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09-2019

Energie ISC 3

Energie ISC 3 -Präsident Friedrich Barth hat im Mai dem Ingenieur Mario Heredia Salgado aus Ecuador und Gründer des Unternehmen „Andes Bioenergy“ den Preis für „Entrepreneurial Spirit in Green & Sustainable Chemistry“ überreicht. Bild: ISC 3 Start-ups als wesentliche Treiber Ein Schwerpunkt des ISC 3 ist die weltweite Förderung von innovativen Lösungen und Start-ups durch den „ISC 3 -Innovation Hub“ in Frankfurt. Dessen Leiter, Andreas Förster, ist überzeugt, dass Start-ups einen ganz wesentlichen Beitrag zur positiven Veränderung des Chemiesektors leisten können. „Wir brauchen einen Innovationsschub durch Gründerinnen und Gründer, die etwas bewegen und verändern wollen. Und wir brauchen für diese Innovatoren Rahmenbedingungen, die helfen nachhaltige Lösungen an den Markt zu bringen. Nur so können sie ihre Visionen und Ideen erfolgreich verwirklichen.“ Trotz verschiedenster nationaler und sektoraler Initiativen gibt es bislang kein funktionierendes globales Unterstützungsprogramm, das sich explizit für die Belange von Gründern auf dem Gebiet der Nachhaltigen Chemie einsetzt. Um diese Lücke zu schließen, hat das Innovation Hub im Dezember 2018 den „ISC 3 -Global Start-Up Service“ (GSS) ins Leben gerufen. Dieser unterstützt Startups bei den speziellen Herausforderungen in der Chemiebranche: beim Zugang zu Laboren und Geräten, bei der Suche nach Partnern und Kunden in der Finanzierung und der Vermarktung nachhaltiger Lösungsansätze. Mit dem globalen Ansatz und der konsequenten Ausrichtung auf nachhaltige Chemie unterscheidet sich der GSS deutlich von anderen bereits etablierten Unterstützungsmaßnahmen für Start-Ups. Der Innovation Hub nutzt diesen Service auch, um innovative Firmen mit Finanzgebern zu vernetzen. So findet seit 2018 jährlich ein „ISC 3 -Investor Forum“ statt: 2018 erstmalig, in Frankfurt, mit mehr als 120 internationalen Investoren, Innovatoren und Industrievertretern aus der Kunststoffindustrie/Kreislaufwirtschaft. Die zweite Veranstaltung am 6. Dezember 2019 wiederum in Frankfurt am Main wird ein breites Themenspektrum umfassen. „Biokohle“ aus Bioabfall Der Pool des Global Start-up Services umfasst bereits 50 Start-ups aus 22 Ländern. Dazu zählt das Start up-Unternehmen „Andes Bioenergy“ von Mario Heredia Salgado aus Ecuador. Der Ingenieur schuf auf Grundlage seiner wissenschaftlichen Arbeit ein neues Verfahren, um „Biokohle“ aus Biomasseabfällen von Landwirten herzustellen. Die für die Produktion benötigte Energie stammt dabei aus dem gleichen Prozess. Diese Biokohle können Landwirte zur Bodenverbesserung nutzen, um ihren Ernteertrag zu erhöhen. Auch degradierte Flächen lassen sich damit wiederherzustellen. Salgado hat bereits die grundsätzliche technische Machbarkeit des Verfahrens nachgewiesen. In Ecuador hat er zudem mit lokalen und internationalen Partnern ein Pilotprojekt erfolgreich durchgeführt. Der ISC 3 -Innovation Hub hat das Start-up in seinen „Customized Start-up Service“ aufgenommen, durch den das Start-up in seiner weiteren Entwicklung durch Außendarstellung, Coaching, Vermittlung von Partnern und anderen Serviceleistungen unterstützt wird. Neben dieser individueller Förderung erhielt der noch an der Universität von Aveiro in Portugal promovierende Wissenschaftler eine gemeinsame Auszeichnung des ISC 3 und der Elsevier Foundation: den Preis für „Entrepreneurial Spirit in Green & Sustainable Chemistry“. Die Innovation überzeugte die Jury, weil das Konzept mehrere nachhaltige technische Ansätze aus den Bereichen Abfallwirtschaft, Erzeugung erneuerbarer Energien und Nutzung von biogenen Quellen umfasst. Auch Evoware aus Indonesien ist ein Start-up, das durch das ISC 3 -Innovation Hub unterstützt wird. Das kleine Unternehmen stellt ein biologisch abbaubares Verpackungsmaterial aus Seegras als natürlichem Rohstoff her. Das Material kann herkömmliche Plastikmaterialien ersetzen und ist sogar essbar und nährstoffreich und somit vielseitig für Lebensmittelverpackungen einsetzbar. Evoware hat bereits zahlreiche Preise erhalten und hat auf Einladung des ISC 3 -Innovation Hubs an der Innovationsausstellung des Zentrums im Rahmen der Achema 2018 ausgestellt. Nicht nur das. Das ISC 3 hat in diesem Jahr erstmalig den ISC 3 -Innovationspreis für Start-ups ausgeschrieben. Dieser wird jedes Jahr wechselnde Fokusthemen haben. Der für diese erste Ausschreibung liegt auf nachhaltigem Bauen und Wohnen. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird im Mai 2020 im Rahmen der Sustainable Chemistry Week in Bonn verliehen, einer zentralen Veranstaltung des ISC 3 . Auch will das Kompetenzzentrum weltweit Kooperationen mit Partnern nach dem Motto „think global, act local“ aufbauen. Erste solcher Partnerschaften gibt es mit Institutionen und Organisationen aus Indien, Uruguay, Ägypten und den USA. Ein solcher Partner ist Think Beyond Plastic, eine Denkfabrik aus den USA, die sich nachhaltigen Lösungen für die so genannte „New Plastics Economy“ widmet. Die konkrete Förderung und Vernetzung von Start-ups, die mit ihren Ideen und Innovationen einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten möchten, bleibt dabei das zentrale Element Aktivitäten des Innovation Hub. Zudem gehören Studierende, Forschende und Menschen aus der Praxis mit innovativen Ideen zur Zielgruppe des GSS. „Das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung der Start-ups ist die Wertigkeit der Idee und ihr nachhaltiger Impact“, so Förster. Ein besonderer Schwerpunkt des Global Start-up Services liegt auf der Förderung von UnternehmerInnen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, denn hier wird die größte Hebelwirkung für nachhaltige Lösungen gesehen – auch in Anbetracht der Verlagerung von Produktion und Konsum von chemischen Produkten und Prozessen in den globalen Osten und Süden. Nils Decker, Innovationsmanager am ISC 3 -Innovation Hub nils.decker@dechema.de Alexis Bazzarella, Co-Direktor des ISC 3 -Innovation Hubs alexis.bazzanella@dechema.de 46 UmweltMagazin September 2019

Messtechnik Bequem kontrollieren Leichtflüssigkeitsabscheider etwa an Tankstellen sichern Grundwasser und Gewässer vor giftigen Chemikalien. Die Betreiber müssen die Abscheider selbst kontrollieren und warten. Eine Wartungs-App für Smartphone oder Tablets erleichtert dies. Abscheider für mineralische Leichtflüssigkeiten sollen Abwässer von Benzin, Diesel und Motorenölen reinigen. Dies sind im Sinn des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) wassergefährdende Flüssigkeiten. Sie dürfen weder direkt in Kanalisation und Kläranlagen eingeleitet werden noch indirekt in Gewässer gelangen. Der Gesetzgeber verlangt im Anhang 49 zur Abwasserverwaltungsvorschrift, solche Flüssigkeiten am Ort ihres Anfalls aus dem Abwasser zu entfernen und gesondert zu entsorgen. Betroffen sind Betriebe, die Kraftfahrzeuge betanken, reparieren, warten oder reinigen sowie alle Unternehmen, die Benzin, Diesel, Motorenöle noch lagern oder verwenden. Bei den Herstellern ist es heute Standard, dass alle Anlagen werkseitig mit den strömungstechnischen Einrichtungen vorausrüsten und den Abscheider somit komplett einbaufertig zur Baustelle liefern. Der Einbau erfolgt unterirdisch, vielfach unter Verkehrsflächen, weshalb das Bauwerk in aller Regel auf Lkw-Befahrbarkeit (Lastklasse SLW 60) ausgelegt sein muss. Dabei müssen bei Herstellung, Einbau und Betrieb der Leichtflüssigkeitsabscheider – umgangssprachlich Ölabscheider – Vorgaben mehrere Normen eingehalten werden. Für den Erdeinbau der Anlagen ist etwa ein Nachweis nach Ein Leichflüssigkeitsabscheider Klasse I und Klasse II mit integriertem Schlammfang. Bilder: Mall der DIN-Norm „Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten und Fette – Nachweis der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit“ (DIN 19901) Ausgabe 2012 –12 notwendig. Bei Anlieferung zur Baustelle hebt dazu der Ladekran des Lkw den Abscheider üblicherweise direkt in die Baugrube. Die Montagearbeiten vor Ort einschließlich der Anbindung an die Zu- und Ablaufleitung beanspruchen dank der werkseitigen Vorausrüstung und der mitgelieferten Schachtaufbauteile nur wenige Stunden. Das Einbauunternehmen muss dabei sicherstellen, dass der Schachtaufbau dauerhaft dicht ausgeführt ist. Nach Fertigstellung der Montage kann die Baugrube sofort mit dem Aushubmaterial verfüllt und die Anlage in Betrieb genommen werden. Und da gibt es zwei EU-weite Normen für Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten (DIN EN 858–1 und 858–2) sowie zwei deutsche Restnormen für solche Abscheider (DIN 1999–100 und 1999–101). Um einen zuverlässigen und störungsfreien Betrieb zu gewährleisten, schreibt die DIN 1999–100 regelmäßige Eigenkontrollen und Wartungen vor. Betreiber können – nach der Teilnahme an einem Sachkundelehrgang – diese monatlichen Eigenkontrollen und halbjährlichen Wartungen selbst durchführen. Bei Wind und Wetter mit dem Betriebsbuch-Ordner auf den Knien, ist diese Aufgabe mitunter ein ungemütlicher Job. Sie müssen im Abscheider etwa die Schlammschichtdicke messen als auch oben die Höhe der Malls benutzerfreundliche Wartungs-App auf einem Smartphone. Ölschicht, die oben drauf schwimmt. Visuell wird auch nach Verschmutzungen in den Zu-, Ablaufleitungen und den Betriebseinrichtungen geschaut und geprüft, ob die Warneinrichtung noch funktioniert. Die Messungen und Beobachtungen werden in das Betriebstagebuch eingetragen. Die Wartungs-App „RecaCheck“ von Mall vereinfacht dies nun: Alle Daten kann der Betreiber direkt in ein Smartphone oder Tablet eintragen. Die App ist kostenlos bei Google Play und im App Store erhältlich. Die Menüführung der App sorgt dafür, dass der Betreiber keine wichtigen Messungen oder Daten übersieht. Die Messdaten werden protokolliert und gesichert. Bei Bedarf können die Daten als pdf-Dokument visualisiert und anschließend per E-Mail verschickt werden, um sie im Büro auszudrucken und ins Betriebsbuch einzuheften. Innerhalb der Anwendung können außerdem Betreiber- und Anlagendaten gepflegt und Protokolle verwaltet werden. Mall Umweltsysteme verdient mit der Wartungs-App kein Geld. Wartung und Eigenkontrolle gehören untrennbar zur Betriebssicherheit der Abscheideranlagen. Die Dokumentation der Arbeiten wird über die wasserrechtliche Erlaubnis oder die Einleitgenehmigung verpflichtend. Ziel ist es dies für die Betreiber zu vereinfachen und für die behördliche Überwachung transparent zu machen. Tom Kionka, Fachjournalist, Büro für umwelTKommunikation, tom.kionka@t-online.de UmweltMagazin September 2019 47

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