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07-08 | 2019

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Service Umweltmärkte

Service Umweltmärkte Italien setzt wieder stärker auf Windkraft und Fotovoltaik Italien produziert wieder mehr Strom aus erneuerbaren Quellen und plant ihren Ausbau. Dabei brauchen viele der bestehenden Anlagen ein Update. Windkraft und Fotovoltaik entwickeln sich nach einem enttäuschenden Jahr 2018 Anfang 2019 wieder dynamischer. Ihre Stromproduktion legte zwischen Januar und April 2019 deutlich zweistellig zu. So konnte Italien in den ersten vier Monaten 2019 ein Drittel seines Strombedarfs mit der einheimischen Produktion aus erneuerbaren Quellen decken. Zwischen Januar und März 2019 kamen in der Fotovoltaik 105 Megawatt (MW) und in der Windkraft 31 MW an Kapazität hinzu, ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr. Beiden Quellen bescheinigen Experten in Italien ein großes Expansionspotenzial. Die natürlichen Voraussetzungen sind sehr gut. Hinzu kommt, dass die Stromkosten in Italien vergleichsweise hoch sind und die Produktionskosten für erneuerbare Energien deutlich gefallen sind. Auch die Europäischen Union (EU) erhöht den Druck, Energie nachhaltiger zu erzeugen. In seinem Nationalplan für Energie und Klima (PNIEC) von Anfang 2019 setzt Italien daher stark auf Windkraft und Solarenergie, um die EU- Vorgaben zu erfüllen. Bis 2030 soll die Kapazität der Windkraft von derzeit 10 Gigawatt (GW) Kapazität auf 18,4 GW steigen. Die Solarenergie-Kapazität soll von rund 20 GW auf 50,8 GW wachsen, wobei die Fotovoltaik klar dominiert. Bisher gibt es erst eine Handvoll Concentrated Solar Power-Anlagen (CSP) im Land, diese stehen in Sizilien und auf Sardinien. Bis 2030 sollen CSP 880 MW an Kapazität beisteuern. Nach dem Auslaufen verschiedener Förderinstrumente, wie den grünen Zertifikaten und der Einspeisevergütung, kommen die Impulse derzeit hauptsächlich von den Steueranreizen für Maßnahmen zur Steigerung der Gebäudeenergieeffizienz. Hier wird unter anderem der Einbau von Solarpanels auf Wohnhäusern großzügig gefördert. Das wichtigste Förderinstrument beim Thema Windkraft sind zurzeit Auktionen, auch wenn Kritiker diese für nicht ausreichend halten. Im Mai 2019 wurde zudem das erste Power Purchase Agreement (PPA) für eine Windkraftanlage der Ferea-Gruppe im Norden des Landes unterschrieben. Unter einem PPA versteht man einen Liefervertrag zwischen einem Anlagenbetreiber (Stromproduzenten) und einen Stromabnehmer (in der Regel Unternehmen). 60 UmweltMagazin Juli - August 2019

Umweltmärkte Service Beste Voraussetzungen für Windkraft in Süditalien In Italien werden rund 5.650 Windkraftanlagen betrieben. Dabei handelt es sich vorrangig um Anlagen über 5 MW oder, wegen spezieller Anreize für kleinere Anlagen, um Anlagen mit einer Kapazität von weniger als 200 Kilowatt (kW). Zwei Drittel dieser Anlagen wurden zwischen 2007 und 2012 installiert, damals war die Förderung besonders hoch. Regionale Schwerpunkte sind die windgünstigen südlichen Provinzen Apulien, Basilicata, Kalabrien sowie Sizilien und Sardinien. Mit der bislang installieren Windkraft-Kapazität liegt Italien in Europa deutlich hinter Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Spanien und Frankreich. Der italienische Energieversorger Edison hat angekündigt, mit seinen Partnern F2I und EDF Renewables zum größten Windkraftbetreiber Italiens werden zu wollen. Ziel ist es, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion von 20 auf 40 Prozent zu erhöhen. In ihrem im Mai 2019 erschienenen Renewable Management Report nennt die Energy Strategy Group des Politecnico Mailands zahlreiche Herausforderungen für die Branche: Hierzu gehören die Unsicherheit bezüglich der langfristigen Preisentwicklung und die restriktive Genehmigungspraxis für neue Windparks, eine Ausnahme ist die Region Basilicata. Hinzu kommt, dass die Transportkapazität des Stromnetzes nicht reicht. Für besonders wichtig halten Experten das Repowering bestehender Windkraftanlagen, zum Beispiel das Ersetzen der oft veralteten Turbinenmotoren durch modernere Anlagen. Hier wünscht sich die Energy Strategy Group schnellere Genehmigungen. Germany Trade & Invest Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesellschaft vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland und informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte. Wichtige Rolle des Revamping und Repowering In Italien sind rund 822.000 Fotovoltaik Anlagen im Einsatz. Mit einer installierten Kapazität von 20 GW rangiert Italien hinter Deutschland in Europa auf Platz zwei. Infolge der Steueranreize für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Wohnhäusern sind die meisten Anlagen kleine Selbstversorger bis 20 kW. Größere Anlagen (Utility-Scale) werden zurzeit kaum noch gebaut, mit über 10 MW Kapazität können landesweit nur 43 Anlagen aufwarten. Der in Zentralitalien aktive Energieversorger Acea kündigte an, 200 Millionen Euro in seinen Fotovoltaik-Park zu investieren und bis 2022 die Kapazität auf 150 MW zu erhöhen. Die Energy Strategy Group aber sieht bei größeren Utility Scale-Anlagen Risiken. Hierzu gehören das Thema Preisentwicklung, Schwierigkeiten bei PPA, bürokratische Hürden sowie ein fehlender Netzzugang. Einem größeren Teil der bestehenden Anlagen bescheinigt die Gruppe einen vergleichsweise niedrigen Effizienzgrad und sieht großes Potenzial bei deren Revamping. Repowering und Revamping werden im Best Case-Szenarium der Energy Strategy Group rund die Hälfte der im Nationalplan erhofften zusätzlichen Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen ausmachen. Um das zu erreichen, müssen aber noch bürokratische Hürden abgebaut werden. Kritikern zufolge ist Italien noch zu abhängig vom Import fossiler Brennstoffe, deren Lobby eher auf den Ausbau thermischer Kraftwerke drängt, insbesondere auf den Ausbau von Gaskraftwerken. Das ist Branchenkennern zufolge auch daran zu erkennen, dass die umstrittene Gas-Pipeline TAP aus Albanien gegen Widerstand innerhalb der Regierung durchgedrückt wurde. Auch die italienische Automobilindustrie setzt vielfach auf Gasantrieb als Alternative zur E-Mobility. Oliver Döhne, GTAI Italien, www.gtai.de Bilder: Pixabay UmweltMagazin Juli - August 2019 61

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