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09 | 2016

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Management Die Neuerungen der ISO 14001:2015 Die Anforderungen der neuen ISO 14001:2015 müssen bis zum 14. September 2018 umgesetzt werden. Auf die betroffenen Unternehmen kommt damit eine größere Umstellung zu. Im Vergleich zur letzten Überarbeitung im Jahr 2009 weist die neue Norm weitreichende Veränderungen auf. Die DNV GL Business Assurance Zertifizierung & Umweltgutachter GmbH aus Essen stellt die Neuerungen vor. Bild: DNV GL Holger Martens Die ISO 14001:2015 bringt neue Anforderungen für die Unternehmen. Mit weltweit mehr als 300 000 Zertifikaten und rund 8 000 zertifizierten Systemen in Deutschland ist die ISO 14001 die führende Norm für Umweltmanagementsysteme (UMS). Alle Standards werden regelmäßig von der International Organization for Standardization (ISO) überarbeitet, um diese an die aktuellen gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen anzupassen. Dies geschah zuletzt zeitgleich mit der Veröffentlichung der neuen ISO 9001:2015 für Qualitätsmanagementsysteme im September 2015. Die neuen Revisionen aller ISO-Managementsystemnormen weisen eine verbindliche, einheitliche Struktur auf, die High Level Structure (HLS). Auch die ISO 14001 ist unter deren Berücksichtigung erstellt worden. Für Unternehmen bedeutet dies, dass die Integration verschiedener Normen zukünftig einfacher wird. Mit der Absicht, ein Managementsystem flexibler gestalten und seine Wirksamkeit nachweisen zu können, wird statt der bisher üblichen Nomenklatur nur noch der Oberbegriff „dokumentierte Information“ verwendet. Ein Umweltmanagementhandbuch wird nicht explizit gefordert. Unternehmen sind aber in der Pflicht, die benötigten schriftlichen Regelungen eigenverantwortlich zu definieren, um die Wirksamkeit des Managementsystems sicherzustellen. Verstehen der Organisation und ihres Kontextes Im Kapitel 4 ist die Forderung an Unternehmen formuliert, eine umfassendere Perspektive einzunehmen, ihre internen sowie externen Einflussfaktoren zu betrachten und diese bei der Gestaltung ihres Managementsystems zu berücksichtigen. Unternehmen müssen die wesentlichen Themen, die sich auf die Struktur, den Umfang, die Umsetzung und die Ergebnisse des Umweltmanagementsystems auswirken können, bestimmen. Die internen und externen Themenbereiche beinhalten: > Umweltzustände mit Bezug auf Klima, Luftqualität, Wasserqualität, Bodennutzung, bestehende Kontamination, Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und Biodiversität, die entweder den Zweck der Organisation beeinflussen können oder durch ihre Umweltaspekte beeinflusst werden, > externe kulturelle, soziale, politische, gesetzliche, behördliche, finanzielle, technologische, wirtschaftliche, natürliche und wettbewerbliche Umstände, ob international, national, regional oder lokal sowie > die internen Merkmale oder Bedingungen einer Organisation, wie beispielsweise Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen, strategische Ausrichtung, Kultur und Fähigkeiten. Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien Die Organisation muss hinsichtlich ihres Kontextes außerdem die Erfordernisse und Erwartungen der interessierten Parteien bestimmen. Dies sind alle für sie relevanten internen und externen Stakeholder. Interessierte Parteien können beispielsweise Mitarbeiter, Kooperationspartner und Unterauftragnehmer, Kunden oder Konsumenten, Lieferanten, Behörden, Eigentümer beziehungsweise Anteilseigner, Anwohner, Verbände und Gewerkschaften sowie Dachorganisationen sein. Die Nachweise für die Umsetzung lassen sich anhand von schriftlichen Zusammenfassungen der bereits dargestellter Maßnahmen, Dokumenten im Zusammenhang mit der Aufstellung von Risiken und Chancen, einfachen tabellarischen Aufzeichnungen und Datenblättern, Eingaben und Fortschreibung in einer Datenbank sowie Aufzeichnungen und Protokollen von Strategie-Meetings erbringen. Obwohl es nicht explizit gefordert ist, wird eine Dokumentation der Ergebnisse, um einen beständigen und wiederholbaren Prozess zu gewährleisten, empfohlen. Auch wenn Kapitel 4.1. eine neue Anforderung im Vergleich zu den aktuell gültigen Fassungen der Norm ist, wer- 36 UmweltMagazin September 2016

Bereit für volle Power? den die meisten Nutzer es nicht als wesentliche Änderung sehen. Viele Unternehmen haben schon einen internen Prozess verankert. Dies belegt auch eine von DNV GL durchgeführte Umfrage: Rund 16 % der Teilnehmer sind der Meinung, die Anforderungen der zukünftigen Standards komplett zu erfüllen. Dabei ist allerdings ein Unterschied zwischen Anwendern der ISO 14001 und der ISO 9001 zu erkennen: Bei der ISO 14001 waren sich 21 und bei der ISO 9001 rund 14 % sicher. Führung und Verpflichtung Das Kapitel 5.1. zielt darauf ab, der Rechenschaftspflicht mehr Gewicht zu verleihen. Es fordert vom Top-Management, Führung und Verpflichtung in Bezug auf das Managementsystem zu zeigen. Das Kapitel stellt deutlich heraus, dass von der obersten Leitung erwartet wird, sowohl die Rechenschaftspflicht für die Wirksamkeit zu übernehmen als auch sicherzustellen, dass es die beabsichtigten Resultate erzielt. Die Ergebnisse der Umfrage zu diesem Kapitel zeigen, dass Unternehmen die Integration der UMS-Anforderungen in die Geschäftsprozesse der Organisation mit 44 % deutlich als die schwierigste Aufgabe betrachten, mit 34 % gefolgt von der Herausforderung, die Rechenschaftspflicht für die Wirksamkeit des Systems zu übernehmen. Geeignete Maßnahmen, mit denen Unternehmen die Konformität mit Kapitel 5.1 nachweisen könnten, sind beispielsweise: > die aktive Mitwirkung bei der Strategieentwicklung, der Politik sowie den Businessplänen, inklusive Einsatz und Berichtswesen, > die aktive Mitwirkung bei der Festlegung der Zielvorgaben, der Leistungsbewertung und den Follow-up-Aktivitäten, > Führungskräfte, die den Einsatz des prozessorientierten Ansatzes sowie die Etablierung der risikobasierten Denkweise auch in Bezug auf die Prozesse fördern und Vorantreiben, > klar definierte und nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und Befugnisse sowie > Besprechungsprotokolle, Tätigkeitslisten und andere Mittel regelmäßiger Kommunikation, die wichtige UMS-Themen betreffen. Maßnahmen zum Umgang mit Chancen und Risiken Bei der Planung ihres Umweltmanagementsystems müssen Unternehmen ihren spezifischen Kontext und den Anwendungsbereich des Managementsystems berücksichtigen. Dabei sind die Risiken und Chancen zu bestimmen, und zwar in Verbindung mit den Umweltaspekten, den bindenden Verpflichtungen, den identifizierten Themen und Anforderungen aus dem Kontext der Organisation sowie den Erfordernissen und Erwartungen der interessierten Parteien. Als besondere Form von Risiken sollen dabei auch potenzielle Notfallsituationen bedacht werden. Wie bereits in der ISO 14001:2004 sind Unternehmen verpflichtet, ihre Umweltaspekte und deren Umweltauswirkungen zu bestimmen. Weiterhin müssen sie unter festgelegten Kriterien die bedeutenden Umweltaspekte und Umweltauswirkungen bestimmen und im Zusammenhang mit ihren Umweltaspekten bindende Verpflichtungen hinsichtlich der Risiken und Chancen betrachten. Zusätzlich sind geeignete Maßnahmen, in Bezug auf die bedeutenden Umweltaspekte und Umweltauswirkungen, die bindenden Verpflichtungen und die identifizierten Risiken und Chancen, zu entwickeln. Bewertung der Umweltrisiken Eine wichtige Neuerung der ISO 14001:2015 ist die ausdrückliche Anforderung, die eigenen Umweltaspekte unter Berücksichtigung ihres Lebenswegs zu bewerten. Das bisherige Konzept zu vor- und nachgelagerten Bereichen wird dadurch vereinfacht. Die große Bedeutung dieses Kapitels ergibt sich besonders durch die Verknüpfung des risikobasierten mit dem prozessorientierten Ansatz. Risikoregister sind ein bewährtes, von vielen Unternehmen genutztes Instrument zum Umgang mit den Energieverbräuche analysieren Ressourcen und Abfälle verzeichnen Umweltprogramme umsetzen Risiken minimieren EcoWebDesk erleben: 11.–13.10.2016 Messe Hamburg Stand B6F09 Mit EcoWebDesk stärken Sie Ihr Umweltmanagement. Die Profi-Software gibt Ihnen genau das Werkzeug an die Hand, das Sie für Ihren Fachbereich benötigen. Damit Sie alle Aufgaben erfolgreich und effektiv erledigen. Produktvideos und Demo-Version unter: www.umweltmanagement-software.de UmweltMagazin September 2016

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