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06 | 2018

Special Wasser Rückhalt

Special Wasser Rückhalt feinster Plastikpartikel müssen allerdings extrem feine Filtermaterialien eingesetzt werden. Hohe Durchflüsse in Verbindung mit kleinen Porengrößen und guter Abscheideleistung sind charakteristisch für die Optimierten Tressengewebe von GKD. Aus diesem Grund entschied man sich im Zuge des Projekts, noch feinere Varianten dieser Gewebebindung, nämlich mit sechs und acht Mikrometer Öffnung, zu entwickeln. Das Ergebnis sind die Produkte OT 6 bzw. OT 8. Diese beiden Neuentwicklungen stellen sich nun auf der Scheibenfilteranlage im Klärwerk Ruhleben dem Vergleich mit der OT 20, einer Optimierten Tresse mit der Öffnung von 20 Mikrometer, die ein Standard- Gewebe in der Abwasserfiltration ist. Pionierarbeit in der Analyse Die Beprobung des realen Prozesses stellt alle Projektpartner vor eine besondere Herausforderung. Eine Vielzahl von unvorhergesehenen Problemen konnten durch die gute Zusammenarbeit des interdisziplinären Teams erfolgreich behoben werden. Es zeigte sich, Hintergrund zum Problem Mikroplastik Feinste Filte von GKD für den Einsatzin Kläranlagen. dass insbesondere Methoden für die Probennahme und die Auswertung der Proben in Hinsicht auf Mikroplastik nicht verfügbar waren. Das OEMP-Team leistet also nicht nur auf dem Gebiet der Betrug die jährliche, weltweite Kunststoffproduktion im Jahre 1950 nur 2 Millionen Tonnen, so wurden im Jahr 2015 weltweit bereits 380 Millionen Tonnen Kunststoffe produziert. Dies bleibt nicht ohne Folgen: Durch die massive Produktion und Nutzung gelangten ein großer Anteil der aus Kunststoff gefertigten Produkte oder Teile davon in die weltweiten Ökosysteme. So wie man Kunststoffe in nahezu jeder Anwendung findet, so allgegenwärtig ist auch der durch sie verursachte Plastikmüll. Besonders gefährdet durch diesen Abfall sind aquatische Ökosysteme: Kunststoffe besitzen eine relativ geringe Dichte (zw. 0,8 g/cm³ und 2,2 g/cm³) und werden dadurch besonders leicht mit abfließendem Wasser mitgerissen. Mit diesem Wasser landet Kunststoffmüll zunächst in Oberflächengewässern wie Seen oder Flüssen und durch sie letztendlich in den Meeren. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. zehn Prozent der jährlichen Plastikproduktion in den Weltmeeren landen. Die Plastikteile akkumulieren dort zu großen Müllinseln wie z.B. dem Great Pacific Garbage Patch. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Anteil des Plastikmülls am gesamten Abfall in aquatischen Systemen ca. 80 Prozent beträgt. Vieles davon ist Mikroplastik. Dazu zählen alle Kunststoffpartikel, die in ihrer größten Ausdehnung eine Länge von fünf Millimetern nicht überschreiten. Die Auswirkungen von Mikroplastik auf biologische Organismen werden momentan heftig diskutiert und müssen noch wissenschaftlich belegt werden. Es ist allerdings bekannt, dass Meerestiere Mikroplastikpartikel mit Nahrung verwechseln und dadurch aufnehmen. Dies kann zu inneren Verletzungen bis hin zur Blockierung der Nahrungsaufnahme führen. Auch Speisefische nehmen so nicht unerhebliche Mengen an Mikroplastik auf. Eine Studie zeigte, dass Mikroplastik (HDPE-Partikel) von Miesmuscheln aufgenommen und in Zellen und Gewebe eingelagert wird. Dadurch zeigten sich histologische Veränderungen und Entzündungsreaktionen. Weiterhin stehen Mikroplastikpartikel im Verdacht, als Trägersubstanzen für pathogene Bakterien agieren zu können. Dominik Herper, info@gkd.de Bilder: GKD Materialentwicklung, sondern auch im Bereich der Beprobung, Analyse und Analytik absolute Pionierarbeit. Die neu entwickelten Vergleichsmessungen mit der OT 20 zeigen, dass bereits dieses Standardgewebe Mikroplastikpartikel verschiedenster Größen zurückhält. Man verständigte sich bei der Entwicklung der Analytik darauf, die Proben auf drei weitverbreitete Kunststoffe zu untersuchen: Polypropylen (PP), Polystyrol (PS) und Polyethylen (PE). Erste Tests mit der OT 6 ergaben, dass die Menge aller zurückgehaltenen Partikel etwa doppelt so hoch ist wie bei einer OT 20. Wie groß der Anteil von Kunststoffen an diesem Rückhalt ist, muss allerdings noch bestimmt werden. Aktuelle Klärwerkstechnik reicht nicht Die bisher gewonnenen Erkenntnisse zeigen zum einen auf, wie schwierig das Thema Mikroplastik und seine wissenschaftlich-technische Bewertung ist. Des Weiteren zeigt sich aber ebenfalls, dass Mikroplastikpartikel längst im weltweiten Ökosystem, besonders im Wasser, weit verbreitet sind. Soll das Problem des Mikroplastiks im Wasser beseitigt werden, so ist bereits jetzt nachgewiesen worden, dass dafür die momentane Klärwerkstechnik nicht vollständig ausreicht. Zwar halten moderne Kläranlagen bereits ca. 96 Prozent des eingetragenen Mikroplastiks zurück, eine höhere Quote ist aber erstrebenswert. 30 UmweltMagazin Juni 2018

WassernSpecial Runderneuerte Pumpstation bewährt sich Starkregen erfordert schnelle Wasserregulierung. Wie die Runderneuerung einer Pumpstation möglichst günstig und im bestehenden baulichen Rahmen möglich ist, zeigt ein dänisches Projekt mit Beteiligung der Firma Desmi mit Propellerpumpen von Homa. Aktuell gewinnt der Hochwasserschutz angesichts der steigenden Anzahl von Extrem-Niederschlägen besonders im nordeuropäischen Raum immer mehr an Bedeutung. Besonders überschwemmungsbedrohte Naturschutzgebiete sind davon stark betroffen. So auch Maribo auf der Insel Lolland in Dänemark, ein etwa 160 km2 großes Gebiet, welches über einzigartige Fauna und Flora verfügt und den See Hejrede Sø umgibt. Pumpwerk von 1926 Dieses Naturschutzgebiet wurde in den vergangenen Jahren häufig vom rasant ansteigenden Wasserpegel des Sees überflutet, denn das dort 1926 errichtete Pumpwerk konnte gegen diese Wassermassen aufgrund der veralteten Technik nicht mehr viel ausrichten. Um eine gezielte Regelung der natürlichen Wasserstände auch in Zukunft gewährleisten zu können, musste das gesamte Pumpennetz modernisiert und erweitert werden: Die Firma DESMI in Dänemark betraute den Pumpenexperten Homa mit der Lieferung zweier spezieller Propellerpumpen der Baureihe P424/17-G126/C mit gebrauchsmustergeschützten Einlaufkammern EK700, die durch ihre spezifische Bauweise sowie die direkte Anflanschung von Tauchrohren Überschwemmungen verhindern und zudem die Betriebskosten bereits erheblich reduzieren konnten. Modernisierung sollte günstig sein „Die Wasserfläche des Hejrede Sø beträgt über 51 Hektar. Mehrmals im Jahr lassen ihn die starken Niederschläge Das 1926 errichtete Pumpwerk konnte gegen die jährlich durch Niederschlag auftretenden Wassermassen aufgrund der veralteten Technik nicht mehr viel ausrichten und wurde umfassend modernisiert. über die Ufer treten und das umliegende Gebiet überschwemmen“, führt Ralf Motz, technischer Vertrieb Export bei der Homa Pumpenfabrik GmbH, aus, der zusammen mit Alfred Kleu, Leiter Homa Application Management, das Projekt betreute. „Die alte Pumpstation, die 90 Jahre lang dafür gesorgt hat, dass bei Überschwemmungen das Wasser schnellstmöglich wieder abgepumpt wird, war aufgrund der veralteten Technik nicht mehr imstande, mit den steigenden Niederschlagsraten fertig zu werden – hier war schneller Handlungsbedarf erforderlich“, so Ralf Motz weiter. Nach ausführlichen Beratungsgesprächen entschied sich die Betreibergemeinschaft der ansässigen Landwirte, das Pumpwerk umfassend zu modernisieren. Die Anforderungen an die optimierte Anlage waren allerdings hoch: Man wünschte sich nicht nur eine Pumpenstation, die selbst vor Extrem- Niederschlägen gefeit, sondern auch leicht zu handhaben und warten ist – und das innerhalb eines sehr engen Zeit- sowie Preisrahmens. Zwei Firmen beteiligt Die Betreibergemeinschaft beauftragte den dänischen Pumpenhersteller DES- MI Danmark A/S mit der Bestandserfassung und Modernisierung der Anlage. „Da wir in unserem Werk allerdings nicht die Möglichkeit hatten, die benötigten Pumpen herzustellen, suchten wir uns entsprechende Projektpartner“, erklärt John Wedde, Produktmanager bei DESMI. „Insgesamt waren drei verschiedene Zulieferer am Projekt in Maribo beteiligt, wobei der Pumpenhersteller Homa, der die zwei Propellerpumpen und die Einlaufkammern lieferte und uns bei der Planung unterstützte, die Hauptarbeit übernahm.“ So konnte das gesamte Anlagenkonzept inklusive Inbetriebnahme praktisch aus einer Hand angeboten werden. UmweltMagazin Juni 2018 31

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