und abgeleitet werden. Die Gewässer werden nicht zubetoniert und die Verkehrsgestaltung nicht behindert Ein Sturzflutereignis wird zur Katastrophe, wenn die Bürger und die Stadt nicht vorbereitet sind. Ein guter und wirksamer Hochwasserschutz zeichnet sich dadurch aus, dass Bürger und Einsatzkräfte den Schutz schnell und einfach aufbauen können. Um einen smarten Hochwasserschutz umzusetzen sind Vorhersagen wie zum Beispiel Warn-Apps auf dem Handy und erste visuelle Information für den Bürger wichtig. Durch Warn-Apps auf den Smartphones der Bürger und den klassischen Flutschutzplan im Gebäude (wie ein Brandschutzplan) wird das Risiko anschaulich kommuniziert und motiviert zu einem planvollen Handeln der Bür- 30 UmweltMagazin Januar - Februar 2019

Wasser Der Hochwasserschutzplan hängt an einem flachen Lagerschrank, der vorzugsweise gut zugänglich in einem Flur eines Gebäudes befestigt ist. ger und Einsatzkräfte. Die Warn-Apps auf dem Handy und Flutschutzpläne im Gebäude erzeugen nicht nur eine einmalige Aufmerksamkeit, sondern kommunizieren kontinuierlich den Flutschutz und halten die Erinnerung aufrecht, denn „Nach der Flut ist vor der Flut“. Sturzflutereignisse haben viel mit Emotionen zu tun und entfernen sich oft von der sachlichen Ebene. Somit ist es wichtig eine regelmäßige Übung durchzuführen. Schulung und Wartung der Systeme schafft Verantwortung und Akzeptanz der Notwendigkeit zu eigenständigem Handeln. Die anschauliche Darstellung des Flutschutzplanes und der einfache Aufbau des Flutschutzes – auch für „Nicht-Fachleute“ – schafft Vertrauen. Denn nur ein informierter Bürger kann im Ereignisfall planvoll handeln. Technische Anforderungen an einen mobilen Hochwasserschutz Gerade in einer stressigen Krisensituation, wie es eine Sturzflut ist, ist ein mobiler Schutz gefragt, der möglichst ohne lose Teile (keine Schrauben und andere Kleinteile) auskommt, um einen schnellen Aufbau nicht zu verzögern. Am besten sollte der mobile Schutz am Einsatzort gelagert sein, um den größten Zeitfaktor „die Logistik“ zu verringern oder ganz zu vermeiden. Das System muss einfach und robust konstruiert sein, so dass starke Strömung und Treibgut abgehalten werden und bei Beschädigungen wie Löchern, fehlenden beziehungsweise defekten Schrauben oder auch Aufbaufehlern das System nicht versagt und diese Defekte während des Hochwassers schnell und einfach repariert werden können. Als Weiteres ist eine Autarkie eines modernen Hochwasserschutzes anzustreben, der von Jedermann aufzubauen ist, ds heißt der Aufbau sollte ohne viele Hilfsmittel auskommen und auch bei schlechtem Wetter (nachts um 3:00 Uhr bei Schneeregen) funktionieren. Hochwasser- und Starkregenereignisse werden oft unterschätzt. Riesige Gebiete können überschwemmt sein oder ein Stadtteil kann innerhalb von weniger als einer Stunde vollständig unter Wasser stehen. Aufwendige Lagerhaltung und umständliche Logistik sind gerade dann in einer zeitkritischen Krisensituation keine Lösung und würden das Problem nur verschärfen weil Straßen unpassierbar werden, wertvolle Zeit und viele Personen mit dem Aufbau des mobilen Schutzes gebunden sind. Der visuelle Hochwasserschutzplan Hochwasserschutzpläne erlauben den Bürgern des Gebietes im Ernstfall die rasche Orientierung und damit den raschen schadensmindernden Einsatz. Aus diesem Grund werden Hochwasserschutzpläne ausgehängt und bieten eine wesentliche Unterstützung in der stressreichen Krisensituation direkt am Anfang. So werden beispielsweise aus einem Hochwasserschutzplan die ersten Arbeitsschritte, die Schutzwand, der Standort von Aufbauwerkzeug wie weitere Pumpen, Licht und andere bestimmt, oder Hinweise über Elektrogefahren, Schieber, Stromanschlüsse usw. aufgeführt. Der Hochwasserschutzplan hängt an einem flachen Lagerschrank, der vorzugsweise gut zugänglich in einem Flur eines Gebäudes befestigt ist. Beim Einsatz braucht der Lagerschrank nur aufgeklappt werden, und das gesamte Aufbauwerkzeug steht zur Verfügung. Die autarke mobile Schutzwand Bei der autarken mobilen Schutzwand „Die AquaWand“ handelt es sich um ein geschlossenes System, immer im Bereitschaftsmodus. Alles ist sicher miteinander verbunden, nichts kann verloren gehen oder gestohlen werden. Es gibt keine Schrauben, der Aufbau ist simpel, alle Komponenten werden aus dem Kanal gezogen, ineinander gesteckt und verbolzt. Die AquaWand besteht aus: Stahlpfosten, die ortsfest angeordnet und schwenkbar sind, einer wasserdichten Plane und ein sehr stabilem Edelstahlnetz, die im Boden wasserdicht bzw. kraftschlüssig mit einem Betonkanal verbunden sind. Bei einem Hochwassereinsatz ist die AquaWand in extrem kurzer Zeit, völlig autark mit nur sehr wenig Personal aufgebaut. Nach einem Einsatz wird sie wieder in den Betonkanal verstaut. Die AquaWand von der Ostsee bis in die Alpen bereits installiert Die AquaWand ist in den verschiedenen Ausführungen an der Ostsee bis in den Alpen im Einsatz. UmweltMagazin Januar - Februar 2019 31

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