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09-2019

Special Windenergie Mehr

Special Windenergie Mehr Leistung als Schall 2017 schlossen sich spanischen Windkraftanlagenherstellers Gamesa und die der Windenergiesparte von Siemens zusammen. Jetzt stellt das neue Unternehmen – Siemens Gamesa Renewable Energy – auf der Windmesse Neuentwicklungen vor. Fragen an Gunnar Liehr. Er leitet den Vertrieb für die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Herr Liehr, was stellen Sie auf der Messer erstmals vor? Wir präsentieren unsere neue Onshore SG 5.X-Plattform mit Rotordurchmessern von 170 und 155 Metern mit einer Nennleistung von 6.0 MW. Für diese Plattform sehen wir ein großes Potenzial im deutschen Onshore-Markt, der ja zu mehr als 80 Prozent ein Schwachwindmarkt nach IEC Klassifizierung ist. Es dreht sich also, wenn es fast windstill ist? Ja, speziell mit unserer Schwachwind- Variante mit einem Rotordurchmesser von 170 Metern und einem Referenzertrag von jährlich 23.6 KWh auf 165 Metern Narbenhöhe. Dies setzt einen neuen Benchmark für Onshore in Deutschland. Aber auch in für Standorte mit mittleren Windgeschwindigkeiten bieten wir mit einer Variante mit einem 155 Meter Rotor eine Anlage, die auf die Bedürfnisse der deutschen Kunden zugeschnitten ist. Gunnar Liehr leitet für Siemens Gamesa Renewable Energy den Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie betonen Flexibilität . Was verbirgt sich hinter „Optima Flex“? Das steht für sehr gute Anpassung der Windkraftanlage an den spezifischen Standort und seine jeweiligen Rahmenbedingungen mit dem Ziel der bestmöglichen Wirtschaftlichkeit über die Lebensdauer. Diesen Ansatz haben wir in den letzten Jahren stetig entwickelt, um standardisierte und damit kosteneffiziente Windkraftanlagen zu fertigen. Diese passen wir dann zusammen mit unseren Kunden durch Steuerungstechnik optimal an den spezifischen Standort und die Anforderungen des Projekts, wie etwa zulässige Schallemissionen, an. Dieses Zusammenspiel ist uns speziell bei der SG 5.X gut gelungen. Wie wichtig sind Geräusche? In dicht besiedelten Deutschland sind bei Onshore-Windkraftprojekten diverse Restriktionen zu berücksichtigen, die Bild: Siemens Gamesa Renewable Energy Schallschutz Windenergieanlagen erzeugten durch Luftverwirbelungen an den Rotorblättern sowie durch Getriebe und Generator der Anlagen Betriebsgeräusche. Die Anlagen müssen daher nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt werden. Die Lärmimmissionen werden nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) beurteilt. Ziel ist, den Geräuschpegel je nach Standort und Abstand zur benachbarten Bebauung zu begrenzen. Für angrenzende Industriegebiete sind andere Werte vorgegeben als für Wohngebiete unterschiedlicher Größe und Bebauungsdichte. Ein wichtiger Messfaktor ist der Schallleistungspegel am Emissionsort – also die am relevanten Messort in der Umgebung wahrnehmbaren Geräusche. für die Akzeptanz bedeutsam sind. Die Schallperformance einer Anlage spielt hie eine zentrale Rolle. Darunter verstehen wir mehr als nur den Schallleistungspegel einer Windkraftanlage, vielmehr sind die zugehörigen sogenannten Oktavbanddaten der Anlage bestimmend für die Ermittlung des genehmigungsrelevanten Schallleistungspegels am Emissionsort. Wie leise ist die neue Plattform? Im direkten Vergleich zum Wettbewerb ist sie um circa 1.5 dBA leiser - oder sie bringt zirka 350 kW mehr Leistung bei gleichem Schallleistungspegel am Emissionsort. Entsprechend höher fällt der Ertrag aus und die Anlage wird wirtschaftlicher. Und ich bin sicher, dass wettbewerbsfähige leise Windkraftanlagen die Akzeptanz erhöhen. Windstärke: klassifiziert Windenergieanlagen müssen für die am Standort anzutreffenden Windgeschwindigkeiten geeignet sein. Die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) mit Sitz in Genf unterscheidet hier drei Windklassen: IEC I, II und III. Diese werden durch die Referenzgeschwindigkeit und die Turbulenzintensität am Standort definiert. IEC I legt Werte für Starkwind-Anlagen fest, IEC II für Mittelwind- und IEC III für Schwachwind-Anlagen. Die unterschiedlichen Anforderungen hat die IEC in internationalen Norm für Windenergieanlagen festgelegt: der IEC 61400. Die Norm legt Anforderungen an die Konstruktion dieser Anlagen fest, um sicherzustellen, dass diese sachgerecht und schadensfrei betrieben werden können. Standorteignung, Montage sowie Betrieb und Wartung werden hier berücksichtigt. In Deutschland überwiegen – abgesehen von unmittelbaren Küstenregionen – Anlagen gemäß der Windklassen IEC II und III. Welches wirtschaftliche Ziel verfolgt Siemens Gamesa? Wir wollen in Deutschland im Onshore-Bereich zu den Top-3-Playern gehören. Im Offshore-Bereich sind wir bereits in einer führenden Position. Unser Ziel ist ein Marktanteil von mindestens 20 Prozent. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere neue 5.X-Plattform das Produkt ist, mit dem wir dieses Ziel erreichen werden. Das Interview führte Almuth Stammen, Pressebüro Husum Wind, stammen@raikeschwertner.de 28 UmweltMagazin September 2019

Windenergie Special Unterirdisch Löschwasser vorhalten Brennen Windräder, wird es gefährlich. Um Immobilien oder Waldflächen zu schützen, fehlt oft ausreichend Löschwasser. Feuerwehren können im Einzelfall vor Ort ein Wasserreservoir einfordern. Windenergieanlagen (WEA) brennen selten. Auf dem Höhenzug des Langenhard im badischen Lahr brannte jedoch am 8. Februar 2019 zum zweiten Mal ein Rotorblatt nach einem technischen Defekt im Generatorhaus. Die Feuerwehren aus Lahr und Seelbach, auf dessen Gemarkung der Windpark steht, konnten auch diesmal wie am 25. September 2013 nichts anderes tun, als das Windrad „kontrolliert abbrennen“ zu lassen und mit der Polizei die Umgebung abzusperren. Es galt, einen Waldbrand zu verhindern. Nach fünf Stunden, morgens gegen 8 Uhr, war das Feuer schließlich erloschen. Bis in 300 m Entfernung lagen Glasfaserteile am Boden. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera wurde das Gebiet per Helikopter und Drohne weiträumig auf Glutnester abgesucht. Der Schaden betrug mehrere Hunderttausend Euro. 2013 betrug die Schadenssumme gar mehrere Millionen Euro, nachdem innerhalb einer Stunde eines der drei 38 m langen Rotorblätter in Flammen stand und mit seinen 9 t Gewicht in ein angrenzendes Waldstück fiel. Die Anlage wurde 2016 wieder aufgebaut. Drei Windräder stehen seit 2005 auf dem Langenhard bei Lahr. Der dortige Bautyp ist weltweit 800 Mal errichtet worden. Viele mögliche Brandursachen Brände können insbesondere in der Gondel, im Turm und in der Umspannstation entstehen. Typische Ursachen sind Blitzschlag, Fehler in elektrischen Einrichtungen, Funkenflug durch Überlastung mechanischer Bremsen sowie feuergefährliches Arbeiten im Rahmen von Wartungs- und Reparaturarbeiten. Brennbare Komponenten sind Eine Windenergieanlage brannte 2013 auf dem Höhenzug des Langenhard im badischen Lahr. Die Feuerwehr versuchte vor allem, einen Waldbrand durch brennende Teile zu verhindern. Eines der drei 9 t schweren, 38 m langen Rotorblätter aus Kunststoff stürzte brennend in das angrenzendes Waldstück. Elektrokabel, Getriebe-, Transformatorund Hydrauliköle, das Maschinenhaus selbst wie auch die meist aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigten Rotorblätter. Keine Löschwasserpflicht Windanlagenbetreiber müssen per Gesetz kein Löschwasser bereithalten. Daher fehlt dies am exponierten WEA- Standorten oft in ausreichend Menge. Bilder: Christoph Breithaupt Ein öffentliches Netz mit Hydranten ist weit entfernt, Löschwasserteiche lassen sich auf Bergkuppen oder im Wald schlecht realisieren und Tanklöschfahrzeuge, falls bei der Feuerwehr vorhanden, sind nicht für jedes Gelände geeignet. Feuerwehren müssen aber nach dem Feuerwehrgesetz Löschwasser etwa durch Hydranten oder Löschfahrzeuge bereithalten. Ist dies jedoch nicht möglich, dürfen sie vom Betreiber das Bereitstellen von Löschwasser vor Ort als Teil der Baugenehmigung verlangen. Dies führt vielfach dazu, dass an entlegenen Standorten unterirdische Behälter aus Stahlbeton gebaut und mit Trink- oder Regenwasser gefüllt werden. Auch örtliche Genehmigungsbehörden können in Abstimmung mit der Feuerwehr Bedingungen für dessen Bau und Betrieb vorschreiben. Zusätzlich sollten die Anlagenbetreiber den vorbeugenden Brandschutz vorab auch mit ihrer Versicherung klären. Vorbild Windpark Kreuzstein Auf einem seit dem Orkan Kyrill 2007 fast baumlosen Hochplateau im Kaufunger Wald östlich von Kassel entstand zwischen Juli 2016 und September 2017 der Windpark Kreuzstein. Acht WEA können seither 21.000 Haushalte in Kassel mit Strom versorgen. Sechs nordhessische Stadtwerke haben dazu mit der Stadtwerke Union Nordhessen ein gemeinsames Unternehmen gegründet. Da die Windräder von Wald umgeben sind, verlangte das Brandschutzkonzept den Bau von drei Löschwasserbehältern mit je 32 m3 Nutzvolumen. Diese wurden als Betonfertigteile geliefert, die Halbschalen per Autokran in die Baugruben versetzt und von einem Team des Herstellers vor Ort montiert. Die unterirdischen Tanks sind auf dem Gelände des Windparks verteilt und nicht miteinander verbunden. Sie wurden nach Fertigstellung durch Tankfahrzeuge mit Wasser befüllt. Die Fertigteilbauweise hat den Vorteil der schnellen Betriebsbereitschaft bei gleichzeitig hoher Belastbarkeit. Klaus Werner König, Fachjournalist Überlingen am Bodensee, mail@klauswkoenig.com UmweltMagazin September 2019 29

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