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07-08 | 2018

Special Recycling

Special Recycling Europas modernste LVP-Sortieranlage Die neue Sortieranlage Meilo soll bis zu 53% Recyclingquote schaffen. Nach Einschätzung des Betreibers Meilo ist es die modernste Sortieranlage für Leichtverpackungen in Deutschland und Europa: 120.000 Tonnen Leichtverpackungen jährlich sollen in Gernsheim mit bis zu 53 % Recyclingquote sortiert werden – möglich macht das eine besonders ausgefeilte Sortiertechnik. Ab 1. Januar 2019 wird es nochmal ernster für die Recyclingbranche: Das dann in Kraft tretende, neue Verpackungsgesetz schreibt eine Recyclingquote von 50 Prozent für Kunststoff-, Metall- und Verbundverpackungen vor. Die neue Sortieranlage im hessischen Gernsheim (Landkreis Groß-Gerau) ist die neueste ihrer Art, die konsequent auf die ambitionierte Quote hin konzipiert wurde - und die derzeit modernste in Deutschland und Europa. „Ein Leuchtturm der deutschen Recyclingwirtschaft“, wie Geschäftsführer Michael Wieczorek sagt. 120.000 Tonnen jährlich „Meilo“ ist ein Akronym, zusammengesetzt aus den ersten Silben zweier Partner. Betreiber sind zu 50 Prozent die Firmen Meinhardt Städtereinigung GmbH & Co. KG sowie Lobbe Entsorgung West GmbH & Co. KG. In der hochmodernen Anlage werden die Inhalte aus Gelbem Sack und der Gelben Tonne bzw. Wertstofftonne sortiert, um sie später zu recyceln. Verwertet werden hier Verpackungsleichtfraktionen aus dualen Systemen, die aus Hessen, Nordbayern, Teilen Baden-Württembergs und zwei Gebieten Nordrhein-Westfalens stammen. Die maximale Kapazität von 120.000 Tonnen Leichtverpackungen jährlich entspricht dem Aufkommen von rund 4,5 Millionen Einwohnern oder rund fünf Prozent der deutschen Bevölkerung. Die Anlage wird von 40 Lkw im Input und 25 Lkw im Output angefahren. Zwölf Wertstofffraktionen Insgesamt zwölf unterschiedliche Wertstoff-Fraktionen werden hier sortiert und dem Recycling-Prozess zuge- 20 UmweltMagazin Juli - August 2018

Recycling Special 120.000 Tonnen Leichtverpackungen werden in der Meilo jährlich sortiert. Magnetabscheider trennen Metalle von den anderen Stoffen im Strom. fügt, darunter Weißblech aus Konserven, Aluminium aus Getränkedosen, PET-Schalen von Gemüseverpackungen sowie Getränkekartons. Letztere finden ihre Abnehmer in der Papierindustrie, um an die hochwertigen Papierfasern zu gelangen. „Hier sortieren wir zusätzlich noch MPO-Flex“, sagt Klaus Bertmann, der die Anlage Meilo in Zahlen zu Beginn des Probebetriebes unter seinen Fittichen hatte. Er spricht über eine Sonderform Polypropylen-anteiliger Folie im Format kleiner als DIN A4. 1,3 Kilometer Sortierbänder Die Grundkonzeption der Meilo ist kein Hexenwerk. Sie lehnt sich an die – Betreiber: Lobbe Entsorgung West GmbH & Co. KG und Meinhardt Städtereinigung GmbH & Co. KG – Größe der Anlage: 90 Meter mal 50 Meter mal 13 Meter – Investitionen: 32 Millionen Euro – Bebaute Fläche: 3,2 Ha – Probebetrieb: seit 21.02.2018 – Durchsatz: bis zu 120.000 Tonnen Leichtverpackungen jährlich – Arbeitsorganisation: 3-Schicht-Betrieb, 60 Mitarbeiter – Angepeilte Recyclingquote: 53 % recyclingfähiges Material, 47 % energetische Verwertung – Förderbänder: rund 1300 Meter – Technische Einheiten: 3 Siebtrommeln, 4 Magnetabscheider, 2 Wirbelstromabscheider, 5 Windsichter, 4 ballistische Separatoren, 22 sensorbasierte Sortiermaschinen (Nahinfrarotspektrometer), 1 Paketierpresse, 2 Ballenpressen – Aussortierung Wertstoffe zur stofflichen Verwertung: 3 % Aluminium, 10,2 % Weißblech, 6 % Polypropylen (PP), 8,5 % Folien, 2,2 % Polyethylen (PE), 1,5 % Polyethylenterephthalat (PET) 1,0 % Polystyrol (PS), 10 % Mischkunststoffe (PO-flex), 6 % FKN, 5 % PPK Rohstoffrecyclinganlage in Iserlohn an, die Lobbe vor einigen Jahren konzipiert hat und betreibt. Zunächst werden die Gebinde des Sortiergutes mittels Langsamläufer und Schredder geöffnet, anschließend per Förderband in die Maschinenhalle transportiert (alle Förderbänder der Meilo zusammen sind rund 1,3 Kilometer lang). Zunächst sortieren drei Siebtrommeln mit verschiedenen Öffnungsweiten das Recyclinggut, vier Magnetabscheider ziehen Weißblech und Aluminium raus. Zunächst klassische Sortiertechnik Anschließend passiert der Strom fünf Windsichter, die lose Teile wie Folienstücke oder Zeitungsseiten ausblasen. Das Sortiergut durchläuft die Anlage in verschiedenen Teilströmen. Sind die beschriebenen Stationen Stand der Sortiertechnik seit den 80er- Jahren – im Prinzip seit den Anfängen der Sortiertechnik – gelingen die hohe Recyclingquoten nur mit modernen Zusatz-Techniken, also elektronischen bzw. optischen Erkennungssystemen. Nicht-magnetische Anteile wie Verpackungen ziehen zwei Wirbelstrom-Ab- UmweltMagazin Juli - August 2018

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