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03| 2016

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Medienpartnerschaft Mehr

Medienpartnerschaft Mehr Chancen durch die Lebenswegbetrachtung von Produkten Die Norm ISO 14001:2015 enthält Anregungen, damit Unternehmen Umweltaspekte nicht nur als Belastung in Form einzuhaltender Gesetze sehen und diese lediglich auf Druck der Öffentlichkeit berücksichtigen. Es soll aufgezeigt werden, dass sich mit der Betrachtung dieser auch neue Chancen am Markt eröffnen können. Die ISO 14001 zielt insbesondere auf neue Chancen für Organisationen durch die Lebenswegbetrachtung von Produkten ab. Vorausgesetzt ist allerdings, dass umweltfreundliche Lösungen angestrebt werden. Sie sind erfolgreich, wenn sie in erweiterte oder neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden. „Viele Konzepte sind bereits bekannt und werden nun eingesetzt, um die Umwelt zu schonen“, erläutert Claudia Nauta, Produktmanagerin der DGQ Weiterbildung. Sie verweist dabei auf das im letzten Jahr erschienene Fachbuch „Wertschöpfung statt Verschwendung“, das neue Geschäftsoptionen auf Basis der Kreislaufwirtschaft vorstellt. Circular-Supply-Chain Die Circular-Supply-Chain ermöglicht Organisationen, zunehmend auf recyclingfähige, umweltfreundlichere und erneuerbare Materialien sowie Energieträger zuzugreifen. Dies könne von Beginn an in den Entwicklungsabteilungen und anschließend in der Lieferkette berücksichtigt werden. Als Beispiel ist hier die Bionatic GmbH & Co. KG (www.biologischverpacken.de) zu nennen, die Food Service-Verpackungen aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen anbietet. Wiederverwertung und Recycling Wiederverwertung und Recycling zielen darauf, Ressourcen, die in benutzten und ausrangierten Produkten stecken, zu bewahren, rückzugewinnen und wiederzuverwerten. Upcycling wandelt sogar Altprodukte in wertvollere Materialien um. Zur Rückgewinnung werden dann nicht nur Liefer- sondern auch Rückführungsketten aufgebaut. Diese bilden die Basis für die Gestaltung ökologisch geschlossener Kreisläufe ohne Ressourcenverluste. Ein Beispiel ist hier TerraCycle (www.terracycle.de), ein internationales Recycling- und Upcycling-Unternehmen, das schwer recycelbare Verpackungen und Produkte sammelt und daraus neue, umweltfreundliche herstellt. Auch Coreman- Net (www.coremannet.com) ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Dieser Service für Altteilerückführung im Kfz- Bereich wird aktuell von den Kooperationspartnern Bosch, ZF und ZF Lenksysteme angeboten. Lebenszyklusverlängerung Lebenszyklusverlängerung bedeutet, Produkte möglichst langlebig zu gestalten – also das Gegenteil von Obsoleszenz, der bewussten Konstruktionen für den frühzeitigen Kollaps oder den Ausfall eines Produktes. Langlebigkeit könne dagegen unterschiedliche Strategien unterstützen. So könnten Organisationen statt neuer Produkte künftig Dienstleistungen anbieten wie etwa das Nachrüsten, Warten, Auffüllen, Aufbereiten, Aktualisieren, Reparieren oder den Wiederverkauf langlebiger Produkte. Siemens (www.siemens.com) bietet hier etwa einen Service zur Lebenszeitverlängerung von Gasturbinen an. Auch mit iFixit (https://de.ifixit.com) besteht eine weltweite Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig helfen, Dinge wieder in Stand zu setzen. Hier wird unter anderem die Reparierbarkeit von Smartphones und anderen Geräten bewertet. Kollaborationsplattformen Kollaborationsplattformen dienen zur optimalen Auslastung ungenutzter Güter. Sie sind eng mit einer Sharing Economy verknüpft, in der die Besitzer von Produkten Nutzungszeiten mit anderen Kontakt Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) Rolf Henning August-Schanz-Str. 21A 60433 Frankfurt am Main Tel.: 069/95424-170 Fax: 069/95424-296 rh@dgq.de www.dgq.de Personen oder Organisationen teilen. Anstatt Produkte zu verkaufen, unterstützten und koordinierten Organisationen dann das Mieten, Teilen, Tauschen, Ausleihen oder Verschenken von Ressourcen. Die rund 800 Energiegenossenschaften in Deutschland (www.genossenschaften.de/ windenergiegenossenschaften) verfolgen alle ein gemeinsames Ziel: die Umsetzung einer dezentralen Energiewende unter Beteiligung der Menschen vor Ort – mit positiven Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Für die Erreichung dieses Ziels bedienen sich die Energiegenossenschaften ganz unterschiedlicher Geschäftsmodelle: von der Stromerzeugung über den Netzbetrieb bis hin zu Themen wie Energieeffizienz oder -vermarktung. Auch Floow2 (www.floow2.com/teil-marktplatz. html), ein Maschinen- und Dienstleistungsmarktplatz für Unternehmen und Einrichtungen ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Product as a Service Product as a Service nach dem Motto „Leistung geht vor Eigentum“ bedeutet, dass Organisationen die Besitzrechte an Produkten halten. Dazu bestehen nutzungsabhängige Spielarten wie Bezahlung, Leasing, Vermietung oder Leistungsvereinbarungen, die bereits teilweise ohne den umweltbezogenen Kontext bekannt sind. Etwa ein Kaufvertrag mit vordefiniertem Grad an Service und Qualität, wie beispielsweise die Beleuchtung von Werkshallen. Diese Variante motiviere, auf längere Lebensdauern zu achten. Beispiel hier die Licht Leasing (www.dielichtleasing.de). Der Fokus liegt dabei auf LED-Leuchtmitteln, die herkömmliche energiesparend und kostengünstig ersetzen sollen. Diese Anregungen greift die DGQ in ihrer Ausbildung zum DGQ-Umweltmanagementbeauftragten neu auf und will damit den Unternehmen die Beweggründe zur Revision der ISO 14001:2015 näherbringen. 54 UmweltMagazin März 2016

Standards Service DIN EN 15885:2016–01 Renovierung von Abwasserkanälen VDI 6310 Blatt 1:2016–01 Bioraffinerien Angesichts der Herausforderungen durch Ressourcenknappheit und Klimawandel haben die Bereitstellung von Energie sowie die Erzeugung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen – und damit das Technologiekonzept der Bioraffinerie – an Bedeutung gewonnen. Die Richtlinie VDI 6310 Blatt 1:2016–01 „Klassifikation und Gütekriterien von Bioraffinerien“ ordnet Bioraffineriekonzepte ein und formuliert eine standardisierte Basis zur Charakterisierung hinsichtlich technischer, ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien. Bild: lichtkunst.73 / pixelio.de VDI 4800 Blatt 1 Ressourceneffizienz Bei dem europäischen Norm-Entwurf DIN EN 15885:2016–01 handelt es sich um eine Neuausgabe. Die Norm legt ein System zur „Klassifizierung von Techniken für die Renovierung, Reparatur und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen“ außerhalb von Gebäuden fest, die unter Schwerkraft oder Druck betrieben werden. Auf Anforderungen an Produkte wird dabei nicht eingegangen. Für jede Technikfamilie sind die zutreffenden Normen, Werkstoffe und Anwendungen aufgeführt. Darüber hinaus werden die Eigenschaften einschließlich Einbaumerkmale, baustatischer und hydraulischer Leistungsmerkmale sowie Standorteinflüsse dargestellt. Die vorangehenden Arbeiten am vorhandenen Rohr gehören nicht zum Anwendungsbereich des Norm-Entwurfs. Er enthält zusätzlich Informationen, die helfen sollen, für bestimmte Arbeitsziele die richtige Technik auszuwählen. Die Auswahl des geeigneten Systems liegt jedoch in der Verantwortung des Entwurfsplaners. Für den Entwurf ist das Gremium NA 119–05–37 AA „Renovierung, Reparatur und Erneuerung von Abwasserkanälen und -leitungen“ im DIN-Normenausschuss Wasserwesen zuständig. VDI 4602 Blatt 1:2016–01 Energiemanagement Die Richtlinie VDI 4602 Blatt 1:2016–01 „Energiemanagement – Grundlagen“ sorgt für eine einheitliche Begriffsdefinition. Sie ist für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche wie beispielsweise Einrichtungen öffentlicher Gebietskörperschaften, gewerbliche und industrielle Anlagen sowie Objekte von Energieversorgungsunternehmen anwendbar. Nach Einführung der zur Zertifikation eines Energiemanagements oder eines Energieaudits entstandenen Normen (DIN EN ISO 50001, DIN EN 16247) besteht weiterhin die Notwendigkeit, die Belange des Energiemanagements einzuordnen und in die praktische Anwendung zu überführen. Die Richtlinie stellt den Bezug zwischen Zertifizierungsziel und praktischer Umsetzung dar. In der Richtlinie VDI 4800 Blatt 1 „Ressourceneffizienz – Methodische Grundlagen, Prinzipien und Strategien“ werden zum ersten Mal abgestimmte Definitionen und anerkannte Prinzipien zur Berechnung und Bewertung der Ressourceneffizienz von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen vorgestellt. Hierbei handelt es sich um ein methodisches Grundlagenwerk. Es bietet darüber hinaus Unternehmen anhand von 36 beispielhaften Strategien und Maßnahmen zur Ressourceneffizienz Anregungen zur Optimierung ihrer Produkte oder Prozesse. Zu dieser Richtlinienreihe sind zwei weitere Blätter in Arbeit, die Berechnungsvorschriften für einzelne Indikatoren konkretisieren, die ausgewählte Ressourcenkategorien repräsentieren. Thema der VDI 4800 Blatt 2 ist die Bewertung des Rohstoffaufwands. VDI 4800 Blatt 3 wird Indikatoren zur Bewertung von Umweltwirkungen darstellen. Herausgeber ist die VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt. Kontakt Deutsches Institut für Normung e. V. (DIN), Berlin, www.din.de VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU) www.vdi.de/geu Bild: VDI Zentrum Ressourceneffizienz UmweltMagazin März 2016 55

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