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06 | 2019

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte US-Unternehmen investieren in energieeffiziente Technologien Viele US-Firmen investieren in Energieeffizienzmaßnahmen – und das trotz Abkehr der Regierung in Washington vom Klimaschutz. Für deutsche Anbieter bestehen weiterhin gute Lieferchancen. Der US-Produzent von Baumaterialien CalPortland hat 2018 mehr als 89 Millionen Euro in die Verbesserung der betrieblichen Energieeffizienz investiert. Er baute unter anderem ein neues Walzwerk sowie zwei Tankstellen für komprimiertes Erdgas in der Zementfabrik in Oro Grande im Bundesstaat Kalifornien. Der Rüstungs- und Elektronikkonzern Raytheon hat ein eigenes energieeffizientes Rechenzentrum errichtet und verfolgt an zwei US-Standorten Batteriespeicherprojekte. Durch eine stärkere energetische Nutzung von Biomasse, Klärschlamm und Abwasser erhofft sich auch der Bekleidungshersteller Hanesbrands in Winston-Salem, North Carolina, erhebliche Kosteneinsparungen. Zulieferchancen für deutsche Unternehmen Wie der vor rund anderthalb Jahren eröffnete Energiepark in Holland, Michigan, zeigt, können sich dabei vielfältige Zulieferchancen für deutsche Unternehmen ergeben. Als Technologiepartner des örtlichen Energieversorgers, Holland Board of Public Works, lieferte Siemens für das erdgasbefeuerte Gas- und Dampfkombikraftwerk zwei Gasturbinen, eine Dampfturbine, elektrische Betriebsmittel und Netztransformatoren. Die Liste an Beispielen von US-Firmen, die in energieeffiziente Maßnahmen und Technologien investieren, ließe sich noch lange fortsetzen. Allein ein Blick auf die Unternehmen und Organisationen, die jährlich vom US-Umweltbundesamt für herausragende Beiträge zum Umweltschutz mit dem Energy Star Award ausgezeichnet werden, flößt Respekt ein. Doch sieht der Haushaltsentwurf für das am 1. Oktober 2019 beginnende Finanzjahr 2020 vor, dass Firmen, die das Label verwenden, die Kosten für das bisher staatlich finanzierte Programm künftig selbst über Gebühren decken sollen. Untergrabung langjähriger Bemühungen um Klimaschutz und Energieeffizienz Zwar gab es auf US-Bundesebene auch unter früheren Regierungen keine messbaren Ziele zur Begrenzung des Endenergieverbrauchs oder des Einsatzes fossiler Energieträger. Dennoch galten Energieeffizienzverpflichtungen, nicht nur in der Industrie sondern auch im Gebäude- und Verkehrsbereich, in den USA lange als wichtiges Instrument bei der Umsetzung der Energieeffizienzpolitik. Seit Übernahme der Amtsgeschäfte durch US-Präsident Donald Trump hat sich allerdings einiges geändert. Trump hat nicht nur den Austritt aus dem Übereinkommen von Paris eingeleitet. Auch wurden unter ihm zahlreiche Umweltvorschriften rückgängig gemacht. Zum Beispiel durch die Lockerung von Grenzwerten für klimaschädliche Emissionen durch Öl-/Gasanlagen, Kraftwerke und andere Industriebetriebe sowie die Aufhebung eines Moratoriums, das neue Pachtverträge für die Kohlegewinnung auf US-Bundesland auf Eis gelegt hatte. Außerdem will die Trump-Administration den Haushalt 2020 des Büros für Energieeffizienz und erneuerbare Ener- 60 UmweltMagazin Juni 2019

Umweltmärkte Service gien im Energieministerium um rund 70 Prozent kürzen. Davon wären vor allem Einrichtungen im Bereich der Energieeffizienzforschung betroffen. Allerdings hat der US-Kongress ähnliche Anträge in den letzten Jahren wiederholt abgelehnt. Mehr Geld für Forschung zur Cybersicherheit Ende März 2019 kündigte das Energieministerium an, im Rahmen von „Manufacturing USA“, einem Netzwerk aus spezialisierten Instituten, vergleichbar der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft, bis zu 62 Millionen Euro für die Forschung zur Cybersicherheit bereitzustellen. Denn industrielle Automatisierungs- und Steuerungssysteme spielten laut dem Ministerium bei der Verbesserung der Energieeffizienz eine wichtige Rolle und böten viel Angriffsfläche für Cyberattacken. Viele US-Bundesstaaten wollen die Emissionsziele der USA aus dem Pariser Klimaabkommen trotz des angekündigten Rückzugs der US-Regierung weiterhin einhalten. So haben sich bis April 2019 fast 2.800 Unterzeichner der Initiative „We are still in“ angeschlossen, darunter zehn US-Bundesstaaten, 287 Bürgermeister von Städten und Landräte, 2.183 Unternehmen und 349 Hochschulen. Dem gleichen Ziel fühlt sich die Klimaallianz der Vereinigten Staaten verpflichtet, die von 23 US-Bundesstaaten und Puerto Rico gebildet wird. Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Texas und Kalifornien haben die meisten Firmen mit Energieeffizienzzielen Einer Untersuchung der Alliance for Industrial Efficiency von Juni 2018 zufolge haben sich fast vier Fünftel der größten Verarbeitungsbetriebe in den USA konkrete Ziele zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes und 43 Prozent Energieeffizienzziele gesetzt. Als Hauptgründe dafür nannten sie Kosteneinsparungen und Nachhaltigkeit. Um diese Ziele zu erreichen, sollen effizienzsteigernde Technologien, darunter auch betriebseigene Kraft-Wärme- Kopplungs-Anlagen, eingesetzt werden. Die Firmen verteilen sich zwar über das gesamte US-Gebiet, doch kommen die meisten aus Texas und Kalifornien, gefolgt von Ohio, Illinois und weiteren Bundesstaaten mit starker industrieller Basis. Um Einsparpotenziale zu identifizieren, haben zahlreiche US-Unternehmen aus energieintensiven Industrien Energieaudits durchführen lassen. Die IAC-Datenbank listet Ergebnisse von mehr als 16.000 Energieaudits auf. Sie dient anderen Firmen als Anhaltspunkt für mögliche Energieeinsparungen und eventuell geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz. Meist geht es dabei um prozessbezogene Maßnahmen, doch lässt sich auch durch den Einsatz neuer Motoren sowie von Pumpensystemen und Lüftungstechnik viel erreichen. Laut IAC bestehen die größten Energieeinsparpotenziale in der Nahrungsmittel-, Chemie-, Metall-, Papier- und Kfz-Industrie. Allein bei Chemieunternehmen (einschließlich der Bereiche Kunststoff und Gummi) wurden im Rahmen von Energiebewertungen, die erst nach 2016 stattfanden, Einsparmöglichkeiten in Höhe von über 28,6 Millionen Euro ausgemacht. Bei Nahrungsmittelbetrieben waren es knapp 22 Millionen Euro, in der Metallindustrie über 19 Millionen Euro und im Fahrzeugbau knapp 12 Millionen Euro. Förderprogramme gibt es auf allen föderalen Ebenen Die USA fördern Energieeffizienzmaßnahmen durch verschiedene Programme sowohl auf nationaler als auch auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten sowie Städte und Gemeinden. Strom- und Gasversorgungsunternehmen verwalten einen Großteil der bundesstaatlichen und lokalen Programme, die auf Energieeinsparungen auf Anlagenebene abzielen. Einen Überblick über die Programme verschiedener föderaler Ebenen bietet die Datenbank des Amerikanischen Rates für eine energieeffiziente Wirtschaft. Durch den 2018 verabschiedeten Agriculture Improvement Act können auch Agrarunternehmen zinsgünstige Darlehen für Energieeffizienzverbesserungen sowie Förderungen bei Investitionen in energieeffiziente Technologien wie Heizungs- und Lüftungsanlagen, Kühlaggregate und Solarpumpen erhalten. Heiko Steinacher, GTAI, USA, www.gtai.de Bilder: Pixabay UmweltMagazin Juni 2019 61

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