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07-08 | 2018

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Gastkommentar Immer noch Weltmeister? Den Titel des Fußball-Weltmeisters hat Deutschland für die kommenden Jahre verspielt. Den inoffiziellen Titel des Recycling- Weltmeisters wollen wir behalten. Dafür muss Deutschland in mehr und bessere Recyclingtechnik investieren, um den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gewachsen zu sein. Vieles hat sich verändert. Der Klimawandel verlangt nach CO 2 -neutralen Lösungen von der Logistik bis zur Verwertung. Das globale Bevölkerungswachstum und der steigende Wohlstand in den Schwellenländern zwingen zum Umdenken. Abfall wird zu einer wichtigen Rohstoffquelle, die es vollumfänglich zu nutzen gilt. In diese Gemengelage platzte Anfang des Jahres die Nachricht, dass China für 24 Abfallsorten einen Importstopp verhängt hat. Das Land verweigert seither die Annahme minderwertiger Abfälle, muss aber gleichzeitig seinen enormen Rohstoffbedarf decken. Was insofern zusammenpasst, als dass die Maßnahme Teil einer langfristigen chinesischen Rohstoff- und Umweltstrategie ist. Deutschland hat derzeit nichts Vergleichbares vorzuweisen und sieht sich nun mit einem zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Handlungsdruck im Hinblick auf Recycling konfrontiert. Denn China will zwar keinen Abfall mehr, sondern sauber aufbereitete Recyclingrohstoffe. Um aus der daraus resultierenden Absatzkrise für Plastikabfälle und andere Materialien einen Entwicklungsschub für die europäische Recyclingwirtschaft zu machen, bedarf es eines dreistufigen Ansatzes als Fundament einer zukunftsorientierten Rohstoffstrategie für Deutschland und die EU. Die aktuelle Ökodesignrichtlinie beschränkt sich im Wesentlichen auf die Energieeffizienz. Das reicht in Zeiten knapper werdender Rohstoffe nicht mehr aus. Die Ökodesignrichtlinie der EU sollte daher verbindlich für alle Mitgliedsstaaten um den Punkt der Rohstoffeffizienz erweitert werden. Alle Produkte müssen schon in der Entwicklungs- und Designphase so gestaltet werden, dass am Ende des Produktlebenszyklus alle darin enthaltenen Rohstoffe möglichst zu 100 Prozent zurückgewonnen und recycelt werden können. Insbesondere bei Verpackungen und im Leichtbau (Autos, Flugzeuge, Windenergieanlagen, Unterhaltungselektronik etc.) kommt heute noch ein Materialmix mit Verbundmaterialien zum Einsatz, der sich technisch nicht oder wirtschaftlich nicht auskömmlich recyceln lässt. Recyclingunternehmen wie Remondis fordern daher die Einführung eines Recyclinglabels, das die Verbraucher auch über die Rohstoffeffizienz und Recyclingfähigkeit ihrer Produkte informieren kann. Darüber müssen Deutschland und Europa erheblich mehr in die optimale Sortierung und Verwertung investieren, um die Menge und Qualität der zurückgewonnenen Rohstoffe zu steigern. Nur so werden Recyclingrohstoffe sowohl preislich als auch qualitativ zu einer attraktiven Alternative für das produzierende Gewerbe bei gleichzeitig sinkendem Beschaffungsdruck. Bei Remondis sind wir davon überzeugt, dass das Kunststoffrecycling von PE, PP und PET neue technische Wege gehen muss, um eine Recyclingquote von 100 Prozent zu erreichen und die Belastungen der Umwelt mit Plastikabfällen zu reduzieren. Chemische Recycling scheint vielversprechend. Hierbei werden mittels Depolymerisation fast alle gängigen Kunststoffe in ihre chemischen Ausgangsstoffe zurückgeführt und somit zu 100 Prozent in Primärqualität als Rohstoff für neue Plastikprodukte bereitgestellt. Langfristig könnte sich hierdurch sogar eine Lösung für die Beseitigung von Plastikabfällen aus den Weltmeeren abzeichnen, sofern diese eingesammelt und dem chemischen Recycling zugeführt werden. Im Bereich Bioabfall liegt derweil das größte, noch weitgehend ungenutzte Rohstoffpotenzial in Deutschland. Durch konsequente Sammlung aller Bioabfälle und den Bau moderner Anlagen zur Vergärung, Biogaserzeugung und Verstromung, kann nicht nur CO 2 -neutral und regenerativ Strom erzeugt werden. Biogas-betriebene Nutzfahrzeuge bieten zusätzlich einen vielversprechenden Ansatz für die Luftreinhaltung und Lärmverringerung im täglich Abfuhrverkehr in den Städten. Um den Einsatz von Recyclingrohstoffen zu fördern, bedarf es jedoch als dritte Säule eines Anreizsystems für die Industrie. Dies ist auch vor dem Hintergrund der Pariser Klimaziele entscheidend, denn jeder Recyclingrohstoff ist klimaschonender als sein vergleichbarer Primärrohstoff. Ziel muss daher eine Anhebung der Verwendungsquote von Recyclingrohstoffen in der Industrie von derzeit 14 % auf 70 % innerhalb der nächsten 10 Jahre sein, wenn Deutschland seinen Status als führendes Industrieland nicht verlieren will. Michael J. Schneider Pressesprecher Remondis Assets & Services GmbH & Co. KG „Deutschland muss in mehr und bessere Recyclingtechnik investieren, um den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gewachsen zu sein.“ UmweltMagazin Juli - August 2018 3

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