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03 | 2019

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Abfall Abfallbehandlung

Abfall Abfallbehandlung auf Kreuzfahrten wird besser Sauber sieht die Müllsortieranlage auf der Norwegian Escape, Baujahr 2015, aus. Verbrennungsöfen, Nassmüllsilos, Ballenpressen oder Vakuumsysteme – die Abfallentsorgung auf hoher See sollte modern sein. Internationale Vorschriften verlangen, dass Abfälle auf Schiffen getrennt zu entsorgen. Ein Team der Meyer Werft arbeitet daran, den auf einem Schiff entstehende Müll möglichst noch umweltfreundlicher zu entsorgen als bisher. Wo sich täglich mehrere tausend Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen tummeln, fällt viel Abfall an. Laut Statistik sind dies bis zu 2,5 kg Speisereste, 1,2 kg Verpackungsabfall und etwa ein Kilo an Glas- ein halbes Kilo an Dosenmüll – und dies pro Kreuzfahrtgast jeden Tag. Diesem Abfallaufkommen begegnen die schwimmenden Hotels mit einer ausgefallenen Logistik an Bord. Im Bauch der Schiffe arbeiten Verwertungs- und Entsorgungsanlagen rund um die Uhr. Denn es ist untersagt, Müll einfach ins Meer zu entsorgen. Ein Grund ist das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe aus dem Jahr 1973. Dies Marpol-Übereinkommen – die Abkürzung steht für „International Convention for the Prevention of Marine Pollution from Ships“ – wurde seitdem permanent neuen Erkenntnissen angepasst. 1988 wurde das Übereinkommen etwa um den Erlass zur „Verhütung der Verschmutzung durch Schiffsmüll“ erweitert. Seit 2013 ist des Verbot der Entsorgung von Müll auf See weltweit bindend. Es gibt eine Ausnahme: biologische Abfälle wie Essensreste. Diese dürfen vorzerkleinert (Maschengröße 25 x 25 mm) oder zu einem Brei zermahlen auf See abgelassen werden, sofern sie kunststofffrei sind, erklärt Anna Benjamins, die sich bei der Meyer Werft im Bereich Forschung und Entwicklung mit dem Thema Abfallentsorgung auseinandersetzt. „Sie dienen somit im Prinzip an Ort und Stelle als Fischfutter“, Dabei müssen die Schiffe einen vorgeschriebenen Mindestabstand zum nächsten Festland einhalten und auf der geplanten Route bleiben. Verbotene Stoffe wie Plastik und Metalle werden zuvor – auch mit Hilfe technischer Hilfsmittel wie Magnetfallen penibel aussortiert. Die gesetzlichen Richtlinien zur Abfallentsorgung werden zum Teil auf Kreuzfahrtschiffen etwa der Meyer Werft übertroffen. Die Werft will, dass die Lebensräume Ozean und an den Küsten gesund und sauber halten. Nicht umsonst bekommt bei einer Kreuzfahrt das bekannte Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ ein ganz besonderes Gewicht. Über die Abfalltrennung und -entsorgung müssen die 36 UmweltMagazin März 2019

Abfall Schiffe übrigens ausführlich Buch führen. So ist im „Garbage Record Book“ grundsätzlich jegliches Handling mit Abfällen zu verzeichnen, egal ob es um eine Abgabe der Abfälle im Hafen, die Verbrennung der Abfälle an Bord, oder das „über Bord geben“ erlaubter Abfälle geht. Auch Störfälle, bzw. das Einleiten von Abfällen aufgrund von Ausnahmesituationen an Bord, muss dort eingetragen und nachvollziehbar begründet werden. Ausgefeilte Abfallsystem Hinter der Abfallbehandlung an Bord steht ein ausgefeiltes System. Sie beginnt wie an Land klassisch mit einer getrennten Sammlung. Zur Müllverarbeitung gehören Shredder, Silos, Rauchgasreinigung, Aschecontainer oder Müllpressen, die auf engstem Raum untergebracht werden und gleichzeitig optimal funktionieren müssen. Dabei wird oft aus Betriebssicherheitsgründen mit Redundanzen gearbeitet. So haben alle von der Meyer Werft gebauten Schiffe mindestens zwei Ballenpressen und zwei Entwässerungseinrichtungen. Zudem haben viele Schiffe statt einem zwei Verbrennungsöfen an Bord, um im Falle einer Störung an einem Ofen die Entsorgung trotzdem weiter sicherzustellen. De Verbrennungsöfen sollten zudem nah am Schornstein platziert sein, um die entstehenden Abgase zusammen mit den Abgasen aus den Schiffsmotoren abzuführen. Das kostet: Je nach Schiff fließen bis zu zwei Prozent der Baukosten in die Anlagen zur Abfallentsorgung. Vermeidung oberstes Ziel „An erster Stelle bei der Abfallentsorgung steht die Vermeidung – denn die beste Abfallentsorgung ist die, die nicht benötigt wird“, stellt Benjamins fest: „Kreuzfahrtreedereien prüfen dafür daher ständig, wo Abfall vermieden werden kann. Die Mitarbeiterin der F&E-Abteilung nennt ein Beispiel: Statt Einweg-Plastikflaschen werden Glaskaraffen benutzt.“ Für unvermeidbare Abfälle wird zunächst die Möglichkeit des Recyclings geprüft. Wiederverwertbare Abfälle wie Glas, weiche Kunststoffe, Blechdosen oder Papier werden an Bord zu Ballen gepresst und anschließend als Wertstoff an Land abgegeben. Nicht wiederverwertbare Abfälle werden direkt an Bord zerkleinert. Dies sind verunreinigte und gemischte Verpackungs- und Kabinenabfälle, sowie – je nach verfügbarer Lagerkapazität an Bord und aktuellem Fahrtgebiet – Speisereste und Klärschlamm. Ein Teil dieser Abfälle wird direkt an Bord thermisch in modernen Verbrennungsanlagen entsorgt. Die Verbrennungsöfen an Bord bringen es auf bis zu 4.000 Kilowatt Ofenleistung. Verbrennungstemperaturen bis 1.100 °C sorgen für eine saubere Verbrennung. Von 15.000 kg Abfall bleiben AKTIVKOKS IN BESTFORM Wenn es um eine effektive Abgas- und Ab wasser reinigung geht, ist Herdofenkoks HOK® das ideale Frischsorbens. Durch eine eigene Rohstoffbasis gehören wir weltweit zu den größten Produzenten von Aktivkoks. Dies garantiert Versorgungssicherheit. Die konstant hohe Qualität von HOK® gewährleistet die sichere Abscheidung emissionsrelevanter Schadstoffe. Herdofenkoks HOK®. Gut für die Umwelt, gut für’s Geschäft. www.hok.de UmweltMagazin März 2019

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