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06 | 2019

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Gastkommentar Dem ökologischen Rucksack auf der Spur Littering, also die Verschmutzung des öffentlichen Raums durch achtlos entsorgten oder liegen gelassenen Müll, ist zum großen Problem geworden. Zwar landet von Fastfood- Verpackungen über Getränkedosen bis hin zu Glasflaschen alles Mögliche auf Bürgersteigen und in Parks, Kunststoffe sind jedoch häufig sichtbarstes Zeichen dieser Form der Umweltverschmutzung. Die damit verbundene, sehr emotional geführte Debatte spiegelt sich in drastisch gesunkenen Imagewerten für Branche und Werkstoff. Gemäß unserer jährlichen Repräsentativumfrage zum Image von Kunststoffen in Deutschland sank der Anteil der Menschen in der Bevölkerung, die Kunststoff als Werkstoff positiv bewerten, innerhalb eines Jahres um 17 Prozentpunkte auf nun 58 Prozent. Bei Themen wie Klima- und Ressourcenschutz sowie mehr Kreislaufwirtschaft wird die Kunststoffindustrie von der Bevölkerung oft nicht als Teil der Lösung gesehen. Keine Frage, Meeresmüll und Umweltverschmutzung sind drängende Probleme. Allerdings wird zurzeit der Trugschluss genährt, dass unser Konsum automatisch nachhaltig wird, lässt man nur die Plastikverpackung weg. Dabei ist oft gerade das Gegenteil der Fall. Wird Kunststoff durch andere Materialien ersetzt, steigt das Risiko, dass auf ökologisch nachteilige Alternativen ausgewichen wird. Eine verengte Sichtweise nur auf das Lebensende von Produkten und deren Recyclingfähigkeit greift zu kurz. Wichtiger im Sinne eines ressourcenschonenden Umgangs mit unserer Umwelt wäre es, VerbraucherInnen für den richtigen Umgang mit Abfallprodukten zu sensibilisieren. Laut einer Studie stammen rund 90 Prozent des Plastiks, das die Weltmeere verschmutzt, aus nur zehn Flüssen – acht davon befinden sich in Asien, zwei in Afrika, Regionen, in denen es eine unzureichende Infrastruktur für den Umgang und die Verwertung von Plastikabfällen gibt. Beim globalen Aufbau von Sammelsystemen und Best Practices für mehr Recycling gibt es noch viel zu tun. Deutschland ist hier Vorreiter und kann sowohl Technologie als auch Expertise beitragen: Das Land hat durch Innovationen der Industrie und vorausschauende Gesetzgebung höchste Verwertungsquoten für Kunststoffabfälle erreicht und die Deponierung energiereicher Abfälle bereits vor Jahren beendet. Zudem stellen die Verbände der Kunststoffindustrie mit ihren deutschen und europäischen Stoffstrombildstudien zum Werkstoff regelmäßig differenziertes Datenmaterial zur Verfügung und fördern die Objektivität innerhalb der Nachhaltigkeitsdebatte. PlasticsEurope hat mit einer Selbstverpflichtung ein klares Signal für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz gegeben – wobei hier die Zusammenarbeit über Wertschöpfungsketten hinaus entscheidend ist. Zahlreiche Initiativen unter Beteiligung der Kunststoffbranche werden in diesem Sinne aktiv. So haben rund 30 bedeutende globale Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Kunststoffe, Konsumgüter und Entsorgung jüngst die „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“ geschmiedet. Das Firmennetz will das unkontrollierte Entsorgen von Kunststoffen stoppen und 1,5 Milliarden Dollar bis 2024 investieren, hauptsächlich in Afrika und Südost-Asien. Hierzulande suchen Kunststoffindustrie, Handel und Entsorgungswirtschaft längst gemeinsam nach Lösungen, die weit über die Frage „stofflich Verwerten, Verbrennen oder Exportieren?“ hinausreichen. Es gibt zahlreiche Ansätze, die Recyclingfähigkeit bereits bei der Gestaltung von Produkten und Verpackungen zu berücksichtigen. Neue Verfahren zur Herstellung von hochwertigen Kunststoffen aus getrennt gesammelten Verpackungen werden entwickelt und eingeführt. Dabei gilt bei Kunststoffen schon lange das Credo des „immer mehr mit immer weniger“. So hat der Trend zum materialsparenden Design von Verpackungen und Produkten aus Kunststoff dazu geführt, dass die Menge der verarbeiteten Kunststoffe über die vergangenen Jahre hierzulande weitaus weniger stark gestiegen ist, als das angesichts der Nachfrage zu erwarten gewesen wäre. Fakt ist: Eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff ist möglich und oft auch wegen des niedrigeren Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie der geringeren CO 2 -Emissionen zielführend. Kunststoffe lassen sich zudem vielfältig verwerten. Um Littering wirkungsvoll zu reduzieren, braucht es nun vor allem ein funktionierendes Abfallmanagement weltweit sowie mehr und bessere Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Kunststoffen. Bild: Lanxess / PlasticsEurope Deutschland Dr. Michael Zobel ist Vorsitzender von PlasticsEurope Deutschland. Der Chemiker leitet seit Oktober 2010 die Geschäftseinheit High Performance Materials des Spezialchemieherstellers Lanxess. „Beim globalen Aufbau von Sammelsystemen und Best Practices für mehr Recycling gibt es noch viel zu tun.“ UmweltMagazin Juni 2019 3

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