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04-05 | 2019

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Abfall Eine

Abfall Eine schlüsselfertige Anlage zur Auftrennung verschiedener Sandfraktionen. Recyceln statt Deponieren Straßenkehricht umfasst Sand, Gestein, organisches Material und sonstigen Abfall, meist mit Spuren von Chemikalien verunreinigt. Diese alle zu entsorgen kostet. Der hohe Wiederverwendungswert wird oft außer Acht gelassen. Straßenreinigung hat natürlich einen ästhetischen Aspekt: Sie hält den städtischen Raum sauber und attraktiv. Sie sorgt auch dafür, dass Regenwasser in die Kanalisation abfließen kann, dient der Sicherheit von Mensch und Verkehr. Und: Straßenabfälle sind mehr als reiner Abfall. Die Zusammensetzung von Straßenabfällen hängt jedoch von dem Sammelpunkt und der Jahreszeit ab. Kehricht aus ländlichen Gebieten hat einen höheren Anteil an organischem Material wie pflanzliche Abfälle. Der aus städtischen Gebieten enthält mehr inertes Material wie Kies und Sand sowie Kunststoffe und andere von Menschen erzeugte Abfälle. Auch steigt der organische Anteil von Straßenkehricht üblicherweise im Herbst und Winter. Die Zusammensetzung des Kehrichts und des Sinkkastenguts – also des Abfalls, der sich in Gullys sammelt – variiert. Er kann bis zu 70 Prozent aus Kies und Sand bestehen. Hinzu kommt rund 15 Prozent feinkörniger Schluff (feiner Sand) sowie etwa 15 Prozent an organischem Material und auch etwas Kunststoff. Ungeachtet der Zusammensetzung kann Kehricht und Sinkkastengut –, also das, was im Gully landet, nicht einfach verkauft werden. In vielen Ländern – so auch in Deutschland – werden diese Abfälle meist deponiert. Dies kostet. In Großbritannien, der Schweiz und wenigen anderen Ländern wird Straßenkehricht mittlerweile jedoch behandelt, um wertvolle Fraktionen daraus zu gewinnen. Dies wird durch hohe Deponiekosten getrieben – als auch durch gesetzliche Vorgaben. Ein Beispiel: In der Schweiz etwa fördert die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) aus dem Jahr 2015 das Recycling von Strassenkehricht und Sinkkastengut. Derweil wird etwa in Deutschland der wahre Wert des Kehrichts und Sinkkastenguts kaum wahrgenommen. Zu deponieren wird aber schwieriger. Die EU hat im Mai 2018 in ihrer Abfallrichtlinie beschlossen, dass in allen EU- Staaten bis 2035 mindestens 65 Prozent aller kommunalen Abfälle recycelt werden muss, und in der Richtlinie über Abfalldeponien, dass dann maximal zehn Prozent inerte kommunale Abfälle deponiert werden dürfen. Gewohnheiten ändern Und: Fast alles kann recycelt werden. Aus Nordirland kommt eine Lösung aus einer Hand. Die Firma CDEnviro aus Cookstown bietet seit 2011 ein System an, um den allermeisten Straßendreck wiederzuverwerten. Dabei wird der Kehricht und das Sinkkastengut in mehreren Schritten gereinigt und sortiert. Die wichtigsten Verwertungsrouten: • Sand und Kies verschiedener Korngrößen werden gereinigt und entwässert und für die Bettung von 50 UmweltMagazin April - Mai 2019

Abfall Anschließend wird das Wasser aus dem Hydrozyklon mit einem Flockungsmittel behandelt und in den Eindicker – HydroFlo genannt – geleitet, wo sich Feinstoffe absetzen und mittels einer Zentrifuge abgetrennt werden. Das Wasser wird dem System in einem geschlossenen Kreislauf wieder zugeführt und weiterverwendet, um den Wasserverbrauch zu minimieren. Mehrjährige Erfahrung zeigt, dass solche Nass-Aufbereitungssysteme Abfallströme effizient sieben, klassieren und entwässern können. In Großbritannien und der Schweiz wird so oft bis zu 99,7 Prozent des eingesetzten Materials wieder verwendet. Der Schwertwäscher aus Nordirland. Gewaschener und getrockneter Kies aus dem Kehricht. Gewaschener und entwässerter Sand aus dem Kehricht. Rohrleitungen oder als Verfüllungsmaterial im Tiefbau verwendet. • Organischer Abfall wird kompostiert oder thermisch verwertet. • Metalle können abgetrennt und verkauft werden. Im Einzelnen: Erst werden Teile größer als 80 mm in einer Siebtrommel abgetrennt, um nachgeschaltete Anlagen zu schützen. Dann beginnt die grobe Auftrennung in einem Schwertwäscher. Hier geschieht vieles: Das Material wird gewaschen; größere Teile wie Lehmknollen werden durch Reibung zerrieben; schweres Material wie Kies und Sand wird per Dichtetrennung von leichteren Kunststoffen und organischem Material getrennt. CDEnviro nennt seinen Schwertwäscher „Hydro:Grade“. Danach wird Sand und Kies in einem Hydro-Zyklon noch einmal gewaschen, in zwei Fraktionen aufgetrennt – einmal kleiner als 63 µm, einmal zwischen 63 µm und 55 mm groß – und mit einem Entwässerungssieb entwässert. Bilder: CDEnviro Stetig Verfahren verbessern Die einzelnen Verfahrensschritte werden immer wieder verbessert. Das nordirische Unternehmen setzt hier auf engen Kontakt mit seinen Kunden, den kommunalen und privaten Straßenreinigungsfirmen. Dies bietet CDEnviro auch die Möglichkeit, in anderen Bereichen Verbesserungen einzuführen – etwa, wenn ein hoher Anteil an Schluff und organischem Gehalt vorliegt, wenn sich Schaum auf der Wasseroberfläche bildet, wenn Wasserverunreinigungen vorliegen oder das Ausgangsmaterial feucht ist. Auch die Umwelt profitiert. CDEnviro schätzt, dass sein Ansatz dazu führen kann, dass in Großbritannien, Mitteleuropa, Australien und Nordamerika jährlich rund 500.000 t recyceltes Material aus Straßenkehricht und Sinkkastengut recycelt und wieder verwertet werden kann. Das Unternehmen glaubt auch, über Engagement, Diskussionen, Kooperation und Einsatzfreude dahin kommen zu können, dass eine Deponielagerung von Straßenkehricht nicht mehr nötig sein wird. Dies alles ist mit relativ geringem Aufwand an Organisation und überschaubaren Investitionen möglich. Der Vorteil für kommunale und private Straßenreinigungsfirmen ist, dass sie die Verwertung des recycelten Materials in die eigenen Hände nehmen. So haben sich in Großbritannien und der Schweiz solche Investition in eine schlüsselfertige Lösung nach einem oder zwei Jahren ausgezahlt. Andrew Wilson, CDEnviro, Central Europe Business Development Manager, AWilson@cdenviro.com UmweltMagazin April - Mai 2019 51

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