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03 | 2019

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Special Alternative

Special Alternative Antriebe zur Luftreinhaltung Wind laden Der Windenergieanlagenbauer Enercon diversifiziert sein Geschäft. Als Ergänzung des Kerngeschäfts bringt das Unternehmen Ultraschnellladestationen und weitere Lösungen für die Sektorkopplung auf den Markt. Fahrzeug des Windenergieanlagenbauers tankt vielleicht nur Windstrom. Stromtanken ... Aurich, zweitgrößte Stadt Ostfrieslands, kann ein Startpunkt der E-Mobilität werden. Im März 2018 hat Enercon dort eine erste Schnellladestation errichtet: den Prototyp des „E-Charger 600“. Diese Station steht am Energie-, Bildungs- und Erlebnis-Zentrum (EEZ) im Stadtteil Sandhorst. Noch betreibt Enercon den Standort zu Testzwecken. Später sollen einmal die Stadtwerke Aurich den Betrieb übernehmen. Die Stadtwerke wollen in der Region eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur aufbauen, die mit regenerativer Energie versorgt wird. Der Windenergieanlagenbauer ist Mitgesellschafter der Stadtwerke. Der E-Charger 600 ermöglicht das schnelle Laden von E-Fahrzeugen mit maximalen Ladeleistungen von bis zu 350 Kilowatt (kW). Im Idealfall könnte ein Elektroauto der kommenden Generation in rund acht Minuten Energie für 400 Kilometer Fahrt „tanken“. So entspricht der Ladevorgang für E-Fahrzeuge dann dem heutigen Tankvorgang. Damit wird die E-Mobilität bereit für den Massenmarkt und batteriebetriebene Fahrzeuge lassen sich ohne Einschränkung als Erstfahrzeug nutzen, mit dem auch weite Strecken zurückgelegt werden können. Für Enercon bieten die Ladestationen ein weiteres wirtschaftliches Standbein und zusätzliche Absatzkanäle für grünen Strom aus Windenergieanlagen. Gleichzeitig stellen sie eine ideale Form der Sektorkopplung dar, um die Energiewende auch im Verkehr zu vollziehen. Als Anbieter von Systemlösungen für regenerative Energien schafft das Unternehmen so ein „Ökosystem“ rund um sein Kernprodukt Windenergieanlage. Und der Windenergieanlagenbauer hat weitere Pläne. Dieses Ökosystem soll künftig um weitere Anwendungen wie Power-to-Gas-Lösungen, Batteriespeicher und innovative Vermarktungsmodelle für Windstrom ergänzt werden. Derzeit installiert Enercon die ersten E-Charger Pilotprojekte zusammen mit Kunden – darunter ist auch der erste E-Ladepark, mit dem herkömmliche Tankstellen ersetzt werden können. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit zahlreichen Interessenten aus verschiedenen Branchen in fortgeschrittenen Gesprächen über die Lieferung der Ultraschnellladetechnologie. Ebenfalls vorbereitet werden Versionen der Schnellladetechnologie für internationale Märkte. Zudem überlegt Enercon, seine umfangreiche Flotte an Service-Fahrzeugen langfristig auf E-Modelle umzustellen. Diese könnten mit 100-prozentigem Grünstrom aus Windenergieanlagen fahren. Ein Langzeittest mit einem seriennahen vollelektrisch angetriebe- ... ist einfach. ner E-Crafter von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Ostfriesland ist bereits abgeschlossen. Ein weiterer Test mit einem vergleichbaren E-Sprinter von Mercedes steht noch aus. Enercon will auf diese Weise prüfen, ob diese E-Transporter den Anforderungen an Service-Fahrzeuge gerecht werden und eine Alternative zu den bisher eingesetzten Transportern mit konventionellem Dieselantrieb darstellen. Im Fokus des Praxistests stehen Zuladung, Alltagstauglichkeit der Batterie auch bei niedrigen Temperaturen sowie die tatsächliche Reichweite. Unabhängig vom Ausgang dieser Tests werden bereits die Fahrzeugpools der Service-Gesellschaften mit E-Pkw und Kleinsttransportern für Kurzstreckenfahrten ergänzt. Wieland Brùch, BMW AG wieland.bruch@bmw.de Bilder: Enercon GmbH 18 UmweltMagazin März 2019

Alternative Antriebe zur Luftreinhaltung Special Das Leben nach dem E-Auto: sicheres Batterie-Recycling Fotomontage: SIMPLi Return In der Elektromobilität gelten Lithium-Ionen-Batterien als Schlüsseltechnologie. Am Ende ihrer Lebenszeit ist eine komplexe Entsorgung notwendig. Das junge Unternehmen SIMPLi Return aus Köln bietet hier ein umfassendes Rücknahme- und Recyclingkonzept für eine sichere und umweltgerechte Entsorgung an - und das global. Aktuelle Statistiken weisen darauf hin, dass sich das Speichervolumen der benötigten Lithium-Ionen-Batterien weltweit von heute 90 Gigawattstunden (GWh) bis 2025 mehr als verdreifachen wird: auf mehr als 300 GWh. Dies entspricht in etwa jener Energie, die ein modernes Kernkraftwerk in knapp zwei Wochen produziert. Einen wesentlichen Anteil an dem steigenden Bedarf hat die Elektromobilität. In Pkw und Lkw werden mit die größten und schwersten dieser Batterien verbaut. Lithium-Ionen-Batterien gelten aufgrund ihrer langen Lebensdauer von acht bis 15 Jahren und einer geringen Selbstentladung als fortschrittlichste Speichertechnologie der Elektromobilität. Sie enthalten im Schnitt zwei bis drei Prozent an Lithium (Li). Hinzu kommen zehn bis 15 Prozent seltene Metalle wie Kobalt, Mangan und Nickel. Mit zunehmender Zahl steigen auch die Anforderungen an eine sichere Entsorgung. Hier kommt SIMPLi Return ins Spiel – ein Joint Venture, das 2018 die Kölner Interseroh Dienstleistung GmbH und die österreichische Saubermacher Dienstleistungs AG in Feldkirchen bei Graz, gegründet haben. Saubermacher recycelt solche Batterien bereits seit mehr als 15 Jahren. Damit bündeln beide Firmen ihre Expertise für einen sicheren Transport und ein sicheres Recycling von industriell genutzten Lithium-Ionen-Batterien. Sie erstellen auf dieser Grundlage weltweite Rücknahmekonzepte. Und die Nachfrage wächst: Hersteller und Inverkehrbringer dieser Batterien wünschen sich oft einen Service mit Rückholtransport und Recycling in verschiedenen Absatzmärkten weltweit aus einer Hand. Aufwändiges Recycling Alte oder beschädigte Lithium-Ionen- Batterien können aufgrund ihrer hohen Energiedichte zum Sicherheitsrisiko werden. Denn wenn etwa durch eine mechanische Beschädigung ein Kurzschluss in der Batteriezelle entsteht, kann sich diese erhitzen und letztendlich platzen, wodurch giftige und leicht entflammbare Gase wie verschiedene Kohlenwasserstoffverbindungen und auch Flusssäure (HF) entweichen können. Entzünden sich diese Gase, werden leicht Temperaturen von mehr als 700 °C erreicht. Dadurch können sich auch umliegende Zellen der Batterie entzünden. Diese fortschreitende Ent- UmweltMagazin März 2019 19

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