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09-2019

Energie Auf einem Platz

Energie Auf einem Platz der AÜW bei Sulzberg stehen nebeneinander vier Container mit Batteriespeichern. Direkt davor steht die Mittelspannungsstation. genommene Großspeicher ist hier die logische Fortsetzung der konsequenten Innovationspolitik des mittelständischen Allgäuer Versorgers. Auch bei Smart Power sieht man die Entwicklung positiv. Speicheranwendungen werden zweifellos rapide zunehmen. Wer allerdings in den nächsten zwei bis drei Jahren weiter sinkende Preise erwartet, hat wohl eher mit Zitronen gehandelt, denn durch die Nachfrage aus dem Automobilbereich arbeiten inzwischen alle Zellhersteller an der Kapazitätsgrenze. Erst wenn neue Produktionskapazitäten aufgebaut sind, wird sich hier die Situation entspannen. Die aktuelle Stagnation der Preisdegression stellt aber nach Ansicht von Smart Power noch keinen Engpass dar, denn intelligente Einsatzfälle bei Energieversorgern, Stadtwerken und auch in Industriebetrieben sind bereits jetzt in vielen Fällen sehr wirtschaftlich. Die acht Transformatoren für das Kombikraftwerk werden angeliefert und montiert. sind klimatisiert und beinhalten neben den Batterieracks auch die Wechselrichtereinheiten. Die Anlage ist über acht Mittelspannungstransformatoren ans Stromnetz der AllgäuNetz angeschlossen. Die gemeinsame Arbeit, den Großspeicher mit der Gasturbine zu verknüpfen und somit Deutschlands erstes Hybridkraftwerk mit Genehmigung zum Regelbetrieb in Betrieb zu nehmen, hat sich gelohnt. Die Präqualifizierung hat der Übertragungsnetzbetreiber Amprion im Februar erteilt. „Somit haben wir die Erlaubnis das erste Hybridkraftwerk in Deutschland, bestehend aus einem Großspeicher in Verbindung mit einer Gastrubine im Sekundärregelenergiemarkt zu vermarkten“, betont Häusler. Die Idee dabei ist, die Zeiten, die die Gasturbine benötigt um anzufahren, mit dem Batteriespeicher zu puffern und somit im Sekundärregelenergiemarkt teilnehmen zu können. Mehr und mehr Speicher Der 16 MW-Großspeicher ist nicht das erste innovative AÜW-Speicherprojekt. Zusammen mit egrid, einem Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und der Allgäuer Überlandwerk GmbH, wurden im Allgäuer Stromnetz bereits sechs große Batteriespeicher installiert. Diese optimieren seit Anfang 2018 die Stabilität des Stromnetzes. Diese Speicheranwendungen unterstützen das innovative Netzmanagement bei AÜW also bereits an verschiedenen Stellen. Der neu in Betrieb Bilder: AÜW Speicher werden preiswerter Die nächste Runde an Kostensenkungen wird aber kommen, denn weltweit werden derzeit zahlreiche Zellfertigungen geplant oder in Betrieb genommen. Bis 2020 rechnet man weltweit mit Fertigungskapazitäten von jährlich 176 GWh gegenüber 28 GWh im 2016. Auch die Mischoxid- Speicher werden preiswerter. Man kann deren Kostenentwicklung mit der von PV-Modulen vor rund zehn Jahren vergleichen. Diese Kostendegression führte damals dazu, dass heutzutage PV-Strom fast in allen Regionen der Erde letztendlich fast die günstigste Form der Energiegewinnung darstellt und die Basis für den Energiemix der Zukunft bildet. Eine ähnliche Marktentwicklung für Speicher, sowohl für Netzanwendungen, als auch insbesondere für die E-Mobilität steht uns sicher bevor. Interessante Entwicklungen, gerade auch im Blick auf das passende Zitat von Albert Einstein: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Thorsten Häusler, AÜW, Projektleiter und Leiter Erzeugung, Allgäuer Überlandwerk, thorsten.haeussler@aeuw.de & Hans Urban, Business Development Smart Power urban@smart-power.de. 42 UmweltMagazin September 2019

Management Nachhaltigkeit duldet keinen Aufschub Global agierende Chemieunternehmen haben sich zusammengeschlossen, damit ihre Lieferketten nachhaltiger agieren. ... Nachhaltigkeit ist in aller Munde und aus Diskussionen weltweit nicht mehr wegzudenken. Stichworte sind Herausforderungen im Bereich Kreislaufwirtschaft, Plastikmüll oder Zero-Waste-Initiativen. Umweltaspekte rücken stärker in das Bewusstsein der Menschen. Auch das Thema Menschenrechte wie beim Abbau von Konfliktmineralien beeinflusst mehr und mehr das Verhalten von Konsumenten und lässt die Forderung nach fairem Umgang mit Arbeitskräften und die Null-Toleranz gegenüber Kinderarbeit immer lauter werden. Diesen Diskussionen stellen sich auch global tätige Chemie-Unternehmen. Wir wissen um unsere Verantwortung und sind entschlossen, diese Herausforderungen anzugehen und sie mit innovativen Herstellungsprozessen, -methoden und Produkten zu meistern. Denn eines ist klar: Der Sinneswandel zu nachhaltigerem Geschäftsgebaren duldet keinen Aufschub mehr. Wenn wir zukünftigen Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen möchten, dann müssen wir handeln, und zwar jetzt! Kräfte bündeln, Synergien nutzen Ein Unternehmen allein kann sich dieser gewaltigen Aufgaben nicht annehmen. Betrachtet man die Komplexität der globalen Wertschöpfungsketten, in denen die TfS-Mitglieder aktiv sind, sprechen wir von mehreren hunderttausend Beteiligten. Im Jahr 2011 stellten sich fünf meiner Kollegen und ich, die wir alle in der Einkaufsverantwortung internationaler Chemiekonzernen stehen, die Frage: Was wäre, diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen? Unsere Kräfte im Sinne der Nachhaltigkeit in den Lieferketten der chemischen Industrie zu bündeln und somit positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeitsleistungen unserer Lieferanten zu nehmen? Diese Idee war die Geburtsstunde der Initiative Bertrand Couqueret, Mitgründer der TfS-Initiative „Together for Sustainability“-Initiative, kurz TfS. Unser Leitsatz „Ein Audit für einen ist ein Audit für alle!“ spiegelt nach wie vor die Kernidee von TfS wider: Synergien nutzen, um der zunehmenden Forderung nach Transparenz eigener und lieferantenseitiger Nachhaltigkeitsansprüche zu genügen, und gleichzeitig Lieferketten insgesamt nachhaltiger zu gestalten. Damit trägt TfS auch zur Implementierung der Prinzipien des United Nations (UN) Global Compacts bei. Der UN Global Compact ist die weltweit größte und bedeutendste Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung, die auf den 10 universellen Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention und den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung der UN (Sustainable Development Goals) beruhen. TfS wächst: Die sechs Gründungsmitglieder sind BASF, Bayer, Evonik Industries, Henkel, Lanxess sowie Solvay. Mittlerweile gibt es 23 TfS-Mitgliedsunternehmen aus verschiedenen Ländern in Europa, sowie den USA und Asien. Als letztes Unternehmen wurde Anfang 2019 mit der Wanhua Chemical Group erstmals ein chinesisches Unternehmen aufgenommen. Dies bedeutete einen großen Schritt, da China mit einem Umsatz von 1,29 Billionen Euro den größten Bezugsmarkt von Chemieprodukten weltweit darstellt. Es illustriert auch die Integrationskraft, die TfS mittlerweile und weltweit ausstrahlt. Das kontinuierliche Mitgliederwachstum Bild: Henkel erhöht nicht nur die geografische, sondern auch die strategische Reichweite von TfS: Je mehr chemische Unternehmen sich der Initiative anschließen, desto stärker können wir zusammen die Lieferketten durchdringen und desto größer werden die Möglichkeiten, positiven Einfluss auf die Nachhaltigkeitsattribute unserer Lieferanten zu nehmen. Wie funktioniert TfS? Die TfS-Mitgliedsunternehmen bewerten selektierte Lieferanten weltweit durch Online-Assessments und Vor- Ort-Audits hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistungen. Selektionskriterien sind etwa die strategische Bedeutung eines Lieferanten, sein Herkunftsland, die Risikobewertung der bezogenen Materialien und der mit ihnen verbundenen Wertschöpfungskette. Im Anschluss an die Evaluierung teilen wir nach Zustimmung der Lieferanten die Ergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse unter allen TfS-Mitgliedern und arbeiten mit den Lieferanten an der weiteren Verbesserung ihrer Nachhaltigkeitsleistungen. Insbesondere die auf die aktuelle Ist- Stand-Erhebung folgende individuelle Darstellung möglicher Verbesserungsbereiche hilft den Lieferanten bei der Planung und Umsetzung konkreter Verbesserungsmaßnahmen in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Das fängt an bei praktischen Tipps zu Energieeffizienzsteigerung bis hin zu komplexeren und strategischen Themen wie der Einführungen von Richtlinien und Leitfäden. Insgesamt wird so jeder einzelne Beteiligte in die Lage versetzt, einen umfassenderen Teil des jeweiligen Lieferantenbestands hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistungen einschätzen, und mit ihnen an Verbesserungen arbeiten zu können. Seit der Gründung hat die Initiative mehr als 12.000 Lieferantenbewertungen in Form von Audits und Assessments durchgeführt. Auch dank der wachsenden TfS-Gemeinschaft und der steigenden Zahl ihrer internationalen Mitglieder haben wir es in den vergangenen Jahren geschafft, einen Nachhaltigkeitsstandard für die chemische Industrie zu etablieren, auf den wir sehr stolz sind! UmweltMagazin September 2019 43

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