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06 | 2018

Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Bild: Rainer Sturm / pixelio.de Marokkos Abwassersektor expandiert Demografisches Wachstum, Urbanisierung, eine steigende Nachfrage in der Landwirtschaft, Industrie und im Tourismus sorgen für eine wachsende Wasserknappheit in Marokko. Wurden 2014 noch 13,7 Milliarden Kubikmeter Wasser nachgefragt, so werden es 2030 um die 16,7 Milliarden sein. Dadurch gewinnt die Abwasseraufbereitung zunehmend an Bedeutung. Aktuelles Ziel ist es, insbesondere die Wiederverwendung des Wassers zu stärken. Im Abwasserplan Plan National d´Assainissement liquide (PNA) ist bis 2020 die Behandlung von 80 Prozent der städtischen Abwässer und die Reduktion der Umweltgifte um 60 Prozent vorgesehen. Bis zum Jahr 2030 sollen die städtischen Abwässer komplett behandelt und gereinigt werden. Im Jahr 2016/17 lag im städtischen Bereich die Anschlussquote an das Abwassersystem bei 76 Prozent. Hierbei werden wiederum knapp über 70 Prozent einer, wenn auch teils einfachen, Aufbereitung zugeführt. Im Rahmen des PNA sind 93 Kläranlagen gebaut worden – insgesamt gibt es 117 (Stand 2017). 93 davon betreibt der staatliche Energie- und Wasserversorger ONEE (Office National de l‘Electricité et de l‘Eau potable), die übrigen sind in privater Hand. Rund 25 Prozent des Abwassers ist einer dreistufigen Klärung unterworfen. Schätzungen gehen von einem anfallenden Gesamtvolumen bei Abwässern von 800 Millionen Kubikmeter aus. 2020 ist mit 900 Millionen zu rechnen. Ausbau der Wasseraufbereitung Es fallen rund 600 Millionen Kubikmeter Abwasser aus den Haushalten an. Diese führen 360 000 Tonnen an organischen Stoffen mit sich. Im regulären Abwassersystem fallen rund 30 Prozent an. 43 Prozent wird direkt in Flüsse oder ins Meer geleitet, 27 Prozent versickern im Boden. Für die Jahre 2016 bis 2020 plant die ONEE Ausgaben in Höhe von rund zwei Milliarden Euro. Statt gegenwärtig rund 47,5 Millionen Kubikmeter im Jahr sollen bis 2030 rund 325 Millionen Kubikmeter gereinigtes Wasser wiederverwendet werden. Auch die mangelhafte Sicherung von Festmülldeponien führt zur Wasserbelastung. Im Jahr 2017 sind in Marokko 61 Kläranlagen im Bau, 14 davon sind als dreistufige Verfahren konzipiert. Im März 2017 hat das marokkanische Wasserministerium den Bau von 28 Kläranlagen angekündigt. Zu den bestehenden Reinigungskapazitäten von 33 200 Kubikmeter pro Tag plant die ONEE weitere 118 000. Die regionalen Wasserbehörden (Regis) haben 2011 bis 2015 insgesamt 18 neue Kläranlagen umgesetzt. Behandlung von Industrieabwässern steht erst am Anfang Schätzungen zufolge fallen jährlich über eine Milliarde Kubikmeter Industrieabwässer an. Rund 83 Prozent des 48 UmweltMagazin Juni 2018

Umweltmärkte Service genutzten Wassers bezieht die Industrie aus dem Meer, 14 Prozent aus Oberflächenwasser und 1 Prozent aus dem Grundwasser. Davon werden gerade einmal 21,5 Millionen Kubikmeter aufbereitet. Der Phosphatsektor stellt mit 97 Prozent mit Abwasser aus Anlagen für die Herstellung von Schwefel und Phosphatsäure den weitaus größten Anteil der Industrieabwässer. Trotz hoher Investitionen in die Abwasserreinigung wird es auch in Zukunft Investitionsbedarf in die Wasseraufbereitung im Phosphatsektor geben; zumal die Produktion und Verarbeitung von Phosphatgestein gesteigert werden soll. So hat der staatliche Phosphatkonzern OCP (Office chérifien des phosphates) den Bau einer weiteren Düngemittelfabrik in Jorf Lasfar angekündigt, die jährlich 1 Million Tonnen Phosphatdünger, 1,4 Millionen Tonnen Schwefelsäure und 450 000 Tonnen Phosphatsäure produziert. Den Bedarf an Wasser wird die OCP mit wiederaufbereitetem Abwasser und Entsalzungsanlagen decken. Mit Einleitungen vor allem aus der Zucker- und Olivenölherstellung und von Gerbereien sorgen neben dem Phosphatsektor die Nahrungsmittel- sowie die Textil- und Lederindustrie für eine starke Schmutzbelastung des Wassers. Auch hier ist mit Investitionen zu rechnen. Allerdings bleiben die rechtlichen Rahmenbedingungen bislang unbefriedigend. Die marokkanische Regierung setzt praktisch auf Freiwilligkeit und beschränkt sich auf die Förderung von Investitionen von Privatunternehmen in die Aufbereitung ihrer Abwässer. Programm für Abwässer im ländlichen Raum aufgelegt Erst jüngst angelaufen ist ein Programm (Programme Nationale d´Assainissement Rural, PNAR) für die Abwasserbehandlung im ländlichen Raum. Bei PNAR geht es weniger um den Aufbau eines vernetzten Abwassersystems, sondern im Rahmen lokaler Lösungen vor allem darum, sanitäre Risiken zu mindern. Auch Abwässer vor allem aus der Olivenölherstellung sollen gereinigt werden. Von dem Programm sind 13,5 Millionen Einwohner betroffen. Die Quote für die Aufbereitung der Abwässer liegt im ländlichen Raum bei 3 Prozent. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt das Programm. Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Bild: Dieter Schütz/ pixelio.de Gute Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen Für deutsche Unternehmen fallen die Marktchancen gut aus. Hier insbesondere bei der Abwasseraufbereitung, bei der Lieferung von Hochdruckpumpen und Messgeräten, aber auch im Bereich der Bewässerungstechnologien sowie der Meerwasserentsalzung und Brauchwasseraufbereitung. Marokko ist Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die GIZ, die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), aber auch internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank oder die Europäische Investitionsbank (EIB) unterstützen eine Reihe von Projekten im Wassersektor. Auch private Versorgungsunternehmen sind aktiv Als wichtige Akteure treten in vier großen Städten private Unternehmen auf, die eine Konzession für die Wasserversorgung erhalten haben: In Casablanca ist es die Lydec, die zur französischen Gruppe Suez Environnement gehört, während in Rabat/Salé, Tanger und Tetouan jeweils Töchter der ebenfalls französischen Veolia Environnement zuständig sind. Insgesamt bestreiten die privaten Versorger 36 Prozent der Wasserabonnenten. Rund 33 Prozent versorgen die ONEP (Office nationale de l´eau potable) und weitere 31% kommunale Versorgungsunternehmen (Regis). Das integrierte Wassermanagement für ihre jeweiligen Wassereinzugsgebiete der marokkanischen Flüsse übernehmen die Agences des Bassins Hydrauliques. Fausi Najjar, GTAI Marokko, www.gtai.de/marokko UmweltMagazin Juni 2018 49

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