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04-05 | 2017

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Gastkommentar Mess- und Regeltechnik in der vernetzten Industrie Was bedeutet die Industrie 4.0, also die vierte industrielle Revolution für Hersteller von Mess-, Regel- und Automatisierungstechnik? Welche Chancen und Risiken erwachsen auf dem Weg zur digitalen Fabrik? Fest steht, dass immer mehr Anlagen und Prozesse vollautomatisch gesteuert und überwacht werden. Der Umsatz der deutschen Automationsbranche lag im Jahr 2016 bei fast 50 Mrd. € und steigt seit Jahren konstant. Weltweit liegt Deutschland auf Platz drei, sowohl der weltgrößten Anwender als auch Produzenten von Automationsgütern. Im Zuge der Industrie 4.0 wird sich diese Entwicklung weiter beschleunigen. Für die Hersteller industrieller Mess- und Regeltechnik bieten sich drei Ansatzpunkte. So können Unternehmen bei den Themen „horizontale Integration“, „vertikale Integration“ und „neue Geschäftsmodelle“ Akzente setzen. Bei der horizontalen Integration geht es hauptsächlich darum, die Kommunikation auf der Feldbusebene zu verbessern. Sensoren müssen smart werden und mehr können, als Messwerte zuverlässig zu erfassen und weiterzugeben. In den Sensor integrierte Elektroniken vereinfachen nicht nur die Inbetriebnahme und Kalibrierung vor Ort, sie ermöglichen es auch, den kompletten Lebenszyklus des Bauteils zu erfassen und auszuwerten. Die Erfassung und der Abgleich all dieser Daten in einer industriellen Cloud kann in einem nächsten Schritt wichtige Erkenntnisse für zukünftige Sensorentwicklungen geben. Jumo hat mit der Vorstellung des digiLine-Systems für die Flüssigkeitsanalyse sowie mit neuen Sensoren mit IO-Link-Schnittstellen einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Im Bereich der vertikalen Integration geht es vor allem darum, die Kommunikation von der Feldbus- zur Steuerungsebene zu verbessern. Die klassische Regelungstechnik stößt mit der ständig wachsenden Zahl an Sensoren sehr schnell an ihre Grenzen. Deshalb sind Automatisierungslösungen gefordert, die im besten Fall eine einfache Bedienung mit einer großzügigen Skalierbarkeit verbinden. So erhalten Anwender die Möglichkeit, maßgeschneiderte und zukunftsfeste Applikationen für ihr Problem zu entwickeln, ohne über weitreichende Programmierkenntnisse zu verfügen. Die Nachfrage nach solchen einfachen modularen Automatisierungssystemen, wie zum Beispiel dem Jumo mTron T-System, steigt über alle Branchengrenzen hinweg seit Jahren ständig. Besonders interessant ist der Bereich der neuen Geschäftsmodelle. Ziel ist dabei die Entwicklung in Richtung eines hybriden Unternehmens. Das sind Unternehmen, die ihre Kunden über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg umfassend betreuen. Das beginnt bereits mit der gemeinsamen Produktentwicklung. Doch auch nach der Lieferung beziehungsweise der Inbetriebnahme müssen weitere Serviceleistungen angeboten werden. Dazu gehören Schulungen und Trainings ebenso wie umfangreiche Wartungskonzepte. Jumo hat deshalb beispielsweise eine eigene Engineering-Abteilung mit einem umfangreichen Portfolio ins Leben gerufen, um Kunden noch besser unterstützen zu können. Bei all den Chancen durch die Digitalisierung dürfen aber auch die Herausforderungen nicht vergessen werden, die in dieser Entwicklung stecken. Das ist zum einen das Problem der Standardisierung. Solange jedes Unternehmen ein eigenes „Industrie-4.0-Süppchen“ kocht, kann der Traum der vernetzten digitalen Fabrik niemals Realität werden. Der zweite kritische Punkt betrifft das Thema Sicherheit. Deshalb ist es wichtiger denn je, verantwortungsvoll mit den Chancen und Risiken umzugehen. Wir stehen am Anfang einer Reise in eine neue Welt. Ein Aufbruch, der ähnlich spektakulär wie der in das Eisenbahnoder das Computerzeitalter ist. Damals wie heute gibt es Mahner und Kritiker, die diese Reise verhindern wollen. Und damals wie heute werden sie keinen Erfolg haben. Denn neue Technologien sind wie Flüsse – sie können gesteuert oder gelenkt, aber auf keinen Fall aufgehalten werden. Michael Juchheim, geschäftsführender Gesellschafter der Jumo Gmbh, Fulda. „Durch die Digitalisierung entstehen für mittelständische Unternehmen, die schnell auf Marktanforderungen reagieren können, enorme Chancen.“ UmweltMagazin April - Mai 2017 3

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