Aufrufe
vor 4 Monaten

04-05 | 2019

  • Text
  • Erneuerbaren
  • Anlagen
  • Strom
  • Deutschland
  • Erneuerbare
  • Unternehmen
  • Energie
  • April
  • Energien
  • Umweltmagazin

Special Erneuerbare

Special Erneuerbare Energien Bild: Daniel Reinhard/Vattenfall Hamburg benötigt als Hafenstadt mit Schwerindustrie viel Strom. Das Küstenland Schleswig-Holstein produziert Strom im Überschuss. Das Verbundprojekt NEW 4.0 verbindet Stadt und Land zu einer Energieregion. Urbane Energiewende Hamburg und Schleswig-Holstein testen, wie die Energiewende in einer Metropole gelingen kann. Knapp zwei Millionen Einwohner, eine starke Großindustrie und ein pulsierender Hafen als globaler Handelsumschlagsplatz: Die Hansestadt Hamburg benötigt große Mengen an Energie. Mehr als zwölf Terrawattstunden Strom sind 2017 in der Elbmetropole verbraucht worden. Vor dem Hintergrund der Klimakrise gilt es, diese Energiemengen zukünftig möglichst aus regenerativen Quellen zu decken. Doch als Stadtstaat hat Hamburg schlechte Karten, zu klein ist das Flächenaufkommen im dicht besiedelten Stadtgebiet für Erneuerbare-Energie-Anlagen. Gerade einmal vier Prozent des Strombedarfs kann die Hansestadt derzeit aus erneuerbaren Energien decken. Anders im benachbarten Schleswig- Holstein: Das Küstenland nutzt in erster Linie Windenergie zur Stromerzeugung – und hat so viel davon, dass das Bundesland in Deutschlands hohem Norden sich rechnerisch schon heute zu 150 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen könnte. Aber eben auch nur rein rechnerisch: Allzu oft stehen die Windräder an der Küste still, weil der erzeugte Strom gar nicht erst ins Netz eingespeist werden kann. Denn im Stromnetz selbst lässt sich Energie nicht speichern – gibt es also keine Abnehmer, müssen Windenergieanlagen abgeschaltet werden, damit die Netzfrequenz stabil gehalten werden kann. 3,3 Terratwattstunden Strom gingen in 2017 auf diese Weise verloren. Zudem ist das Abregeln der Anlagen teuer – mehr als 500 Mio. Euro wurden so in 2017 in der Gesamtheit verursacht. Die Folge: Regenerativ erzeugter Strom, der anderswo dringend gebraucht wird, wird gar nicht erst erzeugt. Länderübergreifende Kooperation Die Situation im Norden ist typisch: Im Zeitalter der erneuerbaren Energien stehen sich Erzeugungs- und Verbrauchsregionen gegenüber, immer seltener wird der Strom genau dort erzeugt werden, wo er auch in großen Mengen verbraucht werden kann. Umso näher liegt der Gedanke, beide Regionen enger zu koppeln. Genau diesen Ansatz wählt das Verbundprojekt NEW 4.0 – Norddeutsche EnergieWende. 60 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben sich dafür zusammengefunden und erproben seit gut zwei Jahren, wie ein versorgungssicheres Energiesystem aussehen muss, dessen Strom zu vollständig auf erneuerbaren Energien basiert. Rund 100 Teilprojekte werden in der vierjährigen Projektlaufzeit umgesetzt – vom Bau des bislang größten europäischen Batteriespeichers im Jardelund an der dänischen Grenze über die Programmierung einer virtuellen Platt- 30 UmweltMagazin April - Mai 2019

Erneuerbare Energien Special form für die intelligente Koordination industrieller Lasten bis zur Akzeptanzstudie, die die Einstellung der Bürger in der Modellregion erhebt. Mit NEW 4.0, das bis November 2020 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des SINTEG-Programms gefördert wird, macht Hamburg damit vor, wie eine urbane Energiewende durch das länderübergreifende Zusammenspiel mit einer Erzeugerregion gelingen kann, die der bundesweiten Energiewende um gute zehn Jahre voraus ist. Aber auch auf Hamburger Boden wird im Zuge des Projekts intensiv an zukunftsfähigen Lösungen für eine stabile Energieversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien gearbeitet. Zentrale ist dabei, ein integriertes Gesamtsystem zu entwickeln, in dem sich der Verbrauch dynamisch an die Erzeugung anpassen lässt. Denn die Energieerzeugung selbst lässt sich in einem auf erneuerbare Energien basierenden System nur bedingt steuern, sondern ist vor allem wetterabhängig. Soll die Netzfrequenz trotzdem beständig bei 50 Hertz gehalten und Abregelungen vermieden werden, müssen die Verbraucher flexibler reagieren. Flexibilitätspartner Industrie In dem Verbundprojekt ist deshalb zwar vor allem Hamburgs Rolle als Lastzentrum von Bedeutung. Doch gerade die in Hafennähe ansässige Großindustrie kann zum wichtigen Partner für die Energiewende werden: Allein das Stahlwerk ArcelorMittal, der Aluminiumhersteller TRIMET und der Kupferproduzent Aurubis verantworten mehr als ein Viertel des Hamburger Jahresstromverbrauchs. Wenn die hier entstehenden Lasten flexibilisiert werden und damit besser auf die regenerative Erzeugung abgestimmt werden können. Derzeit werden deshalb verschiedene Ansätze der Lastflexibilisierung erprobt. TRI- MET beispielsweise installiert steuerbare Wärmetauscher an einem seiner Schmelzöfen, ArcelorMittal erprobt unter anderem ein Time-Shift-Verfahren, mit dem sich die Schmelzleistung am Elektrolichtbogenofen auf die Bedingungen auf dem Strommarkt anpassen lässt. Damit können die Industrieunternehmen wichtige Regelenergie liefern und das Stromnetz im Bedarfsfall entlasten. Aber auch auf Seiten der Energieerzeugung macht Hamburg große Schritte nach vorn. So ist am östlichen Stadt- Das Stahlwerk ArcelorMittal braucht große Strommengen. Durch intelligentes Lastmanagement kann dieses Werk zu einem wichtigen Partner der Energiewende werden. rand mit dem Speicherregelkraftwerk im November 2018 eine wichtiger Demonstrationsanlage in Betrieb genommen worden, der Frequenzschwankun- Bild: Sandra Meyer EFFIZIENT GEMACHT RESSOURCEN SCHONEN, KOSTEN SENKEN, UMWELT SCHÜTZEN Ihr unternehmerischer Erfolg ist unser Ziel. Als Landesagentur vernetzen wir Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Wir initiieren zukunftsweisende Projekte, horchen weltweit in die Märkte, ebnen neuen grünen www.umwelttechnik-bw.de Technologien den Weg und leisten Wissenstransfer. Ressourcen zu schonen, Material im Kreislauf zu führen, Energie effizient zu nutzen sind unsere Themen. Wir unterstützen Sie dabei, ressourceneffiziente Wege zu gehen. UTBW_Anzeige_UmweltMagazin_185x87_20190116.indd 1 14.01.19 11:53

Ausgabenübersicht