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03| 2016

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Abfall & Recycling

Abfall & Recycling Umweltschonende Verwertung von Prozessgasen Koks ist ein Hauptbestandteil der Roheisenproduktion. Mit einer neuen Technologie kann das CO 2 , das bei der Gewinnung des Stoffs anfällt, reduziert und ein Teil der Prozessgase in Ammo - niumbikarbonat umgewandelt werden. Diese auch Hirschhornsalz genannte Substanz kann in einer Vielzahl von Endprodukten eingesetzt werden. Die thyssenkrupp Industrial Solutions AG, Essen, hat in Kooperation mit Forschern der Technischen Universität (TU) Berlin für dieses Verfahren eine Pilot anlage in Duisburg in Betrieb genommen. Aus Kohle Kekse zu machen, das ist mit einer neuen Technologie theoretisch möglich. Diese wurde im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts von der Kokereibetriebsgesellschaft Schwelgern GmbH (KBS), dem Anlagenbauer thyssenkrupp Industrial Solutions und der TU Berlin entwickelt. Auf dem Werksgelände der thyssenkrupp Steel Europe AG in Duisburg ist eine Pilotanlage in Betrieb genommen worden, die eine Substanz produziert, die auch als Backpulver einsetzbar ist. Im Vordergrund steht aber nicht, mit der Herstellung dieses so genannten Hirschhornsalzes in die Lebensmittelindustrie einzusteigen. Vielmehr nutzt das Versuchsaggregat bestimmte Prozessgase, die bei der Herstellung von Koks entstehen, und wandelt diese umweltschonend um. Daraus entstehen unter anderem vermarktbare Stoffe, und der CO 2 -Ausstoß wird vermindert. Die Anlage ist die weltweit erste ihrer Art. Prozessgase werden in verwertbare Stoffe umgewandelt „Kokereien gibt es auf der ganzen Welt. Wir wollen mit dem neu entwickelten Verfahren den Betreibern die Chance bieten, ihre Prozessgase sinn- Kokerei-Chef Peter Liszio (r.) und Dr. Holger Thielert von thyssenkrupp Industrial Solutions haben das Gemeinschaftsprojekt auf den Weg gebracht. voll weiterzuverwenden und die Produktivität ihrer Anlagen zu steigern“, sagt Dr. Holger Thielert, Head of Gas Treatment Plant Department von thyssenkrupp Industrial Solutions. „Hierfür haben wir ein Verfahren entwickelt und patentiert, das Koksofengase ressourcenschonend in verwertbare Stoffe umwandelt. Dieses Verfahren können wir weltweit vermarkten oder auch in bestehenden Anlagen installieren.“ Am Anfang der neuen Methode steht die Produktion von Koks, das neben Eisenerz der Hauptstoff zur Herstellung von Roheisen im Hochofen ist. „Dabei wird in der Kokerei Kohle unter hohen Temperaturen ‚gebacken‘. Die in diesem Prozess entstehenden heißen Gase führen eine Reihe von Stoffen mit sich. In der Versuchsanlage wird nun in einem komplexen Verfahren das Koksofengas gewaschen. Unter Beigabe von Kohlenstoffdioxid entsteht Ammoniumbikarbonat“, so Thielert. Die entstehenden Endprodukte sind vielfältig einsetzbar: als Stickstoffdünger, als Treib- und Schäumungsmittel für Kunststoffe oder poröse Keramiken sowie in der Nahrungsmittelindustrie. Auf dem Weg zum Einsatz im Großmaßstab Nach erfolgreichen Testläufen unter Laborbedingungen wurden zwei Forscher der TU Berlin mit dem Bau der Pilotanlage in Duisburg beauftragt. „Die entscheidenden Versuche können nur unter realen Bedingungen stattfinden“, sagt Sebastian Riethof, Wissenschaftler der Hochschule. Für die Testphase bietet die Kokerei Schwelgern als Teil des integrierten Hüttenwerks die passenden Bedingungen. „Läuft hier auf der Kokerei alles wie geplant, kann das neue Verfahren auch im Großmaßstab angewendet werden“, so Riethof. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend. So können 95 % des im Gas enthaltenen Ammoniaks genutzt werden. Aus 15 m 3 Koksofengas und 2 m 3 Kohlenstoffdioxid entstehen so pro Stunde 15 kg Feststoffe. Die Chemieprodukte können damit zu marktfähigen Kosten hergestellt werden. 42 UmweltMagazin März 2016

Abfall & Recycling Bilder: thyssenkrupp Gase aus der Koksproduktion werden in der Pilotanlage zu Hirschhornsalz umgewandelt. Aus Koksofengas werden Chemieprodukte. Pilotanlage verringert umweltschonend CO 2 -Emissionen Laufen die Tests weiter erfolgreich, wäre dies ein Durchbruch für die Produktivität und Ressourceneffizienz – auch für die Kokerei: „Schon jetzt werden hier in Duisburg nahezu alle anfallenden Prozessgase möglichst effizient verwertet“, sagt KBS-Geschäftsführer Peter Liszio. „Gelingt es uns jetzt noch langfristig aus den Koksofengasen am Markt absetzbare Produkte für andere Industriezweige herzustellen und zugleich den CO 2 -Ausstoß des Hüttenwerks zu senken, wäre das ein echter Mehrwert, der auch der Umwelt zugutekommt.“ Deshalb könnten Idee und Anlagentyp bei positivem Fortschritt künftig auch weltweit Verbreitung finden. Torben Beckmann, thyssenkrupp Industrial Solutions AG, Essen, torben.beckmann@thyssenkrupp.com Sonderdrucke – ein werbewirksames Marketing- und PR-Instrument Ist in einer unserer Fachzeitschriften ein Beitrag von Ihrem Unternehmen erschienen? Dann nutzen Sie doch die Möglichkeit, von diesem Beitrag einen attraktiven Sonderdruck erstellen zu lassen. Sonderdruck aus UmweltMagazin 4/5-2012 Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen gewinnt in allen Wirtschaftszweigen immer mehr an Bedeutung. In Bund und Ländern gibt es zunehmend Aktivitäten rund um das Thema ressourceneffizientes, also material- und energiesparendes Wirtschaften, dessen Kern der Produktionsintegrierte Umweltschutz (PIUS) ist. Um allen Beteiligten den gleichen Wissensstand zum Themenbereich zu vermitteln, Doppelungen zu vermeiden und Synergien zu nutzen, ist der kontinuierliche Austausch über die Ländergrenzen hinweg eine Grundvoraussetzung. Henning H. Sittel I PIUS: Wissen über Ressourceneffizienz PIUS-Länderkonferenzen: Austausch zum Erfolg das Thema mittlerweile geworden ist. mittlung über das Internet werden über Einzelaktivitäten wie beispielsweise das das Angebot der PIUS-Länderkonferenzen, des PIUS-Internet-Portals und der durch das BMU init ierte Netzwerk Ressourceneffizienz sowie die steigende PIUS-Netzwerke unterstützt. Anzahl von Unterstützungsangeboten in diesem Bereich sind ein weiterer Ausdruck dafür, dass dieses Thema ganz oben auf der politischen Agend angekommen ist. und Ressourceneffizienz“ – das ist das „Gemeinsam zu mehr Innovation Motto der vierten PIUS-Länderkonferenz, die am 15. und 16. Ma in Mainz stattfinden wird. Mit der Veranstaltung wird der kontinuierliche Dialog über die Ländergrenzen hinweg fortgesetzt, der mit der ersten Konferenz im Dezember 2002 in Duisburg gestartet und 2006 sowie 2009 in Bonn erfolgreich fortgesetzt Ziel a ler Aktivitäten ist die Wirtschaft. Die produzierenden Unterneh- wurde. Der Kreis der Veranstalter hat n Politik und Wirtschaft sowie in Wissenschaft und Forschung wird dem men in Deutschland, insbesondere die sich seit 2002 kontinuierlich vergrößert. In Mainz wird eine Plattform ge- Thema Ressourceneffizienz ein immer kleinen und mittleren, müssen kontinuierlich für das Thema Ressourcenschaffen, auf der Unternehmen, Berater größerer Ste lenwert eingeräumt. Die Gründung der Deutschen Materialeffizienzagentur (demea; 2006) durch das möglichst schne l und aktueffizienz sensibilisiert und Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) e l mit Infos und Unterstützungsangeboten versorgt und der VDI-Zentrum für Ressourceneffizienz GmbH (VDI ZRE; 2009) durch werden, damit in der Praxis das Bundesumweltministerium (BMU) die Chancen für eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit genutzt und Vertreter von Ministerien aus Bund sowie die vielfältigen Aktivitäten auf EU-Ebene zum „Ressourcenschonenden Europa“ sind auf politischer Seite eine Kombination aus der Internet-Nut- von Institutionen die Chance zum per- werden können. Dabei zeigt sich, dass und Ländern, aus der Verwaltung und Beispiele für die große Bedeutung des zung und dem regelmäßigen persönlichen Austausch die besten Chancen ceneffizientes Wirtschaften mit Blick sönlichen Austausch haben. Ressour- Themas. Auch die Gründung der „Deutschen Rohstoffagentur“ im Oktober bietet. Sowohl der persönliche Austausch als auch die Informationsver- sende Themenfelder steht dabe im auf Innovationen und zukunftswei- 2010 durch das BMWi zeigt, wie sensibel Mit- • Sonderdrucke werden individuell nach Ihren Wünschen gestaltet • Ihr Logo und Ihre Kontaktdaten können eingefügt werden • Fremdanzeigen und Fremdtexte werden entfernt • Sonderdrucke sind kostengünstig und lassen sich vielseitig einsetzen (z. B. auf Ihrem Messestand, für Kunden und Mitarbeiter etc.) Profitieren Sie vom Imagetransfer und dem hohen Renommee unserer Fachzeitschriften. Gerne unterbreiten wir Ihnen ein unverbindliches Angebot. Informieren Sie sich jetzt: Kornelia Grund Telefon: 0211/6103-369, Fax: 0211/6103-300 E-Mail: grund@springer-vdi-verlag.de Springer-VDI-Verlag GmbH & Co. KG, VDI-Platz 1, 40468 Düsseldorf, Internet: www.springer-vdi-verlag.de

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