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03 | 2019

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Aus Springer-VDI-Verlag

Aus Springer-VDI-Verlag wird VDI Fachmedien. Wir sind da, wo wir hingehören: im Top-Fachverlag für Ingenieure, den VDI Fachmedien. In direkter Anbindung an den VDI, dem größten deutschen Ingenieurnetzwerk. Wir – das sind die hochkarätigen Fachzeitschriften von Bauingenieur über BWK, Gefahrstoffe | Reinhaltung der Luft, HLH, Konstruktion, Lärmbekämpfung, Logistik für Unternehmen, Technische Sicherheit, UmweltMagazin und VDI-Z, deren erste Ausgabe bis zur Gründung des VDI zurückreicht. Unsere Autoren berichten über Innovationen und Hintergrundwissen in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Und das jederzeit praxisorientiert, ohne den wissenschaftlichen Background aus dem Blick zu verlieren. TECHNIKWISSEN FÜR INGENIEURE. www.vdi-fachmedien.de

Gastkommentar Altmaiers Nationale Industriestrategie 2030 Anfang Februar hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier seine „Nationale Industriestrategie 2030“ vorgestellt. Erstmals, so der Minister, liegt „eine zusammenhängende und an grundsätzlichen Erwägungen orientierte nationale und europäische Industriestrategie vor“. Hört man die Worte, assoziiert man großes Wirtschaftsnobelpreis-verdächtiges. Endlich, 70 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik, haben wir eine nationale Industriestrategie. Altmaiers will einen „Beitrag zur Wiedererlangung von wirtschaftlicher und technologischer Kompetenz, Wettbewerbsfähigkeit und Industrie-Führerschaft auf nationaler, europäischer und globaler Ebene“ leisten. Dabei kokettiert er mit dem „Airbus“. Wie beim Airbus-Projekt sollen Großprojekte in Deutschland und Europa mit Hilfe des Staates zu Welt-Champions werden. Das Vorbild ist weniger Ludwig Erhard als Vater der Sozialen Marktwirtschaft, sondern der chinesische Präsident Xi mit seinem gelenkten Industrieaufbau. Im Programm ist zu lesen, dass „der Staat für einen befristeten Zeitraum selbst Erwerber von Unternehmensanteilen werden kann“,… oh ha. Auch die Schaffung einer nationalen Beteiligungsfazilität zieht er in Betracht. „Dies kann … bis zu befristeten Übernahme von Anteilen oder Gewährung von Beihilfen gehen“. Dann wird der Minister konkret: „Im Hinblick auf die für die Wertschöpfungskette sehr bedeutende Frage der Batteriezellproduktion erscheint z.B. eine staatliche Förderung bis hin zur Unterstützung der Bildung von Konsortien sinnvoll.“ Peter Altmaier spricht auch von einer Milliarde an staatlichen Fördergeldern für eine heimische Lithium-Ionen-Batteriezell-Produktion. Zusätzlich will die EU ein Vielfaches an Fördergeldern zur Verfügung stellen. Berlin und Brüssel kommen ins Schwärmen über den Airbus für Lithium-Ionen Batterien. Und dieser, so die Ankündigungen, schafft Arbeitsplätze in der Lausitz oder dem Hambacher Braunkohlerevier. Dies Argument verkauft sich immer gut. Mehr als 70 Prozent der Produktionskapazitäten für Lithium-Ionen Zellen für die Autoindustrie teilten sich 2018 die beiden Chinesen BYD und CATL, der Japaner Panasonic und die Koreaner Samsung und LG Chem. Neu dazu stößt das Joint Venture des südkoreanischen Chemiekonzern SK-Innovation mit VW. Alles Weltkonzerne, die das Geschäft in- und auswendig kennen. Sie Diese Platzhirsche haben das Batteriegeschäft auf hochautomatisierte, hochpräzise Fertigungen, Skalenerträge und beste Kostenpositionen getrimmt. Deren Know-how liegt im Fertigungsprozess. Evonik hatte sich gemeinsam mit Daimler in der Zellproduktion engagiert und ist an Ausschussquoten und Kosten gescheitert. Bosch hat bereits abgewunken, Conti wird folgen. Beiden ist das Risiko zu groß, gegen die Batterie-Schwergewichte anzutreten. Also bleiben Mittelständler und Start-ups. Altmaier plant den Kampf gegen die Gullivers mit Liliputanern! Das Dilemma von Altmaiers Airbus wird deutlich, schaut man sich die Wertschöpfung der Zelle an. Der dickste Teil liegt im Kathodenmaterial. Mehr als 60 Prozent geht auf dies Konto, bei dem übrigens die BASF ohne Altmaiers Airbus schon die Weichen gestellt hat. Für Anode, Elektrolyt und Separator kommt man auf 25 Prozent. Für die Fertigung, den Altmaier´schen Airbus, bleiben magere 15 Prozent übrig. Macht es wirklich Sinn, dafür gegen die Gullivers der Welt in den Krieg zu ziehen? Mehr Ehrlichkeit, täte gut: Die Risiken sind enorm, die Wertschöpfungsgewinne mager, die Mär von Arbeitsplätzen sollte man nicht überstrapazieren. Zellfertigung ist Hochautomatisierung vom feinsten. Da braucht es wenige Spezialisten, die die Fertigung überwachen. Roboter bauen die Zellen, keine Menschen. Dies zeigt, Altmaiers „Nationale Industriestrategie 2030“ weckt eher Angst als Freude. Staatliche Investitionslenkung als Vorschlag eines CDU-Wirtschaftsministers ist bemerkenswert. Wie groß muss die Befürchtung sein, dass er Deutschland nach dem Muster von China „neu“ gestaltet? Nach seinen bisherigen Erfolgen muss man keine schlaflosen Nächte haben. Nahezu alle seine „Projekte“ sind im Sand verlaufen. Wie blumenreich hatte er als Kanzleramtsminister die Stromautobahnen angekündigt. Vielleicht sieht es der Minister selbst so. Der vorliegende Entwurf sei ein erster Aufschlag. „Er beansprucht weder Vollständigkeit noch ungeteilte Meinung“, heißt es in den letzten Sätzen der Strategie 2030.“ Bild: Jan Schprmann @D+S Automotive GmbH Prof. Dr. Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen als auch Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilindustrie an der gleichen Universität. „Staatliche Investitionslenkung als Vorschlag eines CDU-Wirtschaftsministers ist bemerkenswert.“ UmweltMagazin März 2019 3

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