Aufrufe
vor 4 Monaten

04-05 | 2019

  • Text
  • Erneuerbaren
  • Anlagen
  • Strom
  • Deutschland
  • Erneuerbare
  • Unternehmen
  • Energie
  • April
  • Energien
  • Umweltmagazin

Energie Bild: HHLA/Thies

Energie Bild: HHLA/Thies Rätzke Die Elbe verbindet Hamburg mit den Weltmeeren. Links befindet sich der HHLA Container Terminal Burchardkai. Strom statt Diesel für Containerschiffe Becker Marine Systems, Hapag-Lloyd sowie die Hamburger Hafen und Logistik haben alternative Energieversorgung am Hamburger Hafen eingeführt: Mit einem mobilen Stromkraftwerk statt mit Hilfsdiesel können von 2018 an großen Schiffe am Container Terminal Burchardkai versorgt werden. Die Luft in Hamburg gilt allgemein als nicht besonders gut: Die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastungen an den Hauptverkehrsadern liegen regelmäßig über den Grenzwerten, sodass seit Frühjahr 2018 sogar Diesel- Fahrverbote auf Hamburgs Straßen gelten. Noch belastender ist die Situation im Hamburger Hafen. Abhilfe soll die neuartige Energieversorgung von Schiffen schaffen, die seit 2018 im Testbetrieb ist: Das Stromversorgungssystem besteht aus zwei 40 Fuß Containern, die ein gasbetriebenen Generator, den LNG Tank und das elektrische Automationsund Sicherheitssystem umfassen. Sobald ein Containerschiff anlegt, wird das mobile Kraftwerk an Bord platziert und versorgt während der Liegezeit im Hafen das Schiff mit umweltfreundlichem Strom anstelle der mit Schweröl betriebenen Schiffsdiesel. „Dank der Innovation können Schadstoffemissionen, etwa von Schwefeldioxid, Feinstaub und Stickstoffoxiden, wie sie sonst beim Betrieb der Hilfsdiesel des jeweiligen Schiffes anfallen, entweder ganz vermieden oder deutlich reduziert werden“, sagt Dirk Lehmann, Geschäftsführer von Becker Marine Systems, die dieses sogenannte LNG PowerPac über die eigens dafür gegründete Tochtergesellschaft HPE Hybrid Port Energy entwickelt und den ersten Prototypen 2018 auf den Markt gebracht hat . Damit macht Hamburg neben den Diesel-Fahrverboten auf Hauptverkehrsstraßen einen weiteren Schritt hin zur Verbesserung der Luft und damit auch Lebensqualität der Bevölkerung: Diese neue, in der Hansestadt entwickelte, Technologie soll dafür sorgen, dass insbesondere große Containerschiffe die sogenannten Hilfsdiesel ausschalten und den für den Bordbetrieb notwendigen Strom aus dem neuen, mobilen Generator beziehen 54 UmweltMagazin April - Mai 2019

Energie Bild: Becker Marine Systems Bild: Becker Marine Systems Handling und Umschlag eines LNG PowerPacs von Becker am Hamburger Terminal Burchardkai. Mit dem mobilen PowerPac-Kraftwerk können Containerschiffe seit 2018 mit Strom statt Hilfsdiesel versorgt werden. Mobiles Stromkraftwerk Mit diesem gemeinsamen Pilotprojekt testen Becker Marine Systems, die Hapag-Lloyd AG sowie die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) seit Anfang 2018 die neuartige Technologie, die die Technologietochter von Becker entwickelt hat. Der Betrieb mit dem Prototyp des LNG PowerPac versorgt am Container Terminal Burchardkai (CTB) die großen Containerschiffe mit Strom. Nach dem Testbetrieb der beiden ersten Prototypen 2018 geht die Produktion der Power Pacs 2019 in Serie. Erprobt wurde diese Versorgung bei den 20.000-TEU-Containerriesen von Hapag-Lloyd. „Als global agierendes Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg haben wir die Tests sehr gern unterstützt. Landstrom ist ein wichtiger Baustein in unseren intensiven Bemühungen, unser Geschäft nachhaltiger zu gestalten“, sagt Anthony J. Firmin, Mitglied des Vorstandes der Hapag- Lloyd AG. Das Becker LNG PowerPac wurde als kompaktes und mobiles System entwickelt. Diese Einheit kombiniert einen gasbetriebenen Generator und einen Flüssigerdgas-Lagertank, der die Energie für den Generator liefert. Sobald das Containerschiff vertäut ist, wird das mobile 1,5-Megawatt-Kraftwerk vom Kai per Containerbrücke auf einen Stellplatz am Heck des Schiffes gehoben, mit dem Bordnetz verbunden und kann dann während des Aufenthalts im Hafen Strom für den Schiffsbetrieb liefern. Dirk Lehmann, Geschäftsführer von Becker Marine Systems, sagt: „Wir können guten Gewissens sagen, dass die Pilotphase für alle Beteiligten ein voller Erfolg war. Das Becker LNG PowerPac stellt eine unkomplizierte Lösung für die Reduzierung der Schadstoffbelastung in Häfen dar und hat das Potenzial international Anwendung zu finden“. Becker Marine Systems sei bereits mit diversen europäischen und auch chinesischen Häfen im Gespräch und zuversichtlich, dass sich das System weltweit durchsetzen werde. In Millionenhöhe gefördert Im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur für die Entwicklung der neuen Technologie Fördermittel in siebenstelliger Höhe bewilligt. Das begründet Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, wie folgt: „Die Luftreinhaltung ist in Häfen in dicht besiedelten Gebieten von großer Bedeutung. Wir fördern deshalb nachhaltige und alternative Antriebe sowie Innovationen wie die LNG PowerPacs, die dazu beitragen, die Schifffahrt zu modernisieren und Emissionen zu reduzieren.“ Das freut auch den Hamburger Senat und vor allem die Bewohner der Hansestadt: Denn der Einsatz von PowerPacs als Alternative zu Diesel ist ein entscheidender Beitrag zur Verringerung der Schadstoffemissionen. Die Erprobung fand auf Schiffen von Hapag-Lloyd an der Pier der Hamburger Hafen und Logistik AG statt. Als Knowhow-Partner und Umschlagdienstleister begleitete diese das Projekt seit dem Startschuss 2016. Zwischen dem Startschuss und der Auslieferung des ersten Prototypen lagen zwei Jahre intensive Produktentwicklung, Projektierung und Bauphase. Hamburgs größter Terminalbetreiber hat für das Handling des PowerPac am CTB-Kai und für das Laden von und an Bord des Schiffes, den sogenannten Umschlag, die technischen und prozessualen Anforderungen definiert. Dazu HHLA-Vorstand Jens Hansen: „Wir freuen uns sehr, dieses für den Hamburger Hafen wichtige Pilotprojekt mit unserer Erfahrung und Expertise unterstützen zu können. Aus unserer Sicht sind die Tests sehr erfolgreich verlaufen. Der Umschlag des PowerPac kann gut in unsere Terminalabläufe integriert werden.“ Das LNG PowerPac ist für verschiedene Schiffstypen geeignet und somit eine unkomplizierte Lösung für die Reduzierung der Schadstoffbelastung in Häfen. Damit hat der mobile Generator laut Becker-Geschäftsführer Lehmann das Potenzial, bald auch international Anwendung zu finden: „Wir sind mit diversen europäischen sowie chinesischen Häfen im Gespräch und zuversichtlich, dass sich das Becker LNG PowerPac auf dem Markt durchsetzen kann“, so Lehmann. Justus Ravens, Managing Director, HPE Hybrid Port Energy GmbH & Co. KG, lra@hybrid-port-energy.com UmweltMagazin April - Mai 2019 55

Ausgabenübersicht