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06 | 2017

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Management

Management Energiemanagement spart Kosten für Strom und Wärme Ein umfangreiches Energiemanagement konnte am Hauptsitz von Phoenix Contact den Energiebedarf deutlich senken. Für Energiemanagement im Unternehmen gibt es gute Gründe – daher betreibt die Phoenix Contact GmbH & Co. KG mit Sitz in Blomberg seit dem Jahr 2013 ein aktives Energiemanagementsystem für die vier Produktionsstandorte in Deutschland. So werden alleine im ostwestfälischen Hauptstandort jedes Jahr rund drei Millionen Kilowattstunden Strom eingespart. Bei dem weltweit tätigen Spezialisten für Komponenten, Systeme und Lösungen im Bereich der Elektrotechnik, Elektronik und Automation sind Themen wie Energieeffizienz und Energiemanagement Teil der unternehmerischen Praxis. Am Hauptstandort Blomberg wird seit dem Jahr 1972 Wärmerückgewinnung aus Druckluft-Kompressoren genutzt. Schon 1987 wurden die ersten beiden mittels Heizöl betriebenen Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen – lange bevor die staatliche Förderung einsetzte. Gründe für die Einführung eines Energiemanagementsystems im Hause Phoenix Contact gab es mehrere: stetig steigende Energiekosten, Steuervorteile durch Einhaltung der sich verschärfenden gesetzlichen Auflagen, gezielte Nachfragen von Kunden nicht nur bei Ausschreibungen, Nutzung innovativer Produkte und Zukunftstechnologien aus dem eigenen Hause sowie unternehmerische Verantwortung. Nicht zuletzt trägt ein systematisches Energiemanagementsystem durch die Senkung der Kosten zur Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit bei. Somit entschied sich das Unternehmen 2012 zur Einführung der DIN EN ISO 50001. Die Erstzertifizierung erfolgte ein Jahr später. Strategisches Ziel definiert Eine vorrangige Aufgabe bei der Implementierung eines Energiemanagementsystems ist es, ein strategisches Energieziel zu definieren. Das Unternehmen hat sich dazu entschlossen, dieses Ziel mit einer jährlichen Energieeinsparung durch unterschiedliche Effizienzmaßnahmen zu verknüpfen. So sollen ab dem Jahr 2020 durch die seit 2013 implementierten Maßnahmen jährlich über 3 Mio. kWh Strom weniger verbraucht werden. Allein durch die Umstellung von konventioneller Beleuchtung auf LED-Technik werden jährlich 270 000 kWh Strom eingespart. Dies entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 70 bis 90 Einfamilienhäusern. Darüber hinaus wurden insgesamt über 200 ungeregelte Heizungsund Kaltwasserpumpen durch Hocheffizienzpumpen ersetzt. Das spart jährlich weitere 280 000 kWh Strom ein. Als produzierendes Unternehmen mit großer Fertigungstiefe benötigt Phoenix Contact mehrere Millionen Kubikmeter 42 UmweltMagazin Juni 2017

Management Druckluft pro Jahr. Da Druckluft zu den teuersten Energieformen überhaupt zählt, muss sie besonders effizient erzeugt werden. Seit 2012 wurden drei Verdichter ausgetauscht, eine übergeordnete Steuerung installiert und das Leitungsnetz zur Reduzierung der Verluste optimiert. Diese Maßnahmen tragen mit weiteren 215 000 kWh/a dazu bei, das strategische Ziel zu verwirklichen. Insgesamt wurde das zum jetzigen Zeitpunkt bereits zu 89 % erreicht – bezogen auf das gesetzte Ziel von 3,3 Mio kWh. Warmgang-Einhausung der Server Zu den Hauptverbrauchern gehört das unternehmenseigene Rechenzentrum in Blomberg. Nicht nur die Informationstechnik hat dort sicher und effizient zu sein, auch die Kühlung der insgesamt 125 Server und 12 Speichersysteme konnte energetisch optimiert werden. Bis Ende 2014 wurde der Server-Raum klimatisiert – die warme Abluft gelangte wieder in den Raum und musste energieintensiv abgekühlt werden. Darüber hinaus stellte sich eine Temperaturschichtung ein, so dass die bodennahen Bereiche der Server- Racks kühle Luft ansaugten, die weiter oben liegenden jedoch deutlich wärmere Luft. Dies hatte zur Folge, dass der Raum überklimatisiert werden musste, damit die Racks auch oben nicht zu warm wurden. Im Jahr 2014 begannen die Planungen für ein neues Kühlkonzept, das 2015 umgesetzt wurde. Die Entscheidung fiel auf das Prinzip der Warmgang-Einhausung . Dabei wird die warme Abluft der Server nicht mehr an den Raum abgegeben, sondern gezielt abgeführt. Die kalte Luft gelangt über Bodenkanäle zu den Server- Racks. Diese Maßnahme hat zwei Effekte: Zum einen muss die warme Abluft nicht mehr abgekühlt werden, und zum anderen konnte das Temperatur-Niveau der Kaltluft angehoben werden, da der Effekt der Temperaturschichtung im Raum minimiert wurde. Beide Maßnahmen bewirken eine jährliche Stromersparnis im oberen sechsstelligen Kilowattstunden-Bereich. Kältezentrale neu gestaltet Für die Klimatisierung der Gebäude und die Kühlung der Produktionsanlagen werden bei Phoenix Contact jährlich mehrere tausend MWh Kälte benötigt – auch dabei kommt es auf eine effiziente Bereitstellung an. Vor dem Umbau der Kältezentrale Ende 2013 waren die Kältemaschinen über das ganze Gebäude verteilt. Sie bedienten jeweils nur einen der Verteiler, die untereinander nicht hydraulisch abgeglichen waren. Außerdem versorgten insgesamt mehr als 20 Pumpen die einzelnen Gebäude. Unter diesen Umständen wird es zum Glücksspiel, für den jeweiligen Bedarf die richtigen Parameter einzustellen. Im Zuge des Umbaus wurden 2014 zwei Maschinen durch solche mit hocheffizienten Verdichtern ersetzt, die nun aus 1 kWh Strom rund 9 bis 10 kWh Kälte erzeugen. Zuvor war die Menge etwa halb so groß. Zusätzlich kamen alle vier Maschinen an einen gemeinsamen Verteiler. Die 20 Einzelpumpen wurden durch fünf Schubpumpen der Effizienzklasse IE4 ersetzt, die nun das gesamte Werk mit Kälte versorgen. Dabei entschieden sich die Verantwortlichen gezielt für Motoren dieser Effizienzklasse – gesetzlich vorgeschrieben ist die Klasse IE3. Der CO 2 -Ausstoß verringerte sich, im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung. Energieoptimierung spart jährlich rund 3 Mio. kWh ein. Blockheizkraftwerke zur Stromeigenversorgung Seit dem Jahr 1987 wird der Standort mit selbst erzeugtem Strom versorgt. Die dort betriebenen Blockheizkraftwerke durften nach einigen Jahren jedoch aus emissionstechnischen Gründen nur noch als Notstromgeneratoren genutzt werden. So entschloss sich das Unternehmen im Jahr 2008 zur Anschaffung von zwei neuen Blockheizkraftwerken in Verbindung mit Absorptionskältemaschinen. Sie wandeln die erzeugte Wärme in den Sommermonaten in Kälte um, und können somit die Betriebsdauer der Blockheizkraftwerke erhöhen. Durch die positiven Erfahrungen mit den ersten beiden Anlagen bestätigt, ließ das Facility Management des Unternehmens 2013 ein drittes Blockheizkraftwerk installieren, das die eigenerzeugbare Leistung auf 2,8 MW erhöhte. Mittels dieser wird eine Energienutzungsrate von fast 50 % am gesamten Strombedarf erreicht. Zwar reduziert das Unternehmen dadurch nicht den absoluten Bedarf, ist aber in der Lage, die benötigte Primärenergie deutlich zu senken. Denn die eingesetzte Energie, in diesem Fall Erdgas, wird zu etwa 85 % genutzt. Darüber hinaus lässt sich im Vergleich zur konventionellen Erzeugung von Strom CO 2 einsparen. Auf diese Weise konnte der Ausstoß am Hauptstandort Blomberg seit 2008 um 43 % reduziert werden. Fazit Die Einführung eines Energiemanagementsystems trägt dazu bei, die Effizienz eines Unternehmens systematisch zu erhöhen. Darüber hinaus sorgt es für Nachvollziehbarkeit der umgesetzten Maßnahmen und fördert Transparenz sowie die Mitwirkung der Mitarbeiter. Bei Phoenix Contact wurden auf diese Weise in den letzten Jahren zahlreiche Energieeffizienz-Maßnahmen umgesetzt, die zu jährlichen Einsparungen von drei Millionen Kilowattstunden führen. Stefan Gottschalk, Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg, sgottschalk@phoenixcontact.com Bilder: Phoenix Contact UmweltMagazin Juni 2017 43

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