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07-08 | 2017

Special

Special Wasserkreisläufe & Pumpen Bild: Panattoni Luftbild mit dem neuem Logistikzentrum in Hückelhoven-Ratheim, Gewerbegebiet Rurtal. Versiegelte Fläche 160 000 m², davon mit Folie beschichtete Dachfläche 122 000 m². Regenwasserbehandlung bei großen Liegenschaften Wenn große Flächen versiegelt werden, ist es wichtig, dass die Regenentwässerung überlegt geplant und mit den Behörden abgestimmt wird. Einzelne Logistikzentren haben heutzutage mehr als 100 000 m² Dachfläche. Dazu kommt zu ebener Erde noch die Fahr- und Stellfläche für Lkw. Dort sind Planer mit mit speziellen Kenntnissen sowie leistungsfähige und zuverlässige Produkte, wie die der Mall GmbH aus Donaueschingen, gefragt. Hückelhoven im Kreis Heinsberg liegt in Nordrhein-Westfalen, unweit der niederländischen Grenze. Fünf Gewerbegebiete mit zusammen 160 ha sind belegt. In Rurtal, dem sechsten Areal, waren Ende des Jahres 2016 noch 13 von 53 ha frei. Eigentlich Platz für weitere zehn mittelgroße Betriebe. Doch in der Dimension des fertiggestellten neuen Logistikzentrums reicht es noch knapp für einen. Außergewöhnliche Dimensionen Jürgen Wilscher, verantwortlicher Projektmanager bei Panattoni Germany Properties GmbH, Hamburg, nennt die Logistikhalle in Hückelhoven die größte zusammenhängende Immobilie seines Unternehmens. Panattoni tritt als Bauherrenvertreter im Auftrag international tätiger Investoren auf und hat einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ investiert. Nutzer ist der Online- Händler Jago AG aus Stuttgart, mit Produkten für Heimwerken, Freizeit und Fitness sowie Haus und Garten. Er garantiert, dass die Waren, wenn die Bestellung bis 15 Uhr eingeht, am nächsten Tag beim Kunden sind. Der neue Standort ist dafür ideal. Die Waren kommen überwiegend per Containerschiff aus Asien bis in das niederländische Born, unweit von Hückelhoven. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Heinsberg, hilfreich bei der Ansiedlung in Gewerbegebieten des Landkreises, betont die kurzen Wege zu den Seehäfen auf holländischer Seite und die gute Anbindung an das Straßennetz in Deutschland. Mit Bezug des neuen Gebäudes in Hückelhoven soll die Zahl der Mitarbeiter des Onlinehändlers von 500 auf 800 steigen und die Transportkosten sinken. In vier Bauabschnitten wird bis August 2017 das Gebäude mit 122 000 m2 Dachfläche bezogen. Die Fertigstellung war schon ein Jahr vorher, dazu sind Fahr- und Stellflächen mit weiteren 38 000 m2 entstanden, zusammen ein versiegelter Bereich von 160 000 m2. Die Regenwasserableitung war eine der großen Herausforderungen für Planer und Genehmigungsbehörden, denn die Halle ist 505 m lang und 240 m breit. Der vom Dach abfließende Regen ist nicht so verschmutzt, dass er behandelt werden müsste. Anders der Oberflächenabfluss der 120 Stell- und Ladeflächen für Lkw. Dazu kommen 400 Autound 100 Lkw-Park- und Wendeflächen. Niederschlag hiervon wird in Sedimentationsanlagen gereinigt und zusammen mit dem Dachablauf verzögert abgeleitet. Zeitgemäße Regenwasserbewirtschaftung Eine Voraussetzung für Neubaumaßnahmen oder Umbau mit Änderungen an der Entwässerung ist ein Entwässerungsgesuch. Die untere Wasserbehörde beurteilt dann unter anderem, ob die Regenwasserableitung den Vorschriften 14 UmweltMagazin Juli - August 2017

Wasserkreisläufe & Pumpen Special entspricht. War früher Niederschlag in die Kanalisation abzuleiten, so soll dies jetzt vermieden werden. Insbesondere Anschlüsse an den Mischkanal sind laut Wasserhaushaltsgesetz (WHG), gültig seit 1. März 2010, untersagt. Die Landeswassergesetze der Bundesländer und die örtlichen Abwassersatzungen der Kommunen wurden entsprechend angepasst, in NRW beispielsweise durch den Runderlass Niederschlagswasserbeseitigung [1]. Vor allem beim Bau großflächiger Liegenschaften wie Industriebetrieben, Verkehrsflächen und öffentlichen Gebäuden werden deshalb zunehmend dezentrale Anlagen zur Rückhaltung und Behandlung eingesetzt. Das Wasser wird vor Ort verdunstet, alternativ gedrosselt und gereinigt in ein Oberflächengewässer eingeleitet oder in den Untergrund versickert – eine ökologische und zugleich ökonomische Alternative zum Ableiten in Mischkanälen und Mitbehandeln in kommunalen Kläranlagen. Verdunstung durch Dachbegrünung, Nutzung mit Hilfe von Zisternen, Versickerung sowie Einleitung in Oberflächengewässer ergänzen sich. Für jede Baumaßnahme hat die Bauherrschaft und deren Planer die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten, sofern örtliche Entwässerungssatzung, Baugenehmigung, Verordnungen und Gesetze nichts anderes fordern. Entscheidend ist, von welchen Flächen das Regenwasser stammt, und wie es dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zugeführt werden soll. Gesetzliche Vorgaben Zunächst wird unterschieden, ob das Regenwasser von Dachflächen, Verkehrsflächen mit Betrieb von Kraftfahrzeugen oder sonstigen Verkehrsflächen ohne Betrieb von Kraftfahrzeugen stammt. Innerhalb dieser drei Gruppen kann weiter unterteilt werden, je nach Belastungspotenzial in Bezug auf das abflie- Niederschlagswasserbehandlung, Anlage Südwest. Trennbauwerk, Drosselschacht und Lamellenklärer. ßende Regenwasser. Dabei spielt eine Rolle, ob den natürlichen Wasserhaushalt belastende Stoffe dabei sind und wie groß der vom Grundstück abfließende Volumenstrom in Liter pro Sekunde ist. Begrünte Dächer haben zum Beispiel kaum Belastungspotenzial, unbeschichtete metallgedeckte Dachflächen jedoch wegen des schnellen Wasserabflusses und des Abtrags von Schwermetallverbindungen deutlich mehr. Ist das Grundwasser oder ein Oberflächengewässer Ziel der Ableitung, gilt zunächst WHG 2009. Darin bestimmt der Gesetzgeber seit 1. März 2010 laut § 57 (1): „Eine Erlaubnis für das Einleiten von Abwasser in Gewässer (Direkteinleitung) darf nur erteilt werden, wenn die Menge und Schädlichkeit des Abwassers so gering gehalten wird, wie dies bei Einhaltung der jeweils in Betracht kommenden Verfahren nach dem Stand der Technik möglich ist, …“ Im Sinne des Gesetzgebers ist auch das Grundwasser ein öffentliches Gewässer. Zum Stand der Technik laut WHG 2009 sind die Ausführungen der Abwasserverordnung, speziell Anhang Regenwasser, maßgeblich. Doch dieser Anhang fehlt bisher. Deshalb gelten für Regenabflüsse von Verkehrsflächen zur Einleitung in Oberflächengewässer noch örtlich spezifische Auflagen mit Verweis auf technische Regeln. In Nordrhein-Westfalen ist eine dieser Auflagen der Trennerlass des Umweltministeriums [2]. Regenwasser wird im neuen Verteilzentrum in Hückelhoven seit Fertigstellung im letzten Jahr an drei Stellen gesammelt, im Süden, Südwesten und Norden der Verkehrsfläche. Die Versickerung ist durch die Beschaffenheit des Untergrundes auf dem ehemaligen Gelände einer Steinkohlenzeche nicht möglich und zulässig. Nach Auflage des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes muss der Oberflächenabfluss vor Verlassen des Grundstücks gereinigt und verzögert mit begrenztem Volumenstrom in das nächstgelegene Fließgewässer eingeleitet werden. Gesetzliche Grundlage hier war der Runderlass NRW mit seinen Anforderungen an die Niederschlagsentwässerung im Trennverfahren [2]. Dort heißt es unter anderem im Abschnitt 1.1 „Grundsätze“: „… die in Anlagen zur Niederschlagswasserbehandlung anfallenden Rückstände, sind unter Beachtung der einschlägigen wasserund abfallwirtschaftlichen Bestimmungen ordnungsgemäß zu entsorgen. Den nachfolgend unter Ziffer 3 aufgeführten technischen Möglichkeiten zur Niederschlagswasserbehandlung stehen Lösungen gleich, bei denen im Zulassungsverfahren nachgewiesen wird, dass hinsichtlich des Schadstoffrückhalts und des dauerhaften Betriebs eine Vergleichbarkeit vorliegt und die Alternativlösung die Anforderungen des die Einleitung zulassenden Bescheides erfüllt…“ Bild: Mall UmweltMagazin Juli - August 2017 15

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