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07-08 | 2019

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Gastkommentar Elektromobilität und E-Fuels! Im Mai wurde eine CO 2 -Konzentration von rund 415 ppm in der Atmosphäre gemessen – Tendenz steigend. Vor der Industrialisierung lag sie unter 280 ppm. Wir müssen also die CO 2 -Emissionen reduzieren, global, schnell und auch im Verkehr. Im Bundestag haben CDU und CSU kürzlich angekündigt, die Herstellung klimafreundlicher Treibstoffe zu fördern und nicht mehr ausschließlich Elektroautos – und damit den Verbrennungsmotor retten. Eine gute Idee? Meist diskutiert sind batteriebetriebene Fahrzeuge ohne umweltbelastende Abgase. Aber die Herstellungsprozesse für die Fahrzeuge selbst und die Batterien benötigen Energie und Rohstoffe. Auch das Laden der Batterie geschieht meist nicht ohne CO 2 -Emissionen, weil unsere Stromversorgung nicht nur aus erneuerbaren Energien besteht. Dies zeigt, dass wir den Rahmen für unsere Betrachtungen weiter fassen müssen als nur bis zum Autoauspuff. Dies verlangt, auch für die Produktion von Fahrzeugen und Batterien erneuerbare Energien zu verwenden. Die Stromversorgung der Batterien über Ladestationen muss ebenfalls auf erneuerbaren Energien beruhen. Erst dann hätten wir mit batteriebetriebenen Fahrzeugen minimale CO 2 -Emissionen. Große Teile des Verkehrs wie der Schwerlastverkehr, die Schifffahrt oder der Flugverkehr kommen mit einem Batterieantrieb aber nicht zurecht. Hier wäre eine Wasserstoff-Infrastruktur denkbar, die eventuell mit Brennstoffzellen als Stromantrieb arbeitet. Ein wichtiger Teil dieser Infrastruktur wären Elektrolyseanlagen, die aus Wasser mit erneuerbarer Energie Wasserstoff bereitstellen. Dies ist machbar, die Lieferzeiten könnten aber bei einem schlagartigen Ausbau auf zehn und mehr Gigawatt installierter Elektrolyseleistung zu Verzögerungen führen. Zudem braucht diese Infrastruktur überregionale Leitungen, lokalen Verteilnetze und ein System von Energiespeichern. Dabei ist zu beachten, dass Wasserstoff speichern relativ teuer ist, da für die Speicherung einer bestimmten Energiemenge das dreifache Volumen im Vergleich zum Erdgas benötigt wird. Eine deutlich einfachere Lösung wäre, Wasserstoff zu Erdgas umzuwandeln, um das bestehende Erdgasnetz einschließlich Erdgasspeicher nutzen zu können. Diese Power-to-Gas- Anlagen würden aus Sonnen- oder Windenergie über Elektrolyse und Methanisierung Erdgas quasi als erneuerbaren Kraftstoff – als gasförmiges E-Fuel – produzieren. Solche Anlagen sowie erdgasbetriebene Fahrzeuge und Schiffe sind verfügbar und das Tankstellennetz könnte relativ leicht erweitert werden. Auch hier kann ein Ausbau auf zehn oder mehr Gigawatt zu Lieferverzögerungen führen. Ein großer Vorteil dieses Konzeptes liegt in der Sektorkopplung. Das heißt, das „grüne“ Erdgas ist direkt für verschiedene Anwendungen verfügbar: für Mobilität, Gebäudeheizung und chemische Industrie. Alle können damit übergangslos von fossiler Energie auf erneuerbare Energie umstellen. Diesen Vorteil bietet kein anderer Energieträger. Dann gibt es flüssige E-Fuels: mit erneuerbaren Energien aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellte Substanzen, die Benzin, Diesel oder Kerosin beigemischt werden können und diese letztlich mit relativ geringen Änderungen im Motor ersetzen könnten. Dadurch bliebe der momentane Technologievorsprung deutscher Automobilhersteller erhalten und das bestehende Tankstellennetz könnte genutzt werden. Zusammenfassend zeigt dies, dass die Politik nicht nur auf E-Mobilität setzen darf, sondern auch gasförmige und flüssige E-Fuels dringend fördern müsste. Insofern ist der Vorschlag von CDU und CSU, klimafreundliche Treibstoffe zu fördern, ein MUSS für eine erfolgreiche Energiewende, die so aussehen könnte: Richtlinien und Regularien so anpassen, dass CO 2 -Emissionen gesamthaft bewertet werden; erneuerbare Energien ausbauen; Power-to-Gas-Anlagen installieren; das Erdgastankstellennetz ausbauen; für die Verwendung von grünem Erdgas in allen Anwendungsbereichen werben und parallel die Herstellung flüssiger E-Fuels vorantreiben, so dass Schwerlastverkehr, Schifffahrt und Flugverkehr möglichst schnell klimaneutral werden. Und jeder kann heute schon, wenn er ein neuen Fahrzeug kauft, was tun: Kauft er ein gasbetriebenes Auto, das unwesentlich teurer als ein Benzin- oder Diesel- Fahrzeug ist und deren Reichweite hat, spart dadurch zirka 20 Prozent an CO 2 -Emissionen ein und spart Kosten, weil Erdgas pro Kilometer billiger ist als Benzin und Diesel. Bild: MAN Energy Solutions SE Prof. Rolf Bank arbeitet bei MAN Energy Solutions SE in niederbayrischen Deggendorf und ist Vorsitzender des VDI- Ausschusses, der eine Richtlinie für Power-to-X-Verfahren und Anlagen vorbereitet. Ein MUSS für eine erfolgreiche Energiewende: ... die Herstellung flüssiger E-Fuels vorantreiben, so dass Schwerlastverkehr, Schifffahrt und Flugverkehr möglichst schnell klimaneutral werden. UmweltMagazin Juli - August 2019 3

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