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06 | 2017

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Energie Neue

Energie Neue Kältetechnik spart Energie Die Erzeugung von Kälte für Industrieanlagen verbraucht viel Energie. Moderne Technik bietet dabei ein hohes Einsparpotenzial. Das Stammwerk von OBO Bettermann GmbH & Co. KG, Menden, hat eine moderne Kälteanlage für die Extrusion von Kabelkanälen in Betrieb genommen. Die von der L&R Kältetechnik GmbH & Co. KG, Sundern, projektierte und gebaute Anlage ermöglicht eine Energiekosteneinsparung von mehr als 98 000 Euro pro Jahr. Bei der Split-Kälteanlage sind die Kältemittel-Verflüssiger im Außenbereich installiert; Freikühler nutzen die Umgebungskälte. Bilder: L&R Kältetechnik Zu den Grundprinzipien von OBO Bettermann gehört eine hohe Produktionskompetenz – insbesondere bei der Metall- und Kunststoffverarbeitung. Dabei wird die Idee der kontinuierlichen Verbesserung praktiziert und gelebt. Die Prozesse werden laufend optimiert und weiterentwickelt. Das gilt auch für vermeintliche Nebenprozesse – wie zum Beispiel die Versorgung der kunststoffverarbeitenden Produktionsstätten mit Kälte für die Werkzeug- und Hydraulikkühlung. Hier gab es in der Firmenzentrale in Menden Optimierungsbedarf. Denn die Kältetechnik für die Versorgung der Extrusionsanlagen zur Produktion von Kunststoff-Kabelkanälen war veraltet und entsprach nicht mehr dem neuesten Stand in Bezug auf Servicefreundlichkeit und Energieeffizienz. Zentrale Split-Kälteanlage Die Energieeffizienz ist für das Unternehmen ein wichtiger Faktor, denn es hat sich der Nachhaltigkeit verpflichtet und bezieht unter anderem zu 100 % regenerativ erzeugten Naturstrom und reduziert damit die jährlichen CO 2 -Emissionen um 9 800 t. Mit der Projektierung der neuen Anlage wurde L&R Kältetechnik beauftragt. Die Projektingenieure des Unternehmens ermittelten zunächst den Ist-Zustand und den Bedarf an Kälte in der Produktion. Auf dieser Basis entwickelten sie ein neues Kühlkonzept mit einer energieeffizienten Split-Kälteanlage, bei der zentrale Komponenten wie Wärmetauscher, Verdichter und Pumpen im Gebäude untergebracht sind sowie die Kältemittel-Verflüssiger im Außenbereich. Die Anlage mit einer Kälteleistung von 2 x 300 kW stellt Wasser mit einer Vorlauftemperatur von 14 °C bereit. Sie ist mit einem Freikühler ausgerüstet, der die Primärkälte bei niedrigeren Außentemperaturen aus der Umgebung bezieht. Die Winterentlastung entlastet die Kältemaschine deutlich und führt bei Außentemperaturen unterhalb von etwa 10 °C zu Energieeinsparungen. Effizient angetrieben und gesteuert Die Verbraucherpumpen der Kälteanlage sind mit druckabhängigen drehzahlgeregelten Antrieben ausgerüstet. In der Praxis reduziert das den Energieverbrauch der Pumpen um bis zu 40 %. Auch die effizienten Antriebe der Bitzer-Schraubenverdichter werden drehzahlgeregelt und somit bedarfsgerecht angesteuert. Darüber hinaus entschied sich OBO Bettermann für eine Anlage mit VariKon-Steuerung, die eine gleitende Kondensationstemperatur gewährleistet und damit für weitere Energieeinsparungen sorgt. Denn konventionelle Kältemaschinen werden mit einer festen Kondensationstemperatur betrieben, die in der Regel bei etwa 47 °C liegt. Dieses Temperaturniveau wird allerdings nur bei hohen Außentemperaturen von rund 35 °C benötigt. Bei kühlerem Klima, von zum Beispiel 8 °C, reicht eine niedrigere Kondensationstemperatur von 20 °C aus. Die Steuerung regelt in Abhängigkeit von der Außentemperatur und erreicht damit eine deutlich geringere Leistungsaufnahme des Verdichters. Ökonomisches und ökologisches Konzept Typisch für die Angebotsausarbeitungen von L&R ist, dass die Energieeinsparmaßnahmen als Optionen ausgewiesen und sowohl mit ihren Kosten als auch mit den zu erwartenden Einspareffekten dargestellt sind. Der Anwender kann somit auf einen Blick die Amortisationszeiträume jeder einzelnen Maßnahme erfassen und seine Entscheidung treffen. Bei der VariKon-Steuerung beispielsweise hat das Unternehmen für die Kälteanlage im OBO-Werk Menden eine jährliche Einsparung von etwa 35 000 € errechnet. Für die Kombination von Winterentlastung durch Freikühler und VariKon ergab sich eine Einsparung von 56 700 € an Energiekosten. Für die drehzahlgeregelten Verdichter wurde eine jährliche Einsparung von 6 460 € errechnet. Damit ergibt sich eine jährliche Kostenreduzierung von über 98 000 €. Alle drei Maßnahmen amortisieren sich in überschaubaren Zeiträumen. Thomas Imenkämper, L & R Kältetechnik GmbH & Co.KG, Sundern, t.imenkaemper@lr-kaelte.de 46 UmweltMagazin Juni 2017

Recht Novelle der TA Luft Die Technische Anleitung Luft (TA Luft), das zentrale immissionsschutzrechtliche Regelwerk für über 50 000 Anlagen in Deutschland, soll grundlegend novelliert werden. Ein Referentenentwurf des BMUB wird zurzeit heftig diskutiert. Die TA Luft ist das zentrale Regelwerk zur Verringerung von Emissionen und Immissionen von Luftschadstoffen aus genehmigungsbedürftigen Anlagen. Sie legt den Stand der Technik für über 50 000 Anlagen in Deutschland fest. Die TA Luft wird in Form einer Verwaltungsvorschrift erlassen, die die Verwaltung bei behördlichen Entscheidungen, insbesondere bei Genehmigungsverfahren, bindet. Die geltende TA Luft stammt aus dem Jahr 2002. Seither haben sich der Stand der Technik und auch die (europa)rechtlichen Anforderungen in vielen Bereichen weiterentwickelt. Referentenentwurf für eine TA-Luft-Novelle Das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat nach langjähriger interner Entwicklung im September 2016 einen Referentenentwurf für eine TA-Luft-Novelle vorgelegt. Nach Verbandsanhörung im Dezember 2016 wurde ein überarbeiteter Referentenentwurf zur Anpassung der TA Luft noch einmal vor kurzem am 7. April 2017 in die Ressortabstimmung gegeben. Dieser überarbeitete Entwurf ist öffentlich bislang nicht zugänglich, sodass die nachfolgenden Ausführungen sich in erster Linie auf den Entwurf aus September 2016 stützen. In der Novelle der TA Luft sollen insbesondere Regelungen aus dem EU-Recht ins nationale Recht umgesetzt werden. Dies betrifft zahlreiche Vorsorgeanforderungen, die in den bislang elf Durchführungsbeschlüssen der Europäischen Kommission über die besten verfügbaren Techniken (BVT-Schlussfolgerungen) auf Grundlage der Industrieemissions-Richtlinie (IED 2010/75/EU) enthalten sind. Die Anforderungen der TA Luft sollen außerdem an den fortgeschrittenen Stand der Anlagentechnik angepasst sowie die Regelungen der Luftqualitätsrichtlinie aus 2008 (bei uns 39. BImSchV) integriert werden. Neue Anlagenarten werden ergänzt und die Empfehlung des Länderausschusses Immissionsschutz (LAI) zum Vollzug werden in der derzeitigen Novelle TA Luft mit berücksichtigt. Schließlich sollen auch die Stoffeinstufungen und Gefahrensätze der CLP-Verordnung übernommen werden. Der überarbeitete Entwurf Stand 7. April 2017 enthält allerdings offenbar – im Gegensatz zur Vorgängerversion – nicht mehr Regelungen zur Umsetzung der Richtlinie über mittelgroße Feuerungsanlagen (MCP-Richtlinie 2015/2193/EU). Diese sollen nun in einer eigenen Verordnung umgesetzt werden. Geplant ist somit eine ganz umfassende Novellierung der bisherigen TA Luft, deren grundsätzlicher Aufbau und Struktur aber beibehalten werden soll. Im Rahmen dieses Artikels kann nur auf einige besonders zwischen dem BMUB und den Industrieverbänden heiß diskutierten Punkte eingegangen werden. Bild: Dieter Schütz / Pixelio UmweltMagazin Juni 2017 47

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