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07-08 | 2017

Special

Special Wasserkreisläufe & Pumpen Niederschlagswasserbehandlung, Anlage Nord. IKT-Zulassung und Teilstrombehandlung in NRW Die im Logistikzentrum in Hückelhoven eingesetzten Anlagen zur Behandlung des Oberflächenabflusses, aus Betonfertigteilen zusammengesetzt und unterirdisch eingebaut, wurden in Labor und Praxis geprüft. Dafür zuständig war das Institut für Unterirdische Infrastrukturen im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. „Durch integrierte Lamellenpakete lassen sich in verhältnismäßig kleinen Bauwerken große angeschlossene Flächen behandeln, um die aktuellen Kriterien des Gewässerschutzes zu erfüllen“, sagt Stephan Klemens. Er ist Leiter der Entwicklung bei Mall in Donaueschingen. Es ist Literatur [1] NRW Runderlass. Niederschlagswasserbeseitigung gemäß § 51 a des Landeswassergesetzes. RdErl. d. Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft – IV B 5 – 673/2–29010 / IV B 6 – 031 002 0901 v. 18.5.1998. Stand 1.11.2016 auf https://recht.nrw.de/ [2] NRW Runderlass. Anforderungen an die Niederschlagsentwässerung im Trennverfahren. RdErl. d. Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz – IV-9 031 001 2104 – v. 26.5.2004. Stand 1.11.2016 auf https://recht.nrw.de/ [3] Mall GmbH (Hrsg.): Regenwasserbewirtschaftung und Niederschlagswasserbehandlung, Planerhandbuch. Donaueschingen. Aktueller Stand auf www.mall.info [4] Schmitt, Theo G.: Neue Regeln für Regenwetterabflüsse in Siedlungsgebieten. In: Ratgeber Regenwasser. Rückhalten, Nutzen, Versickern und Behandeln. Ratgeber für Kommunen und Planungsbüros. (Hrsg.) Mall GmbH, Donaueschingen. 6. Auflage, 2016. ein physikalischer Effekt, der hier genutzt wird: Beim Durchströmen der Kunststoff-Lamellen von unten nach schräg oben sedimentieren mitgeführte Partikel schneller als im freien Wasservolumen. Die wirksame Oberfläche des Beckens wird damit vervielfacht, die Absetzwirkung insbesondere kleiner Partikel verbessert. Walter Kolditz vom Ingenieur-Büro Redeker in Detmold hat die Niederschlagsableitung der Immobilie geplant. „Laut Trennerlass des Landes Nordrhein-Westfalen dürfen wir für die zu behandelnden Abflüsse das Teilstromverfahren durchführen, daher müssen mindestens 15 l/s x ha gereinigt werden. Damit sind über 90 % der jährlichen Niederschlagsmenge abgedeckt, die in Deutschland eine durchschnittliche Intensität von rund 5 l/s x ha hat. Die darüber hinaus gehenden Mengen bis rund 90 % bei seltenen Starkregenereignissen sind erfahrungsgemäß relativ wenig verschmutzt.“ Der vor dem Lamellenklärer eingebaute Drosselschacht staut bei Bedarf in das Trennbauwerk zurück. Dort beginnt der Bypass an einer Überlaufschwelle. Dem Konzept von Kolditz folgend wurden an mehreren Seiten des Geländes gleichartige Behandlungsanlagen im Untergrund gebaut. Mit dieser parallelen Anordnung wird vermieden, dass durch das erforderliche Leitungsgefälle, hier 5 ‰, eine zu große Tiefe an der Grundstücksgrenze erreicht wird. Denn der Abfluss des gereinigten Wassers von Bild: Mall Fahr-, Rangier- und Abstellfläche soll im fast ebenen Gelände das nächstgelegene Fließgewässer erreichen. Zuvor wird es zusammen mit dem unbehandelten Niederschlag des Daches, das mit einer PVC-Folie abgedichtet ist, in einem rund 400 m langen offenen Betonkanal gesammelt. Dieser verläuft parallel zum Gebäude entlang der Längsseite des Grundstücks und dient dazu, die bei Starkregen abfließenden Regenmengen zurückzuhalten, bevor sie mit maximalem Volumenstrom von 100 l/s in das nächstgelegene Fließgewässer, den „Vorfluter 14“, abgeleitet werden. Wegen drohender Bergschäden und der fehlenden Flächenverfügbarkeit auf dem ehemaligen Zechengelände konnte die übliche Bauweise eines Regenrückhalte-Erdbeckens nicht realisiert werden. Behandlungsbedarf – Stand der Technik Wie bei allen Abwässern fordert das WHG konsequent auch bei der Einleitung von Niederschlagswasser den Stand der Technik. Dabei hängen die Verfahren nicht allein von der Art der Verschmutzung, sondern insbesondere auch von der Leistungsfähigkeit der betreffenden Gewässer ab. So gestaltet sich die Formulierung von Grenzbedingungen schwieriger, als dies bei klassischem Abwasser der Fall ist. Bisher fehlen Vorgaben zur Einhaltung physikalischer Parameter bei der Einleitung in Oberflächengewässer. Jedoch kristallisieren sich die feinen Abfiltrierbaren Stoffe als Leitparameter für die Grenzbedingungen heraus. In den meisten Fällen wird der Behandlungsbedarf mit Hilfe von Merkblatt DWA-M 153 aus dem Quotient der ermittelten Punkte von Gewässerart und Belastung des Zulaufs festgestellt. Das heißt, Niederschlagswassereinleitungen durften nur in Abhängigkeit von einerseits zumutbarer Verkehrsbelastung beziehungsweise Exposition der Flächen und andererseits ausreichender Selbstreinigungskapazität des Gewässers, in das eingeleitet wird, erfolgen. Der Durchgangswert der jeweiligen Behandlungsanlage gibt den Frachtanteil, der im Jahresmittel nicht zurückgehalten wird, an. Dabei gilt die Reinigungsleistung als ausreichend, wenn der Durchgangswert D ≤ G/B. B steht dabei 16 UmweltMagazin Juli - August 2017

für die Belastungs- und G für die Gewässerpunkte. Die beim Logistikzentrum in Hückelhoven eingesetzten Lamellenklärer erreichen bei einer Oberflächenbeschickung q A 9 m/h und der Kritischen Regenspende r krit den Durchgangswert 0,2 [3]. Neue Regeln für Regenwetter abflüsse in Siedlungsgebieten In Zukunft gilt für Einleiten in Oberflächengewässer als Regelwerk DWA-A 102 beziehungsweise BWK-A 3. Das neue Arbeitsblatt wird inhaltsgleich in beiden Verbänden DWA und BWK erscheinen und trägt den Titel „Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer“. Es gliedert sich in den Teil A „Emissionsbezogene Bewertungen und Regelungen für Regenwetterabflüsse in Siedlungen“ und den Teil B „Immissionsbezogene Bewertungen und Regelungen für Regenwetterabflüsse in Oberflächengewässer“. Dabei wird beim Einleiten von Niederschlagswasser, noch spezifischer als nach den bisherigen technischen Regeln, die Belastbarkeit eines Gewässers berücksichtigt. Grundlage ist die Wasserhaushaltsgleichung, nach der die Anteile von Verdunstung, Versickerung und Abfluss am jeweiligen Ort den Werten entsprechen sollen, die vor der Bebauung im natürlichen Zustand gegeben waren. „Ein wichtiges Ziel unserer technischen Regeln muss sein, die Veränderungen des lokalen Wasserhaushalts durch Siedlungsaktivitäten in mengenmäßiger und stofflicher Hinsicht so gering zu halten, wie es technisch, ökologisch und wirtschaftlich vertretbar ist“, so Prof. Dr.-Ing. Theo G. Schmitt von der Technischen Universität Kaiserslautern [4]. Er ist Sprecher der für das Arbeitsblatt A 102 zuständigen DWA-Arbeitsgruppe ES-2.1 und stellvertretender Vorsitzender des Hauptausschusses „Entwässerungssysteme“. Zusammenfassung Für besonders große Immobilien, wie das Logistikzentrum in Hückelhoven, ist die Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in ein kleines Oberflächengewässer eine Herausforderung. Nordrhein-Westfalen nennt die technischen und ökologischen Erfordernisse im Trennerlass und in der zugehörigen Produktliste des IKT. Durch die technischen Regeln DWA-A 102/BWK-A 3 sind auch bundesweit künftig ökologisch schützenswerte Fließgewässer besonders berücksichtigt. Mit einem Lamellenklärer, der dem Stand der Technik entspricht, lassen sich in verhältnismäßig kleinen unterirdischen Schachtbauwerken Abflüsse von großen angeschlossen Flächen reinigen. Durch die Teilstrombehandlung wird der Aufwand wirtschaftlich vertretbar, ohne die Effektivität der Behandlung nennenswert zu verringern. Klaus W. König, Sachverständigen- & Fachpressebüro König, Überlingen, kwkoenig@koenig-regenwasser.de Unternehmenskontakt: Dr. Christine Scheib, Mall GmbH, Donaueschingen, christine.scheib@mall.info Wilo-EMU FA SOLID für die effiziente Abwasserentsorgung. Die effiziente Lösung gegen Feststoffe im Wasser – die Abwasser- Tauchmotorpumpe Wilo-EMU FA mit SOLID-Laufrädern sorgt mit ihrer verstopfungsarmen Laufradtechnologie für mehr Betriebssicherheit und hält dank hohem Wirkungsgrad die Betriebskosten auf einem geringen Level. Zuverlässige Vorteile der Wilo-EMU FA: ƒ Geeignet für den ein- und ausgetauchten Einsatz, auch im Dauerbetrieb ƒ Unterschiedliche Laufradformen für die optimale Förderung von unterschiedli- chen Medien ƒ Ceram-Beschichtung und Sonderwerkstoffe zum Schutz gegen Abrasion und Korrosion ƒ Optional mit energieeffizienter IE3- Motorentechnologie verfügbar ƒ Kundenspezifische Konfigurierbarkeit für eine zuverlässige und effiziente Förderung von vorgereinigtem Abwasser und Rohabwasser ƒ Bedarfsgerechte Wilo-Control Schaltgeräte für die Steuerung von Abwasser- Tauchmotorpumpen Wilo erweitert sein Service-Portfolio und geht den nächsten Schritt: WiloCare. Das neue Service-Angebot für garantierte Betriebs- und Kostensicherheit gibt es zum monatlichen Festpreis in drei Varianten: Basic, Comfort oder Premium. UmweltMagazin Juli - August 2017 Mehr Informationen unter www.wilo.de

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