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07-08 | 2019

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Special Abfall,

Special Abfall, Recycling und Kreislauf Kunststoffrecycling auf Zypern Ein Kernstück der schlüsselfertigen Recyclinganlage in Zyperns Hauptstadt Limassol: der Zerkleinerer und die Waschkomponenten von Lindner. Sie sorgen für das ideale Korn für die folgende Extrusion. Bild: Lindner-Recyclingtech GmbH Um vorsortierten Siedlungsmüll zu recyceln, kombiniert Unternehmen mehrere Techniken aus Deutschland und Österreich: • Der Shredder des Familienbetriebs Lindner aus Spittal an der Drau zerkleinert die Abfälle am Beginn der Recyclinganlage. • Die Anlagen zum Waschen und Trocknen stammen von Firma Lindner Washtech aus dem baden-würrtembergischen Großbottwar, einem Tochterunternehmen des Familienbetriebs Lindner. • Ein Extruder der österreichischen Firma Starlinger recycling technology in Weissenbach an der Triesting stellt aus den sauberen Abfällen einen hochqualitativen Wertstoff her. Dieser wird bereits zu neuen Produkten wie Folien und Kunststoffverpackungen verarbeitet und senkt damit den Einsatz von Primärrohstoffen. Aus Polyethen aus Haushalt und Industrie wird erstmals auf Zypern ein hochwertiges Granulat frei von Lufteinschlüssen zur Wiederverwertung hergestellt. Dies ist auf dem Inselstaat ein großer Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft. Sonne, Strand und Meer locken jedes Jahr sehr viele Touristen nach Zypern. Neben guten Umsätzen sorgen diese auch für wachsende Müllberge. Vermutlich sind Touristen nicht alleine dafür verantwortlich, fielen 2016 – nach Zahlen des Statistischen Amts der EU (Eurostat) – auf Zypern rund 640 kg Siedlungsabfall pro Kopf an. Damit war der Inselstaat nach Dänemark und Malta das Land mit dem dritthöchsten Aufkommen an Siedlungsabfall pro Kopf in der EU – und lag damit knapp vor Deutschland mit 626 kg pro Kopf. Nur 19 Prozent der Siedlungsabfälle wurden vor drei Jahren recyclet oder kompostiert, 81 Prozent deponiert. Doch es wird mehr. Am 19. April 2019 eröffnete Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis in Anwesenheit eines Großteils der Regierung in der Hauptstadt Limassol die erste schlüsselfertige Kunststoffrecyclinganlage des Landes. Diese Turn- Key-Recyclinganlage stellt einen wichtigen Schritt dar, die Recycling-Vorgaben der EU zu erfüllen: Bis 2025 soll jeder Staat mindestens 50 Prozent des Kunststoff recyceln, bis 2030 bereits 55 Prozent. Organisiert wurde die Anlage von der Firma PCC Recycling aus Limassol, eine Tochter der Poullaides Group, die in mehreren Ländern aktiv ist. „Nur mit Hilfe der Privatwirtschaft wird es uns möglich sein, die kreislaufwirtschaftlichen Zielvorgaben der EU und auch unsere eigenen Umweltschutzziele zu erreichen“, sagte Costas Kadis, Minister für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt bei der Eröffnung. „Mehr als 10.000 Tonnen Plastikmüll können jetzt zu Kunststoffpellets verarbeitet werden“, erklärte Christos Poullaides, Eigentümer der Poullaides Group und Vorsitzender von PCC Recycling. Damit würden Flora und Fauna der Insel nicht mehr belastet. PE aus Haushalt und Industrie Von der Anlage werden stark verschmutze Verbraucherabfälle aus Polyethen – sowohl Weich-Polyethen LDPE (Low Density Polyethen) wie auch Hart- Polyethen HDPE (High Density Polyethen) – aus der Hausmüllsammlung verarbeitet sowie zusätzlich leichte und großvolumige Stretchfolien aus LDPE oder aus sehr weichem Kunststoff LLPDE (Linear Low Density Polyethen) der Industrie, mit denen etwa Paletten eingepackt waren. „Wir erhalten Ausgangsmaterial unterschiedlicher Qualität, deshalb war Flexibilität eines der wichtigsten Kriterien bei der Wahl der Anlagentechnik“, erklärt Andreas Poullaides, Geschäftsführer von PCC Recycling. Christos Poullaides hat sich für das Aufbereitungssystem der Firma Lindner mit Shredder, Wasch- und Trocknungskomponenten entschieden: Diese Komponenten liefern bei konstant hohem Durchsatz saubere und hochwertige Flocken für den nachgeschalteten Extruder. Was theoretisch einfach klingt, führt in der Praxis nur zum Erfolg, sind alle Komponenten aufeinander abgestimmt. So zerkleinert der Shredder „Lindner Micromat 2000“ das Poly- 16 UmweltMagazin Juli - August 2019

Abfall, Recycling und Kreislauf Special Bild: Lindner washTech GmbH Bild: Lindner-Recyclingtech GmbH In der Vorwäsche befördert die Walze das auf der Wasseroberfläche schwimmende Material zum Austrag Am Tag der Einweihung, von links nach rechts: Starlinger Sales Manager Florian Mitterecker, Techniker Leander Huemer und geschäftsführende Gesellschafterin Angelika Huemer, Zyperns Umweltminister Costas Kadis, Lindner Washtech CEO Harald Hoffmann und Sales Manager Marcel Willberg Die Recyclinganlage recoSTAR dynamic 145 C-VAC von Starlinger recycling technology produziert etwa eine Tonne erstklassiges Regranulat pro Stunde. nem „Closed-Loop-Verfahren“ zugeführt. Dies schont wertvolle Wasserressourcen auf der Insel. Erstklassiges Regranulat Danach wird der zerkleinerte saubere Verpackungsabfall mit einer recoSTAR dynamic 145 C-VAC von Starlinger recycling technology aufbereitet. Restverschmutzungen, Bedruckung und Restfeuchte werden durch die Kombination aus C-VAC-Hochleistungsentgasung und dem kontinuierlichen Schmelzefilter entfernt. Verschmutzungen und Druckfarbe werden aus der flüssigen Schmelze gefiltert; dabei kann es zur vermehrten Bil- ethen zu einem homogenen Korn mit geringem Feinanteil. Dies vereinfacht den folgenden zweistufigen Waschprozess. Es beginnt mit der Vorwäsche. Der zuverlässige Floater der Firma Lindner Washtech ist ein kleiner Separationstank. Er ist etwa 3 m lang und zirka 1,2 m breit. Das Material fällt vom Austragsband dort hinein. Mittels einer Walze, die oberhalb der Wasseroberfläche am Maschinenrahmen befestigt ist, wird das Material, das oben schwimmt, mit Mitnehmern, die leicht eintauchen, kontinuierlich zum Austrag befördert. Während dieser Verweilzeit sinken Schwerteile wie Glas, Metalle und Steine, wohingegen die wertvolle Fraktion aufschwimmt und auf der Wasseroberfläche verweilt. Mittels einer Materialrutsche fällt das Material anschließend direkt in den so genannten Friktionswäscher der Baureihe Twister ebenfalls von Lindner Washtech. Dort wird das Material mittels hoher Reibungskraft gereingt. In dieser Maschine ist ein Rotor mit verschraubbaren Paddeln. Diese sorgen durch dosierte Reibungseffekte und angepasste Verweildauer des Materials für eine effektive Ablösung des anhaftenden Schmutzes. Vor der Extrusion wird das saubere Material noch getrocknet. Das Abwasser wird in der ebenfalls von Lindner gelieferten und voll integrierten Wasseraufbereitungsanlage gereinigt und anschließend wieder dem Prozess in eidung von Gasen kommen, die abgeschieden werden müssen, um Lufteinschlüsse im Regranulat zu vermeiden. Das Besondere: Im C-VAC Modul wird die Oberfläche der Schmelze um 300 Prozent vergrößert, was das Absondern der Gase erleichtert. Die Anlage produziert etwa eine Tonne Regranulat stündlich. „Dies bietet eine wirtschaftlich attraktive Lösung mit optimalem Kosten- Nutzen-Verhältnis“, erklärt Florian Mitterecker, regionaler Verkäufer bei Starlinger recycling technology. Pia Steiner, Marketing & PR, Lindner-Recyclingtech GmbH, pia.steiner@lindner.com Bild: Lindner-Recyclingtech GmbH UmweltMagazin Juli - August 2019 17

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