Aufrufe
vor 2 Monaten

07-08 | 2019

  • Text
  • Umweltmagazin
  • August
  • Juli
  • Unternehmen
  • Recycling
  • Anlagen
  • Energie
  • Deutschland
  • Deutlich
  • Umwelt

Special Abfall,

Special Abfall, Recycling und Kreislauf Wird’s zu heiß, wird’s nass Brandschutz ist bei Recyclinganlagen ein oft unterschätztes Thema. Die größten Brandgefahren stellen nicht sachgemäß entsorgte Gegenstände wie Batterien, Glas, Metalle oder ausgelaufene Flüssigkeiten dar. Oft sind Brandschutzmaßnahmen in Recyclinganlagen veraltet – so wie bei der AbfallWirtschaftsGesellschaft mbh (AWG) Bassum. Die hundertprozentige Tochter des niedersächsischen Landkreises Diepholz ist für das Sammeln und sichere Entsorgen von Abfällen aus privaten Haushalten und dem Gewerbe im Kreisgebiet verantwortlich. Moderne Entsorgungsfahrzeuge sind im 2.000 km2 großen Landkreis Diepholz unterwegs, um die Abfälle von mehr als 217.000 Menschen aus 15 Städten, Samtgemeinden und Gemeinden abzuholen. Hinzukommen beauftragte Privatunternehmen für den Containerdienst und die Sperrabfall-Abholung. Insgesamt werden pro Jahr allein aus privaten Haushalten etwa 38.000 Tonnen Rest- und Sperrabfälle und mehr als 40.000 Tonnen Bioabfälle gesammelt. In den modernen Behandlungsanlagen im Entsorgungszentrum Bassum werden die Abfälle anschließend hochwertig behandelt und verwertet. In der Restabfallbehandlungsanlage (RABA) werden energiereiche Bestandteile zu Ersatzbrennstoffen aufbereitet und in einem speziell für diesen Zweck umgebauten Heizkraftwerk in Bremen in Energie umgewandelt. Stoffe mit einem Durchmesser von bis zu 40 mm werden in einem Fermenter vergoren, das dabei entstehende Biogas wird ebenfalls energetisch genutzt. Größere Teile sowie die Gärreste aus dem Fermenter werden in der Rotte biologisch behandelt und zu erdähnlichem Material umgewandelt. Das Rottegut ist emissionsarm und entspricht den Vorgaben der Deponieverordnung (DepV). In der Anlieferungshalle überwachen sieben Infrarot-Kameras die Abfallberge. Brandlast bescheinigt In der RABA verarbeitet die Abfallwirtschaftsgesellschaft jährlich bis zu 100.000 Tonnen Abfälle aus Haushalten und Gewerbebetrieben. Der Brandschutz hat zwar schon seit langer Zeit einen hohen Stellenwert. „Wir nutzten seit 2006 in der RABA ein Rauchansaugsystem, welches den technischen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde“, sagt Michael Bellmann, Betriebsleiter Elektrotechnik und AWG- Brandschutzbeauftragter. Die nun eingesetzte Art von Detektion und Löschtechnik gab es vor mehr als zehn Jahre noch nicht und die Recyclingprozesse sind etwa durch Schreddern, Zerkleinern und der automatischen Sortierung deutlich umfangreicher geworden. Die Anliefer- und Lagermengen sind auch so gestiegen, dass die Brandlasten zunahmen. Zudem bescheinigte die Versicherungsgesellschaft durch das gestiegene Abfallaufkommen eine sehr hohe Brandlast, die die verbaute Sprinklertechnik samt Löschwassermenge an ihre Kapazitätsgrenze brachte. Daher entschieden sich die Verantwortlichen für eine modernisierte Brandmelde- und Löschanlage, bestehend aus zwölf neuen Infrarot-Kameras sowie Werfern mit Löschwasser oder Löschwasser mit Schaumzumischung. Mit der d & d Brandschutzsysteme 20 UmweltMagazin Juli - August 2019

Abfall, Recycling und Kreislauf Special Bilder: d&d Brandschutzsysteme Im Bereitstellungslager scannen die Infrarot-Kameras bis zu vier Meter hohe Abfallberge. Ein Löschwasserwerfer ist - neben einer Infrarot-Kamera - bereit, einen Brand zu löschen. GmbH ist ein Experte beauftragt worden, der die Installation und Programmierung der drei Brandmeldeunterzentralen in den Bereichen Anlieferungshalle, Nachzerkleinerungsbereich sowie Bereitstellungslager übernommen hat. In den Unterzentralen laufen die Kameratechnik mit den Temperaturkameras, die Steuerung der optischen sowie akustischen Signalgeber, die Löschgeber sowie die Weiterleitung an die Hauptzentrale der BMA sowie die Feuerwehr auf. In Absprache mit d & d wurde die Arbeit während des Betriebs oder aufgrund der Gefahrensituation danach durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit den involvierten Unternehmen, dem Feuerversicherer sowie dem Fachdienst des Landkreises für Brandschutz wurde so ein moderner Brandschutz geschaffen. IR-Kameras entdecken Hotspots In der Anlieferungshalle sind sieben der Infrarotkameras im Einsatz. Sie scannen permanent die Lagerbereiche für den Haus- und Gewerbeabfall, die Schredderhallen sowie die Förderbandanlagen. In dem Nachzerkleinerungsbereich überwachen zwei weitere Kameras und im Bereitstellungslager drei Kameras in drei Buchten das gelagerte Material. „Die Kameras überwachen diese Bereiche auf mögliche Brandherde “, erklärt Bellmann. Wird ein Hotspot erkannt, wird dieser der Brandmeldezentrale über einen Löschcomputer gemeldet. Die Auslösetemperatur der Kamera hängt von der Fläche der Lagerungshalle ab. Dabei wird zwischen Vor- und Hauptalarm unterschieden. Der Voralarm löst in der Regel bei 70 Grad aus. Es werden akustische und optische Alarmierungseinrichtungen aktiviert und es erfolgt die Weitermeldung an die ständig besetzten Stellen. Der Hauptalarm löst bei 90 Grad aus. Er aktiviert die Löschanlage. Daraufhin beginnt automatisiert der Löschvorgang mit 2.400 Liter pro Minute. Dank der Computersteuerung erfolgt die Löschung bei einem Druck von 13 bar punktgenau. Dem Löschwasser wird ständig Schaum beigemischt. Aufgrund des potenziellen Eintrags leicht entzündlicher Stoffe wie Batterien und Flüssigkeiten und längeren Lagerzeiten, die eine Selbstentzündung begünstigen, kommt eine Auslösung häufiger vor. „Das System reagiert sehr schnell und nach zirka 15 Sekunden berührt das Wasser die Fläche. Aus Gründen des Personenschutzes ist bei solch einer Wassermenge und dem Druck wichtig, dass wir manuell den Löschvorgang unterbrechen können, damit sich Personen in Sicherheit bringen können“, weiß der Brandschutzbeauftragte. Dank spezieller Personenschutzschalter lässt sich der Vorgang im Gefahrennotfall kurz unterbrechen Während des Löschvorgangs wird der Bereich weiterhin abgescannt, um hohe Temperaturen detektieren zu können und das Löschen gegebenenfalls fortzusetzen. Per Fernsteuerung und mittels Handbetrieb können zusätzliche Löschversuche durchgeführt werden. Außerdem lösen akustische Sirenen und Blitzlampen aus, die beide auch bei hoher Lautstärke oder Sichtbeeinträchtigungen wahrgenommen werden. Zielgerichtet löschen In allen Löschbereichen mit Löschmonitorbetrieb ist die Anlage auf Tagund Nachtbetrieb programmiert. Es herrscht eine Rundum-Überwachung, doch ist die Detektion tagsüber weniger sensibel eingestellt, damit etwa LKW problemlos den Bereich befahren und Abfall entladen können. Sollte aber die festgelegte Temperatur überschritten werden, löst die Anlage regulär aus. Im Nachtbetrieb, bei dem kein Personal vor Ort ist, keine Anlieferung erfolgt und das Betreten verboten ist, wird sehr sensibel detektiert. „Wir haben nun Brandschutz auf sehr hohen technischen Niveau“, resümiert Bellmann. „Die neue Löschanlage wurde im März 2019 seitens des VdS abgenommen, arbeitet sehr effizient und zeichnet sich durch eine sehr frühe Branddetektion aus. Die moderne Monitorlöschtechnik arbeitet zielgerichtet und flächendeckend, so dass wir früh mit dem Löschen möglicher Entstehungsbrände beginnen können.“ -> www.dd-brandschutzsysteme.de Elena Dilba, Jansen Communications, Siegen e.dilba@jansen-communications.de, UmweltMagazin Juli - August 2019 21

Ausgabenübersicht