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09 | 2016

Wasser Bilder: Graf

Wasser Bilder: Graf Aufgrund des geringen Gewichts können die Tanks mit leichtem Gerät transportiert werden. Die neue Kleinkläranlage Graf Klaro Easy XXL mit 130 Einwohnerwerten (EW) arbeitet in unmittelbarer Nähe zum Gebäudekomplex. Sie verursacht 85 % weniger Stromkosten für den Betrieb der Pumpe, zudem entstehen zukünftig 75 % weniger Kosten für die Klärschlammentsorgung. Die Bewohnerstruktur verursacht einen starken Eintrag von Medikamentenrückständen und Desinfektionsmitteln. Auch die unsachgemäße Entsorgung von Inkontinenzwindeln über die Toilette stellt besondere Anforderungen an die Reinigungsleistung der Anlage. In Abstimmung mit den Experten der Westberg-System GmbH aus Tabarz entschieden sich die Verantwortlichen deshalb für die aus zwei jeweils 26 000 l fassenden Carat-XXL-Kunststoff-Klärbehältern und einem 8 500 l fassenden Carat-XL- Schlammfang bestehende Kleinkläranlage. Mit dem dort integrierten Grobfilter werden Feststoffe zurückgehalten, die die biologische Abwasserreinigung beeinträchtigen können. Der zusätzliche Speicher erhöht die Kapazität von 125 auf 130 EW. Kunststoffbehälter sind sicher vor Korrosion Dieter Bomberg, Geschäftsführer des ausführenden Unternehmens, ist von der Qualität der Anlage überzeugt: „Kunststoff korrodiert im Gegensatz zu Beton und Stahl nicht. Wir haben in den vergangenen Jahren 300 Kleinkläranlagen mit der SBR-Technologie von Graf installiert, die alle problemlos funktionieren und die Grenzwerte deutlich unterschreiten.“ Für die Verantwortlichen war zudem wichtig, dass die Kunststofftanks mit leichtem Baugerät eingesetzt werden konnten. Die jeweils 26 000 l fassenden Kunststoffbehälter werden in unmittelbarer Nähe zu den Gebäuden installiert. So wurde die Grünanlage deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen, und es bedurfte keiner befestigten Zufahrt zum Einbauort. Ein Bagger setzte die beiden Klärbehälter parallel zueinander 3,50 m unterhalb der Geländeoberkante auf ein Kiesbett. Danach wurden die DN- 200-Anschlüsse für den Zulauf aus dem Pufferspeicher und die Verbindung zwischen der Vorklärung und dem SBR-Behälter erstellt und anschließend mit Kies mit einer Überdeckung von 80 cm verfüllt. Aufgrund der schnellen Einbringung der Behälter hatte das sechsköpfige Team nach fünf Arbeitstagen das gesamte Projekt abgeschlossen. Die Konstruktion des Behälters sorgt für eine hohe Stabilität und ermöglicht so den Einbau bis zur Tankmitte in Grundwasser. Der Carat XXL kann von einem Lkw mit bis zu 40 t befahren werden. Die Kläranlagen werden in Größen bis 250 EW für die dezentrale Abwasserentsorgung angeboten. Bis zu einer Größe von 125 EW kann sie als Zweibehälteranlage konfiguriert werden. Der Klärbehälter ist konform zur Norm EN 12566–3. Effizientes Klärsystem Ergänzend zum Behälter bietet das Unternehmen als Komplettlösung das Klärsystem Klaro Easy XXL an. Das SBR-Drucklufthebersystem verzichtet komplett auf den Einbau stromführender und beweglicher Teile im Tank. Sämtliche Fördervorgänge übernehmen der druckluftbetriebene Heber im ersten sowie der Ablauf- und der Überschussschlammheber im zweiten Tank, die über einen Hochleistungsluftverdichter betrieben werden. Für besseren Zugang wurden auf Kundenwunsch jeweils drei Zugänge pro Tank realisiert. Durch diese Technologie kann auf wartungsintensive Pumpen verzichtet werden. Dadurch reduzieren sich zudem die Energiekosten gegenüber SBR-Pumpenanlagen. Der Luftverdichter und die weiteren technischen Bauelemente sind in einem Außenschaltschrank aus pulverbeschichtetem Stahlblech integriert. Über einen LAN-Adapter können optional alle wesentlichen Parameter online abgerufen, verändert und dadurch präventiv Störungen vermieden werden. Bei einer Störung wird der Wartungsdienst zudem automatisch per E-Mail oder SMS benachrichtigt. 99 Prozent Reinigungsgrad In die Zweibehälter-Kläranlage können täglich bis zu 20 m3 Abwasser eingeleitet werden. Das gereinigte Wasser wird über eine 750 m lange Verbindung zu einem Vorfluter geleitet. Die Anlage erreicht folgende Reinigungswerte: BSB 5 20 mg/l, CSB 95 mg/l, NH 4 N 14,2 mg/l, N gesamt 16 mg/l. Somit werden die behördlichen Grenzwerte um bis zu 50 % unterschritten. Diese liegen bei: BSB 5 40 mg/l, CSB 140 mg/l, NH 4 N 30 mg/l und N gesamt 19 mg/l. Die Kleinkläranlage ist serienmäßig mit Netzausfallerkennung sowie optional mit einer integrierten Probeentnahme ausgestattet. Mit Modulen zur Denitrifikation, Phosphatentfernung oder auch UV-Hygienisierung kann das Klärsystem an individuelle Anforderungen angepasst werden. Andreas Steigert, Otto Graf GmbH, Teningen, steigert@graf.info 48 UmweltMagazin September 2016

Recht Erschütterungen von Baustellenfahrzeugen oder Straßenbahn können schnell zu einer Belastung für den Menschen werden. Bild: Hartmut910 / pixelio.de Wenn Erschütterungen zur Belastung werden Dauerhafte oder regelmäßig wiederkehrende Erschütterungen, wie sie beispielsweise industrielle Betriebe verursachen, können für die Anwohner zu einer Belastung und für die Anlagenbetreiber zu einem großen Problem werden. Dies betrifft insbesondere ältere Standorte, bei denen die bestmögliche Dämpfung der Erschütterungen durch bauliche Maßnahmen noch nicht berücksichtigt wurde. Der nach - folgende Artikel wird die rechtliche Situation rund um Erschütterungsimmissionen, ihre Messung sowie die vorgeschriebenen Abhilfemaßnahmen überblicksartig darstellen. Der § 3 Abs. 2 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) bestimmt allgemein, dass Erschütterungen relevante Immissionen sind, wenn es sich um stoßhafte, niederfrequente und mechanische Schwingungen fester Körper mit potenziell schädigender oder belästigender Wirkung handelt. Eine für Anlagenbetreiber und Überwachungsbehörden gleichermaßen bundesweit rechtsverbindliche Klärung der Frage, wann Erschütterungsimmissionen auf bauliche Anlagen und auf Menschen in Gebäuden als schädliche Umwelteinwirkungen anzusehen sind, existiert nicht. Die „Hinweise zur Messung, Beurteilung und Verminderung von Erschütterungsimmissionen“ der Bund/Länder- Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz enthalten Beurteilungsmaßstäbe für die Grenzen der Schädlichkeit von Erschütterungsimmissionen, die auf Gebäude und auf Menschen in Gebäuden bei üblicher Nutzung einwirken. Werden diese Beurteilungsmaßstäbe eingehalten, ist immer auch der Gefahrenschutz, insbesondere der Gesundheitsschutz von Menschen, sichergestellt. Rechtsgrundlage: Ministerieller Runderlass und DIN 4150 Die Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft werden in den Bundesländern entsprechend durch Ministerialerlasse umgesetzt, in NRW ist dies etwa der Gemeinsame Runderlass „Messung, Beurteilung und Verminderung von Erschütterungsimmissionen“ des Umweltministeriums NRW und des Städtebauministeriums NRW vom 31. Juli 2000, geändert am 4. November 2003. Er enthält Beurteilungsmaßstäbe zur Konkretisierung der Anforderungen des BImSchG nach Schutz vor schädlichen Erschütterungen. Der Erlass gilt für genehmigungsbedürftige und nicht genehmigungsbedürftige Anlagen einschließlich Baustellen. Er hat den Rang einer Verwaltungsvorschrift, das heißt nur die Verwaltung ist bei der Umsetzung des Immissionsschutzrechts daran gebunden und kann die Vorgaben etwa in Anlagengenehmigungen als Nebenbestimmung mit aufnehmen oder durch Anordnung umsetzen. Nach Ziffer 2.1 des Runderlasses sind Erschütterungsimmissionen schädliche Umwelteinwirkungen, wenn sie nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen. Der Runderlass enthält „Beurteilungsmaßstäbe“, um die Schädlichkeit von Erschütterungen für die Umwelt, Gebäude und Menschen in Gebäuden zu bewerten. Dabei verweist er in Ziffer 2.2 auf die in der DIN 4150 Teil 2 (Erschütterungen im Bauwesen) festgelegter Anhaltswerte als Schwelle zwischen schädlichen und nicht schädlichen Umwelteinwirkungen. Diese Markierung stellt keine scharfe Grenze dar. Sie dient aber als Grundlage für eine Immissionsbeurteilung, die auch die stets besonderen Umstände des Einzelfalls berücksichtigen muss. Die Norm DIN 4150 hat dabei den Rang eines antizipierten Sachverständigengutachtens. Für die Praxis bedeutet dies, dass die Verwaltung zunächst bei der Beurteilung von Erschütterungen an die Vorgaben des Runderlasses und damit der DIN 4150 gebunden ist. Diese Wertungen können durch gleichrangige/andere sachverständige Gutachten UmweltMagazin September 2016 49

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