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09-2019

Organschaften

Organschaften Paneldiskussion zum Beitrag der Normung für die Erreichung der UN-Entwicklungsziele (SDGs) mit D. Trillos (ISO), L. Jachia (UNECE), B. E. Lönn (GEN), B. Martins Carneiro (UNEP), B. Schwager (VBU, Bosch) und Moderatorin C. Czymoch, (v.l.n.r.). SC7: Treibhausgasemissionen Die Revision der ISO 14064 Treibhausgasbilanzierung und Verifizierung konnte in allen drei Teilnormen im Zeitraum 2018 bis 2019 abgeschlossen und eine Veröffentlichung durchgeführt werden. Der weitere, die ISO 14064-3 ergänzende Standard ISO 14065 „Environmental information – Requirements for bodies validating and verifying environmental information“ befindet sich derzeit in der Umfrage zum dritten Komiteeentwurf (CD3). Zum ebenfalls zu revidierenden Technischen Bericht ISO/TR 14069 Quantification and reporting of greenhouse gas emissions for organizations – Guidance for the application of ISO 14064-1“ wurden in Berlin über 300 Kommentare besprochen. Bereits vor Beginn der Sitzungswoche trafen sich Mitglieder der „Task Force on Climate Change Coordination“ zu einem zweitägigen Arbeitstreffen. Experten zum Themenkomplex des Klimaschutzes sowie zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels haben die spezielle Aufgabe, das Technische Lenkungsgremium (TMB) von ISO hinsichtlich einer stärkeren Berücksichtigung der Klimarelevanz von Standards zu beraten. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Weiterentwicklung des geplanten ISO Guide 84 „Adressing Climate Change in Standards“ – ein Leitfaden, der sich an die Zielgruppe der Normenschreiber richtet. Die Task Force hatte zuvor einen Arbeitsentwurf fertiggestellt, der bereits den nationalen Spiegelgremien zur Kommentierung vorgelegt wurde. Die Überarbeitungen zielten vor allem auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sowie den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien als Beitrag zum aktiven Klimaschutz. Aus deutscher Perspektive war der Vermeidungsteil des vorgelegten Arbeitsentwurfs zu dürftig ausgestaltet. Dies betraf insbesondere die Vernachlässigung von Energieeffizienz - potenzialen, da Klimaschutzbeiträge durch Anwendung der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) viel zu optimistisch dargestellt wurden. Sehr positiv ist, dass nun ein eigenständiger Abschnitt zur Steigerung der Energieeffizienz im Standardtext des geplanten ISO Guide 84 integriert wurde. Überarbeitungsbedarf gibt es allerdings noch hinsichtlich der bisher vernachlässigten ökonomischen und technologischen Risiken eines möglichen Einsatzes von CCS-Technologien. Aus deutscher Expertensicht gilt es hier die Spielräume der nächsten internationalen Kommentierungsrunde durch die nationalen Spiegelgremien zu nutzen. Weitere Aspekte des SC7 waren die Erarbeitung eines neuen Standards zur Klimaneutralität sowie die Ausrichtung eines Side Events zur Vorstellung der aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der ISO-Normen zum Management von Treibhausgasen sowie der Klimafolgenanpassung. Eine solche Veranstaltung ist im Rahmen der UN-Klimakonferenz COP25 geplant, die vom 11. bis 22. November 2019 in Santiago de Chile stattfinden wird. Der internationale Standard zum Management von Klimaanpassung in Organisationen ISO 14090 „Anpassung an den Klimawandel – Grundsätze, Anforderungen und Leitlinien“ ist abgeschlossen und veröffentlicht. Die Norm unterstützt alle Phasen der Anpassung an die Folgen des Klimawandels, von der Vorbereitung und Bewertung über Planung und Umsetzung bis hin zu Bilder (3): E. A. Jung-Wolff Monitoring und Evaluierung. Gemäß Wiener Übereinkommen wird diese Norm direkt als europäischer (CEN) und nationaler Standard (DIN) übernommen und ist in Kürze verfügbar. Der unter deutscher Leitung entwickelte internationale Standard zur Bewertung von Klimarisiken ISO 14091 „Anpassung an den Klimawandel – Vulnerabilität, Folgen und Risikobewertung“ kommt gut voran. Im Frühjahr stand der zweite Komitee-Entwurf (CD2) zur Kommentierung an. Trotz prinzipieller Zustimmung gab es rund 500 internationale Rückmeldungen, die in der Arbeitsgruppe besprochen und verabschiedet wurden. Der von deutscher Seite vorgeschlagene Ansatz der Wirkungsketten wird inzwischen weltweit anerkannt. Insbesondere die Bedenken aus Australien konnten ausgeräumt werden. In den folgenden Wochen werden noch die Beispiele zur Anpassungskapazität verbessert, sodass dann der Vollentwurf (DIS) vorliegt. Nach Abstimmung der ISO-Mitglieder ist die Sitzung zur Finalisierung im April und die Veröffentlichung voraussichtlich im Herbst 2020 vorgesehen. Parallel arbeitet ISO unter japanischer Leitung an einem Technischen Standard ISO/TS 14092 für die Planung von Anpassungsaktivitäten speziell auf lokaler Ebene. Ein finaler Entwurf wird im Laufe des Sommers erwartet, der sich strukturell an der ISO 14090 anlehnt. Von deutscher Seite ist das Fraunhofer Institut (IAIS) beteiligt. Dieser TS wird nur wenige Konsultationsrunden beinhalten und daher voraussichtlich schon Anfang 2020 vorliegen. Weiterhin wurde ein erster Arbeitsentwurf (WD) zur ISO 14082 „Anleitung zur quantitativen Bestimmung und Berichterstattung von strahlungsantriebsbasierten Klimafußabdrücken und Minderungsanstrengungen“ diskutiert. Hierbei gelang es, den Themenkomplex des Managements solarer Einstrahlung, der potenziell Möglichkeiten des Geo-Engineering eröffnet hätte, aus dem Dokument heraus zu halten. Im Vorfeld war dazu von der deutschen Delegation eine nationale Position in Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern auf diesem sehr komplexen Gebiet erarbeitet worden. Der nun vorliegende Entwurf befasst sich ausnehmend mit der Entfernung von Treibhausgasen, insbesondere auch Ruß, aus der Atmosphäre. 54 UmweltMagazin September 2019

Standards Service Regeln & Normen Bild: Rainer Sturm / pixelio.de VDI 2263 Blatt 1 Staubbrände und -explosionen Die Richtlinie VDI 2263 Blatt 1 „Staubbrände und Staubexplosionen – Sicherheitstechnische Kenngrößen von Schütt gütern“ dient zur Beurteilung von Gefahren und für Maßnahmen zur Verhütung von Staubbränden und Staubexplosionen einschließlich deren gefährlicher Auswirkungen. Die Richtlinie wendet sich an Führungskräfte und Fachleute aus Industrie und Gewerbe, die sich einen Überblick über Prüfmethoden und technische Regeln verschaffen wollen. Herausgeber der Richtlinie ist die VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt (VDI-GEU). Die Richtlinie ist im Juli 2019 als Entwurf erschienen und kann ab sofort zum Preis von 99,80 € beim Beuth Verlag (www.beuth.de) in Berlin bestellt werden. VDI-Mitglieder erhalten 10 % Preisvorteil auf alle VDI-Richtlinien. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Richtlinie durch Stellungnahmen bestehen durch Nutzung des elektronischen Einspruchsportals oder durch schriftliche Mitteilung an die herausgebende Gesellschaft. Die Einspruchsfrist endet am 31. Oktober 2019. VDI-Richtlinien können in vielen öffentlichen Auslegestellen kostenfrei eingesehen werden. Weitere Informationen unter: www.vdi.de/2263 und www.vdi.de/geu Bild: FireEx Consultant VDI 2054 Rechenzentren energieeffizient betreiben Die Zeiten, in denen nur um die Machbarkeit hoher Rechenleistungen gerungen wurde, sind vorbei. Standards sind gesetzt und nach oben verschoben. In der Folge rückten andere Aspekte von Rechenzentren in den Fokus: Dazu zählen ein möglichst niedriger Energieverbrauch, eine hohe Energieeffizienz und somit auch Klimaschutz. Die VDI- Richtlinie 2054 „Raumlufttechnik – Datenverarbeitung“, kurz VDI-Lüftungsregel, setzt hier an und stellt Anforderungen an Planung, Bau und Betrieb energieeffizienter Rechenzentren dar. Ein wichtiger – wenn nicht der wichtigste – Faktor in diesem Zusammenhang ist die Wärmefreisetzung der Datenverarbeitung. Die Wärmeentwicklung liegt bei solchen Systemen um ein Vielfaches höher als bei herkömmlichen Wärmelasten wie Lampen, Sonnenlicht oder der Umgebungstemperatur. Entsprechend ist es Aufgabe der Belüftungssysteme, die Einrichtungen zur Datenverarbeitung effizient zu halten. VDI 2054 benennt bauliche und weitere Anforderungen an Lüftungssysteme, um Energieziele zu erreichen. Sie enthält auch einen Anforderungskatalog, sowie detaillierte Hinweise zur Auswahl von Kälteträgern, der Medienversorgung, der Luftführung und Integration in die Gebäudeautomation. Es werden konkrete Rechenmodelle zur Ermittlung der Gesamtkühllast, zur Ermittlung des Kühlluftvolumenstroms und der Ablufttemperatur und weitere Berechnungen vorgestellt. Die Richtlinie enthält Checklisten für den Lasttest und den Störfalltest. Der Richtlinie gilt jedoch weder für die Ableitung thermischer Lasten direkt am Rechenkern, die mit flüssigen Kälteträgern durchgeführt werden kann noch für Maschinenräume mit ständigen Arbeitsplätzen. Die VDI-Richtlinie 2054 ist für 132,20 € inkl. MWst. beim Beuth-Verlag zu bestellen. Beuth Verlag – Normen und Fachliteratur Beuth Verlag GmbH Am DIN-Platz Burggrafenstraße 6 10787 Berlin Telefon: +49 30 2601–0 Telefax: +49 30 2601–1260 kundenservice@beuth.de www.beuth.de UmweltMagazin September 2019 55

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