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07-08 | 2018

Special Recycling

Special Recycling Kreislaufwirtschaft und Recycling als Treiber für mehr Transparenz der Inhaltsstoffe Auch in der Baubranche steht das Ziel im Fokus, geschlossene Kreisläufen zu schaffen, wodurch sich ein Produkt immer wieder verwenden lässt. Mangelnde Transparenz von (Bau-)Produkten stellt heutzutage ein Problem dar. Es ist schwierig zu unterscheiden, ob ein Produkt wirklich das verspricht, was es auf den ersten Blick anpreist: Fragen welche Wirkung es hat, oder ob es unter umweltschonende Aspekten hergestellt wurde, und wie schädlich dessen Entsorgung letztlich ist, lassen sich oftmals nicht direkt beantworten. Obwohl der Kunde anhand von zahlreichen Siegel oder Zertifikaten Hilfe bei der Auswahl erhalten soll, ist es dennoch nicht einfach bei der Vielfalt durchzublicken. Mit der Betrachtung der Inhaltsstoffe lassen sich die Fragen jedoch meist klären. Auch bei einem Gebäude handelt es sich um ein Produkt, das sich durch seine Bestandteile sowie den Aufbau und die Langlebigkeit als besonders komplex erweist. Im Vergleich zu herkömmlichen Produkten sind Gebäude in der Regel Unikate, die sich aus vielen Baustoffen und -materialien sowie technischen Systemen zusammensetzen. Die planenden Akteure in dieser Branche stellt das vor große Herausforderungen bei der Produktauswahl. Während im Bau- und Gebäudesektor in den letzten Jahren maßgeblich die Steigerung der Energieeffizienz im Vordergrund der Energie- und Klimapolitikziele stand, rücken nun vermehrt auch die Umweltwirkungen anderer Lebenszyklusphasen in den Fokus. Gleichzeitig wächst auch das Bewusstsein für die Gesundheit und Lebensqualität des Menschen in diesem Bereich. Diese Aspekte und Trends müssen sowohl die Hersteller als auch die Planer und Bauausführenden berücksichtigen. Es gilt, die Baustoffe möglichst ökologisch und unter ökonomischen sowie sozial verträglichen Rahmenbedingungen herzustellen, zu verbauen und wiederzuverwenden beziehungsweise zu recyceln, um ein nachhaltig wertvolles Gebäude für Nutzer und Umwelt zu konstruieren. 24 UmweltMagazin Juli - August 2018

Recycling Special Verlust von Rohstoffen durch einmalige Nutzung Das bisherige Designprinzip von Produkten basiert jedoch hauptsächlich auf den Punkten Kosten, Ästhetik und Funktionalität. Rohstoffe werden gewonnen, Produkte hergestellt, anschließend werden diese genutzt und entsorgt. Dieser Kreislauf wird auch als „Von der Wiege bis zur Bahre“ bezeichnet (Cradle to Grave). Produkte sind somit in der Regel meist nur für eine einmalige Nutzung oder Einsatzzweck und nicht für Wiederverwendung, flexible Umnutzung oder effektives Recycling konzipiert. Sind Produkte nicht bereits im Design für einen späteren Recyclingprozess vorgesehen, verlieren sie am Ende an „Intelligenz“ und werden downgecycelt. Denn selbst wenn ein Produkt am Ende seines Lebensweges wiederverwendet wird, ist dies teilweise als fraglich anzusehen, da oft nur wenige weitere Lebenszyklen ermöglicht werden können, und am Ende des Lebensweges erneut Abfall statt Neuem entsteht. Hinzu kommt, dass recycelte und zerlegte Bestandteile von einem Produkt nur unter bestimmten Umständen sinnvoll für die Herstellung eines neuen genutzt werden können. Aus desto mehr Einzelbestandteilen ein Produkt gefertigt wurde, desto schwieriger ist es dieses sortenrein zu zerlegen und die Einzelbestandteile für einen neuen Nutzen aufzubereiten. Dieser Umstand resultiert in hohen Aufwendungen bei Transport-, Sortier-, Reinigungs- und (Chemischen-)Entsorgungsprozessen, die letztendlich wiederum Energie- und Umweltbelastungen bedeuten. Um dies zu vermeiden, ist es für eine Kreislaufwirtschaft notwendig, Produkte intelligenter zu konzipieren, um einem Ressourcenverlust vorzubeugen. Auch wenn die Abfälle durch eine thermische Verwertung in Energie umgewandelt werden, sind die ursprünglichen Ressourcen nicht effektiv genutzt. Weiterhin bedeutet die reine Entsorgung der Abfälle einen erheblichen Aufwand. Bauabfälle werden teilweise als Sondermüll behandelt, wodurch eine stoffliche Verwertung entweder überhaupt nicht oder nur unter großen Bemühungen möglich ist. Während im Bau- und Gebäudesektor in den letzten Jahren maßgeblich die Steigerung der Energieeffizienz im Vordergrund der Energie- und Klimapolitikziele stand, rücken nun vermehrt auch die Umweltwirkungen anderer Lebenszyklusphasen in den Fokus. Endlose (Stoff-)Kreisläufe in der Bauwirtschaft Begrifflichkeiten wie Kreislaufwirtschaft, Circular Economy, Cradle to Cradle oder zirkuläre Wertschöpfungskette stehen grundsätzlich für das gleiche Prinzip: die Schaffung von geschlossenen Kreisläufen, wodurch ein (Bau-)Produkt immer wieder verwendet werden kann. Bauteile oder -materialen, die meist aus verschiedenen Stoffen bestehen, sollen zukünftig so intelligent konzipiert werden, dass sie nach Ende ihrer Nutzungszeit wieder in die einzelnen Bestandteile zerlegt werden können, und sich endlos wiederverwerten lassen. Idealerweise soll dies unter umweltfreundlichen und sozial verträglichen beziehungsweise nachhaltigen Rahmenbedingungen geschehen. Die Kehrseite ist bislang, dass es wenige Produkte gibt, die diesen Anforderungen entsprechen, und sie meist teurer als kommerzielle Bauprodukte sind. Zudem ist meist nicht eindeutig geklärt, wann ein Produkt diesen Anforderungen entspricht. Somit nimmt die Recherche häufig viel Zeit in Anspruch. Abhilfe kann an dieser Stelle beispielsweise durch das ökologische Baustoffinformationssystem Wecobis (www.weco bis.de) oder die Online-Datenbanken www.greenbuildingproducts.eu, www.c2ccertified.org oder https://ibuepd.com geschaffen werden, in denen unter anderem Environmental Product Declarations (EPD) enthalten sind. Mehrwert durch Ökobilanzen und EPD Die Ökobilanz-Methode (Life Cycle Assessment – LCA) gibt Aufschluss darüber, wie ein Produkt oder Verfahren durch die Bilanzierung des eingehenden In- und ausgehenden Outputs die Umwelt während seines gesamten Lebenszyklus beeinflusst. Sie wird im Bauwesen dazu genutzt, Umweltwirkungen von Baustoffen oder auch eines Gebäudes in den verschiedenen Phasen des jeweiligen Lebenszyklus messbar und vergleichbar zu machen. EPD und viele darin enthaltenden Informationen werden mithilfe der Ökobilanz berechnet. So werden beispielsweise solche über das verursachte Treibhauspotenzial in Lebenszyklusphasen wie der Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport und Entsorgung transparent dargelegt. Zusätzlich werden Informationen zu technischen Eigenschaften und den Inhaltsstoffen in einer EPD bekannt gegeben. Die Anforderungen zur Erstellung einer EPD werden in der ISO 14025 [1] allgemein für Produkte und in der DIN EN 15804 [2] speziell für Bauprodukte und -Leistungen in Europa standardisiert. Daher stellt eine EPD eine solide Datenbasis dar, die viele wichtige Informationen zur ökologischen und schadstofffreien Baustoffwahl enthält. Erwünschte Nebeneffekte durch schadstofffreie Inhaltsstoffe Eine schadstofffreie Baustoffwahl, indem Inhaltsstoffe eingesetzt werden, die UmweltMagazin Juli - August 2018 25

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