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07-08 | 2018

Special Recycling Eine

Special Recycling Eine schadstofffreie Baustoffwahl, indem Inhaltsstoffe eingesetzt werden die beispielsweise nicht als Sondermüll enden, nimmt nicht nur Einfluss auf die Abfallart oder -menge, sondern hat auch maßgeblichen Einfluss auf die Innenraumluftqualität und somit auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. beispielsweise nicht als Sondermüll enden, nimmt nicht nur Einfluss auf die Abfallart oder -menge, sondern hat auch maßgebliche Auswirkung auf die Innenraumluftqualität und somit auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen. Untersuchungen des Umweltbundesamtes besagen, dass sich innerhalb der Bundesrepublik Erwachsene im Alter von 25 bis 69 Jahren durchschnittlich 20 Stunden in Innenräumen aufhalten [3]. Davon lässt sich ableiten, dass ein Mensch zwischen 80 und 90 Prozent seiner Lebenszeit in geschlossenen Räumen verbringt. Schimmel, Pollen, mangelnder thermischer Komfort, schlechte Luft – durch CO 2 oder Staub – und vor allem schadstoffbelastete Materialien oder Produkte tragen dazu bei, dass der Mensch in seiner Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist, oder sogar unter Gesundheitsproblemen leidet. Literatur [1] DIN EN ISO 14025. Umweltkennzeichnungen und -deklarationen – Typ III Umweltdeklarationen; 2011 [2] DIN EN 15804. Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen; 2014 [3] Bundesumweltministerium: Verbesserung der Luftqualität in Innenräumen. Ausgewählte Handlungsschwerpunkte aus Sicht BMU, 2005. www.apug.de/archiv/pdf/BMU_bericht_innenraum luft_2005.pdf, abgerufen am: 18.05.2018 [4 ] Umweltbundesamt: Flüchtige organische Verbindungen, 2016. www.umweltbundesamt.de/themen/ gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/chemische-stoffe/fluechtige-organische-verbindungen, abgerufen am: 18.05.2018 [5] McKinsey: Growth within: A circular economy vision for a competitive europe, 2018. www.mckinsey.de/files/ growth_within_report_circular_economy_in_europe.pdf, abgerufen am: 22.05.2018 Vor allem bei flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und Formaldehyden handelt es sich um sehr umweltund gesundheitsschädliche Chemikalien, die durch natürliche sowie anthropogene Prozesse freigesetzt werden, und im Innenbereich sehr häufig Grund für Befindlichkeitsstörungen sind [4]. Die falsche Wahl von lackierten und verleimten Einrichtungsgegenständen, Textilien, Tapeten, Farben, Klebstoffen oder anderen Baustoffen kann zu einem bedrohlichen Anstieg der VOC-Konzentration führen. Längere Exposition gegenüber hohen Konzentrationen bestimmter VOC ist mit einer breiten Palette von chronischen, gesundheitlichen Problemen wie Asthma, chronisch obstruktiven Lungenkrankheiten und Krebs verbunden. Kurzfristige Expositionen von VOC können außerdem akute Reaktionen, wie Augen-, Nasen- und Rachenreizungen verursachen. Speziell bei einer sehr dichten Bauweise, wie sie heute gefordert ist, spielen die genannten Zusammenhänge eine große Rolle. Hier ist besonderes Augenmerk auf die verbauten Materialien und deren Inhaltsstoffe im Planungs- und Bauprozess zu richten. Fazit und Ausblick Im Zuge des starken Wirtschaftswachstums der Baubranche und des Immobilienwesens, ist weiterhin von einer starken Umweltbelastung durch den Bau- und Gebäudesektor sowohl in Deutschland als auch weltweit auszugehen. Auch das Bevölkerungswachstum, das mit höherem Wärme- und Energie- Bilder: TH Köln verbrauch in Gebäuden und in der Produktion von Strom verbunden ist, sowie die gleichzeitig steigenden Komfortansprüche werden die Einsparungseffekte durch Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energieträger verblassen lassen. Da der Verzicht oder das Vermeiden als Lösungsansatz für Umwelt- und Klimaschutz höchstwahrscheinlich realistisch nicht umsetzbar ist, braucht es neue kreative und innovative Trends, Technologien oder Strategien. Die Kreislaufwirtschaft ist ein Teil davon, die durch vorausschauende Konzipierung von Produkten hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe mit Bedacht derer Umweltwirkungen in Vor- und Endprozesse zusätzlich zur Nutzungsphase neue Maßstäbe in der Baubranche setzt. Idealerweise werden Gebäude durch die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche somit zukünftig als Rohstofflager und nicht mehr als Ende der Verwertungskette von Bauprodukten dienen. Dafür werden jedoch sowohl deutlich mehr Transparenz eines Bauprodukts und dessen einzelne Inhaltsstoffe, als auch mehr Informationen zu Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus benötigt. Umweltproduktdeklaration und Ökobilanzen sind dabei wichtige Werkzeuge, die durch ihren Informationsbeitrag die Auswirkungen von Baustoffen auf Mensch und Umwelt transparent darlegen und letztendlich mitentscheidend sind, in welche Richtung und wie schnell sich der Markt der neuen Gebäudegeneration entwickelt. Prognosen zeigen, dass das Wirtschaftswachstum durch die Kreislaufwirtschaft jährlich um etwa 0,3 % schneller zunehmen, und Kosten für Wohnraum bis 2030 um ein Viertel gesenkt werden könnten [5]. In diesem möglichen Szenario darf Umweltschutz nicht als Hindernis für kostengünstige Baustoffe, sondern als Chance für neue Geschäftsmodelle und Platz für Innovationen angesehen werden. Spätestens an diesem Punkt erkennen viele Hersteller, dass ein großes Potenzial für eine Veränderung des Markts hin zu ressourcenschonenden und schadstofffreien Produkten besteht. Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Michaela Lambertz, Jan Drzymalla, M. Eng., Jannick Höper, B. Eng., Sebastian Theißen, M. Eng., alle Technische Hochschule Köln, sebastian.theissen@th-koeln.de 26 UmweltMagazin Juli - August 2018

Recycling Special Etabliertes Recycling von PVC-Bauprodukten Seit mehr als 50 Jahren gehört der vielseitige Werkstoff PVC zu den wichtigsten Kunststoffen weltweit, ist international anerkannt und am Markt bewährt. PVC zeichnet sich durch sein besonders breites Anwendungsspektrum aus. Die Produkte sind meist kostengünstig in der Anschaffung und im Unterhalt. Dabei tragen sie während ihres gesamten Lebenszyklus immer mehr zur nachhaltigen Entwicklung bei. Bild: AGPU Die Recycling-Menge von PVC steigt. Das schafft PVC durch moderne Herstellungs- und Produktionsverfahren, den verantwortungsvollen Umgang mit Energie und Ressourcen, die kostengünstige Herstellung und Verarbeitung, aber auch durch etablierte Recyclinglösungen. Der kürzlich veröffentlichte Fortschrittsbericht von VinylPlus®, dem Nachhaltigkeitsprogramm der europäischen PVC-Branche, belegt, dass im zurückliegenden Jahr 2017 insgesamt 639.648 Tonnen recyceltes PVC registriert wurde. Damit sind fast 80 Prozent des angestrebten Jahresziels von 800.000 Tonnen bis 2020 erreicht. Zum Vergleich: In 2016 wurden noch 560.492 Tonnen recyceltes PVC registriert. Weitere Ziele des VinylPlus-Programms, welches im offenen Dialog mit Stakeholdern aus Industrie, NGOs, Behörden und Verbrauchern entwickelt wurde, sind unter anderem die Verbesserung der Nachhaltigkeit von PVC-Produkten und deren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Das Programm gilt in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz. Die AGPU ist assoziiertes Mitglied von VinylPlus und engagiert sich in Deutschland seit 30 Jahren mit ihren rund 60 Mitgliedsunternehmen aus der gesamten PVC-Wertschöpfungskette für den Werkstoff. Die intensive Zusammenarbeit auf europäischer Ebene trägt dazu bei, dass Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Branche und darüber hinaus weiter zu stärken. Auch beim 21. Altkunststofftag des Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse) Mitte Juni in Bad Neuenahr wurde eine positive Zwischenbilanz für das Recycling von PVC- Bauprodukten gezogen. Für zahlreiche Produkte wie Fenster, Bodenbeläge, Rohre, Dach- und Dichtungsbahnen oder Kabelummantelungen gibt es hierzulande seit Jahren etablierte Recyclinglösungen, die zum Erreichen der europäischen Ziele wesentlich beitragen. Werkstoffliches Recycling Knapp 73 Prozent des jährlich hergestellten PVC wird im Baubereich eingesetzt und wie in der Produktion sind folglich auch in der Abfallwirtschaft PVC-Bauprodukte mengenmäßig am bedeutendsten. Um die Verwertung kümmern sich in Deutschland diverse Recyclinginitiativen, wie die AgPR Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelag Recycling und RoofCollect (Dachbahnen). Für Fenster hat die Rewindo GmbH mit ihren Recyclingpartnern ein flächendeckendes Rücknahmesystem eingerichtet. 2017 konnten insgesamt rund 100.000 Tonnen PVC-Regranulat aus Altfenstern und Produktionsabschnitten gewonnen werden. Seit Anfang 2005 bilden die Rohr-Recycling GmbH & Co. KG in Westeregeln und der Kunststoffrohrverband e.V. (KRV) eine Allianz, um die Verwertungsmengen zu steigern. Diese Initiative nimmt PVC-Rohre bundesweit zurück und sorgt für die Verwertung der Altprodukte. Vorwiegend das Mittel der Wahl in diesem Prozess ist nach wie vor das werkstoffliche Recycling. Hierbei wird aus den ausgedienten Produkten ein Rohstoff gewonnen, der wieder in neuen Anwendungen verwendet werden kann. So ist das beim Fensterrecycling gewonnene Regranulat in neuen Fensterprofilen, ummantelt mit PVC-Neu- UmweltMagazin Juli - August 2018 27

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