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07-08 | 2018

Nachrichten IFAT Eurasia

Nachrichten IFAT Eurasia 2019 Türkei initiiert „Zero Waste-Projekt“ Innovationen und Wachstum – auf diesen Feldern profiliert sich die Türkei, das Gastland der IFAT Eurasia 2019. Veranstaltungstermin und -ort stehen für die dritte Auflage jetzt fest: Eurasiens führende Fachmesse für Umwelttechnologien findet vom 28. bis zum 30. März 2019 statt – erneut im Istanbul Expo Centre (IFM). Neben Wasser- und Abwassertechnologien rückt die Messe moderne Abfall- und Recyclinglösungen in den Fokus. Letztere sind aktuell besonders gefragt. In der Türkei erfolgt die Abfallentsorgung noch immer fast vollständig durch Deponierung. Dabei ist die Zahl ungeordneter Deponien weiterhin höher als die Anzahl der geordneten. Das ist das Ergebnis einer aktuellen adelphi- Länderstudie zum Thema „Die Abfallwirtschaft der Türkei“. Um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Land zu etablieren, hat das türkische Umweltministerium das „Zero Waste- Projekt“ initiiert. Die Initiative beinhaltet den Aufbau der Infrastruktur in öffentlichen und privaten Einrichtungen für ein landesweites Recyclingsystem. Weiterhin ist beabsichtigt, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Umweltfragen, speziell für das Recycling, zu schaffen. Im Einzelnen sind Schulungsmaßnahmen in den Betrieben vorgesehen, eine Anpassung des Systems an die jeweiligen Zieleinrichtungen sowie die Evaluierung der Umsetzung. Im Juni 2017 begann die Pilotphase im Umweltministerium. Ab April 2018 wird das Projekt auf 230 weitere staatliche Einrichtungen in der Hauptstadt Ankara ausgedehnt. Bis 2023 will die Türkei das Recyclingsystem landesweit etablieren. Dass in der Türkei ein großes Potenzial zum weiteren Ausbau der Recyclingwirtschaft besteht, geht auch aus dem Aktionsplan für Wiedergewinnung 2014 bis 2017 hervor. Hier hat das türkische Ministerium für Wissenschaft, Industrie und Technologie, so die Verfasser der Studie, progressive Recyclingziele bis 2020 festgesetzt: Wurde für das Jahr 2015 eine Recyclingquote von 48 Prozent angestrebt, so soll diese bis 2020 schrittweise auf 60 Prozent erhöht werden. Die Quote bezieht sich auf alle Abfallarten bis auf Holz. Bei letzterem ist eine Erhöhung von 5 (2015) auf 15 Prozent (2020) vorgesehen. Die Zahl der Wiedergewinnungsbetriebe in der Türkei haben Germany Trade & Invest zufolge zwischen 2015 und 2017 um mehr als die Hälfte zugenommen. Das derzeitige jährliche Marktvolumen wird auf rund 5 Milliarden Euro geschätzt. Um EU-Standards – unter anderem bei Recyclingquoten – zu erreichen, müsse das Land allerdings 60 Milliarden Euro investieren. Innovative Recyclingtechnologien und -dienstleistungen sind demnach gefragt. Auf der IFAT Eurasia 2019 in Istanbul haben türkische und internationale Unternehmen die Gelegenheit, nach Möglichkeiten des Technologietransfers und Kooperationen Ausschau zu halten, sowie ihre Produkte und Dienstleistungen einem Fachpublikum anzubieten. Die Themen der Fachmesse reichen von Abfallwirtschaft und Recycling, Waste to Energy, über Wasser- und Abwassertechnologien bis hin zu Kommunalfahrzeugen. Mehr Informationen zur Veranstaltung unter ifat-eurasia.com. www.messe-muenchen.de Bild: Messe München dena Studie zur urbanen Energiewende Die Deutsche Energie-Agentur (dena) beginnt eine groß angelegte Studie, um einen strategischen und politischen Orientierungsrahmen für die urbane Energiewende in Deutschland zu entwickeln. Im Fokus stehen dabei Herausforderungen wie die Koordinierung der vielen Akteure, die Suche nach geeigneten Technologien und zukunftsfähigen Geschäftsmodellen, die zunehmende Digitalisierung sowie die Weiterentwicklung von Infrastrukturen. Das Vorhaben baut auf einer vom ifeu-Institut für Energieund Umweltforschung im Auftrag der dena durchgeführten Vorstudie zum Stand der urbanen Energiewende in Deutschland auf. Die Auswertung umfasst 200 Studien und Projekte zu verschiedenen kommunalen Energiewendethemen. Die Vorstudie zeigt, dass der größte Teil der deutschen Kommunen das Thema Klimaschutz im Tagesgeschäft bisher nur bedingt angehen kann. Zudem erschwert die hohe Diversität der Ausgangsbedingungen die Entwicklung von Strategien und Geschäftsmodellen. Positiv ist zu vermerken, dass die Kommunen neuen Technologien offen gegenüberstehen und innovative Projekte insbesondere auf Quartiersebene entstehen. Um mit dem komplexen Thema umgehen zu können, benötigen alle Akteure einen praktikablen und verlässlichen Handlungsrahmen. Gemeinsam mit qualifizierten Partnern wird sich die dena dieser Herausforderung in der Studie „Urbane Energiewende“ stellen. In der Untersuchung diskutiert und bewertet sie gemeinsam mit Unternehmen und politischen wie gesellschaftlichen Akteuren die verschiedenen Lösungspfade für die urbane Energiewende. www.dena.de 6 UmweltMagazin Juli - August 2018

Nachrichten Aus dem Umweltbundesamt Bild: Linnart Unger Recycling von Elektrogeräten Ab dem 15. August 2018 werden nahezu alle elektrischen und elektronischen Geräte vom Elektro- und Elektronikgerätegesetz umfasst (Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten; kurz: ElektroG). Damit soll sichergestellt werden, dass mehr Altgeräte im Recycling landen. Nun müssen sich auch Hersteller von bislang noch nicht betroffenen Geräten registrieren und sich an den Entsorgungskosten beteiligen, beispielsweise Hersteller von Bekleidung und Möbeln mit elektrischen Funktionen. Ein weiteres Beispiel von Produkten, die bislang noch nicht erfasst waren, sind etwa Schuhe mit dauerhaft und fest eingebauter elektronischer Dämpfung oder mit Leuchtmitteln. Nicht betroffen sind nur explizit im Gesetz genannte Ausnahmen, zum Beispiel Ausrüstungsgegenstände für einen Einsatz im Weltraum. Seit 1. Mai 2018 können Hersteller, die zukünftig neu unter die Vorschriften des ElektroG fallen, Registrierungsanträge bei der zuständigen stiftung elektro-altgeräte register (stiftung ear) stellen. Auch für bereits registrierte Hersteller werden Umstellungen notwendig. Jede schon erteilte Registrierung mit einer Geräteart wird durch die stiftung ear automatisch in eine festgelegte Nachfolgegeräteart überführt. Registrierte Hersteller müssen aber überprüfen, ob trotz automatischer Überführung die Registrierung weiterer Gerätearten notwendig wird. Dafür ist eine gesetzliche Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2018 vorgesehen. Weiterführende Informationen finden sich auf der Internetpräsenz der zuständigen stiftung ear unter www.stiftung-ear.de/ elektrog-2018/. Das Umweltbundesamt (UBA) wird auch die Einhaltung der neuen gesetzlichen Regelungen konsequent überwachen. Bereits in der Vergangenheit wurden durch einen effektiven Ordnungswidrigkeitenvollzug gegen Trittbrettfahrer viele Hersteller dazu angehalten, ihren Herstellerpflichten nach dem ElektroG nachzukommen. Dies zeigt auch die stetig gestiegene Anzahl registrierter Hersteller bei der stiftung ear. Auch in Zukunft wird das UBA bei Vorliegen eines Anfangsverdachtes Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen nicht ordnungsgemäß registrierte Unternehmen in Deutschland einleiten. Neben der Möglichkeit, Anzeige wegen einer nicht ordnungsgemäßen Registrierung beim UBA zu erstatten, können Hersteller nicht registrierte Mitbewerber wettbewerbsrechtlich abmahnen. Umweltbilanz der Landwirtschaft Die Umweltprobleme in der Landwirtschaft sind an vielen Stellen noch nicht gelöst. Das zeigen die neuen „Daten zur Umwelt 2018. Umwelt und Landwirtschaft“ des UBA. Vor allem die Konzentration auf wenige Fruchtarten und der hohe Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf dem Feld sowie der von Arzneimitteln im Stall belasten die biologischen Vielfalt und verunreinigen Gewässer, Böden und Luft immer noch mehr als nötig. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger erhofft sich daher Fortschritte für die nächste Runde der EU-Agrarreform: Die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik müsse es endlich schaffen, dass nicht mehr die Betriebe das meiste Geld bekommen, die die meisten Flächen bewirtschaften, sondern diejenigen, die am meisten für die Umwelt tun. Mehr Ökologie dürfe kein Nischenthema sein. Umweltschutz sei auch in den konventionell arbeitenden Betrieben wichtig. Vor allem in Regionen mit intensiver Tierhaltung kommt es teils zu massiven Nährstoffüberschüssen. Über die Gülle gelangt der Stickstoff als Nitrat ins Grundwasser sowie Seen und Flüsse. Nitrat im Grund- und Oberflächenwasser wirkt überdüngend und verursacht Kosten bei der Trinkwassergewinnung. Als Ammoniak und Lachgas entweicht Stickstoff auch in die Luft. Die Folgen sind erstens Bodenversauerung und Artenschwund. Zweitens trägt Lachgas auch zum Klimawandel bei, denn es ist sehr viel klimaschädlicher als CO 2 . Die Stickstoffeinträge der Landwirtschaft gehen zwar zurück – von 118 Kilogramm pro Hektar 1993 auf noch 97 Kilogramm/Hektar im Jahr 2013. Allerdings hat sich dieser Trend in den vergangenen zehn Jahren deutlich verlangsamt. Deutschland ist daher noch weit von dem selbst gesetzten Ziel entfernt, den Stickstoffüberschuss auf 70 Kilogramm pro Hektar/Jahr zu reduzieren (im fünfjährigen Mittel der Jahre 2028 bis 2032). Auch der intensive Einsatz von Pestiziden auf Äckern und Feldern bleibt nicht folgenlos für die Umwelt. Selbst im Grundwasser werden regelmäßig Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Pro Jahr werden auf einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche durchschnittlich 8,8 Kilogramm Pflanzenschutzmittel beziehungsweise 2,8 Kilogramm Wirkstoffe eingesetzt. Zwischen 1994 und 2015 stieg der Absatz in Deutschland von knapp 30.000 auf über 40.000 Tonnen an. Den größten Anteil daran hat mit 34 Prozent die Gruppe der Herbizide, zum Beispiel Glyphosat. Ihr Einsatz sollte deutlich reduziert werden – auch zu Gunsten nichtchemischer Alternativen. Um die schädlichen Auswirkungen der Herbizide zu kompensieren, braucht es mehr Flächen in der Landschaft, auf denen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. www.uba.de UmweltMagazin Juli - August 2018 7

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