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04-05 | 2019

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Special Erneuerbare

Special Erneuerbare Energien ven Verfahren. Vor dem gleichen Problem stehen im übrigen Automobil-, Luftfahrt- und Freizeitindustrien. Und die toten Vögel und Fledermäuse unter Windrädern? Für ihren besseren Schutz entwickelt die Branche Lösungen. Das sind beispielsweise intelligente Detektionssysteme für Vögel und Fledermäuse, die die Kollisionsgefahr reduzieren. Im Offshore-Bereich wird an der Umsetzung schwimmender Windkrafträder geforscht, um die derzeit nötigen Bohrungen überflüssig zu machen. Betonen möchte ich hier aber, dass Erneuerbare Energien grundsätzlich die biologische Vielfalt und die Umwelt schützen, weil sie emissionsmindernd wirken und damit der Klimakrise vorbeugen. Wie wird Natur noch geschützt? Zahlreiche Maßnahmen für einen nachhaltigen Betrieb sind auch im Bereich der kleinen Wasserkraft entwickelt worden. Dazu zählen Fischaufstiege und -abstiege, Fischschutzanlagen vor Turbinen oder langsam drehende Turbinen. Und nachwachsende Biomasse? Hier ist schon vieles auf den Weg gebracht: So unterliegt der Anbau von Energiepflanzen wie auch die Nutzung von Waldholz im Bereich der Bioenergieproduktion strengen Auflagen. Spätestens von 2021 an wird auch die Strom- und Wärmeerzeugung aus Holz und Biogas noch stärker in die Nachhaltigkeitsnachweispflicht einbezogen. Sensible Flächen werden von vornherein von der energetischen Nutzung ausgeschlossen, die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ist nachzuweisen. Und auch bei den Luftschadstoffen schneiden Biomasseanlagen deutlich besser ab als das Gros des deutschen Kraftwerkparks. Wie wichtig ist der Netzausbau? Für die Energiewende brauchen wir neben einem zügigen Ausbau der Er- Dr. Simone Peter Biologin. Ist seit März 2018 Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). Sie war zuvor von 2013 an Bundesvorsitzende von Bündnis 90/die Grünen und von 2009 an bis 2012 Ministerin für Umwelt, Energie und Verkehr des Saarlandes. Sie initiierte 2004 die Agentur für Erneuerbare Energien mit, deren erste Geschäftsführerin sie war und war von 2001 bis 2004 für die Vereinigung Eurosolar tätig. neuerbaren Energien auch einen angemessenen Netzausbau. Anfang März haben die Übertragungsnetzbetreiber mit dem Netzentwicklungsplan 2030 gute Vorschläge vorgelegt, wie ad-hoc der Um- und Ausbau des Netzes beschleunigt und mit innovativen Betriebsmitteln unterstützt werden kann. Phasenschieber zum Beispiel optimieren den Leistungsfluss und Netzbooster tragen zur besseren Netzauslastung bei. Was bringt dies? Das entlastet kurzfristig bestimmte Netzregionen; Kapazitäten an Netzengpässen werden frei. Das ermöglicht eine höhere Auslastung des bestehenden Netzes und reduziert auch zusätzlichen Netzausbau. Doch ich sehe weiteren Verbesserungsbedarf. So könnte das Nutzen statt Abregeln noch konsequenter angegangen werden. Beispielsweise ermöglichen Power-to-Heat-Anlagen, die an Kraft-Wärme-Kopplungsstandorten im Netzausbaugebiet errichtet werden, dass die Wärmebereitstellung kurzfristig von Erneuerbaren übernommen wird, die andernfalls abgeregelt würden. Gleichzeitig kann die – flexibel betriebene – KWK ihre Stromproduktion reduzieren. Man schafft also aus zwei Gründen mehr Platz im Netz. Zur Politik: Im Dezember hat die EU ihre Ziele bis 2030 festgelegt. Wie stehen Sie dazu? Mit den letzten Rechtsakten hat die Europäische Union das große Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ zum Abschluss gebracht. Das ist insofern gut, da jeder Mitgliedsstaat zum Beispiel bis Ende 2019 vorlegen muss, wie er die EU- Ziele hinsichtlich Erneuerbare-Energien-Anteil, Effizienzsteigerung und Treibhausgasminderung erreichen will. Im Sinne einer planbaren und verlässlichen Industrie- und Klimaschutzpolitik ist es unerlässlich, einen eingeschlagenen Kurs zu halten und gegebenenfalls rechtzeitig nachsteuern zu können. Das klingt ja positiv … … doch die beschlossenen Ziele sind nicht ambitioniert genug, um das Klima zu schützen und der Industrie einen stabilen Wachstumsrahmen zu bieten. Hier muss nachgebessert werden. Wo würden Sie hier und jetzt konkret nachbessern? Zum Beispiel sollte der Anteil der Erneuerbaren Energien am EU-weiten Energieverbrauch bis 2030 bei 45 Prozent liegen und nicht nur bei 32. Bis zum Jahresende wird die EU die langfristige Dekarbonisierungsstrategie für alle Mitgliedsstaaten festlegen. Ich erwarte hier von allen Akteuren ein klares Bekenntnis zur Klimaneutralität bis 2050. Das EU-Parlament hat sich dafür gut positioniert und eine Erhöhung des 2030-Ziels von 40 auf 55 Prozent Emissionsminderung gefordert. Und was erwarten Sie von der Bundesregierung? Sie muss sich in der EU sehr viel engagierter einbringen; bislang ist die Haltung sehr zögerlich. Auf nationaler Ebene zeigt der Entwurf des Klimaschutzgesetzes aus dem Bundesumweltministerium, wie nachhaltiges Wirtschaften gehen kann. Jetzt darf der Entwurf im Kabinett, Bundestag und Bundesrat nicht verwässert werden. Außerdem muss ein konkretes Maßnahmenpaketgeschnürt werden. Wird der Strompreis bezahlbar sein? Erneuerbare Energien stabilisieren inzwischen den Strompreis. Je höher ihr Anteil Anteil, desto niedriger die Börsenstrompreise. Ein von der EU-Kommission veröffentlichter Bericht über Energiepreise und -kosten in Europa bestätigte jüngst, dass die Preise für Erneuerbare Energien im Allgemeinen auf dem Spotmarkt gesunken seien. Die Studie prognostiziert auch, dass Speicher und Nachfragesteuerung sowie die weitere Kostendegression bei den Erneuerbaren Energien die Preisvolatilität weiter verringern. Was sagen Sie Betreibern von Alu-, Chemie- oder Stahlwerken, die eine stabile Stromversorgung brauchen? Die zunehmende Vernetzung der Energiesysteme wird immer mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit in der Versorgung von Industriebetrieben gewährleisten. Über den Einsatz kurzfristiger Flexibilitätsoptionen wie Batteriespeicher, steuerbare Lasten, flexibel reagierende Industrieanwendungen, aber auch der weiteren Flexibilisierung von steuerbaren Erneuerbaren Energien und der Sektorenkopplung kann dies erreicht werden. Doch klar ist: Diese Elemente eines modernen Energiesystems müssen ambitioniert ausgebaut und die bereits verfügbaren Langfristgasspeicher nach und nach mit erneuerbaren Gasen, etwa aus Biogasanlagen, gefüllt werden. Das Interview führte Ralph H. Ahrens, Chefredakteur, UmweltMagazin, rahrens@vdi-fachmedien.de 34 UmweltMagazin April - Mai 2019

Produkte Markt Fraunhofer Umsicht/Henkel Bewertungstool für kreislauffähige Verpackungen Kunststoffe sind in der Verpackungsindustrie ein wichtiges Material für den Produktschutz. Das Material bietet viele Vorteile – steht aber auch in der Kritik. Denn es gibt die große Herausforderung, für Kunststoffe eine geschlossene Kreislaufführung im Sinne einer Circular Economy zu schaffen. Die Voraussetzung dafür sind recyclingfähige Verpackungen. Doch: Wie kann die Recyclingfähigkeit so einfach und zuverlässig wie möglich ermittelt werden? Fraunhofer Umsicht hat ein von Henkel entwickeltes Software-Tool getestet. Das Unternehmen engagiert sich schon lange für nachhaltige Verpackungen und eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe – und hat sich konkrete Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2025 werden 100 Prozent der Verpackungen von Henkel recycelbar, wiederverwendbar oder kompostierbar sein. Im selben Zeitraum soll der Anteil von Rezyklat in den Kunststoffverpackungen für Henkel- Konsumentenprodukte in Europa auf 35 Prozent erhöht werden. Um bereits während der Produktentwicklung eine schnelle und zuverlässige Überprüfung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen zu ermöglichen, hat Henkel ein Software-Tool auf Basis von öffentlichen und anerkannten Kriterienkatalogen wie etwa von Plastics Recyclers Europe entwickelt. Die Software bewertet die Recyclingfähigkeit von Verpackungen anhand ihrer Zusammensetzung und der einzelnen Gewichtsanteile der jeweiligen Bestandteile: Grundmaterialien, Bewertungssoftware für Verpackungen. Verschlusssysteme, Labels, Beschriftung, Farben und andere. Für alle in Frage kommenden Materialien ist die jeweilige Eignung für die Identifizierung bei der Sortierung sowie für die Aufbereitung zum Recycling, wie zum Beispiel gute Trennbarkeit bei Schwimm-Sink-Trennung, hinterlegt. Auf dieser Basis werden nach einem strikten Ampelbewertungssystem klare Ergebnisse etwa für den Verpackungsdesigner angezeigt. Diese verdeutlichen, welches Design zu welchem Prozentsatz recyclingfähig ist und welche Materialkombinationen ein Recycling verhindern. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht hat als das Tool unabhängig und kritisch auf Nutzbarkeit, Angemessenheit und Logik geprüft. Die Wissenschaftler haben die Bewertungssoftware und deren Ergebnisse analysiert und mit nationalen sowie internationalen Standards verglichen und können bestätigen, dass mit dem Tool die Recyclingfähigkeit von Produktverpackungen sehr gut bewertet werden kann. www.umsicht.fraunhofer.de www.henkel.de Bild: Henkel Grüner Punkt Beratung rund um das neue Verpackungsgesetz Das neue Verpackungsgesetz soll mehr Transparenz darüber schaffen, welche Verpackungen bei den dualen Systemen angemeldet sind, und dafür sorgen, das Inverkehrbringen und Recycling von Verpackungen durch die Zentrale Stelle Verpackungsregister zu kontrollieren. Dadurch, dass mehr Verpackungen an dualen Systemen beteiligt werden, sollen Händler langfristig von niedrigeren Beiträgen für die Systembeteiligung profitieren. Allerdings wirkt das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) auf viele Händler nicht immer klar verständlich. Wer ist beteiligungspflichtig? Was muss der Zentralen Stelle gemeldet werden? Bei diesen und weiteren Fragen rund um das neue Verpackungsgesetz hilft der Grüne Punkt weiter. Auf seiner Website finden Unternehmen die wichtigsten Infos zum neuen VerpackG. Auch die FAQ stellen die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zur Verfügung. Wer dann noch unsicher ist, welche Pflichten das eigene Unternehmen betreffen, und wie diese eingehalten werden sollen, kann sich persönlich an die Experten vom Grünen Punkt wenden. In der telefonischen Beratung können sich Online-Händler, Kleinunternehmer, Einzelhändler und Großhändler zur Umsetzung ihrer Pflichten laut VerpackG beraten lassen. Die Experten unterstützen zum Beispiel bei der Verpackungslizenzierung oder erklären, wie die Datenmeldung an die Zentrale Stelle funktioniert. Der Informationsbedarf ist groß – täglich nehmen die Serviceexperten beim Grünen Punkt bis zu 1.000 Anrufe entgegen und beantworten entsprechend viele E-Mail-Anfragen. Die Systembeteiligung beim Grünen Punkt kann einfach, schnell und sicher online mit dem Lizenzrechner VerpackGO durchgeführt werden. Anschließend müssen die Daten nur noch an die Zentrale Stelle gemeldet werden. www.gruener-punkt.de UmweltMagazin April - Mai 2019 35

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