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07-08 | 2019

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Wasser Aktiver

Wasser Aktiver Kanalfilter eliminiert Gerüche Ein coalsi-Gullydeckel wird eingesetzt. Kaum ist die warme Jahreszeit da, kommt vielerorts ein unliebsames Problem (wieder) hoch: Unangenehme Gerüche aus der Kanalisation sind ein Ärgernis in vielen Kommunen. Für sie hat ein bayerischer Hersteller einen Kanalfilter entwickelt, der das Problem von drei Seiten angeht. Die Gerüche entstehen, weil Abwasser schon nach kurzer Zeit fault. Ob aus Haushalt, Gewerbe oder Landwirtschaft: Bakterien verstoffwechseln die organischen Substanzen im belasteten Wasser und sondern übel riechende Spaltprodukte ab. Je wärmer die Witterung, umso intensiver der Prozess. Daher laufen meist von April bis Oktober besonders viele Beschwerden bei den Behörden auf. Organische Verbindungen mit Schwefel, Stickstoff, Sauerstoff sowie Kohlenwasserstoffe gelten als die wesentlichen Geruchsbildner im kommunalen Kanalnetz. Intensiv können anorganische Substanzen wie Ammoniak (NH 3 ) oder Schwefelwasserstoff (H 2 S) auffallen. Letztere bildet meist die Basis des typischen Abwassergeruchs. Schon Standzeiten von mehreren Stunden können die Aktivität der Bakterien und damit die Geruchsentwicklung im Kanal enorm beschleunigen. Kommunen sind deshalb gut beraten, ihr Netz zu Beginn der warmen Jahreszeit zu prüfen – zumindest an den neuralgischen Orten. Das ist schnell erledigt: Wenn es im Nahbereich eines Schachtes riecht, gärt es dort. Weil im Regelfall Abhilfe auf Einleiterseite nicht möglich ist, kommt nur eine Filterlösung an den Kanalöffnungen in Frage. Wenige Firmen bieten hierfür Lösungen. Ein bekannter Hersteller ist Fritzmeier Umwelttechnik aus Großhelfendorf bei München mit seiner Marke „coalsi“. Dessen Straßenkanalfilter heben sich von anderen ab, da sie dreifach wirken: Sie filtern auf physikalische, chemische und biologische Weise, und das umweltfreundlich. Damit erzielen sie eine insgesamt eine so gute Filterleistung, dass sie im Geruchsfiltertest 2010 des gemeinnützigen Instituts für Unterirdische Infrastruktur (IKT) in Gelsenkirchen das beste Gesamturteil erzielten. Mikroorganismen im Filter Im Gegensatz zu herkömmlichen Filtern bieten sie eine bessere Filterleistung, die insbesondere durch den Einsatz der biologischen Stufe erzielt wird. Dafür ist jeder Filter mit einer locker strukturierten Polyurethan-Matte bestückt. Auf ihr sind Mikroorganismen aufgebracht, die ihre Nahrung aus der Abluft des Kanals beziehen. Sie verstoffwechseln die geruchsbildenden Bestandteile der Kanalluft. Insofern wird der Geruch nicht nur gefiltert, sondern eliminiert. Zum Selbsterhalt bilden die Mikroorganismen einen Biofilm, von 50 UmweltMagazin Juli - August 2019

Wasser NETZSCH TORNADO® Drehkolbenpumpen UmweltMagazin Juli - August 2019 Bilder: Fritzmeier Umwelttechnik Der Aufbau eines coalsi-Gullydeckels. dem sie zehren, sollte der Zuluftstrom unterbrochen sein. Ein Nachwässern dieser aktiven Filter(stufe) ist aufgrund der vorhandenen Luftfeuchte im Kanal nicht notwendig. Der Biofim wirkt puffernd und erhält bei Trockenphasen die Biozönose. Der Einsatz der Mikroorganismen im Filter gilt als gesundheitlich unbedenklich, da diese weder human-, pflanzen- noch tierpathogen wirken. Ihr Einsatz gilt nach Biostoffverordnung als gesundheitlich unbedenklich, da diese weder human-, pflanzennoch tierpathogen wirken. Sie unterliegen lediglich der Risikogruppe 1 und fallen nicht unter das Gentechnikrecht. Zum Ausschluss jeglichen Gefährdungspotentials wird jede Charge ergänzend zur permanenten Qualitätssicherung des Herstellers durch ein akkreditiertes Labor geprüft. Die Technische Regel „Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen“ (TRBA 220) sind grundlegend zu beachten. In der physikalischen Stufe werden Stoffe allein durch die feinteilige und offenporige Oberflächenstruktur des Filtermaterials aus dem Luftstrom abgetrennt. Der maximale Luftdurchsatz ist von mehreren Parametern abhängig und kann daher nicht mit nur einer Zahl beziffert werden. Standzeit bis drei Jahre Den chemischen Part übernimmt eine Filterstufe auf Basis von Aktivkohle. Der poröse, feinporige Kohlenstoff wirkt katalytisch und neutralisiert damit viele Geruchsbestandteile. Hier bleiben besonders kleinere Moleküle hängen. Geruchsmoleküle die in wässriger Lösung chemisch neutralisiert, gebunden oder in geruchsneutrale Bestandteile umgewandelt werden, ergänzen den Geruchsrückhalt dieser Filterstufe. Die Straßenkanalfilter gibt es in verschiedenen Bauformen für alle gängigen Schachtabdeckungen. Sie kommen als komplettes System aus trennbarem Laubfang, Filtermodul, Siphon und Dichtkörper. Das Aufsteigen der Kanalluft wird durch die Filterstufen nicht gehindert. Trotz Geruchssperre durch das patentierte Siphonsystem kann das Regenwasser in den Kanal abfließen. Das Filtermodul ist leicht austauschbar. Der Wechsel ist angezeigt, wenn die Wirkung der Filtereinheiten nachlässt. Die Prüfung erfolgt olfaktorisch: Riecht man (wieder) etwas, sollte getauscht werden. Standzeiten bis zu drei Jahren sind möglich, obgleich hier viele Faktoren maßgeblich sind. Die Entsorgung des Filtermoduls erfolgt umweltgerecht als Restmüll. Ulrich Bethge, Vertriebsleiter coalsi bei Fritzmeier Umwelttechnik, u.bethge@fritzmeier.com Full Service in Place (FSIP) Einfacher schneller Service ohne Demontage Wechsel von Kolben und Dichtungen in wenigen Minuten Cartridge-Bauweise der Dichtungen für größtmögliche Flexibilität NETZSCH Pumpen & Systeme GmbH Geschäftsfeld Umwelt & Energie Tel.: +49 8638 63-1010 info.nps@netzsch.com www.netzsch.com

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