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07-08 | 2018

Luft Fährschiffe

Luft Fährschiffe endlich rauchfrei Auf Schiffen der Fährgesellschaft Stena-Line kommen Flottweg-Zentrifugen zum Einsatz, um das Waschwasser der Rauchgaswäsche in Waser und feste Bestandteile zu separieren. Während die Partikel von Dieselmotoren im Straßenverkehr seit Jahren ausgefiltert werden, waren bei der Schifffahrt bisher viele Sünden erlaubt. Jetzt müssen auch Schiffsbetreiber ihre Abgase reinigen und damit die Meere nachhaltig schützen. Dekanterzentrifugen von Flottweg helfen bei Stena Line, die anfallenden Schlämme aus der Flotation weiter zu behandeln und das Volumen des Abschlamms deutlich zu reduzieren. Schiffe fahren traditionell mit Schweröl, einer Art Raffineriemüll. Der ist zwar günstig zu beziehen, verbrennt jedoch sehr unsauber. Um die inzwischen auch bei Schiffen strikten Grenzwerte einzuhalten, haben Reederein zwei Optionen: Sie setzen entweder hochwertigen Schiffsdiesel als Brennstoff ein - das ist allerdings teuer. Oder sie reinigen aufwändig die bei der Verbrennung von Schweröl entstehenden Abgase. Diese Option ist das übliche Mittel der Wahl. Nasswäsche der Rauchgase Somit setzen viele Schiffseigner auf diese kosteneffizientere und bereits erprobte Alternative. Durch die Installation von Nasswäschern zur Rauchgasreinigung, den sogenannten Scrubbern, in den Abgasanlagen kann der geforderte Emissionswert eingehalten werden. Diese Scrubber erzielen die geforderte Emissionsreduktion, erzeugen jedoch Abwasser, das vor der Einleitung gereinigt werden muss (Closed Loop Scrubber). Die verschiedenen Scrubber-Systeme unterscheiden sich in ihrer Umweltwirkung. Auch die nordeuropäische Fährgesellschaft Stena Lines verwendet Scrubber- Systeme zur Reinigung der Emittenten. Stena Lines betreibt unter anderem acht Fähren, die täglich vom niederländischen Hoek van Holland nach Harwich und Killingholme pendeln. Bei dem Reinigungsverfahren mit Scrubbern werden die Rauchgase im Abgassystem mit Hilfe von aufbereitetem Seewasser gewaschen und damit 44 UmweltMagazin Juli - August 2018

Luft Der Flottweg-Dekanter arbeitet tief unten im Schiffsbauch. Strengere Richtlinien für Schiffe große Teile der Abgaspartikel wie Schwermetalle, Ruß und HC-Emissionen gebunden. Das verunreinigte Waschwasser aus der Gaswäsche wird diskontinuierlich, abhängig vom Verschmutzungsgrad, abgezogen und der Reinigung in der Flotationsanlage zugeführt. Bei den großen Fährschiffen der Stena Lines wird das Scrubbersystem der Firma Wärtsilä eingesetzt. In diesem System wird das verunreinigte Gaswaschwasser in einer speziell entwickelten Flotationsanlage gereinigt (genannt BOTU = Bleed Off Treatment Unit). Das gereinigte Wasser erfüllt die Einleitbedingungen und kann direkt ins Meer abgegeben werden. Das Verfahren hat einen entscheidenden Nachteil: Der großvolumige, noch flüssige Flotationsschlamm muss in einem Tank zwischengelagert werden, bevor er im Hafen entsorgt werden kann. Die zu entsorgende Menge ist noch groß, zudem neigen die Feststoffe im Tank zur Bildung von Ablagerungen. Entsprechend aufwändig und kostspielig ist das Handling – hier galt es, eine Lösung zu finden. Optimale Trennung von Feststoffen und Flüssigkeit mit Dekanter-Zentrifuge Ziel von Stena Lines war es daher, die Menge an Restschlamm deutlich zu vermindern. Dafür mussten Feststoffe und Flüssigkeiten weiter separiert werden – aber wie? Rund 40.000 Handelsschiffe sind laut Umweltbundesamt auf den Weltmeeren unterwegs, hinzu kommen zahlreiche Kreuzfahrtriesen sowie Fähren und. Allein im internationalen Warenverkehr hält die Schifffahrt mit 90 Prozent eine unangefochtene Pole-Position. In Sachen Umweltschutz ist sie mit ihren hohen Emissionen jedoch seemeilenweit von einem Spitzenplatz entfernt. Das soll sich ändern. Mit strengeren Richtlinien will die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) die Meere künftig besser vor Belastungen durch den starken Partikel- und Schwefelausstoß schützen. Ab 2020 darf daher der Schwefelgehalt des Treibstoffs, den Schiffe auf hoher See verbrennen, nur noch 0,5 statt bisher 3,5 Prozent betragen, um die Abgasgrenzwerte zu erreichen. Nord- und Ostsee sind bereits Vorreiter: Hier gilt seit 2015 ein Schwefelgrenzwert von 0,1 Prozent. Doch es geht noch besser. Unter Eigenregie wurden verschiedenste Verfahren im Technikums-Stadium untersucht. Die Lösung ist der Einsatz eines sogenannten Dekanters. Der Vorteil gegenüber anderen Trennverfahren: Dekanter benötigen wenig Platz, vermeiden Emissionen und erfordern mit ihrem kontinuierlichen, automatischen Betrieb nur einen minimalen Bedienaufwand. Stena Lines hat sich bei den größeren Schiffen für den Einsatz von hochwertigen Dekanter-Zentrifugen „Made in Germany“ entschieden. Während der Entwicklungs- und Optimierungsphase wurde zunächst auf der Stena Transit ein gebrauchtes Modell des Typ Z1L, Baujahr 1985, von Flottweg installiert. Im Zuge der Ausrüstung der großen Fährschiffe Stena Line Brittanica und Hollandica setzt das Schifffahrtsunternehmen bereits auf das Design des Flottweg Dekanter-Modells Z23–3/401. Mit gleicher Funktionalität, aber moderner Regelungs- und Steuerungstechnik ausgerüstet, wurden die Maschinen in die Schlammbehandlung integriert. Mit dem Modell Typ Z2E-4/4x1 steht für diese Anwendung mittlerweile eine komplett neue Maschine zur Verfügung. Das optimierte Design mit etwas vergrößertem Trommelvolumen beinhaltet alle Verbesserungen der neuen Z2 Baureihe. Die Funktionsweise des Dekanters – einfach und genial Der Dekanter steht am Ende des Reinigungsverfahrens. Die moderne Vollmantel-Zentrifuge von Flottweg bearbeitet den Flotationsschlamm aus der BOTU direkt an Bord. Durch das zentral angeordnete Zulaufrohr wird der Schlamm in den Einlaufraum der Schnecke geleitet und gelangt nach schonender Vorbeschleunigung über die Verteileröffnungen in die Trommel. Die Trommel hat eine zylindrischkonische Form und rotiert mit einer sorgfältig abgestimmten Drehzahl. Der Schlamm erreicht so die volle Umlaufgeschwindigkeit und legt sich als zylindrischer Ring an den Trommelmantel an. Unter dem Einfluss der Zentrifugalkraft setzen sich die enthaltenen Feststoffe an der Trommelinnenwand ab. UmweltMagazin Juli - August 2018 45

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