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09-2019

Organschaften Neue

Organschaften Neue Weichenstellungen bei ISO-Umweltmanagement-Normen Das Technische Komitee ISO/ TC207 traf sich erstmalig zur Weiterentwicklung der Normenfamilie ISO 14000 in Deutschland. Fachleute diskutierten in Unterausschüssen über künftige Anforderungen an verschiedene Normen. Ein Überblick. Die Mitglieder der deutschen Delegation bei der Eröffnungsveranstaltung im BMU. Vom 3. bis 7. Juni 2019 reisten mehr als 300 Delegierte, Experten, Vertreter von Liaison-Organisationen und Beobachter aus rund 35 Ländern zur Jahresveranstaltung des Technischen Komitees ISO/TC207 nach Berlin. Erstmals richtete Deutschland die Plenarsitzung dieses Komitees aus. Die deutsche Delegation war deshalb mit mehr als 20 Personen stark repräsentiert, um die nationalen Interessen in den Sitzungen der Unterausschüsse (SC) und Arbeitsgruppen (WG) zu vertreten. Die Auftaktveranstaltung am Beginn der Sitzungswoche fand im Bundesumweltministerium unter Schirmherrschaft von Ministerin Svenja Schulze und mit großer Beteiligung der Normungsexperten statt. SC1: Umweltmanagement In Vorbereitung auf die für 2020 erwartete Entscheidung einer Revision der ISO 14001 traf sich eine Arbeitsgruppe, um über künftige Herausforderungen zu sprechen. Es zeigte sich kein dringender Bedarf für größere inhaltliche Änderungen, obgleich viele der bereits für die letzte Revision bearbeiteten Themen weiterhin aktuell sind. Der Fokus liegt in der Positionierung von ISO 14001 zu internationalen politischen Agenden, der Herausstellung des Nutzens von Umweltmanagementsystemen, der Berücksichtigung neuer Technologien und Geschäftsmodellen. Fred Wenke wurde als neuer Leiter der SC1-Arbeitsgruppe benannt. Die Normenfamilie ISO 14000 soll um die ISO 14002 ergänzt werden. Diese Norm soll aus mehreren Teilen bestehen und Organisationen aller Art und Größe Hilfestellungen an die Hand geben, um im Rahmen ihres Umweltmanagementsystems Maßnahmen treffen zu können, um konkrete Umweltaspekte zu managen oder auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren. Der erste Teil der ISO 14002 soll allgemeine Leitlinien vermitteln und die Grundstruktur für die nachfolgenden Teilnormen bilden. Unter Leitung von Christoph Töpfer und mit Unterstützung durch ein DIN geführtes Sekretariat bearbeitete die Arbeitsgruppe (SC1/WG11) alle eingegangenen Kommentare zum Vollentwurf (DIS), dem bereits vor der Sitzung in Berlin zugestimmt wurde. In Kürze wird entschieden, ob ein finaler Entwurf (FDIS) notwendig ist oder die Veröffentlichung direkt eingeleitet werden kann. Der erste Teil der ISO 14002 soll bis Beginn 2020 veröffentlicht werden. Darüber hinaus diskutierte die Arbeitsgruppe in Berlin den Entwurf eines Normungsantrages für den zweiten Teil der ISO 14002 zum Umweltthemengebiet Wasser. Hierzu fand in der Sitzungswoche ein gemeinsamer Workshop mit Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt statt, in dessen Rahmen sich 30 Experten für Umwelt- und Wassermanagement aus 14 Ländern über Nutzen, Anwendungsbereich und inhaltliche Eckpunkte austauschten. Vorbehaltlich der internationalen Zustimmung für den Vorschlag werden die Arbeiten am Teil 2 der Norm im Herbst beginnen. An Mitarbeit interessierte Fachleute sind eingeladen, sich bei Frau Dr. Wiebke Meister, dem DIN-Sekretariat, zu melden. Die Revision der ISO 14005, einer Anleitung zum Einführen eines Umweltmanagementsystems, ist beendet und wurde im Mai veröffentlicht. Die europäische Normungsorganisation CEN hat der Hinzufügung eines europäischen Anhangs zur EN ISO 14005 zugestimmt. Sie enthält die Anforderungen, die sich aus der EMAS-Verordnung (Regulation EC 1221/2009) gegenüber der ISO 14001:2015 ergeben. Die revidierte Norm legt den Fokus auf den eigentlichen Implementierungsprozess für das Umweltmanagementsystem (UMS). Dabei wird von Projekten ausgegangen, die Schritt für Schritt die Elemente eines UMS implementieren. 52 UmweltMagazin September 2019

Organschaften Im März 2019 erschien die ISO 14008 „Monetäre Bewertung von Umweltauswirkungen und damit verbundenen Umweltaspekten – Prinzipien, Anforderungen und Leitlinien“. Diese enthält Empfehlungen dazu, wie Umweltauswirkungen in Geldeinheiten bewertet werden können und welche Informationen für diese Bewertungen festgehalten werden sollten. SC2: Umweltaudit Bereits im Oktober 2018 wurde die EN ISO 19011:2018-10 veröffentlicht: ein Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen. Alle beteiligten Normungsinstitute haben dem FDIS zugestimmt. Auch wurden in der Endphase der inhaltlichen Bearbeitung zusätzliche Anleitungen für spezielle Facetten beim Auditieren ergänzt – etwa zum prozessorientierten Auditieren, zur Kontextorientierung, zur Bedeutung der Leitung, dem Berücksichtigen von Lebenszyklen, dem Auditieren der Lieferkette oder „Remote Audits“, dem Auditieren aus der Ferne. SC3: Umweltkennzeichnung Dieser Unterausschuss ist für Normen der 14020er Reihe zur Umweltkennzeichnung und -deklaration zuständig. Er hat einen Arbeitsplan zur Überarbeitung der Normen ISO 14020 (Grundsätze), ISO 14021 (Anbietererklärungen), ISO 14024 (Umweltkennzeichen), ISO 14025 (Umweltdeklarationen), ISO 14026 (Fußabdruckinformationen) und ISO/TS 14027 (Produktkategorieregeln) verabschiedet. Diese Normen sollen umstrukturiert und Inkonsistenzen beseitigt werden. Auf der SC3-Sitzung veranschaulichte Frau Dr. Eva Schmincke die erfolgreiche Nutzung verschiedener Umweltzeichen und -deklarationen. Über 12 000 Produkte und Dienstleistungen von rund 1 500 Unternehmen sind mit dem Blauen Engel ausgezeichnet, der auf ISO 14024 basiert. Rund 6 000 Umweltdeklarationen gehen derzeit in Europa auf ISO 14025 beziehungsweise die Bausektor-spezifische EN 15804 zurück. Beide ISO-Normen sind langjährig etabliert und Empfang im Berliner Zoo mit Dr. U. Jäckel (BMU), T. Votsmeier (DGQ), B. Schwager (VBU, Bosch), Dr. P. Saling (BASF), Dr. H. Wendenburg (DIN NA- GUS), v.l.n.r. durch die hohe Glaubwürdigkeit dieser Zeichen und Deklarationen erfolgreich. Dies liegt auch an der verpflichtenden Konformitätsbeurteilung durch unabhängige Dritte. Trotz Zustimmung hat Deutschland Bedenken, da bei einer grundlegenden Überarbeitung die Gefahr besteht, dass diese enge Verknüpfung zur Konformitätsbeurteilung in den überarbeiteten Normen nicht erhalten bleiben kann, da sie nicht mit den ISO/IEC-Regularien und dem im Abschnitt „Aspekte der Konformitätsbeurteilung“ beschriebenen Neutralitätsprinzip übereinstimmen. Die Delegierten haben daher entschieden, ISO/ TMB darum zu bitten, dieses Neutralitätsprinzip für die Überarbeitung von ISO 14024 und ISO 14025 auszusetzen. Des Weiteren entschied das SC3 aufgrund einer deutschen Initiative, in der ISO 14021 den Abschnitt zu Anbietererklärungen in Bezug auf Treibhausgasemissionen an die ISO 14067 „Carbon Footprint von Produkten – Anforderungen an und Leitlinien für Quantifizierung“ anzupassen. Zudem wird sich das SC3 mit Methoden zur elektronischen Kennzeichnung beschäftigen und an einer Kommunikations- und Werbestrategie für die Normen der ISO 14020er Reihe arbeiten. SC5: Ökobilanzen Das SC5 bearbeitet Basisnormen, die eine Lebenszyklusperspektive einnehmen und sich mit verschiedenen Aspekten der Ökobilanzierung befassen. Kontakt Verband der Betriebsbeauftragten (VBU) e.V. Jörg ten Eicken Alfredstraße 77-79 45130 Essen Tel.: 0201/95971-15 Fax: 0201/95971-29 info@vbu-ev.de www.vbu-ev.de Seit 2017 steht Dr. Peter Saling diesem Unterkomitee als Chairman vor. Bereits auf der Plenarsitzung 2018 wurde festgelegt, die Ausarbeitung einer normativen Änderung zur ISO 14040:2006 „Ökobilanz – Grundsätze und Rahmenbedingungen“ zu beginnen. Im Zuge dessen sind die Anpassung von Definitionen und redaktionelle Änderungen in einem Zeitraum von zwei Jahren zu bearbeiten. Die Ausrichtung der ISO 14040 bleibt dabei unverändert. In einem weiteren Arbeitspaket wird ein zweiter Anhang für die ISO 14044 „Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen“ entwickelt. Dabei werden ebenfalls die Anpassung von Definitionen und redaktionelle Änderungen in einem Zeitraum von zwei Jahren bearbeitet. Da beide Normen in engem Zusammenhang stehen, werden die Arbeiten parallel durchgeführt. Zusätzlich wird ein informativer Anhang zur ISO 14044 erarbeitet, der sich mit Allokationsverfahren befasst. Prof. Dr. Matthias Finkbeiner, TU Berlin, leitet diese beiden Normierungsvorhaben, die in einer Arbeitsgruppe zusammengefasst sind. Nach Bestätigung des Normantrags zu den Themenfeldern Allokationsverfahren sowie Wichtung und Interpretation bei LCA wurde mit der Erarbeitung einer technischen Spezifikation mit dem Titel ISO TS 14074 “Lifecycle assessment – Principles, requirements and guidelines for weighting and interpretation“ begonnen. Auch wurden während der Plenarwoche in Berlin wurden zwei Workshops veranstaltet, um den Arbeitsstand der Themenfelder im SC5 zu diskutieren und bei Bedarf neue Standardisierungsverfahren einzuleiten. Die Workshops hatten die Titel „Quantification of impacts reduction” und „Assessment of Social Impacts“. Mit jeweils 50 Personen waren die beiden Workshops sehr gut besucht und zeigten somit auch das hohe Interesse der Teilnehmer. UmweltMagazin September 2019 53

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