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07-08 | 2019

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Nachfrage nach

Nachfrage nach Rezyklaten steigern Höhere Recyclingquoten zu erfüllen, ist kein einfaches Geschäft. Die Öffentliche Hand kann helfen, in dem sie rezyklathaltige Produkte einkauft. Langfristig ist es notwendig, beim Design bereits werkstoffliches Recycling mitzudenken. Wie hält es das Umweltbundesamt eigentlich mit Kunststoffen? Es sind interessante Materialien: leicht mit guten Eigenschaften. Probleme entstehen erst, wenn sie in der Umwelt landen. Warum wird von den wertvollen Substanzen so wenig rezykliert? Da ist einmal das Spannungsfeld zwischen den relativ hohen Kosten für die Erzeugung von hochwertigen Rezyklaten und den preiswerten Primärkunststoffen. Rezyklate sind also nicht automatisch für den Markt attraktiv. Ein zweiter Grund ist, dass sich längst nicht alle Kunststoffe gut rezyklieren lassen. Welche Kunststoffe lassen sich gut, welche nicht gut rezyklieren? Monokunststoffe sind meist besser rezyklierbar als solche aus Kunststoff- Kunststoff-Verbunden oder Multi-Material-Verbunden. Es spielen aber weitere Faktoren eine Rolle, etwa die technischen Voraussetzungen. So sind rußbasierte schwarze Kunststoffverpackungsabfälle mit der etablierten Technik nicht sortierbar. Auch die Art der Sammlung hat einen Einfluss: Eine sortenreine Sammlung wie ei PET-Flaschen ermöglicht ein höherwertiges Recycling aufgrund geringerer Verschmutzung oder Fremd- und Störstoffanteile. Doch vollständig geschlossene Kreisläufe werden kaum möglich sein Nein. Denn gerade bei technischen Anwendungen enthalten Kunststoffe unterschiedlichste Zusatzstoffe wie Flammschutzmittel, Stabilisatoren oder Weichmacher. Ein Teil von denen wird auch in Zukunft aus dem Kreislauf ausgeschleust und thermisch verwertet werden müssen. Deswegen ist auch das Thema Abfallvermeidung, besonders im Verpackungsbereich und bei Einwegprodukten, wichtig. Lässt sich mit einen besseren Sammlung die Quote erhöhen? Ja. Die kann besser werden. Es braucht mehr Aufklärung. Jeder Einzelne sollte seine Abfälle gewissenhaft trennen. Wenn nicht große Anteile Rest- oder Biomüll in der Wertstofferfassung – Gelber Sack oder Wertstofftonne – landen, ist dem Rezykling schon sehr geholfen. Anders herum sollte keine Plastik etwa im Biomüll landen. Aber auch klar ist: Keine Sammlung kann vollständig sein, denn wenn ich z.B. unterwegs, habe ich keinen Gelben Sack zur Hand. Und zudem fehlen in der Rezyklingbranche noch Kapazitäten. Wie sieht es eigentlich in Betrieben aus? Dort wird viel an Verarbeitungsrückständen gesammelt und wieder eingesetzt. Das Problem sind die anderen, die normalen Kunststoffabfälle, die vergleichbar wie in Haushalten anfallen. Der Anteil der Gewerbeabfälle, die ins Rezykling gehen, soll in 2019 auf mindestens 30 Prozent ansteigen. Das sieht die 2017 in Kraft getretene neue Gewerbeabfallverordnung vor. Was muss geschehen, dass der Rezyklinganteil auch im Verbraucherbereich steigt? Vieles. Entscheidend ist für mich, schon beim Design von Verpackungen und anderen Kunststoffprodukten das Rezykling mitzudenken – und nicht nur an eine optimale Funktion. Ein Grundsatz ist hier, möglichst wenig Polymergemische und Zusatzstoffe zu verwenden und auch möglichst auf Schadstoffe zu verzichten. Bettina Rechenberg, Biologin, leitet den Fachbereich „Nachhaltige Produkte und Produktion, Kreislaufwirtschaft“ im Umweltbundesamt (UBA). Also weniger Substanzen – sei es Polymer oder Zusatzstoff – lassen sich einfacher verarbeiten? Ja. Einmal lassen sich Produkte aus einem Kunststoff grundsätzlicher einfacher rezyklieren. Und Zusatzstoffe wie Flammschutzmittel, Stabilisatoren oder Weichmacher können sich beim Verarbeiten verändern und ihre Eigenschaften verlieren Dann wird es schwerer, solche Rezyklate wieder zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten. Lässt sich die Substanzvielfalt senken? Ja. Bei einigen Produktgruppen macht der „Blaue Engel“ hier schon entsprechende Vorgaben. Ich denke etwa an das Umweltzeichen für Drucker. Dieses vergeben wir nur, wenn Gehäuse, Chassis und andere mechanische Teile aus dem gleichen Kunststoff bestehen, keine galvanischen Beschichtungen angebracht sind und sich alle weiteren Materialien und Geräteteile für das Recycling gut voneinander lösen lassen. Andere marktübliche Geräte enthalten dagegen bis zu vier verschiedene Kunststoffsorten. Und etliche Drucker tragen bereits dieses Umweltzeichen. Kennen Sie weitere gute Beispiele? Ja. Eines ist die Nutzung von „In Mold Labbeling“-Verfahren, bei denen Behälter und Etikett aus dem gleichen Material und in einem Gussverfahren gegossen werden, das heißt auch kein Kleber notwendig ist, was beides die Rezyklingfähigkeit des Produktes gewährleistet. Und manchmal können ganz einfache Maßnehmen helfen wie z.B. die Fertigung eines Flaschenverschlusses aus dem gleichen Kunststoffmaterial wie die Flaschen selbst. Wie sieht es aus mit dünnen Lebensmittelfolien, die aus mehreren Bild: UBA 18 UmweltMagazin Juli - August 2019

Abfall, Recycling und Kreislauf Special Schichten bestehen? Solche Multilayer–Verpackungen sind für das Rezykling schwierig. Diese Layer haben ja ihre Funktion. Sie schützen das Lebensmittel etwa vor Sauerstoff oder Feuchtigkeitsverlust. Hier braucht es Innovationen. Und ich bin mir sicher, dass es auch mit einer Schicht geht – und durch eine stärkere Nachfrage nach unverpackten Lebensmitteln durch den Verbraucher. Wie Sie vorhin sagten, entscheidend ist, dass es für Rezyklate einen Markt gibt … … ja, die Nachfrage muss steigen. Hier kann die Öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet die Bundesbehörden, bei Ausschreibungen ökologische Kriterien zu prüfen, unter anderem die Eignung von Produkten aus Recyclingmaterial. Faktisch passiert das jedoch zu selten. Und konkrete staatliche Vorgaben? Auch gut. Wir im UBA überlegen zurzeit mit dem Bundesumweltministerien, mit nachvollziehbaren Kriterien für einige Produktgruppen Mindestquoten für Rezyklateinsatz festzulegen. Auch ökonomische Anreize können sinnvoll sein. Eine Steuer auf Bundesebene für Kunststoffe wäre bei entsprechender Gestaltung ein möglicher Weg. Und eine kürzlich vom UBA veröffentlichte Studie zu Einweggetränkebechern hat vorgeschlagen, dass Kaffee und andere Heißgetränke aus Einwegbechern teurer sein sollten und die entsprechende Differenz zu Mehrwegbechern in einen Fond eingezahlt wird, welcher Reinigungsmaßnahmen finanziert. Immer wieder wird heute auch „Chemisches Recycling“ genannt? Dies kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Nach der Abfallhierarchie ist diese Art der Verwertung als eine Form des Recyclings besser als die thermische Verwertung. Es ist daher sinnvoll sie für solche Kunststoffe einzusetzen, die heute noch verbrannt werden, weil sie sich werkstofflich nicht verwerten lassen. Was ist mit Mischkunststoffe, die zum Teil Produkte aus Holz, Stahl oder Beton ersetzen? Mischkunststoffe machen einen Großteil der Verpackungskunststoffe aus. Bislang werden Mischkunststoffe oft als Ersatzbrennstoffe in die energetische Verwertung, werden in Zementwerken oder bei der Roheisenerzeugung mitverbrannt. Zur Erfüllung der gesteigerten Recyclingvorgaben im Verpackungsgesetz wird zukünftig aber eine stärkere Aussortierung der gut werkstofflich verwertbaren Bestandteile erfolgen müssen. Bei einer aufwendigen Aufbereitung der Mischkunststoffe zu Rezyklaten und Differenzierung der Kunststoffe lassen sich gut Primärkunststoffe ersetzen, etwa in Spritzgussanwendungen für Eimer. Dies ist der zu bevorzugende Weg, auch im Vergleich zum Ersatz von Holz und Beton in Produkten wie Bauzaunfüßen, Palisaden, und Parkbänken, bei denen die Qualität nicht mehr der der ursprünglichen Kunststoffneuware entspricht. Die EU hat ja eine neue Quotenberechnung eingeführt. Danach wird statistisch deutlich weniger rezykliert. Ist Deutschland dann noch immer „Recyclingweltmeister“? Deutschland ist immer noch ganz vorne mit dabei. Es gibt ein Deponieverbot für nicht vorbehandelte Siedlungsabfälle, eine sehr gute Entsorgungsinfrastruktur und das Recycling ist technisch auf hohem Niveau. Dennoch zeigt die neue Quotenberechnung: Es gibt noch viel zu tun. Das Interview führte Ralph Ahrens, Chefredakteur UmweltMagazin, rahrens@vdi-fachmedien.de UNSERE NEUE AK-BAUREIHE – ZUKUNFT SERIENMÄSSIG Optimale Lösungen für Ihre künftigen Anforderungen: Mit absenkbarem Heckbank bietet unsere AK-Baureihe ein echtes Plus an Wartungsfreundlichkeit – und mit den modernen Motoren steht Treffen Sie uns auf der Ihnen noch mehr Leistung RecyclingAKTIV - Stand F 418 zur Verfügung! Best Solution. Smart Recycling. doppstadt.com

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