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03 | 2019

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Investitionen in den Energiesektor Kambodschas Strom ist in Kambodscha sehr teuer. Um die Versorgungslage zu verbessern, verfolgt die Regierung ambitionierte Ausbaupläne. Auch Solarenergie ist ein Thema. Die Stromversorgung gilt für Kambodschas Wirtschaft als Engpassfaktor. Dringend sind Kapazitätserweiterungen nötig, um eine dem Wirtschaftswachstum entsprechende, nachhaltige Stromerzeugung zu erreichen. Im Zeitraum von 2011 bis 2016 konnten die Gesamtkapazitäten durch Erweiterungsinvestitionen bereits von 600 Megawatt (MW) auf knapp 1,7 Gigawatt (GW) gesteigert werden. Bis 2030 sollten sich die installierten Kapazitäten auf 5,3 GW erhöhen, um dem prognostizierten Nachfragewachstum gerecht zu werden, kalkuliert die Asian Development Bank (ADB) großzügig. Ausbaufähiger Masterplan Der Generation Development Plan 2016 – 2025 der Energiebehörde Electricité du Cambodge (EDC) beinhaltet geplante Energievorhaben mit Gesamtkapazitäten von 2,84 GW. Diese müssen zum Großteil privat finanziert werden. Für Erneuerbare Energien hat die Regierung allerdings noch keine konkreten Ausbaupläne ausgerufen. Projekte, die im Entwicklungsplan nicht enthalten sind, beispielsweise aus dem Bereich der Photovoltaik, können nach erfolgreichen Durchführbarkeitsstudien in den Masterplan aufgenommen werden. Eine Herausforderung des Energiesektors stellt die Beseitigung der großen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von Stromimporten dar. Als Folge gelten die Stromkosten innerhalb der Staatengemeinschaft ASEAN (Association of Southeast-Asian Nations) und auch im weltweiten Vergleich als ausgesprochen hoch. Die im Jahr 2016 landesweit installierten Erzeugungskapazitäten beliefen sich auf 1,68 GW. Auf Wasserkraft entfiel mit 930 MW mehr als die Hälfte, auf Kohle (429 MW) etwa ein Viertel der Kapazitäten. Diesel sowie Schweröl machten rund 18 Prozent aus, und der Biomasseanteil erreichte lediglich rund 1 Prozent. Im Jahr 2017 wurden zusätzlich 135 MW an Kohle, 100 MW an Wasserkraft (Phase I des Sesan Damms) und 10 MW Solar installiert. In den zehn Jahren von 2007 (1.400 Gigawattstunden, GWh) bis 2017 hat sich der Stromverbrauch des Königreichs auf rund 8.000 GWh nahezu verfünffacht. Unter Voraussetzung des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums ist bis zum Jahr 2030 von einer Steigerung in der Größenordnung von 7 Prozent pro Jahr auszugehen. Einer Schätzung der ADB zufolge könnte sich zudem die kritische Nachfragespitze (Peak Demand) im Zeitraum von 2015 bis 2025 auf 2.401 MW mehr als verdoppeln. Die Regierung hat drei Ziele für den Energiesektor ausgerufen: Den Zugang zur Stromversorgung allgemein erhöhen, Stromkosten reduzieren sowie eine kontinuierliche Versorgungssicherheit gewährleisten. Bereits im Jahr 2014 erklärte sie die Anbindung sämtlicher Dörfer an das Stromnetz bis 2020 zur obersten Priorität. Bis 2030 sollen dann etwa 70 Prozent der gesamten Haushal- 56 UmweltMagazin März 2019

Umweltmärkte Service te Zugriff auf das Netz haben. Das Ministry of Mines and Energy geht davon aus, dass bis zum Jahresende 2018 mehr als 80 Prozent der Dörfer bereits ans Netz angeschlossen sind und rechnet daher fest damit, die Vorgabe für 2020 zu erfüllen. Einem Bericht der Weltbank von Anfang 2018 zufolge hatte ein Anteil von 97,6 Prozent der Bevölkerung Zugriff auf eine Stromquelle: 71,5 Prozent über das Netz und 26,1 Prozent über alternative Quellen wie Generatoren, Batterien oder Solaranlagen. Es besteht eine große Nachfrage nach Dieselgeneratoren als Backup für die Industrie und als Hauptstromquelle in ländlichen Gegenden, die noch nicht an das Netz angeschlossen sind. Alleine in und um Phnom Penh werden 200 MW an Diesel- und Schwerölkapazitäten vorgehalten. Strom in den ländlichen Gegenden ist generell teurer und unzuverlässiger als im Ballungsgebiet von Phnom Penh, wo der Großteil des Stroms konsumiert wird. Die Hauptstadtregion steht für 70 Prozent der Gesamtnachfrage Kambodschas. Potenzial von Solarenergie Beim Ausbau der Energieerzeugung ist die Solarenergie ins Rampenlicht gerückt. Im Rahmen des National Solar Park Program sollen Kapazitäten von 100 MW entstehen. Übereinkunft über dieses Projekt erzielten die ADB sowie die Energiebehörde EDC im Sommer 2017. Das Solarparkprogramm soll richtungsweisenden Charakter für weitere Vorhaben im Bereich erneuerbarer Energien haben. Dabei geht es um Vorgaben für Machbarkeitsstudien, für Public-Private-Partnership (PPP)- Rahmenbedingungen sowie die Handhabung öffentlicher Ausschreibungen. Unter Ermangelung eines gesetzlichen Rahmens war es bislang nicht möglich Solarenergie in das Netz einzuspeisen. Daher beschränken sich die bisherigen Aktivitäten auf verschiedene Projekte für den Eigenkonsum – durchgeführt von Firmen, Wohnungseigentümern oder ländlichen Versorgungsnetzen. Im Jahr 2016 erhielt das Unternehmen Sunseap aus Singapur zusammen mit einem lokalen Joint-Venture-Partner den Zuschlag für ein 10-MW-Solarfarmkraftwerk in der Provinz Svay Rieng. Zwar kommt Wasserkraft auf doppelt so hohe Anteile an den Kapazitäten im Energiemix wie Kohle, jedoch tragen beide Kategorien einen ähnlich hohen Anteil von jeweils etwa 45 Prozent zur Stromversorgung des Landes bei. Grund ist die in der Trockensaison deutlich zurückfallende Stromgewinnung durch Wasserkraft. In der Regensaison 2017 war Kambodscha in der Lage, sich selbst zu versorgen. Nur zu Peak-Zeiten und außerhalb dieser Periode mussten ausländische Stromquellen angezapft werden. In der Vergangenheit (2010 bis 2012) deckten Stromimporte aus Vietnam, Thailand und Laos bis zu 60 Prozent der Nachfrage ab. Durch den Ausbau der lokalen Erzeugungskapazitäten konnte dieser Anteil bis 2017 auf 20 Prozent reduziert werden – trotz steigender Nachfrage. Trotzdem dürften die Energieimporte noch ein paar Jahre anhalten. Im Jahr 2016 waren etwa 90 Prozent der Wasser- und Wärmekraftwerke im Besitz von Independent Power Producer (IPP). Die meisten von ihnen sind entweder vollständig im Besitz ausländischer Firmen oder operieren als internationales Joint Venture mit lokalen Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Unternehmen. Der Großteil der Investoren stammt aus China, daneben aus Japan, Malaysia oder Vietnam. Wasserkraft hat großes Gewicht Im Jahr 2018 startete Phase II des Sesan Kraftwerks, das um 300 MW auf die Gesamtkapazität von 400 MW aufgestockt wird. Sieben weitere Wasserkraftwerke in der Größenordnung zwischen 35 und 120 MW sollen im Zeitraum 2022 und 2023 hinzukommen. Ab 2025 könnte Phase I des Sambor Staudamms mit 600 MW an den Start gehen. Im Anschluss könnten dann Phase II und III starten, um die Gesamtkapazität auf 1.200 MW zu bringen. Offiziell ist dieses Projekt allerdings noch nicht abgesegnet. China ist der größte Investor im Wasserkraftbereich. Laut dem Energieministerium haben chinesische Unternehmen bereits 1,6 Milliarden US$ in diesem Sektor investiert. Auch die Kapazitäten der Kohlekraftwerke sollen ausgebaut werden: Um 885 MW von 2019 bis 2022 sowie um weitere 400 bis 500 MW bis zum Jahr 2024. Zwischen 2026 und 2030 sind zudem fünf weitere Kohle- oder Naturgasanlagen mit Gesamtkapazität von 1.500 MW geplant. Allerdings ist fraglich, ob die Pläne so umgesetzt werden. Schließlich sieht die Industrial Development Policy 2015 – 2025 der Regierung einen diversifizierten Energiemix vor: das dürfte Erneuerbaren Energien Auftrieb geben. In der Vergangenheit bedeutete dies hauptsächlich Biomasse. Es wird aber damit gerechnet, dass sich ein überarbeiteter Masterplan der Regierung mehr dem Thema erneuerbarer Energien widmet. Michael Sauermost, GTAI, www.gtai.de Bilder: Pixabay UmweltMagazin März 2019 57

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